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25. August 2016

Berlin leuchtet auf

Lesezeit: ca. 7 Minuten

Kapitel 1

Abb.: Seit 1995 und bereits in der dritten Generation wird das Traditionsunternehmen Hans Boehlke Elektroinstallationen GmbH von Andreas Boehlke geleitet. Foto: Top Magazin Berlin/Sascha Radke

Wenn Berlin während der Weihnachtszeit in einem Lichtermeer versinkt, wenn Berlin im Oktober wieder »leuchtet« oder das Brandenburger Tor zu bestimmten Anlässen farbig illuminiert wird, dann wissen viele Berliner, dass der »Boehlke« dahintersteckt. Seit 1995 wird das Traditionsunternehmen Hans Boehlke Elektroinstallationen GmbH bereits in der dritten Generation von dem Lichtdesigner Andreas Boehlke als Geschäftsführer geleitet. Die 1946 von seinem Großvater Hans Boehlke gegründete Firma feiert dieses Jahr ihr 70-jähriges Jubiläum. Vater Peter führte die Firma ins Messegeschäft, wo insbesondere zeitpunktgenaue Leistungserbringung als auch anspruchsvolle Lichtkonzepte gefragt waren; in diesem Bereich etablierte sich zuerst die Mietbeleuchtung. Dies hat die Firma zu ihrem Tagesgeschäft gemacht und ist damit geschätzter Zulieferer für Mietbeleuchtung mit Deutschlands größtem Sortiment für Messen und Veranstaltungen. Aber auch abseits des Lichts engagiert sich Andreas Boehlke und ist in über 20 Netzwerken tätig, u.a. als Vorsitzender in der City Stiftung Berlin oder im Lions Club Berlin. Und auch das soziale Engagement liegt dem glücklich verheirateten Vater von vier Kindern sehr am Herzen.

LICHT: Herr Boehlke, Ihre Firma feiert dieses Jahr das 70. Jubiläum. Wie fing alles an und wie kamen Sie eigentlich zum Licht?
Andreas Boehlke: Mein Großvater Hans und dessen Bruder hatten nach dem Krieg eine Funkhütte gegründet und Röhrenradios repariert. Mit Gründung der »Boehlke Beleuchtungstechnik« waren sie überwiegend im Ladenbau tätig und fingen bereits vor 60 Jahren mit der Beleuchtung von Messeständen an. Damals gab es mit konventionellen Leuchten natürlich nicht viel Spielraum, aber es war trotzdem eine kreative und spannende Zeit. Mein Vater hat das Unternehmen dann weiter ausgebaut. Als gelernter Elektroinstallateur stieg ich vor gut 35 Jahren in die Firma meines Vaters ein und leite das Unternehmen heute. Ich wurde damals in das mir noch unbekannte Messegeschäft »ins kalte Wasser geschmissen«. Doch auf den vielen Messen, auf denen ich weltweit unterwegs war, durfte ich Land, Leute und Kultur kennenlernen. Das, was ich in dieser Zeit und von diesen Menschen gelernt habe, ist für mich heute unverzichtbar – das Improvisieren, Erfinderische und die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen.
Heute fasziniert mich natürlich die »Generation LED«. Designer und Planer haben nahezu grenzenlose Möglichkeiten, ihre Ideen zu realisieren. Das zeigt sich auch bei uns, denn neben der langjährigen Erfahrung und Kreativität, lautet bei uns das Motto »Geht nicht gibt’s nicht!«. Neben rund 23 festen Mitarbeitern arbeiten wir mit vielen Subunternehmern zusammen, die sich schon seit Jahren mit unserer Firma identifizieren.

»Improvisieren, erfinderisch sein und
die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen,
sind für meine Arbeit unverzichtbar.«

LICHT: Sie starteten bereits früh mit dem Konzept der Mietbeleuchtung für Großveranstaltungen und Messen. Welche Vorteile bieten Sie den Kunden damit?
Andreas Boehlke: Über das Messegeschäft haben wir frühzeitig angefangen, Produkte zu vermieten. Wir führen einen riesigen Mietfundus an Leuchten, Elektromaterial und übrigens auch an Weihnachtsbäumen und -dekoration. Das sind Motive, die jedes Jahr auftauchen und nicht aus der Mode kommen – die jeder braucht, aber nicht unbedingt teuer erwerben möchte. Die Mietbeleuchtung ist bezahl- und berechenbar, und spart Kosten und Zeit, da man auch keine Lagerhaltung hat. Der Kunde bekommt alles fix und fertig und den vollen Service. Und sollte etwas nicht funktionieren, dann sind wir schnell vor Ort und beheben den Fehler.

Abb.: Videomapping am Berliner Dom anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins. Foto: Andreas Boehlke

LICHT: Die Berliner Weihnachtsbeleuchtung ist unmittelbar mit Ihrem Namen verbunden. Die alljährliche Veranstaltung ist nicht nur eine logistische Meisterleistung. Was macht diese Weihnachtsbeleuchtung so besonders?
Andreas Boehlke: Seit über 20 Jahren realisieren wir die Festbeleuchtung für Berlin. Während dieser Zeit beschäftigen wir rund 300 Mitarbeiter, die die Beleuchtung professionell umsetzen. Wir haben viele Stammkunden und beleuchten alle größeren Straßenzüge, große Fassaden und dekorativen Stände, z.B. in Charlottenburg oder am Gendarmenmarkt. Die Vertrauensbasis bei Kunden und Subunternehmern ist wirklich großartig. Was die Berliner Weihnachtsbeleuchtung so besonders macht? Viele besondere Einzelkunstobjekte, die die Menschen jedesmal aufs Neue beeindrucken, wie z.B. die riesige, leuchtende Eisenbahn oder der große Nußknacker. Außerdem beleuchten wir extrem lange Straßenzüge.
Der Ku’damm ist zu dieser Zeit der wohl längste beleuchtete Boulevard der Welt. Wenn 650 Bäume annähernd gleich illuminiert werden müssen, ist das nicht nur eine logistische Herausforderung. Am Ende werden die Besucher aber mit einem beeindruckenden Lichter- und Sternenmeer belohnt. Viele Besucher freuen sich Jahr für Jahr, bekannte Motive zu sehen, aber auch neue Highlights zu entdecken.[media type="image" id="8096" link="" caption=""] Abb.: Innenbeleuchtung mit Lichtobjekt für das Abgeordnetenhaus in Berlin.
Foto: Maximilian Gerz

LICHT: Seit 2013 findet das Lichtfestival »Berlin leuchtet« statt, bei dem Sie u.a. Initiator sind. Wie entstand die Idee dazu und was unterscheidet das Festival von anderen?
Andreas Boehlke: Hier muss ich ein wenig ausholen: 2004 gründeten wir das 1. Lichter-Fest der Stadt Berlin und die Initiative der City Stiftung Berlin. 2005 haben wir dann das »Festival of Lights« ins Leben gerufen. Ziel war es, im Herbst, wenn die Tage kürzer werden, eine öffentlich zugängliche Veranstaltung für die Bundeshauptstadt zu kreieren, die Berlin und seinen Besuchern zu Beginn der kälteren Jahreszeit Wärme spendet und dabei viele Wahrzeichen, Gebäude, Plätze und ganze Straßenzüge in »ein neues Licht« rückt. Seit 2013 heißt mein neuestes Projekt »Berlin leuchtet«, für das ich als Light Art Director und Kurator verantwortlich zeichne. Bei diesem Projekt ist der kreative Austausch unter den Künstlern und Mitveranstaltern unglaublich groß. Mit dem Motto »Light of Change« begleiteten wir im letzten Jahr die deutsche Eröffnungsfeier des UNESCO-Jahrs des Lichts in Berlin. Unter dem Motto »Licht verbindet« werden wir in diesem Jahr vom 30. September bis 16. Oktober wieder die ganze Stadt ins Licht tauchen. Im letzten Jahr beleuchteten wir unter anderem das Rathaus Schöneberg, das Theater des Westens, den Potsdamer Platz, den Funk- und Fernsehturm, den Gendarmenmarkt, die Siemensstadt und die Oberbaumbrücke. Licht ist nicht nur ein Beleuchtungsinstrument, sondern ein Medium – und »Licht lockt Leute!«. Wir erwecken Gebäude nachts zum Leben, die sonst tagsüber recht trist und grau aussehen.[media type="image" id="8097" link="" caption=""] Abb.: In Gedenken an die Opfer von Terroranschlägen wurde das Brandenburger Tor mit den Farben der jeweiligen Flaggen oder Organisationen illuminiert.
Fotos: Andreas Boehlke, Dieter Baganz

LICHT: Seit diesem Jahr kooperiert »Berlin leuchtet« mit dem Lichtfestival »Kronach leuchtet«. Für eine kleinere Stadt wie Kronach ist ein Lichtfestival sicherlich ein wichtiges Stadtmarketinginstrument. Provokant gefragt: Braucht eine Stadt wie Berlin ein großes Lichtspektakel?
Andreas Boehlke: Berlin hat 1500 Veranstaltungen pro Tag – das kann man sich kaum vorstellen! Aber dieses kulturelle Angebot braucht eine Hauptstadt. Bei Veranstaltungen, wie Lichtfestivals, geht es darum, die Stadt »voranzubringen« und zu unterstützen; damit Bürgerinnen und Bürger sich mit ihrer Stadt oder ihrem Viertel identifizieren können, und um bei Besuchern und Touristen einen guten und bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Bei »Berlin leuchtet« geht es mir um die »Liebe zur Stadt«, die Künstler zu unterstützen, die Stadt zu verschönern und das Festival auch international bekannter zu machen. Da gibt es mit den Lichterfesten in Lyon, Amsterdam oder Sydney tolle Beispiele in der ganzen Welt. Das Potential hier in der Hauptstadt ist groß, es gibt viele Gebäude und Plätze, die man inszenieren kann. Wir kooperieren auch mit anderen Städten zusammen, wie Frankfurt oder Baltimore, und seit letztem Jahr nun auch mit »Kronach leuchtet«, was ich besonders spannend finde!

Abb.: Große Lichtkunstobjekte versetzen Besucher und Bewohner während der alljährlichen Berliner Weihnachtsbeleuchtung Jahr für Jahr ins Staunen. Foto: Dieter Baganz

LICHT: Wie laufen die Vorbereitungen für eine temporäre Beleuchtung ab?
Andreas Boehlke: Es gibt natürlich erst mal grundlegende Vorgaben, insbesondere was technische und rechtliche Rahmenbedingungen sowie Sicherheitsmaßnahmen betreffen. Vor Ort schaue ich mir die Situation genau an und welche Objekte beleuchtet werden können – im aktuellen Fall waren dies Denkmäler und Gebäude für das Sommerfest des Bundespräsidenten. Dann erfolgt ein umfassendes Beratungsgespräch, um für den Auftraggeber ein stimmiges Konzept entwerfen zu können. Oft gibt es einen historischen Bezug oder eine Story, die man mit einer Lichtprojektion erzählen oder unterstreichen kann. Oder aber der Kunde möchte von vornherein sein Logo, Wappen oder die Farben einer Flagge mit in das Konzept einfließen lassen. Und oft lassen uns die Kunden freie Hand – und bisher waren mit dem Ergebnis alle äußerst zufrieden!

LICHT: Welches bekannte Gebäude oder Wahrzeichen würden Sie gerne einmal beleuchten?
Andreas Boehlke: Da denke ich an kein konkretes Denkmal oder Gebäude. Jede Aufgabe ist für sich lohnenswert und schön; egal ob berühmt, monumental, klein oder privat. Jedes Projekt ist für sich einzigartig!

LICHT: Herr Boehlke, vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Informationen:
BOEHLKE Beleuchtungstechnik, Berlin, www.boehlke-beleuchtung.de
Andreas Boehlke Lichtdesign, Berlin, www.ab-lichtdesign.de
Berlin leuchtet 2016
30. September bis 16. Oktober
www.berlin-leuchtet.com