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17. September 2014

Verwandlungskünstler

Lesezeit: ca. 7 Minuten

Schmal und kompakt gebaut, eignen sich hochwertige, energiesparende LEDs ideal zur Umsetzung von kreativen Lichtlösungen. In Form von LED-Bändern passen sie sich jeglicher Aufgabe an: sie illuminieren Regale oder Möbelstücke, erheben Kochinseln optisch vom Boden oder setzen einzelne Bilder in Szene. Sie liefern eine farblich abgestimmte Hintergrundbeleuchtung zum Heimkino-Abend oder sorgen im Bad für eine entspannende Spa-Atmosphäre. In Profilen untergebracht, beleuchten sie je nach Bedarf Wand, Boden oder Decke, unterstreichen die Architektur oder beeinflussen sogar deren Wirkung: hell angestrahlte Decken lassen niedrige Räume höher erscheinen; auf den Boden gerichtetes Licht vermittelt bei hohen Decken ein Gefühl von mehr Behaglichkeit. In Fußleisten oder im Handlauf untergebracht, machen sie als Nachtbeleuchtung Verkehrswege wie den Flur, Treppen oder auch das Kinderzimmer sicher. Dabei ist das Licht meistens stufenlos dimmbar, bildet Farben oder programmierte Farbwechsel ab, um eine beruhigende oder aktivierende Atmosphäre zu schaffen. Auch beim Weißlicht sind verschiedene Stimmungen bzw. Farbtemperaturen möglich, von kühlerem bis hin zu wärmerem Weiß. Zum Kochen etwa liefern LED-Bänder helles, brillantes Licht auf der Arbeitsfläche, das zum Essen problemlos in ein sanftes Akzentlicht wechselt. Sind diese Lichtquellen vernetzt, ist die Beleuchtung sogar über WLAN-Router (teilweise auch mit Bluetooth) per App mit dem Smartphone oder Tablet anzusteuern. Das Licht der LEDs erfüllt dabei unterschiedliche Anforderungen, es betont bestimmte Bereiche und schafft eine Gliederung der Räume.

Für drinnen und draußen

LEDs sind langlebig und halten etwa zwischen 20.000 bis 50.000 Stunden. Die Lebensdauer hängt besonders davon ab, wie gut die produzierte Wärme abgeleitet werden kann. Da LEDs weder UV- noch IR-Strahlung abgeben, eignen sie sich gut zur Beleuchtung für lichtempfindliche Objekte wie Textilien, Leder oder Gemälde (IR-Strahlung beeinflusst Wärmeempfindliches, wie Lebensmittel). Bei gleichmäßiger Lichtverteilung liefern sie eine gute Lichtausbeute und verbrauchen so wenig Energie, dass sie sich auch für den Nachtbetrieb als Sicherheitslicht einsetzen lassen. Für lange, gerade Strecken bieten sich starre LED-Lichtlinien an, für Rundungen oder Ecken flexible LED-Streifen, die durch eine selbstklebende Seite einfach zu montieren sind. Feuchträume wie Bad und Küche, Balkon und Garten erfordern vor Spritzwasser und Feuchtigkeit geschützte LED-Bänder. Auch bei öffentlichen Plätzen kommen speziell für den Außenbereich konzipierte LED-Leuchtmittel zum Einsatz.

Durch Lichtlinien treten Bereiche optisch hervor, zum Beispiel eine im Wohnraum integrierte Küche. Sie grenzen unterschiedliche Bodenbeläge voneinander ab und geben kompakten Schränken eine gewisse Leichtigkeit, indem der Boden durch Licht "angehoben" wird. "Floor Profil" von Paulmann.

Im Fokus: OLEDs

Die Weiterentwicklung der LED, organisch lichtemittierende Dioden (OLED), wird zusätzlich den Umgang mit Licht verändern und neue, unkonventionelle Lösungen hervorbringen. Ihr Aufbau ist nur millimeterdünn und besteht aus mehreren, organischen Halbleiterschichten. Die anpassungsfähigen und leichten OLEDs streuen ein warmes und diffuses Licht, ihre Lichtausbeute liegt allerdings noch unter derjenigen von LEDs. Sie strahlen das Licht in eine, bei transparenten OLEDs in zwei, Richtungen ab. Mit diesem Prinzip kann sich die Leuchtfläche in eine Art »Vorhang« verwandeln, je Seite mit unterschiedlich starkem Lichtaustritt. Leuchtflächen aus OLEDs lassen auch das Aufteilen in Segmente zu, alle einzeln ansteuerbar. Das macht innovative Applikationen möglich, von interaktiven und kinetischen Lichtinstallationen über leuchtende Trennwände und Oberflächen jeglicher Art bis hin zu Fenstern, die tagsüber transparent sind und mit Einbruch der Dunkelheit zur Lichtfläche werden.

Die LED-LightStrips "friends of hue" von Philips sind mit einer selbstklebenden Rückseite schnell überall angebracht, an Regalen, unter dem Sofa oder entlang der Kochinsel. Sie bilden das gesamte Farbspektrum ab, bis zu 16 Millionen Nuancen. Mit der hue-App lassen sie sich über den WLAN-Router per Smartphone (für Android und iOS) oder Tablet programmieren und ansteuern.

Äußerst anziehend

OLEDs tauchen vereinzelt bereits als Leuchtmittel bei Innenraumleuchten auf, und sie inspirieren Designer zum Entwurf leuchtender Kunstobjekte. benwirth licht aus München hat in Zusammenarbeit mit Kilian Hüttenhofer und Eric Frost die OLED zum tragbaren Schmuckstück gemacht: »MyOLED« ist ein leuchtendes Amulett, dessen USB-Ladekabel gleichzeitig als Kette dient. Ein Akku sorgt für 8 Stunden Licht. »MyOLED« kann Botschaften auf der Leuchtfläche abspielen und dank rückseitig angebrachter LEDs sogar Farben erkennen und diese je nach Untergrund wechseln.

Ein aufladbares Licht als futuristische Kette, das sich sogar farblich der Umgebung anpassen kann: Leucht-Amulett "MyOLED", Design: Ben Wirth, Kilian Hüttenhofer, Eric Frost. Foto: Andreas Reiter.

In einem Gemeinschaftsprojekt des Architektur- und Designbüros CibicWorkshop aus Italien und dem OLED-Spezialisten Blackbody aus Frankreich entstand »Lucky Eye«, ein konvexer Spiegel, von einem Kranz aus OLEDs eingefasst. Durch die Wölbung nach außen entstehen interessante Lichtreflexionen auf der Spiegelfläche. »Lucky Eye« war als Bestandteil einer Lichtinstallation auf der diesjährigen Triennale di Milano während der Mailänder Möbelmesse zu sehen.

Der Blick in den Spiegel "Lucky Eye" ist völlig blendfrei, das Licht seiner OLEDs streut weich und diffus. Ein besonderes Detail ist die konvexe Form der Oberfläche, die die Umgebung auf spannende Weise verändert darstellt. Hersteller: Blackbody, Design: Cibicworkshop: Aldo Cibic and Tommaso Corà, Foto: Alberto Parise.

Textiles Licht

Für besondere Lichteffekte im Innenraum sorgt der Dekorationsstoff »eLumino« von Création Baumann. Zwei Designs stehen zur Wahl: »Aves« ist blickdicht und metallisch glänzend, »Sema« ein leichter, transparenter Voile. Auf beiden Vorhangmodellen sind im unteren Drittel dimmbare LED-Elemente eingestickt. »eLumino« erhält seine Energie per Kabel über einen USB-Stecker oder per Akku. Die Technik entstand innerhalb eines Forschungsprojekts, Mitwirkende waren u.a. die Forster Rohner AG und die Hochschule Luzern für Design und Kunst. »eLumino« ist Gewinner eines Red Dot Awards 2014.

Aufgestickte LED-Elemente bringen die Vorhangstoffe "eLumino" zum Leuchten. Zwei Stoffqualitäten sind erhältlich, aus blickdichtem...
... oder transparentem Material. Das Licht ist dimmbar, die Licht-Vorhänge lassen sich am Strom anschließen oder können über Akkus betrieben werden. Jeweils in drei Farben, von Création Baumann. Fotos: eLumino Aves / eLumino Sema © Création Baumann, www.creationbaumann.com

»SpaceEmotion« bietet dem Nutzer mehrere Optionen. Das modulare System besteht aus Stoffscheiben, die mit leitfähigem Garn bestickt sind. Sie bilden die Basis, um das gesamte Objekt mit Licht zu versorgen oder auch Klänge darüber zu steuern. Die einzelnen Module sind frei zusammenzusetzen und können LEDs als auch OLEDs aufnehmen. »SpaceEmotion« ist vielfältig verwendbar, z.B. als Vorhang oder Raumteiler, als Lichtelement oder Soundsystem. Metallische Verbindungsstücke halten die Scheiben zusammen und übernehmen gleichzeitig die Stromversorgung. Eine Entwicklung von Diffus Design aus Dänemark und Inntex aus Italien, die Stickereitechnik liefert Forster Rohner aus der Schweiz.

Vorhang, Trennwand, flächige Soundanlage oder Lichtobjekt: "SpaceEmotion" ermöglicht jegliche Variation. Das System setzt sich aus einzelnen Stoffscheiben zusammen...
... deren aufgestickte Technik die Scheiben mit Strom versorgt, um darüber LEDs, OLEDs oder auch Musik anzusteuern. Eine Entwicklung von Diffus Design, Inntex und Forster Rohner.

Es bleibt spannend

Ob LED als punktuelle Lichtquelle oder OLED als Flächenlicht, beide Leuchtmittel verfügen über spezielle Eigenschaften, die sie für bestimmte Anwendungen prädestinieren. Das Entwicklungspotential ist enorm und wird weitere, überraschende Produktinnovationen hervorbringen. Lichtspender benötigen keine herkömmlichen Komponenten mehr wie Fuß, Fassung oder Lampenschirm. Die Metamorphose der klassischen Leuchte, so, wie sie noch in unseren Köpfen abgespeichert ist, hat längst begonnen.

Neugier ist der Antrieb für Babys, ihre Umgebung zu erobern. Diese simple Idee greift der "JoyCarpet" von Meng Ling Yang aus Taiwan auf: Flackert ein Licht im Teppich, krabbelt das Kind dort hin und versucht, den Lichtpunkt zu erfassen. In diesem Moment ertönt als "Belohnung" kurz Musik – das Baby war erfolgreich. Die LEDs leuchten in Rot, Blau oder Grün und wechseln immer wieder den Platz, an dem sie auftauchen. Der Teppich ist ausgezeichnet mit dem Lexus Design Award 2014.
Licht "to go": Das "Kangaroo Light" ist mit 24 LEDs gespeist und ein universeller Begleiter für unterwegs, ob als Taschenlampe, Nacht- oder Leselicht, beim Picknick oder Camping. Es besitzt eine pflegeleichte und flexible Silikonoberfläche und ist über ein USB-Kabel aufladbar, die Leuchtdauer beträgt ca. 2,5 Stunden. Es ist mit der Steuereinheit Arduino kompatibel, was die Programmierung personalisierter Lichtszenarien erlaubt. Studio Banana Things hat das handliche Lichtkissen entworfen und geht damit bald in Serie.
Das "Kangaroo Light" im Einsatz als praktische Beleuchtung für die Handtasche.

Weitere Informationen:

Ein Video zur Entstehung der eLumino an der Hochschule Luzern finden Sie hier.

Autor: Andrea Mende, Leipzig

benwirth licht GmbH, München, www.benwirth.de
Création Baumann AG, Langenthal (CH), www.creationbaumann.com
Diffus Design APS, Kopenhagen (DK), www.diffus.dk
Hochschule Luzern, Luzern (CH), www.hslu.ch
Paulmann Licht GmbH, Springe-Völksen, de.paulmann.com
Philips Lighting GmbH, Hamburg, www.meethue.com
Texe Srl, Firenze (IT), www.inntex.com
www.cibicworkshop.com/article/lucky-eye
www.blackbody.fr/en/
www.kangaroolight.com
www.frti.ch