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23. Februar 2014

Entschleunigung im Wartezimmer

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Kapitel 1

Erschöpft, müde, ausgebrannt

Seit einigen Jahren werden Ärzte zunehmend mit einem neuen Krankheitsbild konfrontiert: dem Burn-Out-Syndrom. Niedergeschlagenheit, Lustlosigkeit und Depression können die ersten Anzeichen dieses Syndroms sein, das Mediziner und Fachleute der beruflichen Überlastung, ständigen Erreichbarkeit und dem stärker werdenden Leistungsdruck unserer Gesellschaft zuschreiben. Das Burnout (englisch von to burn out: »ausbrennen«) bezeichnet einen Zustand extremer körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung, die eine reduzierte Leistungsfähigkeit zur Folge hat. Frauen sind wesentlich stärker betroffen als Männer.

Die OLED-LED-Lichtinstallation bildet den zentralen Blickfang in der Praxis. Bestückt wurde das Lichtobjekt mit "Orbeos"-OLEDs von Osram. Ganze 56 OLED-Module und sechs LED-Module schmücken auf 3,75m Länge die Wand des Wartebereichs.

Das Burn-Out-Syndrom ist zwar wissenschaftlich nicht als Krankheit anerkannt, wird aber als eine Form der Depression eingestuft. Anfangs noch als Randerscheinung betrachtet, widmen sich immer mehr Mediziner und auch die Politik der stetig wachsenden Zahl an Burn-Out-Patienten. Laut einer Studie des BKK-Bundesverbands sind die Krankheitstage aufgrund des Burn-Out-Syndroms innerhalb von acht Jahren um das 18-fache gestiegen. Die Einführung einer Anti-Stress-Verordnung für Unternehmen wird diskutiert, doch streiten Parteien und Interessenverbände über den konkreten Nutzen. Zahlreiche Therapiezentren und eigens für das Burn-Out geschulte Ärzte befassen sich mit der Behandlung dieses Syndroms.

Die Münchner Ärzte Dr. Alexander Hierl und Christian Burghardt beschäftigen sich seit Jahren mit Diagnose und Therapie des Burn-Out-Syndroms und gründeten 2009 hierfür das Burn-Out-Diagnostik Institut (b.o.d.i.) in München. Bei der Planung ihrer neuen Praxisräume in der Plinganserstraße 47 galt es auch, den besonders hohen Ansprüchen an die Beleuchtung gerecht zu werden.

56 OLED-Module für beruhigendes Grundlicht

Das Lichtdesignbüro benwirth licht aus München wurde mit der Lichtplanung der neuen Praxis beauftragt. Im Dialog mit den Architekten des Münchner Architekturbüros kip-architekten, die das Gesamtkonzept für die neuen Räume des Therapiezentrums erstellten, entwickelte der Designer Ben Wirth ein innovatives Lichtkonzept, das gleichsam auf die Bedürfnisse von Burn-Out-Patienten, behandelnden Ärzten und Therapeuten abgestimmt sein sollte. Dieses Konzept sah vor, mit einer qualitativ hochwertigen Beleuchtung Atmosphäre und Stimmung zu schaffen und gleichzeitig auf Nachhaltigkeit und Effizienz zu achten. Die Basis hierfür lieferte Ben Wirths modulares Lichtsystem »Cluster+«, das bereits mit Designpreisen ausgezeichnet wurde.

Bei der Lichtinstallation visualisierte der Designer den Austausch zwischen Zellen (OLED-Module) und Mitochondrien (LED-Module). Die Installation wird durch ein eigens hierfür entwickeltes Lichtmanagementsystem von verschiedenen Zufallsparametern gesteuert.

Diese OLED-LED-Lichtinstallation bildet auch den zentralen Blickfang in der Praxis. Bestückt wurde das beeindruckende Lichtobjekt mit »Orbeos«-OLEDs der Firma Osram. Ganze 56 OLED-Module und sechs LED-Module schmücken auf 3,75m Länge die Wand des Wartebereichs der Praxis. Die Installation, die wie ein leuchtendes Band anmutet, wird von verschiedenen Zufallsparametern gesteuert: Das weiche, diffuse Licht der OLED, die in ruhig geschalteten Zyklen und in wechselnder Anzahl aufleuchten, soll beruhigend auf die Patienten im Wartezimmer einwirken, sozusagen als »Entschleuniger« in unserer hektischen Zeit.

Die Idee zu diesem Entwurf lieferte ein Ansatz des Burn-Out-Diagnostik Instituts, bei dem man durch eine bestimmte Therapie versucht, die Zellkraftwerke (Mitochondrien) zu stimulieren. Die Mitochondrien als Energieversorger der Zellen sorgen dafür, das den Körperzellen ausreichend Energie in Form von Adenosintriphosphat (ATP) zur Verfügung gestellt wird. Bei der Lichtinstallation visualisierte man so den lebhaften Austausch zwischen Zellen und Mitochondrien durch den Wechsel von LED-Modulen (Mitochondrien) und OLED- Modulen (Zellen), sowie durch das zyklische Ein- und Ausschalten einzelner OLED-Module. Die einzelnen Cluster-Module wurden blau eloxiert, um die sanften Grün- und Blautöne, die die Farbgebung der Praxis bestimmen, wieder aufzugreifen.

Bei der Lichtplanung legte man grundsätzlich Wert darauf, in den Räumen ein weiches und angenehmes Grundlicht zu erzeugen. Ergänzend zu den immer wieder auftauchenden Cluster-Modulen an der Decke wurden Lichtquellen in die Architektur integriert, nämlich im Bereich der Oberlichter und der notwendigen Deckenversprünge. Die damit erzeugte indirekte Beleuchtung einzelner Wand- und Deckenflächen wird durch das gerichtete Licht der LED-Cluster-Module optimal ergänzt.

Über dem Empfangstresen setzt die elegante Pendelleuchte »Donald« ihre Lichtakzente. Sie wird mit einer LED (2700K) bestückt und bringt über einen kleinen Reflektor (45° Lichtaustrittswinkel) ihr gerichtetes Licht auf die Tischfläche. Bei den Behandlungsliegen kommt die Leuchte »tubO« zum Einsatz, die als vertikale und horizontale Lichtlinie frei im Raum abgehängt ist.

Die moderne Gestaltung und Beleuchtung der neuen Praxisräume unterstreicht den innovativen Ansatz von Dr. Burghardt und Dr. Hierl bei der Behandlung von Burn-Out und soll den Patienten ein positives Gefühl von Ruhe und Entspanntheit vermitteln.

Über dem Empfangstresen setzt die Pendelleuchte "Donald" Lichtakzente. Der Körper aus eloxiertem Aluminium, bestückt mit einer LED und einem kleinen Reflektor, besitzt eine feine durchbrochene Oberflächenstruktur, in welche die Aufhängung geschickt integriert ist. Ein kleiner Kunststoffring bündelt die Seile und führt die schlanke Linie des Körpers fort bis hinauf zum Baldachin.

Die Leuchte "tub0" ist als vertikale und horizontale Lichtlinie variabel einsetzbar und wurde als zusätzliche Lichtquelle bei den Behandlungsliegen positioniert.

Weiterführende Infos

Burn-Out-Diagnostik-Institut, München, www.burn-out-muenchen.de

Architekturbüro: kip-architekten, München, www.kip-architekten.com

Lichtplanung, Leuchten: benwirth licht GmbH, München, www.benwirth.de

Fotos: Andreas Reiter, Andreas Reiter Photography, www.andreasreiter.com