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10. Juni 2016

Tobias Krüger Geschäftsführender Gesellschafter der nmd – Licht am Bau GmbH

Lesezeit: ca. 5 Minuten
Abb.: Lichtringe im Ruhrpark Bochum. Unter einer Überdachung hängen Lichtringe mit Durchmessern von drei bis neun Metern in bis zu 23 Meter Höhe. Die Lichtringe sind mit RGB-W LED-Modulen bestückt. Je nach Event kann ein kompletter Farbwechsel oder ein Farbverlauf innerhalb der einzelnen Ringe realisiert werden.
Abb.: Die geschäftsführenden Gesellschafter der nmd - Licht am Bau GmbH: Tobias Krüger (li.) und Andreas Krawczyk (re.).

LICHT: Ab wann haben Sie sich mit dem Medium Licht beschäftigt? Welche Gründe gab es für Ihr Interesse an dem Thema?
Tobias Krüger: Ich habe eine Ausbildung zum Elektromechaniker absolviert. Danach war ich auf der Suche nach einer Festanstellung und Neon Müller Dresden (nmd) nach einem Elektromechaniker. Die Firma war zu der Zeit in der Lichtwerbung aktiv und baute zusätzlich das Geschäftsfeld Architekturbeleuchtung auf. In diesem Zusammenhang wurden und werden unter anderem Neon-Röhren und Niederspannungs-Leuchtstofflampen selbst hergestellt. So kam ich zum Licht.

LICHT: Herr Krüger, Sie haben das Postgradualstudium an der TU Ilmenau absolviert. Inwieweit war die Weiterbildung inhaltlich für Ihr Berufsbild entscheidend? Welche Grundlagen wurden geschaffen?
Tobias Krüger: Bei nmd – Licht am Bau hatte ich meinen Handwerksmeister in Elektrotechnik absolviert und danach das Postgradualstudium »Lichtanwendung« an der Technischen Universität Ilmenau besucht. Vor dem Postgradualstudium war Licht vorhanden, weil Strom floss. Nach der Weiterbildung war es Licht mit speziellen Charakte­ristiken. Ich konnte es berechnen, die Zusammenhänge zwischen Lichtstrom, Lichtstärke und Leuchtdichte verstehen. Mir wurde klar, wie und warum man welche Bereiche ausleuchtet. Alle essentiellen Grundlagen zum Thema Beleuchtungstechnik sind vermittelt worden.

LICHT: Welche Themen begegnen Ihnen in der Praxis?
Tobias Krüger: nmd – Licht am Bau sieht sich als kompetenter Partner für Architekten und Lichtplaner. Wir fertigen und montieren spezielle Beleuchtungstechnik für alle Formen räumlichen Gestaltens. Gemeinsam mit den Auftraggebern entwickeln wir Designerleuchten auf Grundlage von Leuchtstofflampen- oder LED-Technik und setzen deren kreative Formsprache in die Praxis um. Wir betreuen unsere Projekte in enger Abstimmung mit den Kunden und je nach Wunsch vom Entwurf über Konstruktion und Fertigung bis hin zur Montage sowie jährlicher Wartung. Unser Schwerpunkt liegt in der Spezial- und Sonderanfertigung. Aus der Historie heraus hatten wir uns über 70 Jahre auf dem Gebiet der Lichtwerbung betätigt. Ab dem Jahre 1999 kam die Beleuchtungstechnik hinzu. Es wurden viele Projekte mit Leuchtstofflampen realisiert, diese wurden später farbig und letztendlich durch LED ersetzt.
Ich betreue Sonderlösungen, deren Grundlage umfassende Steuerungs­technik ist. Das Projekt – Lichtringe im Ruhrpark Bochum (siehe Abbildung), ist ein Beispiel dafür. Unter einer Überdachung hängen riesige Lichtringe in bis zu 23 Metern Höhe und mit Durchmessern von drei bis neun Metern. Wir haben die Leuchten gemäß der Idee des Planungsbüros Sekles in unserem Haus konstruiert, gefertigt und vor Ort montiert. Die Lichtringe sind mit RGB-W LED-Modulen bestückt. Die Ansteuerung erfolgt über DMX. Je nach Event kann ein kompletter Farbwechsel oder ein Farbverlauf innerhalb der einzelnen Ringe realisiert werden. Im Moment arbeiten wir auch an der Fertigstellung einer LED-Pixeldecke mit 405 LED-Pixeln, die einzeln von der Decke abgehängt werden und in Wellenform angeordnet sind. Die Installation im Einkaufszentrum »Höfe am Brühl« wird ab Ende Mai 2016 die Besucher in Leipzig unterhalten. Die Ansteuerung der einzelnen LEDs erfolgt wahlweise über Musik-, Kameraauswertung oder durch die Bespielung mit einprogrammierten grafischen Elementen. Das Projekt ist mechanisch einfach umzusetzen, aber die komplexe Ansteuerung hat es in sich.

Abb.: Shoppingcenter "Riem Arcaden" in München. Umsetzung der Lichtplanung und Sonderbeleuchtung des Planungsbüros Sekles Berlin. Die speziell konzipierten Ringleuchten haben einen Durchmesser von einem bis knapp zwei Metern und sind als Pendel- und Anbauleuchten verbaut worden.

LICHT: Können Sie die entstandenen Sonderlösungen in anderen Projekten einsetzen?
Tobias Krüger: Im Projektgeschäft entstehen die verschiedensten Sonderleuchten, die meist nur einmal gefertigt werden. Eine Sonderlösung bringt in der Regel eine aufwendige Planungsphase mit sich, was sich auch in der zeitlich intensiveren Umsetzung des Projektes wiederspiegelt. Aus diesem Grund sind wir bemüht, Produkte, die bei Projektausführungen entstehen, später als Serienkomponenten einzusetzen. Durch die Verwendung von Standardelementen kann die Bearbeitungszeit wesentlich kürzer und effektiver gestaltet werden.

»Vor dem Postgradualstudium war Licht vorhanden, weil Strom floss. Nach der Weiterbildung war es Licht mit speziellen Charakteristiken.«

LICHT: Zu welchen Gewerken oder Berufsgruppen gibt es Schnittstellen?
Tobias Krüger: Wir arbeiten mit verschiedenen Partnern zusammen. Je nach Aufgabe sind das Planer, Designer, Statiker sowie Zulieferer aus der Leuchtenindustrie, Metall, Glas und viele andere…

LICHT: Welche Standards, Richtlinien und Vorgaben müssen bei Ihrer Arbeit eingehalten werden?
Tobias Krüger: Die Lichtkörper müssen alle gesetzlichen Vorgaben und gültigen Standards einhalten. In dem Fall des Leipziger Einkaufs­zentrums gilt es, ein Brandschutzgutachten zu befolgen. Bei Vorgaben zur Brandschutzklasse A2 zum Beispiel, blieb uns hier nur die Möglichkeit mit Glas und Metall zu arbeiten. Die vorgesehene Leuchtenkonstruktion schicken wir an den zuständigen Brandschutzgutachter, der die geplanten Materialien überprüft und freigibt. Bei anderen Projekten müssen Genehmigungsstatiken erstellt werden. Diese Unterlagen erstellen wir im Zuge der Ausführungs­planung. Die Lösungen entwickeln sich im Laufe der Projektbearbeitung in enger Absprache mit allen Beteiligten. Die bauseitigen Voraussetzungen wie vorhandene Zuleitungen, Steuerung sowie die Wünsche unserer Kunden ergeben die Rahmenbedingung, mit denen wir arbeiten.

LICHT: Welche Informationen sind nötig, um erfolgreiche Projekte realisieren zu können?
Tobias Krüger: Der Planer, Architekt oder Künstler gibt uns Zeichnungen und Skizzen mit dem gewünschten Erscheinungsbild und den zu realisierenden Effekten. Wir beraten unsere Auftraggeber bezüglich der Umsetzbarkeit und den Möglichkeiten – (licht-)technisch, mechanisch sowie bezogen auf die Kosten. Danach werden erste Entwürfe erarbeitet und gegebenfalls Muster erstellt. Entsprechen Details nicht den Vorstellungen des Planers, werden diese geändert, es entsteht sukzessive das Endprodukt. Das sind Projekte, die wir häufig realisieren, darin liegt unsere Stärke. Der Termin zur Lieferung oder Montage vor Ort steht dabei oft von Anfang an fest. Der Auftraggeber betrachtet nach der Umsetzung das Lichtobjekt und findet seine Idee super und wir finden es toll, wie wir die Vorgaben in die Realität umgesetzt haben (lacht).

LICHT: Was möchten Sie Interessenten des Postgradualstudiums an der TU Ilmenau mitgeben?
Tobias Krüger: Das Postgradualstudium an der TU Ilmenau ist eine sehr gute Grundlage um sein Wissen im Bereich Licht- und Beleuchtungs­technik aufzubauen. Man kommt mit Fachkollegen zusammen, die im Kontext Licht arbeiten. Wenn man sich das Wissen selbst erarbeiten müsste, wäre das erstens nicht möglich und zweitens profitiert man von dem Austausch, der vor Ort stattfindet. Das Netzwerk bleibt meist über Jahre bestehen.

LICHT: Herr Krüger, herzlichen Dank für das Gespräch.

Abb.: Lichtwerbung Centrum Galerie Dresden. Nach vorn und seitlich leuchtende, zweiteilige Vollreliefbuchstaben aus Acrylglas, die auf einem flachen Aluminium-Boden aufgesteckt und seitlich verschraubt werden. Die Ausleuchtung erfolgt mittels LED-Modultechnik.

Weitere Informationen:
Text: Monique Hanisch, freie Redakteurin, www.lichtyovo.com
Fotos: nmd – Licht am Bau