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04. März 2015

Wir definieren Licht, nicht nur die Leuchte

Lesezeit: ca. 5 Minuten
Abb.: Markus Bischof ist gelernter Tischler und studierte Integriertes Produktdesign in Coburg, Während des Studiums arbeitete er bei Karim Rashid als Stipendiat in New York. Das eigene Designbüro mit Sitz in Nürnberg gründete er 2010. Seitdem wurden einige seiner Arbeiten mit Designpreisen ausgezeichnet.Foto: Lopez Fotodesign Francisco Lopez-Fotodesign

LICHT: Neben Leuchten entwirfst du auch Möbel, Maschinen und sogar Pfeifen. Wie bist du zum Lichtdesign gekommen?
Markus Bischof: Die Leuchte T1 brachte mich dazu, ich hatte sie auf der Light + Building 2010 präsentiert. Der Messestand war klein, dafür fiel die Resonanz umso größer aus. Damals fingen die ersten Hersteller an, ihre Leuchten auf LED umzustellen, häufig durch Retrofit-Maßnahmen. Die T1 besaß eine stromgeführte Aufhängung und wurde mit LEDs betrieben. Leider ging sie nie in Produktion, doch das Interesse war immens und hat mir viele Türen geöffnet.

LICHT: In welchem Bereich der Lichttechnik siehst du das stärkste Entwicklungspotential?
Markus Bischof: LEDs und OLEDs stellen zwei unbeschreiblich wichtige Evolutionsschritte dar. Wir sind am Anfang einer neuen Licht-Epoche, in der es noch vieles zu entdecken und zu hinterfragen gilt. Das digitale Zeitalter verspricht uns ein ganz neues Bewusstsein von Möglichkeiten, Bedürfnissen und Lösungen, das betrifft nicht nur den Lichtbereich. LEDs und OLEDs waren und sind revolutionär, sie lassen uns neue Wege beschreiten, das Licht zu definieren. Schon auf der Light+Building 2012 ging der Tenor in Richtung ‚Digitalisierung des Lichts‘. Mit jeder Technisierung erfolgt auch eine Emotionalisierung. Ich glaube fest daran, dass dies ein großes Potential hat.

Abb.: Im massiven Acrylglasring von Pendelleuchte "Cern" sind lichtleitende Linierungen integriert, die farbige Akzente erlauben. DIe dimmbare LED-Lichttechnik ermöglicht neben unterschiedlichen Weißlicht-Optionen auch eine RGB-Farbsteuerung. Foto: Sattler
Abb.: LED-Raumleuchter »Toccata« hat Bischof für Sattler entworfen. Die moderne Interpretation eines Kronleuchters besteht aus fünf sich berührenden Ringen aus Aluminiumgehäuse mit eingesetztem Acrylglas. Optional erhältlich mit neutralweißem (3000 K) oder extra warmweißem Licht (2700 K). »Toccata« ist mit einem iF product design award 2014 ausgezeichnet worden. Foto: Sattler [/caption][media type="image" id="7943" link="" caption=""]

LICHT: Kunstlicht soll nicht nur ’hell machen’, sondern auch Stimmungen schaffen, etwa mit Farbe oder durch intelligente Beleuchtungssysteme, die den Ablauf des Tageslichts imitieren. Wie wird aus deiner Sicht als Designer Licht mittlerweile wahrgenommen?
Markus Bischof: Das Interesse, Licht gezielt kontrollieren zu können, ist natürlich überall eine gefragte Disziplin. Im Objektbereich stellen diese Systeme auch einen absoluten Mehrwert dar. Beim Endverbraucher leistet man hier noch aufgrund der Kostenhürde Pionierarbeit. Licht bietet heutzutage soviel Komfort wie noch nie – und das beschreibt eine neue Qualität des Lichts. Leuchten erhalten einen höheren technischen und vitalisierenden Stellenwert. Bisher liegen viele dieser hoch entwickelten Lichtlösungen noch im Premiumbereich, aber auch das wird in absehbarer Zeit die breite Zielgruppe erreichen. Die Technik muss am Ende herstellbar, vom Kunden bezahlbar und vom Benutzer anwendbar sein.

LICHT: Wie gehst du an einen Entwurf heran? Was passiert von der ersten Idee bis zur Realisierung einer Leuchte?
Markus Bischof: Im Vergleich zu vorhergehenden Leuchten haben Hersteller und Designer heutzutage natürlich auch die Aufgabe, das Leuchtmittel zu bestimmen. Primär die LED hat schließlich den physischen Aufbau der Leuchte stark verändert. Wir definieren Licht und nicht nur die Leuchte. Für mich gibt es zwei Grundsätze: die Leuchte soll sich in die Architektur integrieren oder der Architektur gegenüberstehen. Die Herangehensweise ist dabei wirklich sehr unterschiedlich. Zunächst fassen wird die Ideen sehr offen, aus einer intuitiven Überlegung heraus: Wie stellt man sich z.B. das perfekte Licht und die perfekte Produktwirkung vor, welche Fern- und Nahwirkung könnte man damit erzielen. Natürlich geben uns auch Informationen aus Materialentwicklung und Elektronik weitere wichtige Impulse. Nach der Konzeptphase erfolgt die Eingrenzung und die Ausarbeitung in Bezug auf Anwendbarkeit, Zielgruppe und Detail. Unsere Werkbank steht, bildlich gesprochen, im Grunde gleich neben der des Kunden. Der Dialog ist wichtig, das unterstützt einen fließenden Gestaltungsprozess, und das Produkt wird einfach besser.[fullwithimg src=«/wp-content/uploads/Li2.15P6_4.jpg«][media type="image" id="7944" link="" caption="Abbildungen: Für die LMT GmbH hat Bischof eine flexible Leuchtenserie entwickelt, darunter Pendelleuchte "Lyso". Ihre einzelnen Segmente sind je nach Ausführung starr oder in sich drehbar, wodurch die Gestaltung verschiedener Lichtzonen möglich ist. Ein technisches Detail, das Bischof besonders wichtig ist: keines der elektronischen Bauteile ist verklebt. Fotos: LMT"]

LICHT: Wenn es keine technischen Grenzen gäbe – wie würde die perfekte Leuchte aussehen? Was sollte sie können?
Markus Bischof: Geht es um das Licht oder die Leuchte der Zukunft? Technisch unterliegen wir einer stetig voranschreitenden Entwicklung, das finde ich großartig. Nur Licht zu gestalten, Form und Eigenschaft ohne Material, frei schwebend im dreidimensionalen Raum platzierbar, das wäre schon enorm. Aber wir können das auch schrittweise angehen.

LICHT: Erst kürzlich hast du für die Leuchte Toccata den iF product design award 2014 erhalten. Welcher deiner Entwürfe gefällt dir persönlich am besten?
Markus Bischof: Ich würde keines der Produkte bevorzugen, jedes besitzt für mich einen besonderen Wert. Die Nachvollziehbarkeit ist wichtig – warum und wie wir als Designbüro etwas umgesetzt haben. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine aktuelle oder eine etwas ältere Arbeit handelt. Wenn der Grundgedanke klar gefasst war und die Umsetzung ordentlich stattgefunden hat, verliert ein Entwurf nie an Reiz. Es befinden sich noch viele unterschiedliche Entwürfe in unserem Archiv, für die ich mir eine Umsetzung wünsche. Das birgt noch eine Menge Potential und wir arbeiten daran.

LICHT: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Andrea Mende, Leipzig[media type="image" id="7945" link="" caption="Abb.: LED-Pendelleuchte "Sigma" entwickelte Markus Bischof für den Leuchtenhersteller dot-spot in Schwarzenbruck. Der Korpus besteht aus massiver Eiche, die LEDs lassen sich über einen integrierten Dimmer ansteuern, die Stromzufuhr funktioniert über die Abhängseile. Die Leuchte wird in Handarbeit in Deutschland gefertigt und erhielt 2012 den red dot design award für ihr geradliniges und technisch durchdachtes Design. Foto: dot-spot"][caption id="attachment_7946" align="alignnone" width="240"][media type="image" id="7946" link="" caption=""] Abb.: Markus Bischof stellte seinen Entwurf der Pendelleuchte »T1« auf der
Light + Building 2010 vor, im selben Jahr seiner Existenzgründung. Für ihn war dieses Produkt der Auslöser, den Bereich des Lichtdesigns weiter auszubauen. Foto: Markus Bischof

Weitere Informationen:
www.markusbischof.de
www.sattler-lighting.com
www.lmtgmbh.de