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01. Juli 2014

Alpenglühen

Lesezeit: ca. 6 Minuten
Abb.: Die eigens für den SPA entworfene Wellenskulptur bildet die Wasserbewegungen des Pools an der Decke ab und ist ein zentraler Bestandteil der gesamten Lichtinstallation: in den Holzlamellen integrierte LED-Stripes sind RGB-steuerbar, die verschiedene Farbszenen an der Deckenfläche entstehen lassen, hier in kühlen, blauen Gletschertönen.

Erlebnisreich SPA

Eine breite Fensterfront eröffnet den Blick auf den Zürichsee und die Bergkette der Alpen. Das imposante Panorama bildet die Kulisse für den SPA-Bereich einer Zürcher Villa, deren luxuriöse Ausstattung jeglichen Komfort zu bieten hat: im Mittelpunkt steht das Schwimmbecken mit einer Größe von 15 x 5 Metern und integriertem Jacuzzi, entlang der Treppe sind umkleiden mit Duschen und ein Massageraum angeordnet. Vor der Bruchsteinwand parallel zum Pool verläuft eine beheizte Steinbank, die nach römischem Vorbild als Tepidarium genutzt wird. Dort fügen sich Dampfbad, Erlebnisdusche und eine finnische Heißsauna ein, wobei die Auflage am Ende von Stein zu Holz wechselt.

»Im Rahmen unserer Lichtplanung konnten wir in die gestalterische Ausführung mit eingreifen«, erklärt Tobias Link. Ursprünglich war über dem Becken nur eine schlichte Gipskartondecke vorgesehen. Da das Haus in Hanglage gebaut ist und durch die breite Fensterfläche viel Tageslicht nach drinnen fällt, war es den Lichtplanern wichtig, eine gewisse Beleuchtungsstärke an die Decke zu bringen. »Wir entwarfen dafür eine raumbildende skulptur aus weiß lackierten Holzbalken, die über dem Pool schwebend eine Welle nachahmt«, so Tobias Link. In den einzelnen Hölzern sind Schlitze eingelassen, in denen sich RGB-steuerbare LED-Stripes befinden. Ohne zu erkennen, woher das Licht kommt, strahlen die LEDs indirekt auf die Deckenfläche und ermöglichen dabei, unterschiedliche Farbszenen abzubilden. Durch die Leuchten am Boden des Schwimmbeckens entsteht ein zusätzlicher Effekt: strahlt das Licht durch den Pool nach oben, wird die Bewegung des Wassers auf die Wellendecke projiziert.

Abb.: Drei dynamische Farbprogramme stehen zur Wahl, die jeweils mit der weißen Allgemeinbeleuchtung kombiniert werden können. Neben der Szenerie "Meeresfrische" in Blau und Weiß (links) sorgen Rot- und Orangetöne für eine wärmende Stimmung, Grün und Gelbnuancen wirken vitalisierend.

Eine Lichttreppe zu konzipieren, war aus Planersicht der herausragende Part ihrer Arbeit. Im SPA sind Schieferplatten verlegt, doch sie entschieden sich gegen eine herkömmliche Trittstufe desselben Materials. Stattdessen entwickelten sie zusammen mit Insta eine Flächen-LED-Leuchte, so genannte Planes, die sie als »Step Lights« ausgeführt und verbaut haben. Dabei stützen Acrylwände die Stufen ab. Die Acryleinheiten folgen einem 25 cm-Raster, worin die LED-Module in einem genau definierten Abstand zueinander verteilt sind, um eine homogene Ausleuchtung zu gewährleisten. Ein Element aus Blockglasstufen misst drei Meter, wobei jede Stufe mit einer 45 Grad-Gärung ausgebildet ist, um Schattenwurf zu vermeiden. Bei den Glasflächen handelt es sich um Verbundglas, ein Sandwichsystem (First Glass, Berlin) aus zwei Schichten und einer mittig verlaufenden, laminierten Streufolie, um das Licht gleichmäßig zu verteilen. Die oberste Glasschicht ist geätzt, was rutschhemmend wirkt und beim Barfuß laufen für eine angenehme Haptik sorgt. »Der Aufbau ist für eine leichte Handhabung konzipiert. Um das zu realisieren, haben wir viel Know How in die Entwicklung gesteckt«, so Tobias Link.

Abb.: Der weite Blick vom Pool reicht bis zum Zürichsee und auf die Silhouette der Alpen. Stein, Wasser und Licht schaffen eine scheinbar grenzenlose Verbindung zwischen SPA und Natur.

Der Wunsch des Bauherren war es, hauptsächlich mit farbigem Licht zu arbeiten. Die Designer entwarfen ein Konzept, das insgesamt vier Programme bietet, die über mehrfach verteilte Glasstouch-Schalter einzustellen sind. Vorlage für die Szenerien gaben Bilder aus der Natur:

  • Kaminfeuer, Lava, Feuer – diese wärmende, behagliche Stimmung vermitteln Rot, Orange und Amberrot
  • Meeresfrische und kühlende Gletscherfarben werden durch Blautöne und Weiß dargestellt
  • Grün- und Gelbnuancen erinnern an blühende Frühlingslandschaften und beschreiben ein belebendes, vitales Ambiente.

Die Allgemeinbeleuchtung in Warmweiß bildet das vierte Programm. Weißlicht-Downlights von Durlum liefern ein Spektrum zwischen 2500 bis 5000 Kelvin, um einen Adaptionsbereich fürs Auge zu schaffen, entsprechend des Wechsels zwischen Tag und Abend.

Die drei Farbprogramme verlaufen dynamisch in einem ruhigen Wechsel über 45 Minuten und können mit dem weißen Licht kombiniert werden. Der SPA ist zwar weitläufig, trotzdem liegen die einzelnen Zonen nahe beieinander. Daher legen die Nutzer nur eine Stimmung fest, können jedoch am Schalter mit der Helligkeit und dem Sättigungsgrad der Farben spielen. »Das Thema Farbe kommt als gestalterisches Element überall zum Einsatz, es soll aber unbewusst wahrgenommen und über die Oberflächen widergespiegelt werden«, fasst Tobias Link zusammen.

Abb.: Die leuchtende Treppe ist eine Spezialanfertigung. Sie besteht aus Blockglasstufen, in die Flächen-LED-Leuchten, so genannte Planes, eingebaut sind.

Überall dort, wo Wände an den gewachsenen Fels stoßen, bildet die Architektur das ab: die Oberflächen sind mit einem Sandstein aus der Region verkleidet. Sie werden von Lichtvouten in der Decke, die auch in den kleineren Räumen integriert sind, beleuchtet und zusätzlich von unten durch Bodeneinbauleuchten akzentuiert. Um die struktur des Steins zu unterstreichen, sitzen diese Leuchten nahe an der Wand. Im Deckenbereich über der beheizten Sitzbank wiederholt sich die Lamellenstruktur der Pool-Welle in schmalerer Dimension. Darin verteilte, eng strahlende Leuchten projizieren weitere Lichtinseln, ebenso wie der Sternenhimmel im Dampfbad. Vertikal beleuchtete Nischen im Flur stehen ergänzend für das Präsentieren von Kunstwerken zur Verfügung. Ein SPA als geschützter, emotional inszenierter Ort für ganzheitliche Erholung.

Vom Wellness-Tempel zur »Formel 1«

Abb.: Über RGB-steuerbare Lichtvouten an der Decke entstehen farbdynamische Bilder, die an Fahrspuren erinnern. Auch für die Garage sind mehrere Szenerien abrufbar.

Die etwa 150 Quadratmeter große Garage des Anwesens fungiert auch als Ausstellungsfläche und Veranstaltungsraum. Sie grenzt an den Weinkeller und ist von dort durch Fensteröffnungen ersichtlich. Für diesen Komplex entwarfen die Lichtplaner ein Konzept mit dem Thema »Formel 1«, das die Sportwagen, Limousinen und Oldtimer in den Fokus setzt. »Wir wollten Aspekte wie Aerodynamik und Stromlinienform hervorheben und mit Licht visualisieren«, meint Tobias Link. Die größte Herausforderung bestand dabei in der Deckenkonstruktion: durch bauliche Vorgaben in Bezug auf Brand- und Schallschutz standen den Lichtplanern lediglich 8 cm in der Höhe zur Verfügung. Mit maßgefertigten Einzelmodulen wurden die Lichtvouten in der Decke ausgebildet. Sie verlaufen gerade und in Bögen. Um die Kanten optisch verschwinden zu lassen, wurden sie zur Voutenöffnung hin bis auf 15 Grad herunter geschliffen, auch die Hohlkehlen erforderten eine filigrane Handarbeit beim Schleifen und Streichen. Die Vouten im Decken- sowie im Sockelbereich beinhalten »LEDLUX«-Leuchten in linearer Bauweise von Insta. Deren RGB-Steuerung ermöglicht es, dass an der Decke dynamische Fahrspuren aus Licht erscheinen, ähnlich wie bei Taxiways am Flughafen. Die beleuchteten Sockel fassen die gesamte Fläche als Rahmen zusammen. Die LED-Module sind dabei innerhalb eines 30 cm-Rasters ansteuerbar. Vergleichbar mit dem SPA, sind auch in der Garage verschiedene Lichtstimmungen über Wandschalter oder das Handy abrufbar, die sich thematisch auf den Motorsport beziehen. Was diese Lichtinstallation leisten kann, zeigt sich vor allem in Kombination mit Musik, wenn die Farbverläufe und Wechsel schneller stattfinden.

VIDEO: Ein Video des Lichtplanungsbüros zeigt die beeindruckende Lichtinstallation in der Züricher Villa (http://vimeo.com/77806561).

Lichtplanung: Tobias Link Lichtplanung, Saarbrücken, www.tobiaslink.de
Elektroplanung: Hefti.Hess.Martignoni, Zug, Schweiz
, www.hhm.ch
Steuerungsentwicklung: Tobias Link Lichtplanung, Saarbrücken; AVS Systeme AG, Hünenberg, Schweiz
, www.avs-systeme.com
Steuerung: e:cue Lighting Control Server, 9 x butler XT; e:cue Glasstouch Lichtschalter
, www.ecue.de
Leuchten Allgemeinbeleuchtung: Durlum Milieuleuchten, www.durlum.de; Wibre Bodeneinbauleuchten 3W, www.wibre.de; Luceplan Downlights mit Philips 7W Masterline Retrofit Lampen, www.luceplan.com; Hoffmeister Downlight LED DL 200, www.hoffmeister.de
Akzentleuchten Garage: Tobias Grau »George« Leuchtmittel: Philips Masterled HV
, www.tobias-grau.com
Sonderleuchten / LED-Technik: Instalight LEDLUX LX Module, Instalight LEXTRIX PLANE, Module zur Hinterleuchtung von Glasflächen und -treppen, Instalight 3018 Einbauleuchten 2,5W, Instalight 3065 Strahler: Insta Elektro GmbH, Lightment, Lüdenscheid
, www.insta.de
Fibre Source Projektor für Sternenhimmel Dampfbad: Martin Professional, München, www.martin-professional.de
Blockglasstufen: First Glass, Berlin, www.first-glas.com
Fotograf: Tom Gundelwein, Saarbrücken, www.tom-gundelwein.de
Text: Andrea Mende, www.wohnredaktion.de