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26. Mai 2014

Vorhang auf, Film ab!

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Kapitel 1

Das Tätigkeitsgebiet der Innenarchitektin und Designerin Anne Batisweiler ist umfangreich und vielschichtig: Büros, Gastronomiebetriebe, Läden, Praxen, Ausstellungsflächen, Privathäuser. Vor allem aber hat sie sich in einem Bereich weit über die deutschen Grenzen hinaus einen klangvollen Namen gemacht: Das Büro Batisweiler gehört zu den führenden Architekturbüros, wenn es um den Umbau oder die Neugestaltung von Lichtspielhäusern geht − Technik inklusive. Das Royal-Kino, das Atlantis, die Gabriel-Lichtspiele, Constantin Film oder Paramount Pictures, der Xinedom in Ulm, das Ambo in Stuttgart, der Cinedom in Köln, das Deutsche Filmhaus in Wiesbaden und das Cineplex in Memmingen gehören dazu. Zu den aktuellsten Projekten zählen der Gloria-Palast und das Museum-Lichtspiele, beide in München.

Im mondänen Münchner Gloria-Palast trafen sich in den 1950er und 60er Jahren die internationalen Filmstars zu den Filmpremieren. Im Stil dieser Zeit, aber modern interpretiert, wurde das Foyer mit der prächtigen Treppe einladend gestaltet. Innovative LED-Technik trifft auf pompöses Leuchtendesign.

Mondän und glamourös

Im geschichtsträchtigen Münchner Gloria-Palast trafen sich in den 1950er und 60er Jahren die Filmstars aus aller Welt zu prachtvollen Filmpremieren. Der Gloria-Palast, mit dem sich Ilse Kubaschewski − die Grande Dame des Kinos − ihren lange gehegten Traum vom eigenen Lichtspielhaus erfüllte, war das Mekka für Glanz und Glamour, für die Schönen, Reichen und Berühmten des Deutschen Films. Zu der mondänen Ausgestaltung des Kinos gehörten auch beeindruckende Wasserspiele mit farblich wechselndem Licht, deren Fontänen von einem Orgelspieler auf seinem Instrument musikalisch untermalt wurden, bevor der Vorhang aufging. Auch an diesem Kino nagte der Zahn der Zeit, bis die Münchner Innenarchitektin und Designerin Anne Batisweiler mit dem Umbau des Lichtspielhauses beauftragt wurde.

Zur besonderen Ausstattung des Kinos gehörte auch eine beeindruckende "Licht- und Wasserorgel" mit farblich wechselndem Licht, deren Fontänen von einem Orgelspieler auf seinem Instrument musikalisch untermalt wurden, bevor der Vorhang aufging. Im Hintergrund erkennt man eine Abbildung dieser Licht- und Wasserspiele. Diese Idee griff Anne Batisweiler auf und so entstanden Wand- und Deckenleuchten aus Licht reflektierenden Strass-Steinen und Glasklunkern.

Eines war ihr schnell klar, nämlich die Idee der Wasserspiele wieder aufzugreifen. So entstanden Wand- und Deckenleuchten aus Licht reflektierenden Strass-Steinen und Glasklunkern, die Wassertropfen gleich ihr Licht in Form kleiner Lichtpunkte auf die Wände und in den Raum streuen – im Foyer ebenso wie in den Gängen und dem Kinosaal. Die von FirstLight, München, entwickelten Wandleuchten sind mit unterschiedlich starken Philips LEDs mit 2700K ausgestattet. Die pompös wirkenden Leuchten treffen auf dunkelrote Teppiche und perlmuttschimmernde Wände im zarten Champagnerton und werden unterstützt von einer indirekten Beleuchtung über Vouten und Lisenen.

Die Voutenbeleuchtung erfolgt über LED-Stripes der Firma Seebacher, die über nur einen LED-Treiber angesteuert werden. Die von FirstLight entwickelten Wandleuchten nehmen die Idee der damals dort aufgeführten Licht- und Wasserspiele in ihre fließende Form auf.

Die Voutenbeleuchtung erfolgt über extrem leistungsfähige »ISYnet P14-LED-Stripes« von Seebacher, Bad Tölz, die über nur einen »ISYGLT« LED-Treiber angesteuert werden. Die Fronten der Theken präsentieren sich im Swing der 50er Jahre, gepolstert, gesteppt und mit Strass-Steinen versehen. Die Beleuchtung ihrer Konturen und Sockel stammt von der Mario Dressel GmbH aus Siegritz, die auch für die Fußboden- und Vitrinenbeleuchtung herangezogen wurde.

Auch die Gestaltung des Kinosaals setzt neue Akzente: Hochfloriger, dunkelbrauner Teppich, extra breite, speziell entworfene Ledersessel, klappbare Tischchen und auf Wunsch Kissen und Decken sorgen für ein Kinoerlebnis auf höchstem Niveau. Wenn sich dann die beiden in Rot und warmem Weiß gehaltenen Vorhänge öffnen, heißt es »Film ab«!

EG-Grundriss des Gloria-Palasts
Ansichten Gloria-Palast: Foyer Erdgeschoss und Obergeschoss
Schnitt des Gloria-Palasts

Horror ist hier Kult

Das Museum-Lichtspiele, das zweitälteste Kino Münchens (1910), ist eines der legendärsten Kultkinos. Denn seit fast 40 Jahren läuft hier jede Woche die »Rocky Horror Picture Show« – ab 1980 sogar in einem extra für den Film dekorierten Saal. Damit brachte es das Kino nicht nur in das »Guinnessbuch der Rekorde«, sondern wurde auch in aller Welt bekannt. Der Name Museum-Lichtspiele stammt übrigens von seiner Lage unweit des Deutschen Museums. Mit über 100 Jahren ist dieses berühmt-berüchtigte Lichtspielhaus allerdings in die Jahre gekommen und musste dringend einer Renovierung unterzogen werden. Im Mittelpunkt dieser Arbeiten stand der Umbau des Kino-Foyers mitsamt der alten Theke, die überflüssigerweise einen Engpass im Foyer und damit lange Besucherschlangen bildete.

Abb. 1
Abb. 2
Abb. 3

Abb. 1-3: Das Museum-Lichtspiele ist eines der legendärsten Kultkinos. Für die Beleuchtung der Theke kommen RGB LED-Profile von Hansen Neon zum Einsatz. Rotes, blaues und pinkfarbenes Licht im Wechsel schaffen eine sinnliche Atmosphäre.

»Das Hauptanliegen bei der Renovierung bestand darin«, so Anne Batisweiler, »den Look des alten Horrorschlosses wieder zu finden, allerdings in moderner Interpretation.« Diesem Anliegen folgend wurde die Theke in ein schwarz-rotes Mieder gesteckt. Die Frontplatten werden dabei mit Hilfe schwarzer Schnüre in Form gehalten.

Für die Beleuchtung der Theke (Gesims, Rückblende und Sockel) kommen RGB LED-Profile von Hansen Neon, Typ 220 mit 14,1 W/lfm zum Einsatz. Rotes, blaues und pinkfarbenes Licht im Wechsel schaffen eine sinnliche Atmosphäre. Bei den Decken- und Thekeneinbauleuchten fiel die Wahl auf Strahler von SLV Elektronik. Die »Triton 6 Gimble-Spots« sind mit 6x PowerLED 1W, einer Farbtemperatur von 3000K und einem Lichtstrom von 680lm ausgestattet. Die Wandleuchten unter der Decke stammen ebenfalls von SLV (»DomeLED Ceiling«) und verfügen über 6x PowerLED 1W, warmweiß.

Um den Eindruck des Horrorschlosses noch weiter zu unterstützen, wurden spezielle Wandkandelaber und Kronleuchter entworfen und vom Modellbauer realisiert. Sie stammen von der Technik & Design GmbH und sind mit »LEDcandle« 4W, 2785K, 273lm bestückt. Goldene Säulen und Halbsäulen, verschnörkelte Spiegel, gemalte Zitate aus dem Film über dem Eingang zum Rocky-Horror-Saal sowie an den Filmplakaten herunterlaufendes Pech verstärken das leicht gruselige, aber dennoch amüsante Gesamtbild. Die Sicherheits- und Hinweisbeleuchtung stammt von RP-Technik Notstromsysteme und basiert ebenfalls auf LED.

Um den Eindruck des Horrorschlosses aus dem Film "Rocky Horror Picture Show" noch weiter zu unterstützen, wurden spezielle Wandkandelaber und Kronleuchter entworfen und vom Modellbauer realisiert.
"Enter at your own risk": Seit fast 40 Jahren läuft im Museum-Lichtspiele jede Woche die "Rocky Horror Picture Show" – ab 1980 sogar in einem extra für den Film dekorierten Saal.
Grundriss des Foyerbereichs im Museum-Lichtspiele.
Projekte: Gloria-Palast und Museum-Lichtspiele in München
Architektur/Design: Anne Batisweiler, München; www.anne.batisweiler.de
Fotos: Wolfgang Pulfer, München
Zeichnungen: Anne Batisweiler
Text: Factlight PR

Anne Batisweiler, Dipl.-Ing.(FH), Dipl. Designerin, Mitglied im BDIA

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  • 1982–87: Innenarchitekturstudium an der FH Rosenheim
  • 1987–90: Visuelle Kommunikation an der Hochschule der Künste Berlin
  • 1991–97: Lehrauftrag an der FH Rosenheim im Studiengang Innenarchitektur und Aufbaustudiengang Szenografie (Film- und Fernseharchitektur)
  • 1992: Gründung des Büros
  • Seit 1992 Gastvorträge, Mitglied in verschiedenen Jurys und Auswahlgremien
  • 2002–03: Lehrauftrag an der FH München im Studiengang Kommunikationsdesign