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12. Mai 2014

Licht für den Indoor-Dschungel

Lesezeit: ca. 3 Minuten

Kapitel 1

Tiere, Pflanzen und Besucher im Blick

Großen Wert legt die Wilhelma in Stuttgart darauf, dass sie nicht nur einer der beliebtesten deutschen Zoos, sondern mit gleichem Anspruch auch botanischer Garten ist. Architektonische Erweiterungen werden dadurch nicht einfacher: Sie müssen die Interessen von Tieren, Pflanzen und Besuchern funktional und ästhetisch integrieren. Jüngst eröffnetes Musterbeispiel dafür ist das neue Menschenaffenhaus. Seit Mai 2013 bietet es den Gorillas und Bonobos dreizehn Mal mehr Platz als ihr früheres Domizil aus den 1970er-Jahren. Wie ein Bergrücken aus Beton schmiegt sich das Gebäude in den Landschaftspark der Wilhelma im Osten Stuttgarts; Innen- und Außengehege der Affen fügen sich seitlich an den langgestreckten Besucherbereich.

Um eine möglichst unmittelbare Begegnung zwischen Menschen und Affen zu ermöglichen, sind die Gehege zum Besucherbereich hin großzügig verglast. Die üppige tropische Bepflanzung umrahmt die Fensterflächen und schafft Dschungelatmosphäre. Den Tieren bietet die Vegetation vor den Gehegen einen Sichtschutz und die Möglichkeit zum Rückzug. Dabei achteten die Botaniker der Wilhelma darauf, den Lebensraum der Menschenaffen mit rund 75 Pflanzenarten aus den afrikanischen Tropen authentisch darzustellen. Es liegt auf der Hand, dass diese Vegetation unter europäischen Bedingungen zusätzliche Beleuchtung benötigt, um zu gedeihen. Dazu wurden an den Sichtbetondecken über hundert Scheinwerfer von WE-EF Leuchten installiert und auf die Pflanztröge oberhalb und die Beete entlang der Verglasung ausgerichtet.

Die in Pflanztrögen oberhalb oder in Beeten entlang der Gehegeglasscheiben arrangierten Pflanzen sorgen für ein gutes, feuchtes Raumklima und dienen den Tieren bei Bedarf als Sichtschutz. Einfallendes Tageslicht und künstliche Beleuchtung sorgen dafür, dass das Grün im Innenbereich gedeihen kann.

Lichtspektrum fördert Pflanzenwuchs

Mit seinem neutralen, technischen Design, der einfachen Handhabung und seinen effizienten optischen Systemen konnte sich der Scheinwerfertyp »FLC240« für das Projekt qualifizieren. Die Gehäuse in Schutzart IP66 verfügen über die von WE-EF entwickelte 5CE-Korrosionsschutztechnologie und sind damit dauerhaft gegen die tropische Luftfeuchtigkeit im Gebäude gewappnet.

Mit optischem Zubehör wie allseitigen oder bandförmigen Streulinsen sind die Lichtverteilungen so abgestimmt, dass auf den unterschiedlichen Pflanzebenen jeweils Beleuchtungsstärken von rund 3000lx erreicht werden. Dazu erfolgten im Vorfeld Bemusterungen und Messungen in einem Ludwigsburger Filmstudio, das vergleichbare Montagehöhen bot.

Das Team um den technischen Leiter Botanik der Wilhelma, Dirk Herkert, votierte für Scheinwerfer mit Halogen-Metalldampflampen anstatt der zunächst favorisierten LED-Lösung, weil letztlich die spektralen Eigenschaften der Lichtquelle über Erfolg oder Misserfolg der Pflanzenbeleuchtung entscheiden: Zu konventionellen, austauschbaren Lampen gibt es mehr Erfahrungswerte und sie bieten Spielraum für zukünftige Optimierungen.

Laufbalken, Sitzbretter, Seile, Schaukeln, Hängematten, Planschbecken, Affenduschen und sogar ein Videobildschirm schaffen ein abwechslungsreiches Umfeld für die Bonobos und Gorillas.

Üppiges Grün und gute Sehbedingungen

Bereits im Rückblick der ersten Monate hat sich die Lösung hervorragend bewährt. Das Licht der warmweißen Halogen-Metalldampflampen 150W bietet einen guten spektralen Kompromiss zwischen den Bedürfnissen der Pflanzen und denen der Besucher. Das Wachstum der Vegetation, berichtet Herkert, erfüllt bislang die Erwartungen. Obwohl die aus formalen Gründen gewählte, streng lineare Anordnung der Scheinwerfer an der Decke die optimale Ausrichtung nicht vereinfachte, gelang eine präzise, gleichmäßige Beleuchtung der Pflanzen ohne störende Reflexblendung in den Glasscheiben des Gebäudes.

Die Anlage, die dem tropischen Tagesrhythmus entsprechend täglich von 6 bis 18 Uhr in Betrieb ist, lässt sich zur Reduktion des Energieverbrauchs in Gruppen schalten. So kann zum Beispiel ein Teil der Scheinwerfer ausgeschaltet werden, wenn im Sommer Bereiche der Bepflanzung durch Fenster und Oberlichter ausreichend Sonne erhalten. Den Besuchern wiederum präsentiert sich das üppige Grün in brillantem, natürlich wirkendem Licht – und lockt damit, dank der transparenten Fassaden des Affenhauses, schon von weitem in diese neue Attraktion der Stuttgarter Wilhelma.

Die Innenanlagen sind teils bis zu 7m hoch. Eine genaue Ausrichtung der Strahler und verschiedene Optiken stellen für die Pflanzen auf allen Ebenen ausreichende Beleuchtungsstärken sicher.

Bauherr: Land Baden-Wüttemberg, Vermögen und Bau Baden-Württemberg Amt Stuttgart
Architekten: Hascher Jehle Architektur, Berlin, www.hascherjehle.de
Leuchtenhersteller: WE-EF Leuchten, Bispingen, www.we-ef.com
Fotos: Andreas Körner, Stuttgart, www.a-koerner.de