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12. Mai 2014

Im Porträt – Lichtdesigner Tobias Link

Lesezeit: ca. 7 Minuten

Kapitel 1

»Zu Beginn meiner Selbständigkeit als Lichtplaner und -designer 1991 schenkte mir ein Freund eine Karte mit dem Text ‚Es sind die Phantasten, die die Welt verändern, nicht die Erbsenzähler‘ », erinnert sich Tobias Link aus Saarbrücken an die Anfänge seines Planungsbüros. Dieser Kartentext begleitet ihn seither in seinem Arbeitsleben.

Als Berufseinsteiger konnte er sich nicht vorstellen, wie abwechslungsreich und vielfältig die Arbeit als Lichtplaner werden würde. Anfangs hoffte er noch, dass sich im Laufe der Zeit eine Routine einstellen würde. Heute weiß er, dass sie niemals kommen wird und ist auch froh darüber. Link hat gelernt, dass alle Projekte so individuell sind wie ihre Auftraggeber und deren Wünsche. Glücklicherweise schaffe auch eine fortschreitende Globalisierung der Welt im Hinblick auf Marken, Design und Identität keine uniformen Lebens- und Arbeitsräume, meint Tobias Link.

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Tobias Link
Tobias Link (rechts im Bild) arbeitet seit 1990 im Bereich der szenografischen Beleuchtung. Zu Beginn schuf er für Theater und TV emotional ausdrucksstarke Inszenierungen. 1995 begann er erste Arbeiten im Bereich kinetischer Inszenierungen in der Architektur. Den Schwerpunkt seiner Arbeit legt er je nach Aufgabenstellung in das mehr klassische Lichtdesign oder in den stark emotional geprägten künstlerischen Bereich. Neben der reinen Lichtschöpfung entwirft er auch raumbildende Skulpturen, die er wiederum mit Licht belebt. Seine künstlerischen Arbeiten sind meist technisch inspiriert, was auch die Entstehungsphase widerspiegelt, die fast immer im virtuellen Raum stattfindet.

Oliver Link
Oliver Link begann bereits im Alter von sieben Jahren Klavier zu spielen und nahm mit zwölf Jahren Unterricht bei Prof. Jean Micault an der Musikhochschule des Saarlandes. Nach dem Abitur studierte er für einige Semester Elektrotechnik, bevor er sich 1995 wieder der Musik widmete. Für fast zwei Jahre stand er mit dem Projekt »La Bouche« der amerikanischen Sängerin Melanie Thornton in der ganzen Welt auf der Bühne. Sein erstes eigenes Projekt »EXE« wurde 1998 veröffentlicht. Seit 1999 entwickeln er und Tobias Link Projekte, anfangs im Bereich der szenografischen Beleuchtung und seit einigen Jahren auch Leuchtendesigns für verschiedene Hersteller, u.a. für Robe Show Lighting und ihre eigene Marke »Tobias Link«.

Verständnis für den Beruf des Lichtplaners

Jedes Bau- und Gestaltungsprojekt hat – unabhängig vom Umfang – seine eigenen Bedürfnisse und stellt individuelle Anforderungen an das Licht. Laut dem Firmengründer ist das auch selbstverständlich, denn erst mittels Licht werde ein Raum sicht- und erlebbar. Der dadurch entstehenden Verantwortung ist Tobias Link sich stets bewusst, die schier unbegrenzten Gestaltungsmöglichkeiten faszinieren ihn auch noch nach über 20 Jahren.

Diese Vielzahl der Möglichkeiten Kunden und Projektpartnern nahe zu bringen ist Teil des Berufsbildes eines Lichtplaners. Ein ausgeprägtes Verständnis für die Bedeutung und Einsatzmöglichkeiten von Licht und somit für den Beruf des Lichtplaners und -designers fehlen laut Link noch häufig in der Gesellschaft.

So komme es auch dazu, dass ein Großteil der Arbeitszeit darauf verwendet werden müsse, alle Projektbeteiligten für die Vielfältigkeit rund um das Themengebiet Licht zu sensibilisieren. Kundenwünsche seien häufig vom Blick auf die Kosten oder den Einsatz einer zum Bauzeitpunkt gerade in den Medien als innovativ gefeierten Lichtquelle dominiert. Häufig sei Baupartnern auch nicht klar, dass sowohl die Inspiration des Architekten als auch die Tradition eines Ortes ebenso in eine gekonnte Lichtplanung integriert werden könnten, wie Corporate Identity und Corporate Design oder Marketing-Strategien.

Der Lichtplaner – das Bindeglied

Idealerweise ist beim Projektablauf der Lichtplaner das Bindeglied zwischen Architekt, Bauherr und Elektroplaner. Der Lichtdesigner orchestriert Stimmungen in einem Raum im Sinne der Schöpfer und der Menschen, die ihn nutzen. Tobias Link vergleicht diesen Teil seiner Tätigkeit mit dem Gestalten einer Theaterbühne: »Wir entwerfen visuell erlebbare Welten, die Geschichten erzählen, oder wir erschaffen eigenständige Erscheinungsbilder, die ein Produkt im Raum und unserem Umfeld positionieren. Wir adressieren Räume und geben ihnen Identität. Das ist es, was uns antreibt und uns bewegt.«

All das sei natürlich auch immer davon abhängig, in welchem Bereich man gerade plane. In manchen Branchen etabliere sich Lichtplanung nach wie vor eher schleppend. Bei der Fachmesse für Ladenbau, der Euroshop in Düsseldorf, sei im Februar 2014 erstmals ein eigener Bereich der Arbeit des Lichtplaners gewidmet worden. Jenseits der »Lighting Designers‘ Zone«, sei das Potenzial für individuelle Lichtgestaltung noch lange nicht ausgeschöpft. Ein Phänomen, das Tobias Link auch nach wie vor in den Bauabteilungen der Warenhäuser beobachtet.

Warum das noch immer so ist, will sich ihm nicht ganz erschließen. Immerhin könne es doch für alle Beteiligten eine Bereicherung sein, einen Planer mit ins Team zu nehmen. Als Beispiel nennt er einen von seinem Büro mitgestalteten Neubau der Möbel Martin-Gruppe: »Neben den Standards wie der Senkung des Energieverbrauches und der Anschaffungskosten der Lichtanlage gelang es uns, zusätzlich durch die Gestaltung unterschiedlicher Deckenspiegel und -skulpturen das Raumgefühl positiv zu verstärken. Durch den Aufbau von Adaptionswegen konnten wir den Übergang vom Tageslicht ins Kunstlicht stark verbessern, ein Problem, mit dem die Bestandshäuser der Gruppe nie zurecht kamen. Durch eine klare Lichtführung gelang es uns, das Haus zu gliedern und den Kunden besser über die Verkehrsknotenpunkte zu leiten.«

{{image file=«möbelmartin006.jpg« caption=«Die neueste Filiale von Möbel Martin in Mainz ist mit einer Verkaufsfläche von 45.000 m² das größte Haus seiner Art in Rheinland-Pfalz und Rheinhessen. Die Deckenwelle aus Gipskarton und Lichtvouten stammt von Tobias Link Lichtplanung.«}}
{{image file=«möbel-martin55454A.jpg« caption=«Grafische Deckengestaltung mit Licht bei Möbel Martin, Mainz.«}}

Von Künstlern und Technikern

Es sind Sonderlösungen dieser Art, in denen der Saarbrücker Lichtplaner eine der größten Stärken seines Unternehmens sieht. Dabei sei es zweitrangig, ob es sich um raumbildende Maßnahmen, Sonderleuchten oder Lichtsteuerungen handele. Lichtplaner seien sowohl Künstler als auch Techniker und dazu da, Architekten und Bauherren zu unterstützen.

Beispielhaft hierfür ist »The Living Seas«, eine begehbare, interaktive Licht- und Klangskulptur, die das Büro Link 2004 im Rahmen der Lichtplanung für die ECE-Mall »nova | eventis« in Leipzig entworfen hat. Im Bereich des Haupteingangs wird ein 40 Meter langer Steg von 56 Stahl-Bögen überspannt. Ist der Steg leer, »dämmert« die Skulptur in dunkelblauem Licht und meditative Tropfgeräusche sind zu hören. Wird der Steg betreten, erwacht er zum Leben, dynamisches Licht in Wellenform begleitet den Besucher auf jedem Schritt, die Klangpartitur gewinnt an Tempo. »The Living Seas« war direkt nach der Fertigstellung für den Bundes-Designpreis nominiert, ihm Rahmen einer architektursoziologischen Studie wurde ihr der Status eines Kunstobjektes attestiert, welches eine nachhaltige attraktive Wirkung auf die Mall ausübt.

»An diesem Projekt lässt sich auch sehr gut unsere Arbeitsweise verdeutlichen«, erklärt Tobias Link. »In solch komplexen Abläufen wie multimedial gestalteten Räumen kann nichts dem Zufall überlassen werden. Aus diesem Grund entstand ein 1:20 Modell des späteren Objektes, in dem wir unseren skulpturalen Entwurf im Zusammenspiel mit Sensorik, Licht und Klängen getestet haben. Die Steuerung war hier schon die, die später vor Ort eingebaut wurde.«

Aktuell ist eines der Projekte aus dem Hause Link für den Deutschen Lichtdesignpreis nominiert, der am 15. Mai in Berlin vergeben wird: das Weingut Franz Keller in Oberbergen im Kaiserstuhl.

»Ein traumhaft schönes Projekt der Architekten Geis und Brantner, das in großen Teilen in Sichtbetonbauweise gebaut wurde. Als wir im Dezember 2012 mit der Lichtkonzeption beauftragt wurden, stand bereits der komplette Rohbau, was unsere Aufgabe natürlich erschwerte. Manche Vorgaben, wie Kabelauslässe, Eingusstöpfe und Leitungen waren bereits buchstäblich in Beton gegossen. Hinzu kam der Wunsch des Bauherrn, die Ausleuchtung des Arbeitsbereiches der Traubenannahme, die nur sechs Wochen pro Jahr als solche genutzt wird, multifunktional zu gestalten. In der übrigen Zeit dient der Raum als Event-Location«, erinnert sich Tobias Link.

Gelöst haben die Lichtplaner das Problem mit einer Sonderleuchte, die eigens für das Weingut entwickelt wurde. Sie ist in der Lage, sowohl normgerechte Arbeitsplatzbeleuchtung, als auch stimmungsvolles Partylicht zu verströmen.

Im neuen Gebäude des Weingutes Franz Keller in Oberbergen bei Freiburg wurde die farbdynamische Beleuchtung als zusätzliches Element der Akzentbeleuchtung eingesetzt. Nominiert für den Deutschen Lichtdesign-Preis 2014. Foto: Tom Gundelwein

Geplant und designt wird bei Tobias Link neben den gängigen Planungsprogrammen mit einer komplexen 3D-Konstruktionssoftware. Diese wird nebenbei auch zur Erstellung von Leitdetails benutzt, die dann präzise dargestellt und somit gut verständlich sind. Das trägt erheblich zur Optimierung der Projektabläufe bei.

"The Living Seas" ist eine interaktive Licht- und Klangskulptur im Eingangsbereich zum Einkaufscenter "nova eventis" in der Nähe von Leipzig.
Luis Barragàn-Ausstellung im Institut Valencia d’Art Moderne (IVAM).

Von Büchern und Leuchten

Das Büro Link ist vielseitig. Da die Erfahrung gezeigt hat, dass sich Planungen in Privathaushalten nur selten wirtschaftlich darstellen lassen, ist man im Jahre 2010 gerne auf die Anfrage eines Verlages eingegangen und hat ein Buch über das Thema »Licht für Endverbraucher« geschrieben. »Die neue Lust auf Licht« ist ein 250 Seiten starker Leitfaden für diejenigen, die ihr Zuhause ansprechend beleuchten wollen.

Ein weiterer Sektor, in dem das Saarbrücker Planungsbüro tätig ist, ist das Leuchtendesign. So entstand 2009 die Wohnraumserie »Grazia« für den Hersteller B+M Leuchten in Arnsberg. Der Auftrag sah vor, das Design des Hauses etwas aufzufrischen und zu verjüngen. Tobias Link setzte auf den Werkstoff Corian – eine Premiere in der Firmengeschichte von B+M. So war eine ganz neue Formensprache unter Beibehaltung der alten Qualitätsansprüche möglich.

Als weitere Innovation integrierte das Team Link erstmals eine Farbtemperaturmischung in eine Wohnraum-Leseleuchte. »Die Idee wurde«, so Tobias Link, »zunächst kontrovers diskutiert, aber der Erfolg gab uns Recht. Das Produkt erfreut heute noch mit dem größten Absatz und wurde mittlerweile vielfältig von Mitbewerbern kopiert.«

Die Leuchtenserie "Grazia" von Tobias Link vereint modernes Design mit edlen Materialien.
Text: Daniel Schwan
www.tobiaslink.de