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29. August 2014

Baustoff Licht

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Kapitel 1

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Lichtleitfasern in Beton

Basis des »Lucem«-Systems sind Platten mit 2cm Stärke und maximalen Abmessungen von 150cm x 50cm. Sie weisen die Optik einer hochwertigen Natursteinfassade auf, bestehen aber aus Beton, in den ein drei- bis vierprozentiger Anteil lichtleitender Fasern eingebettet ist.
Als Lichtquelle dient pro Platte ein flaches RGB-LED-Paneel an der Rückseite, das per DMX angesteuert werden kann. Die RGB-LEDs lassen sich über eine Software per Computer oder auch via Smartphone
aktivieren und steuern – möglich sind Lichtszenarien von statischen Farben über wechselnde Farbverläufe bis hin zu bewegten Farbspielen synchron zu einer Musik.
Das jüngste Projekt, bei dem der »Lucem«-Beton sein gestalterisches Potenzial beweist, ist eine Hausfassade in Berlin, Prenzlauer Berg. Mit dieser ersten Lichtbeton-Fassade in Berlin verfolgte die Udo Krollmann Unternehmensgruppe das Ziel, einen Eyecatcher für eine exklusive Wohnanlage zu realisieren. Das Ergebnis sollte sich deutlich von herkömmlichen Display- oder Leuchtmittelfassaden unterscheiden und den gehobenen Anspruch der Udo Krollmann Unternehmensgruppe vermitteln, die seit mehr als 20 Jahren im Ankauf und der Sanierung von Wohn- und Geschäftshäusern sowie im gewerblichem Grundstückshandel tätig ist. Von der besonderen Wirkung des Lichtbetons fasziniert, realisierte der Bauherr gemeinsam mit dem Berliner Architekturbüro Wolf auf 60m2 eine Fassade aus dauerhaftem und massivem Betonwerkstein, die mit Einbruch der Dunkelheit zur Spielfläche farbdynamischen Lichts wird.

Abb. In der Tagansicht wirken die Lichtbetonplatten wie herkömmlicher Naturstein, nachts kann die Fläche mit farbdynamischem LED-Licht bespielt werden.
Abb. Auf einer Fläche von 60m2 illuminiert der Lichtbeton diese Häuserfassade in Berlin. Anders als bei Media-Fassaden, die auf Projektionen, Rückprojektionen, Displays oder Leuchtmittelrastern basieren, sind hier keine Lichtquellen erkennbar.[/caption][media type="image" id="8092" link="" caption=""]

Serienproduktion ermöglicht vielseitigen Einsatz

Das Prinzip des Lichtbetons ist schon seit über 80 Jahren bekannt, allerdings wurde er in der Vergangenheit hauptsächlich in manuellen Verfahren produziert und zu Manufakturprodukten verarbeitet, die entsprechend hochpreisig und nicht mengentauglich sind. Im Jahr 2011 ist es der Lucem GmbH gelungen, eine patentierte Technik für die Serienfertigung zu entwickeln, die dem Unternehmen ermöglicht, exklusive Lichtbetonelemente in größeren Mengen und auf einem dem Natursteinmarkt vergleichbarem Preisniveau herzustellen. Im Ergebnis findet der Lichtbeton in immer mehr Bereichen der Innenarchitektur und Architektur Anwendung. So sind nicht nur »Lucem«-Platten für Fassaden und Wände verfügbar, sondern auch für die Bodengestaltung.
Der leuchtende Bodenbelag eröffnet völlig neue, Raumkonzepte und verbindet die Leichtigkeit seiner lichtdurchlässigen Erscheinung mit einer soliden, massiven Anmutung im ausgeschalteten Zustand. Durch den Ausstrahlwinkel der Fasern erscheinen dem Betrachter die Lichtbetonplatten direkt unter ihm besonders hell; je weiter sie von ihm entfernt sind, umso schwächer nimmt er ihre Beleuchtung wahr. Dieser Effekt erzeugt zum Beispiel in Diskotheken oder Foyers überraschende Lichtimpressionen – vergleichbar mit einem Spotlight, das permanent mit dem Betrachter zu wandern scheint.
Auch bei den Bodenplatten kommt die eigens von Lucem entwickelte flache Lichttechnik auf LED-Basis zum Einsatz. Während die Dicke der Wandplatten 15mm beträgt, haben die Bodenplatten wegen der stärkeren Belastung eine Höhe von 30mm und ihr Format ist auf maximal 60cm x 60cm beschränkt. Die Unterkonstruktion ist so gestaltet, dass die Lichtbeton-Bodenplatten entweder am Rand oder auch vollflächig aufliegen.

LEUCHTENDE MÖBEL

Davon, dass der Lichtbeton nicht nur an Wand und Boden strahlenden Eindruck hinterlässt, können sich die Gäste des Radisson Blue Hotels am Hamburger Dammtorbahnhof überzeugen. Im »The Room«, einer Mischung aus Bar und Club im Souterrain des Hotels, leuchtet »Lucem«-Lichtbeton nicht nur an den Wänden, sondern auch als Verkleidung des 9m langen Tresens. Insgesamt wurden hier 40m2 des Materials verbaut. Die Panele sind mit Natursteinsilikon in Stahlrahmen mit T-Profilen eingeklebt. Darüber, ob der Tresen mit statischem Licht lockt, mit sanften Farbwechseln zum Loungen einlädt oder mit synchron zur Musik pulsierenden Effekten die Stimmung anheizt, entscheiden die Betreiber des »The Room« ganz nach Bedarf.[fullwithimg src=«/wp-content/uploads/Li7-8.14P9_8.jpg«][media type="image" id="8093" link="" caption="Abbildungen: Der 9m lange Tresen im "The Room" in Hamburg kann dank Lichtbeton seine eigene Lichtshow generieren. Hier sind die "Lucem"-Platten in eine Stahlkonstruktion eingeklebt. Dahinter sitzen im Abstand von 15cm LED-Streifen mit einzeln ansteuerbaren LEDs."] Abbildungen: Im Eingangsbereich dieses Bürogebäudes in London kommen die Lichtbetonplatten auf dem Boden und an der Wand zum Einsatz. Technisch funktionieren die Bodenplatten genauso wie die Verkleidungen für Innenwände und Fassaden. Angesichts der stärkeren Belastung werden sie allerdings in 30mm bis 40mm Dicke verarbeitet und das Format ist auf maximal 60cm x 60cm beschränkt. .[fullwithimg src=«/wp-content/uploads/Li7-8.14P9_9.jpg«]

Inspiration für Architekten und Interieurdesigner

Die Referenzen, die LUCEM mit namhaften Architekturbüros geplant und realisiert hat, umfassen renommierte Objekte wie die Lichtbetonfassade an der RWTH Aachen, Wandverkleidungen in der Bank of Georgia in Tilflis und der Signal Iduna Hauptverwaltung in Dortmund sowie Tresen in der Arup-Zentrale Moskau, dem Arabella Sheraton Hotel am Spitzingsee oder der Sinizy Bar in Moskau. Ein weiteres größeres Projekt ist ein Gebetsraum in Quatar, der 2013 gemeinsam mit dem renommierten niederländischen Architekten Rem Kohlhaas realisiert wurde.

Abb.: Am Neubau des Instituts für Textiltechnik an der RWTH Aachen bilden 136 Lichtbetonplatten eine 4m hohe und 30m breite Fassade. Das RGB-LED-Paneel hinter jeder Platte wird separat per DMX angesteuert. Über eine Software können online Lichtszenarien programmiert und abgerufen werden: von statischen Farben über bewegte Farbspiele bis zu interaktiven Darstellungen wie z.B. einem "Ping-Pong"-Spiel.

Fotos: Lucem GmbH, Stolberg, www.lucem.de