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18. März 2016

Exzentrischer Überbau

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Kapitel 1

Abb.: Das Exzenterhaus in Bochum verbindet einen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg mit einem modernen Bürogebäude. LED-Leuchten strahlen die Unteransichten der zueinander versetzten vertikalen Gebäudeabschnitte an. Die originelle Architektur des Baus entfaltet so auch nachts ihre Wirkung.

Schwieriges Erbe

Bis zu 3000 Personen suchten in dem 1942 errichteten Rundbunker in der Bochumer Universitätsstraße Schutz bei Luftangriffen. Mit seinen zwei Meter dicken Wänden und der massiven Stahlbetondecke hat der Bau während der letzten drei Kriegsjahre sicherlich vielen Menschen das Leben gerettet. Nach Kriegsende allerdings verlor der siebengeschossige Hochbunker seine Funktion und galt – von einigen sporadischen Zwischennutzungen abgesehen – eher als Hindernis in der Stadtentwicklung. Ändern sollte sich dies erst, als die Stadt Bochum 1999 einen Investorenwettbewerb für das denkmalgeschützte Gebäude ausschrieb und letztlich einer Idee den Zuschlag gab, die den alten Bunker als Basis für ein modernes Hochhaus nutzt.

Abb.: Der unter Denkmalschutz stehende Bunker dient heute als Foyer für die 15 Büroetagen. Mit 89 m ist das Exzenterhaus das höchste Gebäude der Region.

Verdrehte Ovale

Nach einem Entwurf des Berliner Architekten Gerhard Spangenberg sind auf den 22 m hohen Bunker 15 Geschosse aufgesetzt worden. Entstanden ist so das höchste Bürogebäude in der Region, weithin sichtbar entfaltet es Landmark-Qualitäten. Die starke Präsenz des Baus speist sich aber nicht nur aus seinen 89 m Höhe, sondern auch aus der inspirierten Architektur. Sie ist vom interessanten Kontrast aus Alt und Neu und einem spannungsreichen Formenspiel geprägt. Über den massigen Bunkerkörper, der heute als Lobby dient, stapeln sich drei transparente Gebäudeabschnitte mit jeweils fünf Büroetagen. Mit ihren ovalen Grundrissen sind die Abschnitte um die Mittelachse des Baus verdreht angeordnet. Das Ergebnis hat dem Gebäude seinen Namen gegeben: Hier steht kein einfacher zylindrischer Büroturm, sondern ein schwungvolles Exzenterhaus.

Abb.: Angesichts der Montage unter freiem Himmel und in beträchtlichen Höhen war ihre Robustheit ein wesentliches Kriterium bei der Entscheidung für die "München LED". Zusammen mit den langlebigen LED-Lichtquellen werden die Leuchten ohne Wartungsarbeiten lange Zeit zuverlässig funktionieren.

Changierende Reflexionen am Tag

Noch mehr Lebendigkeit bezieht der Bau aus seiner rundum verglasten Fassade. 4000 m2 Dreifach-Isolierglas sorgen für optimalen Sonnenschutz. Vor Blendeffekten im Innern schützt eine zusätzliche Beschichtung, die von der Süd- zur Nordseite abnimmt. Hoch reflektierend verleiht sie dem Gebäude eine changierende Ansicht, in der sich der Himmel über Bochum schillernd spiegelt.

Abb.: Am Tag sorgt die Beschichtung der Sonnenschutzgläser für changierende Effekte auf der Fassade. Bei Dunkelheit setzt die LED-Beleuchtung der markant auskragenden Sichtbetonflächen einen attraktiven Akzent.

Effektvolles Architekturlicht in der Nacht

Licht prägt die Wahrnehmung des Gebäudes auch nach Sonnenuntergang ganz entscheidend mit. LED-Leuchten fluten dann die elliptischen Unterseiten der drei vertikalen Gebäudeabschnitte. Ihre auskragenden Sichtbetonflächen sind sowohl von nahen als auch entfernteren Blickpunkten wichtige gestalterische Elemente der Architektur. »Es lag nahe, diese Flächen für die Architekturbeleuchtung zu nutzen, denn die typische Blickrichtung auf ein Hochhaus ist die von unten nach oben«, erklärt Alexander Haccius vom Planungsbüro Kleinmann Engineering.

Enge Vorgaben an Lichttechnik und Bauform

Nicht viel Spielraum gab es bei der Auswahl des Montageortes der Leuchten. Sie mussten in relativ geringem Abstand zu den Sichtbeton-flächen und dem geschwungenen Fassadenverlauf folgend platziert werden. Diese gebäudeseitigen Vorgaben definierten klare Anforderungen an die Leuchten. Um die Flächen aus geringer Distanz exakt auszuleuchten und Streulicht sowohl in den Büros als in den Nachthimmel zu vermeiden, waren Leuchten mit asymmetrischer Lichtverteilung gefragt. Gleichzeitig durften die Leuchtenkörper nicht zu lang sein, um den Kreisbogen der Fassade nachzeichnen zu können, und sie sollten eine flache Bauform haben, damit sie sich möglichst unauffällig in die Gebäudeansicht einfügen.
Mit ihren 600 mm Länge, nur 80 mm Höhe und einem Aluminiumreflektor mit exakter, asymmetrischer Lichtverteilung erfüllt die Leuchte »München LED« von Norka diese Erwartungen der Planer genau. Darüber hinaus ermöglicht ihre gute Lichtausbeute und der hohe Betriebswirkungsgrad (LOR) von 96% eine sehr energieeffiziente Lösung. Am Exzenterhaus genügen insgesamt 66 Exemplare der »München LED« mit je 26 W Anschlusswert, um die drei großen Flächen effektvoll aufzuhellen. Die transopale Abdeckung der Leuchten löst die einzelnen Lichtpunkte der LED-Lichtquelle zu einer Fläche auf. Trotz der großen Lumenpakete ist die Leuchtdichte somit moderat. Das vermeidet, dass Personen geblendet werden, wenn sie von höher liegenden Balkons auf die Leuchten schauen.

Gute Funktion auch bei schlechtem Wetter

»Wir haben uns für die Norka-Leuchten vor allem auch wegen ihrer Langlebigkeit, insbesondere unter extremen Umgebungsbedingungen entschieden«, führt Alexander Haccius ein wichtiges Kriterium für die Leuchtenauswahl bei diesem Projekt an. Die Leuchten sind hier in bis zu 70 m Höhe außen am Gebäude montiert und permanent der Witterung ausgesetzt. Starke Sonneneinstrahlung, Temperaturschwankungen, Starkregen oder Hagelschlag heißen die Widrigkeiten, denen die Architekturbeleuchtung am Exzenterhaus trotzen muss. Ungeachtet der rauen Umgebung erwartet der Betreiber aber möglichst lange Lebensdauern, denn Wartungsarbeiten sind an den schwer zugänglichen Orten besonders aufwendig und teuer.
Norka als Experte für solche Einsatzbereiche konnte hier das passende Produkt liefern: Die »München LED« hat ein schlagzähes Gehäuse aus PMMA. Ihr kurzes Dichtungssystem aus alterungsbeständigem Silikon-/Synthese-Kautschuk schützt den Leuchteninneraum auch bei starken Temperaturschwankungen vor Betauung. Die Leuchte ist kältefest bis -25°C und für Umgebungstemperaturen bis +40°C ausgelegt. Die thermische Trennung von Lampen- und Geräteraum optimiert die Betriebsbedingungen für die LED-Lichtquellen, die im Vergleich zu konventionellen Lampen eine vielfach längere Lebensdauer aufweisen. Lampenwechsel oder Leuchtenaustausch in luftiger Höhe sind so bald also nicht zu befürchten.

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Bauherr: Exzenterhaus Bochum GmbH Co. KG, www.exzenterhaus.com
Architekt: Gerhard Spangenberg, Berlin, www.gerhardspangenberg.de
Lichtplanung: Kleinmann Engineering, Dortmund, www.kleinmann-eng.de
Leuchten: Norka, Hamburg, www.norka.de
Fotos: Christian Günther für Norka

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