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29. Januar 2018

Reisebericht der LiTG Bezirksgruppe Hannover

Lesezeit: ca. 5 Minuten
Teilnehmer der Exkursion vor dem Schloss Corvey.
UNESCO – Weltkulturerbe FAGUS-Werk: Architekt: Walter Gropius.

Ein erster Höhepunkt dieser Fahrt war das Fagus-Werk in Alfeld (Leine). Diese heute noch bestehende Schuhleistenfabrik (Fagus ist lateinisch für »Buche«) wurde 1911 vom Bauhausgründer Walter Gropius errichtet und gilt weltweit als Ursprungsbau der Moderne. Diese Fabrik ist das einzige UNESCO-Weltkulturerbe in Privatbesitz, das seit seiner Gründung ununterbrochen in Betrieb ist. Nach einer sehr interessanten Führung stärkten wir uns – wie üblich – mit den Lemgoer Strohsemmeln.

Burg Hardeg bei Göttingen.

Weiter ging es dann zu der kleinen, jedoch sehr eindrucksvollen romanischen Burg Hardeg bei Nörten-Hardenberg, die im 12. Jahrhundert erbaut wurde und im 14. Jahrhundert der Regierungssitz des Welfenherzogs Otto war. Der Kontrast zwischen einer »Bauhaus-Fabrik« und einer mittelalterlichen Burg ist schon beeindruckend.

Berliner Elektro-Brotlieferwagen (Fa. Wittler) der 1920er Jahre.

Das nächste Ziel war das Europäische Brotmuseum in Eberngötzen bei Göttingen. Hier wurde uns die 8000 Jahre Kulturgeschichte des Brotes geschildert – Backöfen aus der Steinzeit, der Römerzeit und des Mittelalters, vieles gibt es dort zu sehen. Was uns in die moderne Welt zurück führte, war ein Elektro-Lieferwagen der Brotfabrik Wittler/ Berlin aus den 1920er Jahren. Um die Batterien dieses Fahrzeuges auf dem Weg zu den Wohngebieten zu entlasten, konnte es an die elektrischen Straßenbahnen mechanisch und elektrisch gekoppelt werden. Wie ökologisch schon damals die Berliner waren! Nach diesem Besuch fuhren wir zu unserem Standquartier, dem »Flux-Hotel« direkt an der Werra kurz vor Hann. Münden im Weserbergland.

Hann. Münden, die Fachwerkhäuser-Stadt.
Dr. Eisenbart, mittelalterlicher Arzt aus Hann. Münden.

Am nächsten Morgen besuchten wir Hann. Münden, wo wir in einer 90-minütigen Stadtführung viel über die Geschichte dieser Stadt und ihren ca. 700 Fachwerkhäusern aus 6 Jahrhunderten erfuhren. Der legendäre Dr. Eisenbart, ein Wanderarzt und Operateur der Barockzeit, er starb hier 1727, »begegnete« uns ständig. Am nördlichen Stadtausgang erfreuten wir uns am Reim vom 31.07.1899: »Wo Werra sich und Fulda küssen, Sie ihre Namen büssen müssen. Und hier entsteht durch diesen Kuss Deutsch bis zum Meer der Weserfluss».

Sababurg, das Dornröschenschloss.

Weiter führte uns die Fahrt durch den Reinhardswald zur Sababurg, dem Dornröschen-Schloss. Der Schlossherr führte uns durch die wunderschöne Ruine. Vorbei an der Trendelburg, auch im Reinhardswald, gelangten wir nach Bad Karlshafen, wo wir uns für den Nachmittag erst einmal stärkten. Dann genossen wir eine einstündige Führung durch diese 1699 vom Landgraf Carl zu Hessen als »Hugenottenstadt« gegründete Barockstadt an der Weser. Leider ist ihre Sanierung noch nicht abgeschlossen. In dem Vorort Helmarshausen befand sich früher eine freie Reichsabtei der Benediktiner, die u.a. für ihre dort hergestellten Kunstwerke bekannt war: das Bedeutendste ist wohl das Evangeliar Heinrichs des Löwen von 1175, das 1983 für 32,5 Millionen DM von der Bundesrepublik Deutschland, dem Freistaat Bayern, dem Land Niedersachsen und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ersteigert wurde und heute in der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel zu besichtigen ist. Ein Faksimile dieses einzigartigen Werkes konnten wir in Helmarshausen bewundern.

Seite des Evangeliars Heinrichs des Löwen / Faksimile.

Zwischen Bad Karlshafen und Würgassen wanderten wir zum Abschluss der Besichtigungstour zum Weser-Skywalk, um einen sehr schönen Blick auf das Wesertal zu werfen. Dieser Tag wurde dann im Ratsbrauhaus von Hann. Münden mit gutem Essen bei guter Stimmung beendet.

Benediktiner-Abtei Bursfelde an der Weser.

Am Sonntagmorgen fuhren wir zu dem nahe gelegenen Kloster Bursfelde direkt an der Weser, einer ehemaligen 1093 gegründeten Benediktiner-Abtei. Die romanische Doppelkirche St. Thomas und St. Nikolaus hat uns sehr beeindruckt. Die überaus lebhafte, mit hohem geistigem Enthusiasmus von der Kirchenführerin Frau Brede vorgetragene, Schilderung des Klosters und des Klosterlebens hat uns sehr ergriffen. Diese Führung werden wir nicht so schnell vergessen. Heute dient das Kloster als geistliches Schulungszentrum der niedersächsischen lutherischen Landeskirche.

Unser nächstes profanes Ziel war Schloss Fürstenberg hoch über der Weser. Vor dem Mittagessen absolvierten wir eine Führung durch das hervorragend sanierte und gekonnt neu gestaltete Museum der sehr bekannten Porzellan-Manufaktur Fürstenberg – das im Frühjahr 2017 wieder eröffnet wurde. Diese Manufaktur wurde 1747 gegründet und steht für einzigartige Handwerkstechnik und exklusives Manufaktur-Porzellan.

UNESCO – Weltkulturerbe Schloss Corvey.

Das letzte Kultur-Highlight unserer Weserfahrt war dann Schloss Corvey bei Höxter an der Weser. 822 gründeten Benediktinermönche dieses Kloster, das als reichsunmittelbares Kloster im 9. und 10. Jahrhundert eines der bedeutendsten Kulturzentren im Norden Europas war. Die heutige gewaltige barocke Anlage entstand nach dem 30-jährigen Krieg in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und gehört dem fürstlichen Haus Hohenlohe-Schillingsfürst und dem herzoglichen Haus Ratibor und Corvey. 2014 wurde Corvey unter dem Titel »Das Karolingische Westwerk und die Civitas Corvey« in die Welterbeliste der UNESCO eingetragen. Natürlich ließen wir uns durch die im norddeutschen Barock errichtete Kirche mit dem überwältigenden romanischen Westwerk aus dem 9. Jahrhundert sowie durch das heute noch von der fürstlichen Familie bewohnte Schloss führen. Corvey begeistert immer wieder.

Gestaltetes Naturdenkmal: Wasserbaum von Ockensen.

Zum Abschluss unserer Exkursion an die Oberweser fuhren wir an den Iht, einem Gebirge am Ostufer der Weser zwischen Corvey und Hameln. Am Wasserbaum von Ockensen, einem niedersächsischen »Gestalteten Naturdenkmal« wurde die letzte Rast vor der Heimfahrt nach Hannover eingelegt. Dieser Wasserbaum ist ein ehemaliges fünf Meter hohes Überlaufrohr des Speichersees einer Sägemühle aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts, das heute durch von Moos überdeckte Kalkablagerungen den Besucher bezaubert.

Eine wiederum schöne erlebnisreiche, harmonische Reise in den Süden von Niedersachsen war zu Ende. Die nächste Fahrt wird uns vom 03. bis 05. August 2018 an die Ostsee zwischen Lübeck und Rostock führen.

Autor/Fotos: Helmut D. Range, Lemgo