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01. Oktober 2014

Leuchtende Innovation im Untergrund

Lesezeit: ca. 4 Minuten
Abb.: Das neue Design der Münchner C2-Züge wurde von N+P Industrial Design entwickelt. Innovative LED-Technik steigert die Sicherheit und Attraktivität der Züge. Als markantes Merkmal unterstützen die schrägen LED-Schlitze die Dynamik der optisch gestrafften Fahrzeugfront. Wolfgang Wellige

Das Design wurde im Auftrag der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) von der Münchner Design-Agentur N+P Industrial Design entwickelt. Besonders der innovative und umfassende Einsatz von LED-Technik steigert die Funktionalität und Attraktivität der C2-Züge im Vergleich zum Vorgängermodell C1, das 13 Jahre zuvor ebenfalls von N+P gestaltet wurde. Zwischen 1998 und 2001 wurde die C1 entwickelt – damals unter Verwendung von Langfeldleuchten und Halogenspots – letztere wurden in den vergangenen Jahren mit LED-Leuchtmitteln bestückt. Die Neonröhren brachten neben dem typischen hochfrequenten Flimmern die üblichen Dunkelstellen im Bereich der Fassungen mit sich und nach einiger Zeit des Betriebes wurde der größte Nachteil sichtbar – nämlich die starke Schmutzanfälligkeit der Lichtaustritte, die speziell in einem solchen Fahrzeug nach Jahren des lückenlosen Einsatzes mehr und mehr sichtbar wurde und die selbst durch eine Verkürzung der Reinigungsintervalle nicht zu beherrschen ist.

Bei der neuen C2 wird der Innenraum stattdessen zu 100% durch LED-Beleuchtung erhellt. Der Unterschied der wahrnehmbaren Helligkeit ist enorm – die neue Lichtfarbe ist dem Tageslicht wesentlich ähnlicher. Die schlanken Leuchtbänder an den Decken weisen keine einzige Dunkelstelle auf – selbst die aus einem Stück hergestellten Lichtaustritte der ringförmigen Beleuchtung im Einstieg werden homogen über die gesamte Fläche ausgeleuchtet. Ein netter Nebeneffekt der LED-Technik ist die integrierte Notbeleuchtung – hier wird nur ein gewisser Bruchteil der vielen LEDs aktiviert, wodurch über die gesamte Fläche der Lichtbänder im Fahrzeug eine Art nebliger Sternenhimmel-Effekt erscheint. Auf diese Weise entsteht aus einer rein technischen Notwendigkeit eine Wirkung, die ihren ganz eigenen Reiz hat. Die frühere Schmutzanfälligkeit ist überwunden – statt der belüfteten offenen Leuchtkästen der C1 gibt es in der C2 nur noch hermetisch gekapselte Leuchten und durch den wartungsfreien Betrieb entfällt auch das bisherige Wechseln der Leuchtmittel nahezu komplett.

Sicherheit durch Licht im Türbereich

An den Einstiegstüren hat die Verfügbarkeit der LED-Technik die dort verwirklichte Innovation erst möglich gemacht. Im Innenbereich übernehmen schlanke horizontale Leuchtbänder oberhalb des Durchgangs gleich zwei Funktionen: Die zusätzliche weiße Ausleuchtung des Trittbereiches beim Zustieg sowie das rote bzw. grüne Türsignal, das den Fahrgästen bereits vor dem Halt anzeigt, auf welcher Fahrzeugseite sich die Türen öffnen bzw. schließen werden. Im Exterior des Fahrzeuges wurden über die volle Höhe der Türflügel neuartige vertikale LED-Bänder integriert, die dem Fahrgast das Türsignal in rot bzw. grün genau dort anzeigen, wo sich die Türen öffnen bzw. schließen – nämlich direkt an den Türkanten. Wo sonst macht eine solche Anzeige mehr Sinn, als genau an der Stelle, wo man bei Nichtbeachtung eingeklemmt würde?

Abb.: Ein homogenes LED-Licht, das dem Tageslicht wesentlich ähnlicher ist als vorher, beleuchtet den Innenraum der neuen C2.
Abb.: LED-Licht für die Sicherheit: Die rot blinkenden LED-Bänder weisen die Fahrgäste auf dem Bahnsteig darauf hin, dass sich die Türen schließen.[/caption][media type="image" id="7605" link="" caption=""] Abb.: LED-Bänder an den Türkanten zeigen nach der Einfahrt des Zuges den Fahrgästen grün blinkend an, dass sich die Türen öffnen.

Schon wenn die neue C2 aus dem Tunnel in die Station einfährt, ist sie durch ihre LED-Signalleuchten in der Front unverkennbar – ebenso wie sich heutzutage PKWs durch ihre Beleuchtungen oft mehr unterscheiden als durch die äußere Gestalt. Die schräg in der Fahrzeugfront angeordneten Licht-Schlitze werden in der Vorwärtsfahrt weiß und in der Rückwärtsfahrt rot beleuchtet und dienen nur zur Sichtbarkeit des Zuges – eine Ausleuchtung des Tunnels durch Scheinwerfer war wie schon bei den Vorgänger-Fahrzeugen nicht gewünscht.[fullwithimg src=«/wp-content/uploads/Li10.14P3_6.jpg«]

Gebaut werden die Züge von Siemens Rail Systems in Wien und München-Allach. Insgesamt bis zu 67 Züge sind in den nächsten Jahren geplant und werden die Fahrzeugflotte der MVG grundlegend erneuern. Die älteren A+B Züge werden sukzessive aus dem Betrieb genommen, sodass in Kürze vor allem die neueren C-Züge das Bild im Untergrund Münchens bestimmen werden.

Design: N+P Industrial Design GmbH/ A. Neumeister, A. Bergsträßer, www.np-id.com
Fotos: Copyright: SWM / MVG / N+P Industrial Design

N+P Industrial Design entwickelt seit über 40 Jahren weltweit Hightech-Produkte für den öffentlichen Verkehr, professionelle Elektronik, Medizin und Rehabilitation, Premiumprodukte für den Consumer-Bereich sowie Grafik und Interface-Design. Für das Design dieser neuen
U-Bahn Generation C2 erhielt N+P bereits 2013 den Universal Design Award und den Preis Universal Design Consumer Favorite, sowie den renommierten RED DOT Award 2013. In diesem Jahr nun krönte der German Design Award 2014 diese Reihe von Auszeichnungen.

N+P Industrial Design GmbH
www.np-id.com