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08. April 2019

Das unsichtbare Dritte

Lesezeit: ca. 2 Minuten

Ein Stuhl aus Eis, darauf schemenhaft die Konturen eines Körpers. Hier hat Stephan Reusse gesessen. Die thermografische Aufnahme zeigt die Restwärme auf der Eisoberfläche wenige Minuten, nachdem der Künstler seinen Platz verlassen hat. Die geisterhaft wirkende Erscheinung ist Teil der Ausstellung »Stephan Reusse. Laser Works«, mit der das Kunstmuseum Celle noch bis 11. Juni 2019 Einblick in das Schaffen des Kölner Medienkünstlers bietet.

{{image file=«Stephan-Reusse_icechair.jpg« caption=«Stephan Reusse, Leaving Shadows / IceChair 2011, Wärme-Restbilder auf Eisblöcken, thermographische Aufnahme, C-Print (Foto: Stephan Reusse)« zoom=«true«}}

Zu sehen sind außerdem: die rot glühende Wärmeabstrahlung von Wölfen im nächtlichen Wald, Temperaturspuren des Künstlers auf Thonet-Stühlen und Wasserflecken auf Wänden, die von der Thermografie in knallrote und pinkfarbene Colorfield Paintings verwandelt werden. Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung sind Laser-Installationen mit vektorisierten Aufzeichnungen der Bewegungen von Menschen und Tieren.

»Wir sehen nicht, dass wir nicht sehen«, so hat der österreichische Physiker Heinz von Foerster die Blindheit des Menschen gegenüber den Grenzen seines Sehvermögens auf den Punkt gebracht. Reusse geht noch einen Schritt weiter und rückt ins Bewusstsein, was uns bei der Fokussierung auf das Visuelle an Wahrnehmungen entgeht. Mit Wärmebildkameras und Hochleistungslasern macht er »blinde Flecken« sichtbar, die mit den beschränkten Wahrnehmungsmöglichkeiten der Augen nicht zu erfassen sind, aber die dennoch existieren und sich auf ihr Umfeld prägend auswirken.

Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogramm gibt es unter:

www.kunst.celle.de | www.stephanreusse.com