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09. Februar 2021

Hommage an die Schattenfrauen

Lesezeit: ca. 2 Minuten
Farbenprächtiges Lichtspektakel mit ernster Botschaft: Der Künstler Karol Hurec erinnert mit seinem LED-Objekt an Unterdrückung und Ungleichbehandlung von Frauen. (Foto: Franziska Krüger)

Das raumfüllende LED-Objekt im Glaskubus des Kunstvereins Kronach, das aus zwei großen, rot leuchtenden X-en und darüber bunt changierenden und sich kontinuierlich bewegenden Leuchtflächen besteht, ist eine Arbeit des Lichtkünstlers Karol Hurec. Der Titel: »Hommage an Mileva Marić«. Es erzählt die Geschichte der Frau, die Zeit ihres Lebens im Schatten von Albert Einstein, ihres weltberühmten Ehemannes, stand.

Wer war Mileva Marić?

Mileva Marić (1875-1948) war eine der ersten Frauen, die ein Mathematik- und Physikstudium an einer deutschsprachigen Hochschule aufnahmen und die erste Ehefrau Albert Einsteins. Um ihre Person und ihren Beitrag zu den frühen Schriften ihres Mannes rankt sich bis heute eine Vielzahl von Mythen. Als vor gut drei Jahrzehnten Einsteins private Korrespondenz veröffentlicht wurde, entbrannte unter Wissenschaftshistorikern ein Streit über den Einfluss von Mileva Marić auf Einsteins Oeuvre und insbesondere auf seine 1905 erschienene spezielle Relativitätstheorie.

1919 wird Mileva von Albert Einstein geschieden. Als Teil der Scheidungsvereinbarung gesteht ihr Albert das Preisgeld des Nobelpreises zu. Mileva Marić stirbt 1948 vereinsamt in Zürich. Das Geheimnis um den Erfolg ihres Mannes nimmt die Schattenfrau mit ins Grab.

Blick auf Rollenklischees und Ungerechtigkeit

»Die Lebensgeschichte von Milena Marić hat mich zutiefst berührt. Sie steht stellvertretend für Generationen von Frauen – und sie reicht bis in die Gegenwart«, sagt der Lichtkünstler Karol Hurec. Mit seinen Lichtobjekten will er den Blick auf die Schattenfrauen richten, die aufgrund eines überkommenen Rollenklischees und latenter Gender-Ungerechtigkeit nicht nur auf eine eigene Karriere, sondern auch auf ein eigenes Leben verzichten.

Der LED-Künstler Karol Hurec will mit seinen ästhetisch minimalistischen Objekten komplexe philosophische Themen beleuchten und sichtbar machen. (Foto: Sabine Raithel)

Hurec bezieht sich in seiner Arbeit stets auf die Wissenschaft, auf Physik, Religion und Philosophie. Immer wieder sucht er nach dem Ursprung der Welt, ringt darum, Licht und Schatten, das Alles und das Nichts zu verstehen und sichtbar zu machen. Das X ist in den aktuellen Arbeiten von Hurec ein immer wiederkehrendes Element, meist mittig platziert, meist rot leuchtend.

Offen bleibt, ob er damit den Code für das weibliche Chromosom XX meint, oder ob er dem Sog einer binären Weltformel (x=xn) folgt, die die digitale Welt des »Alles und Nichts«, der Nullen und Einser, erklärt.

Kunst kommt in den öffentlichen Raum

Das changierende Spiel farbiger Leuchtflächen oberhalb des aktuellen Objekts symbolisiert den stetigen Wandel. Wandel, der hier für Zuversicht und Hoffnung steht. »Kunst beflügelt den Geist und ist Nahrung für die Seele. In einer Zeit, in der Galerien und Museen geschlossen bleiben müssen, muss man neue, kreative Wege gehen, um Kunst zu den Menschen zu bringen«, so Willi Karl, Vorsitzender des Kronacher Kunstvereins.

»Das Lichtobjekt im Glaskubus der Galerie des Kunstvereins können alle kunstinteressierten Passanten – bei freiem Eintritt – auf sich wirken lassen. So kommt Kunst in den öffentlichen Raum.« Das Lichtobjekt ist täglich in den Abendstunden, von 18:00 bis 24:00 Uhr, beleuchtet.

www.kunstverein-kronach.de