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26. Mai 2014

Im Porträt: Joerg Krewinkel von Lichtkompetenz

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Kapitel 1

LICHT: Herr Krewinkel, was hat Sie dazu veranlasst, Lichtplaner zu werden?
Joerg Krewinkel: Ich habe in jungen Jahren leistungsmäßig Handball gespielt. In dieser Zeit hat es mich nach Lemgo verschlagen. Dort habe ich knapp 10 Jahre in der 1. Bundesliga gespielt. Da zu dieser Zeit der Handballsport noch kein Vollprofisport war, habe ich nach einer kaufmännischen Grundausbildung bei einer Bank schnell den Weg zur Firma Staff Leuchten in Lemgo gefunden; nach einem 9-monatigen Trainée-Programm war ich vom Licht-Virus infiziert. Nach knapp 8 Jahren als Lichtplaner bei Zumtobel Staff bin ich dann 1996 für Zumtobel nach Zürich gezogen, um dort Marketing und Vertrieb zu machen.
Während dieser Zeit habe ich noch zwei eidgenössische Weiterbildungen in Marketing und Vertrieb absolviert. Im Jahre 2002 habe ich mich dann in die Selbstständigkeit begeben und die Firma Lichtkompetenz gegründet.

LICHT: Woher holen Sie und Ihr Team die Ideen und Inspirationen?
Joerg Krewinkel: Wir arbeiten bei der Lichtkompetenz interdisziplinär und haben einen ganzheitlichen Planungsansatz. Desweiteren haben wir ein internationales Team bestehend aus Mitarbeitern aus Deutschland, Italien, Spanien, Litauen, Bulgarien und China. Hiermit versuche ich bewusst eine gesunde Durchmischung verschiedenster konzeptioneller Denkansätze zu kombinieren, um ein perfektes Ergebnis zu erreichen.
Ich persönlich reise aufgrund der internationalen Projektrealisierungen extrem viel und hole mir dort in den verschiedenen Ländern und deren Kulturen sehr viel Input und Inspirationen.

Team

LICHT: Ihre Referenzen reichen von Lichtkonzepte für exklusive Wohnbauten, Hotels und Büros bis hin zur Shop-Beleuchtung. Was war ihr spannendstes Projekt?
Joerg Krewinkel: Das Spannende am Thema Licht im Projektgeschäft ist, dass es immer wieder neue Konstellationen gibt. Sei es die Zusammensetzung der Projektteilnehmer oder auch die Rahmenbedingungen des jeweiligen Projektes. Somit bleibt es immer wieder interessant und kommt zu neuen Herausforderungen und auch Höchstleistungen.
Ein sehr spannendes Projekt war das Aurelio Projekt in Lech am Arlberg. Aufgrund der limitierten Bauzeit in Lech im Sommer musste dort der gesamte Innenausbau in 6 Monaten realisiert werden. In dieser Zeit hatten wir mit dem Interior-Designbüro MHZ aus London und Paris zu tun, das bedeutete: eine Firma aber zwei Büros mit unterschiedlichen Ansprechpartnern. Die einzelne Gewerke auf der Baustelle wurden auch durch mehrere Firmen ausgeführt – also auch hier hatten wir mehrere Ansprechpartner vor Ort. Dies war eine sehr intensive Zeit, das Endergebnis aber hat alle zufriedengestellt und noch heute erhalten wir sehr viele Komplimente dafür.

In der Grande Epicerie de Paris werden an die 30.000 Gourmetprodukte angeboten.
Das Grande Epicerie de Paris verfügt auch über eine große Lebensmittelabteilung.

LICHT: Als Lichtplaner sind Sie mit Ihren Projekten weltweit tätig – von Paris bis Singapur, von Istanbul bis Bali. Gibt es kulturelle Besonderheiten in der Lichtgestaltung?
Joerg Krewinkel: Dies hängt in erster Linie von den Bedürfnissen der Auftraggeber ab. In den verschiedenen Anwendungen von Retail, Hospitality und auch High-End-Residential geht es natürlich um Erlebniswelten, jedoch beeinflussen die verschiedenen »Geschmäcker« unseren kreativen Spielraum, mal mehr, mal weniger. Wichtig ist immer, dass wir uns alle auf Augenhöhe unterhalten können. Wir sind keine Befehlsempfänger, wobei es nur darum geht etwas »Hellzumachen«. Nur der kreative Dialog bringt einzigartige Lösungen hervor.

Für Beymen entstanden neue Verkaufsräume im Zorlu Center in Istanbul.
Das Lichtkonzept für Beymen gestaltete das Schweizer Büro Lichtkompetenz.

LICHT: Erstmals hatten Lichtplaner auf der Euroshop die Möglichkeit, sich als Aussteller zu präsentieren. Auch das Büro Lichtkompetenz war in der Lighting Designers’ Zone dabei. Wie finden Sie das neue Konzept?
Joerg Krewinkel: Dies ist für mich der richtige Ansatz. Nachdem man vor Jahren den Retail-Architekten mit der Designer Village eine Plattform geboten hat und die Sache sich etablierte, kam jetzt der Versuch mit den Lichtplanern. Das Echo war sehr gut und wir werden sicherlich auf der nächsten Euroshop wieder mit dabei sein. Eine kleine Fußnote möchte ich dennoch platzieren: Es sollten nur reine Planer dabei sein und keine besseren Einzelhändler, die auch Leuchten vertreiben. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass man in zwei Jahren auf der Light & Building auch den Lichtplanern eine Plattform bieten wird.

LICHT: Wie beurteilen Sie die berufliche Situation der Lichtplaner?
Joerg Krewinkel: Das Thema Lichtplanung und Lichtdesign kommt immer mehr, die Affinität hierfür wächst täglich. Jedoch muss dringend eine Honorarordnung implementiert werden. Solange dies nicht der Fall ist, werden wir noch länger stiefmütterlich behandelt. Um es mit klaren Worten auszudrücken: Die Charity-Zeit ist jetzt vorbei, Lichtdesigner sind ernstzunehmende Fachplaner mit extrem hohen Know-How, welches Wert ist, ausreichend entlohnt zu werden.

La Cave

La Cave
La Cave

Weinkeller »La Cave«
Ende 2012 eröffnete die Grande Epicerie de Paris ihren neuen Weinkeller »La Cave«. Die 550m² große Verkaufsfläche im Untergeschoss von Le Bon Marché – Paris‘ erstes und traditionsreichstes Warenhaus – verbindet mit 3.000 sorgfältig ausgewählten Weinen ein neues Restaurant und die Abteilung für Männermode »Balthazar«.
Das beeindruckende Angebot von 200.000 Flaschen besten Weines, Spirituosen und Champagnern wird in einer warmen, gedämpften Atmosphäre präsentiert. Diese entsteht hauptsächlich durch möbelintegrierte Beleuchtung mit hohem Farbwiedergabeindex, die die Hochwertigkeit der angepriesenen Waren hervorhebt. Wenige Downlights und Bodeneinbauleuchten betonen die edle und vornehme Optik und die hohe Qualität des Interieurs. Das Lichtkonzept basiert auf drei Kernzonen von warmweißer Beleuchtung in den Gewölben zu neutralweißer in den Verkehrszonen und kaltweißer Beleuchtung im zentralen Kuppelbereich. Dieser Aufbau unterstützt auch den Tageslichteinfall durch das Atrium. Etliche Anpassungen der Möbel-Licht-Details und des dekorativen Lichts im Entwurfsprozess gewährleisten, dass nun helles, blendfreies Licht den Kunden durch alle kurvenförmigen und dekorativen Elemente führt und ungewünschte Schatten auf den Produkten vermeidet.

Kunde: Le Bon Marché, Paris
Ausführende Architekten: DYA, Paris
Entwicklung Design: Delacroix & Friant, Bruxelles
Architekten/Konzepte: Concrete, Amsterdam
Möbeldesign: Schweitzer, Naturns
Lichtplanung: Lichtkompetenz, Zürich

Fotos »La Cave«: Virgile Guinard
Andere Fotos: Lichtkompetenz

Joerg Krewinkel, Profil Lichtkompetenz GmbH, www.lichtkompetenz.ch

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Joerg Krewinkel ist seit mittlerweile 20 Jahren im Beleuchtungsbereich tätig. Bis zu seiner Selbstständigkeit hat er lichtplanerische und vertriebliche Erfahrungen im nationalen und internationalen Projektgeschäft gesammelt und sich dort ein großes Know-How aufgebaut.
Im Jahre 2002 gründete er das Lichtplanungsbüro Lichtkompetenz. Die Vielzahl nationaler und internationaler Projekte dokumentieren den ganzheitlichen Ansatz in den verschiedenen Anwendungsgebieten. Das lichtplanerische Tagesgeschäft wird durch Vorträge und Schulungen bis hin zu strategischen Beratungen abgerundet.