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25. Februar 2014

Meisterlich(t)

Lesezeit: ca. 8 Minuten

Kapitel 1

Das Rijksmuseum wurde 1885 nach Plänen des Architekten Pierre Cuypers als Niederländisches Nationalmuseum fertiggestellt. (Foto: Ivan Baan/ Rijksmuseum)

große Atrium ein neues Glasdach. Es präsentiert sich zusammen mit dem neu gestalteten Eingangsbereich freundlich und einladend. (Foto: Pedro Pegenaute/ Rijksmuseum)
Im Rahmen der zehnjährigen Kernsanierungsarbeiten erhielt das 2250m2

Neues Licht für alte Meisterwerke

Buchstäblich in neuem Licht präsentiert sich das weltbekannte Amsterdamer Rijksmuseum und mit ihm seine Kunstschätze, wie das berühmte Meisterwerk des niederländischen Malers Rembrandt, »Die Nachtwache«. Entwickelt wurde ein spektakuläres LED-Beleuchtungskonzept, das den Besuchern nicht nur ein außergewöhnliches visuelles Erlebnis beim Betrachten der einzigartigen Exponate bietet, sondern einen ebenso starken Fokus auf die Erhaltung der alten niederländischen Meister legt. Die neue LED-Lichtlösung erzeugt Effekte und Kontraste an den Exponaten, die dem natürlichen Licht entsprechen. Sie sorgt zum einen für eine bestmögliche Präsentation der Kunstwerke und schließt zum anderen deren Schädigung durch ultraviolettes Licht aus. Mit mehr als 9500qm verfügt das Rijksmuseum über die bisher größte, jemals mit LED beleuchtete Präsentationsfläche. Auch die Bereiche außerhalb der Ausstellung, wie der Museums-Shop, die zentralen Aufenthaltsräume, das Restaurant, die Außenbereiche sowie die Gebäudefassade werden mit LED-Leuchten von Philips illuminiert.

Für die Beleuchtung der im ursprünglichen Stil wiederhergestellten Großen Halle wurden Sonderleuchten aus Corian mit LED-Leuchtmittel entwickelt, die sich durch ihr homogenes Licht auszeichnen. (Foto: Jochen A.. Siegle/ Smart Light & Living)

Zentrales Element des Museums ist die Ehrengalerie, die u.a. die weltberühmten Meisterwerke von Vermeer und Rembrandt zeigt. (Foto: Roos Aldershoff/ Philips)

Gelungene Zusammenarbeit

Der Bauherr, der Rijksgebouwendienst, die dem niederländischen Innenministerium angegliederte Baubehörde, beauftragte neben dem spanischen Architekturbüro Cruz y Ortiz aus Sevilla mit van HoogevestArchitecten aus Den Haag auch ein Team aus international anerkannten Restauratoren. Unter Leitung von Rogier van der Heide, von 2003 bis 2010 in leitender Position bei Arup, entwarf die weltweit tätige Design- und Beratungsgesellschaft die neue Lichtlösung für das Rijksmuseum – entsprechend der Forderung der Museumsverantwortlichen »Give me the best light«.

Wilmotte & Associés aus Paris verantworteten die Innenarchitektur und gestalteten in Zusammenarbeit mit Arup die dafür erforderlichen Lichtleisten. Die technische Ausgestaltung der Lichtleisten übernahm das niederländische Unternehmen Bronnenberg. Die Realisation und Ausarbeitung der Lichtlösung lag beim Lichtplanungsbüro BeersNielsen, Rotterdam. Lichtspezialisten von Philips, unter Leitung von Rogier van der Heide, seit 2010 Chief Design Officer bei Philips Lighting, vervollständigten das Team. Beteiligt waren auch die Kuratoren des Rijksmuseums, die wertvolle Hinweise zu einzelnen Kunstwerken und zum gewünschten Erscheinungsbild des Museums beisteuerten. Gemeinsam schufen die Experten eine Lichtlösung, die dem 21. Jahrhundert angemessen ist.

An seinen ursprünglichen Ort zurückgekehrt ist Rembrandts Werk "Die Nachtwache", für das Pierre Cuypers einen eigenen Raum vorgesehen hatte. (Foto: Ivan Baan/ Rijksmuseum)

Der Besuch im Rijksmuseum führt durch 800 Jahre niederländische Geschichte. In dieser Galerie wird Kunst aus dem 17. Jahrhundert gezeigt. (Foto: Roos Aldershoff/ Philips)

Die neue Lichtlösung im Rijksmuseum setzt zum einen die Ausstellungsstücke gekonnt in Szene, zum anderen werden die Besonderheiten der Architektur, wie hier die attraktive Decke, betont. (Foto: Roos Aldershoff/ Philips)

Zur Innenarchitektur

Ein lichtdurchflutetes Atrium mit einem neuen Glasdach und ein neuer, großzügig gestalteter Eingangsbereich empfangen die Besucher. Zu den Restaurierungsarbeiten gehörten u.a. die Rekonstruktion der Wand- und Deckenbemalung, insbesondere in der Großen Halle, und die Verlegung eines neuen Terrazzo-Bodens mit dem Ziel, die ursprüngliche Anmutung wieder herzustellen. Auch wurden die hohen Galerieräume aus dem späten 19. Jahrhundert rekonstruiert. Inspiriert von den von Pierre Cuypers für die Galerien des Rijksmuseums ausgewählten Farben, entwickelten Wilmotte & Associés auf der Basis ihrer langjährigen Erfahrung in der Gestaltung von Museen eine spezielle Farbpalette verschiedener Grautöne. Die ausgestellten Bilder aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind zumeist in opulente, goldene Rahmen gefasst, die sich dekorativ von der Wandfarbe absetzen. Die von Willmotte neu gestalteten Ausstellungsvitrinen aus entspiegeltem Glas haben alle die gleiche Höhe. Sie bleiben zumeist unsichtbar und bewahren damit die Sichtbarkeit der benachbarten Exponate.

Die entspiegelten Glasvitrinen sind beinah unsichtbar wie in dieser Galerie mit Ausstellungsstücken aus dem 19. Jahrhundert. (Foto: Ivan Baan/ Rijksmuseum)

Dieser Raum zeigt Kunst aus dem 18. Jahrhundert. Die Lichtinszenierung beschränkt sich auf die Exponate und Wände. (Foto: Eric Smits/ Rijksmuseum)

Das ganzheitliche Lichtkonzept im Rijksmuseum

Die Beleuchtung im Rijksmuseum sollte sowohl die Exponate, die Ausstellungsräume und auch das Museum insgesamt attraktiv in Szene setzen. Gefordert war brillantes Licht mit einer sehr guten Farbwiedergabe insbesondere bei Weiß- und Silbertönen, die unter Halogenbeleuchtung häufig elfenbeinfarbig erscheinen. Dazu sollte das Licht die Exponate schonen, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Das Projektteam entschied sich für eine flexible, wartungs- und energieeffiziente LED-Lichtlösung, die ohne IR- und UV-Strahlung auskommt.

Verbesserte Lichtqualität

Damit die Beleuchtung jedem Exponat gerecht wird und dessen Einzigartigkeit für den Betrachter erfahrbar macht, waren Entwicklung und Auswahl geeigneter LEDs von maßgeblicher Bedeutung. Das Projektteam entschied sich zur Verwendung von »Luxeon S«-LEDs mit einer warmweißen Farbtemperatur von 3000K und einem Farbwiedergabeindex (CRI) von 95: Das erzeugte Licht sorgt für ein Gleichgewicht der Spektralfarben, wobei die Rosa-, Rot-, Ocker- und Gelbtöne brillant wiedergegeben werden und die Grün- und Blautöne ebenso gut zur Geltung kommen. Rund eine Dreiviertelmillion LEDs wurden in den für die Beleuchtung des Rijksmuseums benötigten »Fortimo LED-SLM-Tight-Beam«-Modulen verbaut.

Die Integration der Einzel-LEDs in die LED-Module erfolgt so, dass eine sehr kleine lichtemittierende Oberfläche (LES) entsteht: Die extrem geringe optische Größe erlaubt sehr engstrahlende Lichtbündel mit weniger als 10° Ausstrahlwinkel bei gleichzeitig kompaktem Reflektordesign und einer minimalen Größe der gesamten Beleuchtungseinheit. Dies erzeugt einen einheitlichen und scharfen Lichtkegel und einen klar gefassten Schatten der Punktlichtquelle. Im Ergebnis hebt die Lichtlösung die Oberflächenbeschaffenheit und den Glanz in den Kunstwerken besonders hervor.

Die Lichtlösung für das Rijksmuseum basiert auf "StyliD"-LED-Strahlern von Philips. (Foto: Philips)

Als Leuchtmittel werden Zhaga-zertifizierte "Fortimo" LED-Module eingesetzt. (Foto: Jochen A. Siegle)

Das Schienensystem zur Befestigung der "StyliD"-Strahler gibt es in rund oder verschiedenen eckigen Formen. (Foto: Roos Aldershoff/ Philips)

Als Schatzkammer inszeniert wurde der Ausstellungsbereich mit den Waffen- und der Schiffsmodellsammlung. (Foto: Roos Aldershoff/ Philips)

Zurückhaltend elegante Lösung

Die Realisation der von Wilmotte und Arup für die Beleuchtung des Rijksmuseums entworfenen elegant-minimalistischen Lichtleisten erfolgte auf Basis von »StyliD«-LED-Strahlern von Philips, die auf vordefinierte Vorgaben zur Museumsbeleuchtung angepasst wurden. Die Strahler lassen sich über eine magnetische Einpunktbefestigung an einem Schienensystem fixieren. Dadurch konnte der LED-Treiber in einem Anschlusskasten an der Decke untergebracht werden, was die Größe der ohnehin kleinen Beleuchtungseinheit noch einmal minimierte. Zum Einsatz kamen 3800 entsprechend der Raumsituation lackierte »StyliD«-Einheiten, die mit »Fortimo LED-SLM-Tight-Beam«-Modulen ausgerüstet wurden.

Das Schienensystem lässt sich in unterschiedlichen Formen von rund bis eckig in von der Decke abgependelter Form oder in einer Anbau-Variante einsetzen. Die Farbgestaltung orientiert sich dabei an dem zu beleuchtenden Raum. Alle Spots verfügen über dieselbe primäre Optik und dasselbe LED-Modul. Da verschiedene Ausstrahlwinkel notwendig waren, um die unterschiedlichen Charakteristika der verschiedenen Kunstwerke sichtbar zu machen, kamen hochleistungsfähige optische Diffusionslinsen in den LED-Strahlern zum Einsatz, die für eine hohe Lichtleistung und präzise Abstrahlcharakteristiken sorgen. Am häufigsten wurden symmetrische 5° und 10° sowie asymmetrische +5° x +30°-Abstrahlwinkel verwendet. Die Beleuchtung jedes einzelnen Kunstwerks wurde individuell eingestellt und ausgerichtet, um dessen Besonderheiten detailgenau zur Geltung zu bringen.

Um den Blendeffekt der punktförmig abstrahlenden LED-Module zu minimieren, wurde ein besonderer Blendschutzschild entwickelt, der sich innerhalb der »StyliD«-Einheit befindet. Er eliminiert das Umgebungsstreulicht und reduziert die Blendwirkung der Lichtquelle.

Die Lichtleisten enthalten auf ihrer Oberseite rund 1,8km als Uplights realisierte »Fortimo« LED-Bänder, über die sich die verschiedenen Deckensituationen im Museum gleichmäßig ausleuchten lassen. Ein von den leitenden Lichtplanern BeersNielsen vor Ort entwickelter Diffusor mildert durch das Uplighting an den Wänden entstehende scharfe Schattenecken.

Rogier von der Heide war seit 2003 in verschiedenen Funktionen bei der Entwicklung der neuen Lichtlösung für das Rijksmuseums dabei, die er hier mit viel Leidenschaft beschreibt. (Foto: Jochen A. Siegle/ Smart Light & Living)

Einfache Steuerung

Um alle Vorteile der LED als digitale Lichtquelle auszunutzen, beinhaltet die Lichtlösung im Rijksmuseum ein hochmodernes Beleuchtungssteuerungssystem. Das Licht lässt sich so im gesamten Museum über eine benutzerfreundliche Web-basierte Oberfläche steuern: Jeder Museumsmitarbeiter ist auf diese Weise in der Lage, die Beleuchtungsstärke für einzelne Kunstwerke einzustellen und so für eine angemessen ausgeglichene Gewichtung der Kunstwerke im Museum zu sorgen.

Die gesamte Beleuchtung der ausgestellten Exponate erfolgt über das »Dynalite«-DALI-System von Philips mit individuell angepasster Bedienoberfläche. Ein an die WiFi-Bridge des Systems angeschlossenes iPad ermöglicht die Steuerung über einen portablen Touchscreen.

Die über DALI gesteuerten Xitanium-Treiber erlauben praktische Dimmgrenzen von 10%, was sich für die große Mehrzahl der Kunstwerke als vollkommen ausreichend erwies. Für wenige Ausnahmen in der Ausstellung wurden Glaslinsen mit neutraler Dichte integriert. Der langfristig betriebsbedingte Lichtstromrückgang bei künstlichen Lichtquellen wird bei der LED-Installation durch das Regelsystem ausgeglichen und so langfristig eine konstante Lichtleistung erzielt.

Anpassungsfähigkeit mit Zhaga-Konformität

Auch wenn man allgemein davon ausgeht, dass LED-Systeme eine derart lange Nutzungsdauer haben, dass Wartungsfragen nebensächlich sind, wurde die Museumsleitung umfassend über Wartungsthemen informiert. Typische Wartungsfragen waren die Reparaturmöglichkeiten, erwartete Ausfallraten und Verfügbarkeit von anpassungsfähigen Ersatzteilen bis weit in die Zukunft. Mit der Auswahl von »Fortimo LED-SLM-Tight-Beam«-Modulen für die Spots und »Fortimo«-LED-Streifen kamen Zhaga-konforme Module für die Beleuchtungslösung zum Einsatz. Dies bietet Sicherheit und gewährleistet, dass das Museum die Beleuchtungseinheiten in Zukunft bei Bedarf problemlos reparieren, ersetzen und aktualisieren kann.

Die LED-Lichtlösung im Rijksmuseum hebt die weiße Farbe des Marmors und die Plastizität der David-Statue hervor. (Foto: Roos Aldershoff/ Philips)

Auch die Beleuchtung von Silber ist kein Problem mehr. Der Kandelaber erscheint metallisch-kalt in seiner Ornamentik. (Foto: Roos Aldershoff/ Philips)

Das Rijksmuseum verfügt über eine Anzahl von Puppenhäusern aus dem 18. Jahrhundert. Dafür entwickelte Philips eine Lichtlösung auf Basis von LED und Lichtleitfaser. (Foto: Roos Aldershoff/ Philips)

Weiterführende Infos

Objektinformationen:

Projekt: Renovierung des Rijksmuseums, Amsterdam

Fertigstellung: April 2013 nach zehnjähriger Arbeit

Auftraggeber: Rijksgebouwendienst, Den Haag (NL); www.rgd.nl

Renovierung: Cruz y OrtisArquitectos (Leitung), Sevilla (ES), www.cruzyortiz.com;

Van HoogevestArchitecten (Renovierungsspezialisten), Amersfort (NL) www.vanhoogevest.nl

Lichtlösung: Arup, Internationales Unternehmen Beratender Ingenieure, Designer, Fachplaner und Projektmanager, London, unter Leitung von Rogier van der Heide (Direktor 2003 – 2010); www.arup.com

Innenarchitektur: Willmotte&Associés SA d’Architecture, Paris, www.wilmotte.fr

Entwurf der Lichtleisten: Willmotte&Associés gemeinsam mit Arup

Technische Gestaltung der Lichtleisten: Bronnenberg, Helmond (NL); www.bronneberg.nl

Ausarbeitung und Fertigstellung des Lichtdesigns: BeersNielsen, Rotterdam; www.beersnielsen.nl

Lichttechnik, LEDs, Leuchten, Lichtsteuerung: Philips; www.philips.nl