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01. Oktober 2014

Schneller Link unter der Stadt

Lesezeit: ca. 7 Minuten
Die flächige Hinterleuchtung von Wänden und Decke erfolgt mit den Leuchten "Erfurt". Sie wurden mit einigem Abstand hinter den Glaswänden platziert. Copyright: Guenther Fotodesign

Ambitionierte Architektur entlang der Tunnelstrecke

Seit Dezember letzten Jahres profitiert nicht nur der Nahverkehr in Leipzigs Innenstadt von häufigeren und direkteren Verbindungen, sondern auch das Umland ist besser an die Stadt angebunden. Schlüssel für die Neuorganisation des öffentlichen Verkehrsnetzes ist der City-Tunnel, eine unterirdische Schienenverbindung von etwa drei Kilometern Länge, die den Südraum der Stadt mit dem nördlichen Stadtzentrum verknüpft. Vier Stationen – Hauptbahnhof, Markt, Wilhelm-Leuschner-Platz und Bayerischer Bahnhof – liegen entlang der Strecke. Jede von ihnen wurde von einem namhaften Architekturbüro entworfen.

Die Station Hauptbahnhof der neuen City-Tunnel-Linie wurde in den Bestandsbau des Hauptbahnhofs integriert. Auf dem unterirdischen Bahnsteig kommen in zwei Größen die Deckeneinbauleuchten "Merkur" zum Einsatz. Sie erhellen die Bahnsteigkante und geben Streiflichter auf die Säulen in der Bahnsteigmitte. Dank ihres montagefreundlichen Einbaurahmens und ihrer geringen Aufbauhöhe gestaltete sich die bauseitige Integration unkompliziert.

Modellvielfalt trotz anspruchsvoller Vorgaben

Bei aller Individualität zieht sich durch die Lichtplanung für die Bahnhöfe eine Konstante: In allen vier Stationen kommen in großen Stückzahlen Leuchten von Norka zum Einsatz. Der Spezialist für die Beleuchtung unter schwierigen Umgebungsbedingungen hat zahlreiche bahngelistete Leuchtenmodelle in seinem Programm. Diese Produkte haben eine strenge Prüfung hinsichtlich elektrischer und mechanischer Sicherheit, Lichttechnik, Wartungsfreundlichkeit und Lebensdauer durch die Bahn bestanden und sind damit für Verkehrsbauten besonders geeignet. Ihr Einsatz in den Stationen des neuen City-Tunnels ist dafür eine überzeugende Referenz.

Zwei der Zugänge zur Station Hauptbahnhof sind als Atrien mit Treppenanlagen und gläsernen Aufzugstürmen ausgeführt. In diesen Abschnitten des Bahnsteigs übernehmen die Schutzrohrleuchten "Eschborn" die Beleuchtung. Eingebaut sind sie in Profile auf Y-Masten. Die Treppen selbst werden aus großer Höhe von "Pollux"-Strahlern erhellt, die unter dem Glasdach montiert sind.

Jedes Projekt hat seine Besonderheiten

Bei der Lichtplanung für Bahnhöfe geht es nicht nur um gute Sicht und Orientierung für die Reisenden, sondern auch für das Zugpersonal, insbesondere wenn der Zug aus der relativen Dunkelheit im Tunnel in den hellen Bahnsteig einfährt. Ausreichende Beleuchtungsstärken, hohe Gleichmäßigkeit und zuverlässige Entblendung – dies sind die drei wesentlichen Gütemerkmale bei der Bahnsteigbeleuchtung. Für alle Parameter liefern Normen oder Planungsempfehlungen der Betreibergesellschaften verbindliche Vorgaben. Sie unter den unterschiedlichsten baulichen Gegebenheiten zu erfüllen, erfordert neben leistungsfähigen, flexiblen Leuchten auch umfangreiche planerische Kompetenz und Erfahrung. Angesichts der sehr verschiedenen Flächengeometrien, Lichtpunkthöhen und Montageoptionen bei den vier neuen unterirdischen Bahnhöfen in Leipzig begleitete Leuchtenhersteller Norka daher auch sehr intensiv den Planungsprozess.

Das große Volumen der Haltestelle Markt sollte nicht durch Technik-einbauten gestört werden. Die Leuchten "Orion" wurden deshalb in die Decke integriert. Mit ihren leistungsfähigen Optikkomponenten erzeugen sie aus großer Höhe ausreichende Beleuchtungsstärken auf der Bahnsteigebene während sie gleichzeitig gezielte Streiflichter auf Deckenbalken und Wände geben.

Niedrige Decken und geschossübergreifende Zugänge

Am Leipziger Hauptbahnhof konnte die Infrastruktur für die neue Bahnlinie in den Bestand integriert werden. Das Architekturbüro HPP hatte bereits 1997 bei den Planungen für Umbau und Sanierung des Bahnhofsgebäudes die spätere Erweiterung um eine unterirdische S-Bahn-Station eingeplant und diese nun für den City-Tunnel realisiert. Der Hauptzugang zum Bahnsteig erfolgt von der historischen Bahnhofshalle aus über eine große Treppenanlage und einen gläsernen Aufzugsturm. Zwei weitere Treppenanlagen erschließen den 215m langen Bahnsteig am anderen Ende. Wände und Böden der Haltestelle sind mit Altenbürger Kalkstein verkleidet, der schon beim historischen Bahnhofsgebäude in großem Maßstab verbaut wurde. Auch für die Decke wählten die Architekten ein helles Material, so dass der Bahnhof trotz geringer Höhe weit und licht wirkt. Gestützt wird dieser Eindruck vom Beleuchtungskonzept, das im Bahnsteigbereich auf drei wesentlichen Komponenten basiert.

In den überdachten Abschnitten wurden parallel zur Bahnsteigkante die runden Norka-Leuchten »Merkur« in die Decke eingebaut. Dank ihres montagefreundlichen Einbaurahmens und ihrer geringen Aufbauhöhe infolge der Trennung von Leuchtenkörper und Vorschaltgerät gestaltete sich die Integration der Leuchten in die Deckenfläche ausgesprochen einfach. Der innen liegende eloxierte Aluminiumreflektor der »Merkur« sorgt nicht nur für eine effiziente Lichtauskopplung, sondern auch für eine exakte Lichtverteilung. So können alle Anforderungen hinsichtlich Beleuchtungsstärke, Gleichmäßigkeit und Blendfreiheit für Fahrgäste und Zugpersonal souverän erfüllt werden.

In jenen Bereichen, in denen die Treppenanlagen durch große Deckenausschnitte hindurch auf den Bahnsteig treffen und in denen somit keine deckenintegrierte Lösung möglich war, tragen Y-Masten Strangpressprofile von Hellux, in denen die Norka-Schutzrohrleuchten »Eschborn« untergebracht sind.

Als drittes Lichtinstrument kommen noch einmal die »Merkur«-Leuchten zum Zuge. In einer kleineren Bauform wurden sie rund um den Kopf der Säulen angeordnet, die sich entlang der Bahnsteigmitte erheben. Als Wallwasher geben sie attraktive Lichtakzente auf die Sandsteinoberfläche der Säulen. Zusätzlich zu dieser atmosphärischen Wirkung haben sie auch eine lichttechnische Funktion, denn sie sorgen für ein ausgewogenes Helligkeitsniveau über die gesamte Bahnsteigbreite.

Rohrleuchten "Bern" sitzen in den schlanken Edelstahlsäulen entlang des Bahnsteigs. Sie fungieren im Havariefall als Notbeleuchtung.

Lichtes Volumen unter der City

Direkt unter dem Marktplatz von Leipzig liegt der zweite Bahnhof der City-Tunnel-Linie. Die von Kellner Schleich Wunderling geplante Station Markt konnte in offener Tunnelbauweise realisiert werden. Das Ergebnis ist ein 16m hohes, freies Volumen mit hallenartigem Charakter. Einzig schlanke Stützen mit nur 24cm Durchmesser gliedern den Raum. Durch weitere Einbauten sollte dieser großzügige Eindruck möglichst nicht beeinträchtigt werden. Die Leuchtenkörper fügen sich daher nahtlos in die Bausubstanz ein.

Aus 16m Höhe beleuchten die zylindrischen Einbauleuchten »Orion« den Bahnsteig von der Decke aus und geben außerdem Streiflichter auf deren Betonbalken und die Wände. Dafür wurden sie mit einer Optik ausgestattet, die sowohl eine 45°-Abstrahlung für die Wände, als auch die tiefbreitstrahlende Lichtverteilung für den Bahnsteig generiert. Auf diese Weise machen die Leuchten den großen Raum visuell erfahrbar und übernehmen gleichzeitig die funktionale Beleuchtung. Für Wartungszwecke können die Deckenleuchten an Liften herabgelassen werden. Kleinere »Orion«-Ausführungen sitzen in den Unterseiten der Treppen und hellen diese verschatteten Bereiche auf. Als Sicherheitsbeleuchtung im Havariefall fungieren die Rohrleuchten »Bern«, die in die schlanken Edelstahlsäulen entlang des Bahnsteigs eingebaut sind.

Hinterleuchtete Glasbaustein-Fertigelemente bilden die leicht geschwungene Bahnsteighalle am Wilhelm-Leuschner-Platz. Für die Bahnsteigbeleuchtung wurden "Sirius"-Strahler in drei Reihen hinter der Decke angeordnet. Sie sitzen oberhalb spezieller Glasbausteine, die einen Transmissionsgrad von 90% haben und optisch nicht wirksam sind.

Leuchtender Glasquader

Konsequent in den Baukörper integriert sind auch die Leuchten am Bahnhof Wilhelm-Leuschner-Platz. Der Charakter der von Max Dudler Architekten geplanten Bahnsteighalle wird von Wänden und Decken aus Glasbausteinen bestimmt. Durch deren Hinterleuchtung entsteht die Anmutung von Tageslicht unter der Erde. Die auf die Architektur maßgeschneiderte Lichtlösung wurde komplett mit Norka-Leuchten umgesetzt.

Dabei übernehmen mit Abstand hinter den Glassteinen platzierte Leuchten »Erfurt« die Aufhellung der Wände. Dies geschieht angesichts ihrer 360°-Rundumbstrahlung teils direkt, teils durch Rückreflexion an der hellen Fläche hinter der Glassteinwand. Im Ergebnis entsteht ein sehr homogener Eindruck. Die eigentliche Bahnsteigbeleuchtung erfolgt aus 15m Höhe mit den Strahlern »Sirius«. In einem regelmäßigen Raster angeordnet, sitzen diese jeweils hinter einem besonders dünnen Glasbaustein oberhalb der Decke. Das Glas vor den 150-W-HIT-Strahlern hat einen Transmissiongrad von 90%, so dass viel Licht auf den Verkehrsflächen ankommt. Gewartet werden können die Deckenleuchten von oberhalb des Glasdachs, denn dort befinden sich 1,80m hohe Wartungsgänge. Die sehr klare, geometrische Anmutung, die durch das regelmäßige Raster von Wänden und Decken entsteht, setzt sich konsequent auch auf dem Bahnsteig fort, denn die Architekten haben das Bahnsteigmobiliar nahezu ausnahmslos in Betonkuben integriert. Hier und in den Fahrtrichtungsanzeigern findet sich dann auch die ergänzende Allgemeinbeleuchtung. Die vandalensicheren Leuchten »Lutteroth« mit Prismenabdeckungen im rechteckigen Edelstahlrahmen konnten nahtlos in Betonquader und Fahrtanzeiger eingebaut werden.

Die schlanken Feuchtraumleuchten "Hamm" beleuchten den Bahnsteig am Bayerischen Bahnhof. Sie wurden hinter einer Streckmetalldecke rasterförmig quer und längs zum Bahnsteigverlauf angeordnet.

Bunte Metallrohre und Steckmetalldecken

Im Spannungsfeld zwischen Pragmatismus und Verspieltheit scheint die Station Bayerischer Bahnhof angesiedelt zu sein. Bunte Rohre überspannen die zum Bahnsteig hinabführenden Treppen. In sie ist teils eine Sonderlichtlösung auf Basis lichtleitender Folien integriert. Sachlichkeit hingegen dominiert auf dem Bahnsteig selbst, der von Norka-Leuchten beleuchtet wird. Eine Herausforderung war hier die seitens der Architekten vorgegebene Platzierung der Leuchten hinter der Streckmetalldecke. Obwohl dieser vorgelagerte Layer einen Teil des Lichtstroms »schluckt«, konnte mit den Leuchten »Hamm« eine energieeffiziente Lösung verwirklicht werden. Angeordnet sind die Leuchten in einem regelmäßigen Raster: Auf den geschlossenen Deckenflächen bilden sie quer zum Bahnsteig ausgerichtet eine klare Struktur. Im Bereich der Treppenzugänge wurden sie längs zum Bahnsteig angeordnet.

Farbige Metallrohre im Freiraum über den Zugängen kontrastieren mit der eher sachlichen Atmosphäre auf dem Bahnsteig selbst. Die Leuchten "Hamm" an der Decke und den Unterseiten der Treppen erfüllen alle Normvorgaben für die Beleuchtung. So konnte der Raum von weiteren Leuchtenkörpern frei bleiben.

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Bauherr: Konsortium aus Deutsche Bahn, Land Sachsen, Bundesrepublik, Stadt Leipzig
Projektsteuerung: DEGES Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und bau GmbH, Berlin, www.deges.de
Architekten:
Station Hauptbahnhof:
HPP Hentrich Petschnigg & Partner Architekten, Düsseldorf, www.hpp.com/de; Station Markt: Kellner Schleich Wunderlich Architekten + Stadtplaner, Hannover, www.ksw-architekten.com;
Station Wilhelm-Leuschner-Platz: Max Dudler, Berlin, www.maxdudler.com
Station Bayerischer Bahnhof: Peter Kulka Architektur, Dresden, www.peterkulka.de
Lichtplanung bis zur Entwurfsphase für die Stationen Markt und Wilhelm-Leuschner-Platz: Licht Kunst Licht AG, Bonn Berlin, www.lichtkunstlicht.com
Produkte und planerische Unterstützung für die hier beschriebenen Lichtlösungen: Norka, Hamburg, www.norka.de
Fotos: Christian Günther für Norka