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27. Januar 2021

Abschied von einem Pionier

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Johannes Dinnebier, 1927-2021 (Foto: Dinnebier Licht)

In seinem langen Leben gelang es ihm, viele spannende Projekte zu realisieren. Wuppertaler erinnern sich an die Rettung des verfallenen Schloss Lüntenbeck, in dem seine Firma »Dinnebier Licht« fast 50 Jahre arbeitete oder an die Beleuchtung der Stadthalle. Hier ging er mit seinen Lichtideen in Serie und baute eine eigene Manufaktur auf. Solinger denken an die Bausmühle, wo die Firma von 1965-1975 tätig und er selbst bis zum Schluss zuhause war, an die Beleuchtung des Theaters oder an den Umbau des Wasserturms Gräfrath zum »Lichtturm«. Düsseldorfer kennen ihn als Begründer von »Licht im Raum«, das schon nach dem Krieg moderne Leuchten verkaufte und Planungen durchführte.

Seine Arbeit war nicht zuletzt durch die enge Kooperation mit namhaften Architekten geprägt. Johannes Dinnebier war ein Pionier der »Lichtplanung« und konzipierte die Beleuchtung von Großprojekten wie die Flughäfen Istanbul und Moskau, und die Beleuchtung des Regierungsviertels in Riad. Er schuf stimmungsvolles Licht für zahllose Kirchen, ebenso wie für eine Moschee in Islamabad, aber auch für Säle, Läden und Wohnhäuser. Auf der Weltausstellung in Montreal war er mit einer Lichtsäule vertreten.

Als ob das nicht schon für ein pralles Lebens gereicht hätte, entdeckte Johannes Dinnebier die besonderen Qualitäten historischer Bauwerke. Eine ganze Reihe konnte er vor Verfall oder drohendem Abriss retten, wiederherstellen und neuen Nutzungen zuführen. Mit der Bausmühle restaurierte er in den frühen 1960er Jahren einen barocken Gewerbebau und Bauernhof.

Später folgte mit dem Zieleskotten erneut ein Fachwerkhaus, mit Schloss Lüntenbeck eine Gutsanlage, schließlich Wassertürme des Bauingenieurs Otto Intze in Gräfrath und Kiel. Wo andere Überlebtes, funktionslos Gewordenes sahen, da konnte Dinnebiers Kreativität ansetzen und Neues im Alten ermöglichen. Fertigstellung war ihm daher auch weniger eine Befriedigung als viel mehr ein Ausgangspunkt zum Weiterdenken. Nebenbei engagierte sich Johannes Dinnebier in der antiautoritären Bildungsbewegung mit der Gründung einer Vorschule. Der Bund Deutscher Architekten berief ihn als Mitglied. Er engagierte sich unter anderem im Deutschen Werkbund und in der Museumsinsel Hombroich.

Woher er Ansporn und Kraft nahm? Ein ungeheurer Lebens-, nein Überlebenswille dürfte in den Nöten seiner Kindheit im heutigen Tschechien und Kriegserlebnisse wie die Bombardierung von Dresden entstanden sein. Als Heimatvertriebener war er nach dem Krieg nach Kassel gekommen, ein Flüchtling, der sein Leben von Grund auf neue erfinden musste. Nach Stationen als Schuhhersteller, Eselstreiber, Barkeeper, Skilehrer und Obsthändler kam er zufällig in Berührung mit dem Leuchtenbau.

Er begann in Düsseldorf mit Leuchten zu handeln und lernte die Innenarchitektin Elisabeth Schneider (+ 2019) kennen, mit der er fortan neue Designideen erkundete. Sie gründeten ein Leuchtengeschäft, das sich schon bald zu einem Planungsbüro mauserte. Und eine Familie. Heute trauern 5 Kinder und 10 Enkel, die längst auf ihre Weise in reichen Spuren unterwegs sind, die Johannes Dinnebier hinterlassen hat.

www.dinnebier-licht.de