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11. März 2016

Ein leuchtender Kristall

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Kapitel 1

Abb.: Die dynamische LED-Beleuchtung verwandelt die neue Philharmonie in Stettin nachts zu einem leuchtenden Kristall.

Die Stadt an der Oder steht bei Touristen in Polen meist nicht auf dem Programm, im Gegensatz zu den beliebten Reisezielen Krakau, Warschau oder Breslau. Doch erweist sich Stettin im Gegensatz zu diesen »herausgeputzten« Städten als »unfertig« und besonders authentisch. Denn gerade hier findet der Besucher noch unentdeckte Schätze der Architektur. Stettin (poln. Szczecin), die Hauptstadt der Wojewodschaft Westpommern, wird aufgrund seiner großzügigen Alleen und sternförmigen Plätze, die nach dem Vorbild der französischen Hauptstadt im 19. Jahrhundert erbaut wurden, oft auch »Paris des Nordens« genannt. Zu den Wahrzeichen zählen u.a. das wiederaufgebaute Schloss der Pommerschen Herzöge, die Hakenterrasse oder die gotische Jakobskathedrale. Ansprechend sanierte Gründerzeithäuser und Jugendstilvillen im »Pariser Viertel« , das neu aufgebaute Altstadtviertel oder die Hafenlandschaft mit Kränen und Speichern prägen das Gesicht der Stadt. Die Nähe zum Wasser und die vielen Park- und Grünanlagen machen Stettin zu einem attraktiven Wohn- und Arbeitsort. Die Bewohner schätzen die zahlreichen Shopping Malls ebenso wie das ausgeprägte kulturelle Angebot. Weniger bekannt dürfte das wohl älteste Lichtspielhaus der Welt sein: Das Kino »Pionier« wurde 1909 als »Helios-Welt-Kino-Theater« eröffnet und schreibt auch heute noch ein Stück Filmgeschichte.

Abb.: Für besondere Veranstaltungen oder Feiertage sind spezielle dynamische sowie statische Szenen abrufbar. Dabei registriert ein Sensor den Sonnenuntergang, startet die Sequenzen am Ende des Tages und stoppt um Mitternacht.
Abb.: Die dynamische LED-Beleuchtung verwandelt die neue Philharmonie in Stettin nachts zu einem leuchtenden Kristall.[/caption][media type="image" id="7834" link="" caption=""]

Musik für die Augen

Bisher gab es in Stettin allerdings noch wenig vorzeigbare moderne Architektur. Doch seit gut einem Jahr kann sich die Stadt mit einem neuen Wahrzeichen sehen lassen. Die neue Mieczyslaw-Karlowicz-Philharmonie wurde anstelle des Konzerthauses errichtet, das an diesem Ort vor dem Zweiten Weltkrieg stand. Das im September 2014 feierlich eingeweihte Gebäude entstand an der Stelle der 1962 abgebrochenen Ruine des von Franz Schwechten 1884 errichteten Konzerthauses. Bis dahin traten die Musiker im Saal des Stettiner Rathauses auf. Die neue Philharmonie beherbergt zwei Konzertsäle mit 953 und 192 Plätzen. Auf der Bühne ist Raum für 120 Musiker und 110 Sänger. Die Architektur verbindet Historie und Modernität und ließ sich von der damaligen Lage des Konzerthauses und der historischen Bebauung inspirieren. Der mit Glastafeln verkleidete, transluzente Bau greift mit seinen expressiven Spitzen die historischen Steildächer der wiederaufgebauten Altstadt auf. Entworfen vom spanisch-italienischen Architekturbüro Barozzi Veiga aus Barcelona wurde die Philharmonie mit dem renommierten »Mies van der Rohe Award 2015«, dem Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur, ausgezeichnet.

Im Innern erwartet den Besucher eine reduzierte Gestaltung mit klaren Formen, wenig Farbe und einer zurückhaltenden Beleuchtung. Betritt man das Foyer, so taucht der Gast bereits in eine stillere Welt ein. Ganz anders wirkt das Gebäude von außen. Eindrucksvoll schießen dutzende weiße Blöcke mit Spitzdächern in die Höhe. Die Philharmonie wirkt expressiv und lebendig, denn ihr äußeres Erscheinungsbild ändert sich in Abhängigkeit von Jahreszeiten, dem Himmel und der Stadt. Spektakulär wird es dann nach Einbruch der Dunkelheit, wenn die dynamisch steuerbare, farbwechselnde LED-Beleuchtung das Bauwerk erstrahlen lässt. In der Dämmerung und Dunkelheit leuchtet das Volumen von innen heraus oder kann durch die integrierte LED-Medien- und Fassadenbeleuchtung vielfarbig inszeniert werden. Der Architekt vergleicht das äußere Erscheinungsbild mit dem weichen Licht japanischer Papier-Lampions.[media type="image" id="7835" link="" caption="Abb.: Die LED-Dots sind an flexiblen Kabeln zwischen den Wänden des Gebäudes und der Glasummantelung befestigt und lassen das reflektierte Licht aus dem Hohlraum erstrahlen. Jeder Dot beinhaltet drei RGB-LEDs und ist einzeln steuerbar."]

Sensorbasierte Lichtsteuerung

Anstelle der ursprünglich vorgesehenen Leuchtstofflampen enthält die dynamische LED-Lösung 25.000 kundenspezifisch gefertigte Traxon »Dot XL-3 RGB«. Diese sind an flexiblen Kabeln zwischen den Wänden des Gebäudes und der Glasummantelung befestigt und lassen das reflektierte Licht aus dem Hohlraum erstrahlen. Jeder Dot beinhaltet drei RGB-LEDs und ist einzeln steuerbar, sodass Text, Grafiken und Videoinhalte optimal wiedergegeben werden. Die Installation wird durch ein e:cue Steuerungssystem mit einer Kombination aus Lighting Control Engine 2 fx, Butler XT, und Video Micro Converter gesteuert und liefert programmierte Inhalte. Dabei sind für Feiertage, wie etwa den Tag der Unabhängigkeit, und für besondere Veranstaltungen und Konzerte spezielle dynamische sowie statische Szenen abrufbar. Dabei registriert ein Sensor den Sonnenuntergang, startet die Sequenzen am Ende des Tages und stoppt um Mitternacht. Auch eine manuelle Steuerung mithilfe eines Glass Touch Bedienterminals ist möglich. Ein entsprechender Befehl deaktiviert das Glass Touch und setzt das System dann zurück, sodass es wieder auf den Sonnenuntergang reagiert. Ein Temperatursensor überwacht die Funktion und die Wärmeentwicklung und schaltet die Installation notfalls ab. Die dynamische LED-Beleuchtung verwandelt die neue Stettiner Philharmonie in »Musik für die Augen«.[media type="image" id="7836" link="" caption="Abb.: Die Architektur Stettins ist geprägt durch Backsteinbauten und Spitzdächer. Die neue Philharmonie wurde anstelle des Konzerthauses errichtet, das an diesem Ort vor dem Zweiten Weltkrieg stand."] Abb.: Das Foyer empfängt den Besucher mit klaren und strengen Geometrien. Die mit vertikalen Linien versetzte Wand gibt dem Raum eine Dynamik und nimmt Bezug auf die Außenhülle.

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Weitere Informationen:
www.filharmonia.szczecin.pl
Lichtsteuerung und LED-Lösung: Traxon, www.traxontechnologies.com; OSRAM, www.osram.com
Architektur: Estudio Barozzi Veiga, Barcelona, www.barozziveiga.com
Fotos: Osram, LICHT

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