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08. Januar 2015

Licht für sakrale Architektur

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Kapitel 1

Abb.: Ein Meilenstein in der Kirchenbeleuchtung ist der Mariendom Neviges. Die Wallfahrtskirche, 1968 vom berühmten Architekten und Bildhauer Gottfried Böhm erbaut, ist eines der bedeutenden modernen Kirchenbauten, die nach dem 2. Weltkrieg entstanden sind. 40 Jahre nach Einweihung hatte Dinnebier Licht die Außenbeleuchtung realisiert. Aus einem voluminösen Baukörper wurde eine Lichtskulptur.

Historie und Hintergrund

Die Unternehmensgruppe, die aus Dinnebier Licht (Lichtplanung, Produktentwicklung und Herstellung der eigenen Kollektion), Licht im Raum (Marketing und Vertrieb) sowie Lichtturm (Showroom, Kommunikationsplattform für Workshops und Fortbildung) besteht, blickt auf eine lange Erfahrung in der Kirchenplanung zurück. Schon 1965 etabliert Johannes Dinnebier, Unternehmensgründer und einer der ersten deutschen Lichtplaner, in Wuppertal ein eigenes Planungsbüro. Hier entstanden unzählige Projekte, die zum internationalen Renommee des Unternehmens beitrugen. Ob in Saudi-Arabien, Pakistan oder Deutschland, das Team Dinnebier entwickelte umfassende Lichtlösungen, die visionäre Ideen mit solidem Pragmatismus verbanden. Zu den frühen Projekten zählten u.a. auch berühmte Kirchen wie den Dom in Trier oder die King Faisal Moschee in Islamabad/Pakistan. Aus dieser Zeit stammen auch die historisch gewachsenen Kontakte zu namhaften Architekten, die für anspruchsvolle Kirchensanierungen oder Umbauten ausschließlich auf bestmögliche Lichtplanungskompetenz zurückgreifen. Für Daniel Klages, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe, ist »die enge Kooperation zwischen Architekt und Lichtplaner für ein gelungenes Gesamtergebnis entscheidend.«
Wie man bei der professionellen Lichtplanung in sakralen Gebäuden zunächst vorgeht, erläutert Daniel Klages wie folgt: »Es geht in aller erster Linie um Licht. Die atmosphärische Beleuchtung von großen Räumen erfordert eine spezielle Beachtung der individuellen Architektur. Das Aussehen der Lichtkörper muss sich daher nach der Funktion des Lichtes richten und nicht umgekehrt. Das heißt zunächst wird die Funktion des Lichtes definiert und danach werden die Leuchten ausgewählt. Nur so kann eine perfekte Lichtinszenierung mit atmosphärischem und wirtschaftlichem Licht entstehen.«[fullwithimg src=«/wp-content/uploads/Li12.14P10_3.jpg«][fullwithimg src=«/wp-content/uploads/Li12.14P10_2.jpg«]

Abbildungen: Nach einer 15-monatigen Sanierung wurde im März 2013 die im 17. Jahrhundert erbaute Kirche in Mettmann wieder eingeweiht. Das Kirchenprojekt wurde komplett in LED-Technik umgesetzt. Das Lichtkonzept ist auf die unterschiedlichen Nutzungen abgestimmt. So findet man bspw. unterhalb der Empore richtbare LED-Strahler für temporäre Ausstellungen. Im Hauptschiff wurden Direkt-Indirekt-Pendelleuchten eingesetzt.

Drei Funktionsbereiche des Lichts

In der Lichtplanung von Kirchen geht es um drei Funktionsbereiche:
1. Die elementare Beleuchtung des Altarraumes
2. Licht zum Lesen für die Gemeinde
3. Die Beleuchtung der Orgelempore für den Chor
Alle drei Bereiche gilt es, zu einem stimmigen Gesamtbild zu inszenieren. Neben den drei elementaren Funktionsbereichen kommt der Architektur des Raumes besondere Bedeutung zu. Bemalte Decken, gotische Gewölbe, historische Säulen, etc. müssen so inszeniert werden, dass die Beleuchtung nicht auffällt. Daniel Klages hierzu: »Die Denkmalpflege macht uns die größten Komplimente, wenn die eingesetzten Beleuchtungskörper tagsüber kaum wahrnehmbar sind, sondern erst sichtbar werden, wenn sie eingeschaltet sind.«

Der Zusammenhang von hoher Lichtqualität und Wirtschaftlichkeit in Kirchen, Synagogen und sakralen Räumen gewinnt immer mehr an Relevanz. So müssen nicht nur Anforderungen wie Licht zum Lesen für die Gemeinde und den Chor oder eine besinnliche Lichtatmosphäre gewährleistet sein, auch der wirtschaftliche, finanzielle Aspekt ist zunehmend von Lichtplanern zu beachten.

LED und indirektes Licht

Der Einsatz von LED-Lichtkörpern spielt eine zunehmend große Rolle in der Kirchen-Lichtplanung. Dies vor allem, wenn es um Aufgaben der akzentuierten Beleuchtung von Altaren, Figuren, Säulen, etc. geht. Diese werden in der Regel über Strahler-Technik in LED geleistet.
Dem Einsatz von indirektem Licht kommt in der Lichtplanung besondere Bedeutung zu.
Dadurch wird die Architektur in ihren Dimensionen ablesbar. Kirchengewölbe – auch die sehr dunkler Kirchen – werden damit sichtbar.

Abbildungen: Die Alte Synagoge in Essen ist seit 2010 eine Kulturbegegnungsstätte (Haus jüdischer Kultur) und eine der wenigen erhaltenen Synagogen aus dem Beginn des vergangenen Jahrhunderts. Dinnebier Licht hat für dieses Projekt – in Folge eines Wettbewerbs – die komplette Lichtplanung übernommen (2010). Das Gebäude sollte über die neue Erscheinung mehr Besucher anziehen, die Ausstellungsräume sollten inszeniert werden. Die Kunst war es, die verschiedenen Lichtarten mit der Architektur zu verbinden, um dadurch ganz verschiedenen Lichtstimmungen zu erzeugen.
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Häufiges Problem: Wo kommt der Strom her?

Eines der häufigsten Probleme in der Kirchen-Lichtplanung ist die Frage, wo der Strom für das Licht herkommt. Beim Einsatz von Deckenleuchten entstehen in der Regel keine Probleme, Stromleitungen einzusetzen und nicht sichtbar zu hinterlegen. Im Altarraum lassen sich meist spezielle Stromschienen einbauen. In Gewölben oder Fußböden wird es schon anspruchsvoller, Stromleitungen zu verlegen – ohne die historische Bausubstanz zu beschädigen. Für Daniel Klages erfordert dies »sehr viel Erfahrung und Einfühlvermögen in die Kirchen-Architektur.«

»Ocular« Leuchten-System

Bei der Auswahl der einzusetzenden Leuchten greift das Team um Daniel Klages häufig auf das hauseigene Leuchten-System »Ocular« zurück. Das »Ocular«-Leuchten-System wird nach traditionellem Handwerk in der eigenen Manufaktur in Wuppertal gefertigt und in Form, Größe und Länge exakt der architektonischen Situation in der Kirche, Synagoge oder dem sakralen Raum angepasst. Mit Hilfe von CAD-Zeichnungen, speziellen Fertigungsmaschinen und reiner Muskelkraft entstehen die hochwertigen »Ocular«-Pendelleuchten in den gewünschten Konstellationen – als gradlinige Lichtschiene, in Kirchen vor allem in Ring- oder Ellipsen-Form, aber auch als quadratischer Licht-Körper.

Daniel Klages wünscht sich vor allem Aufgaben für eine umfassende Lichtplanung von Kirchen: »Lichtplanung ist dann abgeschlossen, wenn es gelingt, das Kirchen-Gebäude nicht nur von innen, sondern auch von außen professionell mit Licht in Szene zu setzen.«

Abb.: Die Leuchten in der Kirche St. Dionysius in Dortmund (Planung 2012) wirken dezent und bieten einen gelungenen Kontrast zur historischen Bausubstanz. Neben Standleuchten und Wandstrahlern unterstützt ein Pendelleuchter die zentrale Wirkung des Altars im Chorraum.

Fotos: Licht im Raum
www.Licht-im-Raum.de
www.Dinnebier-Licht.de