News
21. Februar 2014

Lebendige Mitte

Lesezeit: ca. 7 Minuten

Kapitel 1

Der Blick aus dem Rathausfenster Richtung Marienbrunnen und Schmalzturm zeigt die neuorganisierte Platzstruktur. Die vorher vielbefahrene Straße wurde an den Rand verlegt und zur Tempo-30-Zone. Entstanden ist ein flexibel nutzbarer Freiraum, der zum Flanieren einlädt, aber auch Märkten und Veranstaltungen Platz bietet.

Er heißt nicht Marktplatz, nicht Rathausplatz und ist nicht nach einer historischen Persönlichkeit benannt. Beim Mittelpunkt des städtischen Lebens von Landsberg am Lech ist der Name Programm und so ist er als Hauptplatz im Stadtplan verzeichnet. Seinen ungewöhnlichen, dreieckigen Grundriss säumen das Rathaus, die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt, zahlreiche Geschäfte und Restaurants. Sehenswürdigkeiten wie der Marienbrunnen und der Schmalzturm ziehen Touristen an. An Markttagen und bei Festen trifft sich hier die Bürgerschaft. Nach einer grundlegenden Neugestaltung lockt der Hauptplatz seit Herbst 2013 mit ganz neuen Qualitäten. Eine von ihnen ist die Beleuchtungslösung. Der Platz inmitten der historischen Altstadt wird von modernen LED-Leuchten erhellt, die an Masten, Wänden und Seilen montiert sind.

Ein Ort der Identifikation mit der Stadt

Durchschnitten von einer viel befahrenen Straße mit dem entsprechenden Verkehrslärm und wenig attraktiven Aufenthaltsflächen, so präsentierte sich der Hauptplatz in Landsberg viele Jahre. Die Absichten dies zu ändern, reichen schon einige Zeit zurück, doch waren entsprechende Pläne in den Jahren 1996 und 2001 in Bürgerentscheiden abgelehnt worden. Im dritten Anlauf entschieden sich Politik und Verwaltung daher von vornherein für eine enge Einbindung der Einwohner in die Entscheidungsprozesse. Gemeinsam mit den Nutzern des Platzes wurden die Planungsziele evaluiert, intensive Kommunikation mit allen Betroffenen sorgte für Transparenz und so entschieden sich die Landsberger Anfang 2011 für die Umgestaltung. Ausgangspunkt der Planungen waren klar definierte Ziele. Der Platz sollte zum Treffpunkt für Kommunikation und Austausch werden. Er musste Raum für verschiedene öffentliche Nutzungen und Veranstaltungsszenarien bieten, den Markt- und Gewerbestandort Innenstadt stärken und er sollte nicht zuletzt wieder zu einem zentralen Ort der Identifikation mit der Stadt werden.
[fullwithimg src=«/wp-content/uploads/Li11T47_WE-EF_B2.jpg« title=««]

Der Hauptplatz sollte zum Ort für Kommunikation und Begegnung werden. Dazu musste das Lichtkonzept ihn auch in den Dunkelstunden als innerstädtischen Platz erfahrbar machen. Eine wichtige Maßnahme war die Einblendung der umliegenden Fassaden. Diese vertikalen Flächen definieren den Raum.

Gleichberechtigte Nutzung für alle

Umfassend gerecht wurde diesen Forderungen der Wettbewerbsentwurf der Landschaftsarchitekten und Stadtplaner lohrer.hochrein. Eine zentrale Maßnahme ihres Konzeptes war die Verlegung der Straße, die den Platz bis dahin in zwei Hälften teilte. Tempo 30 für Kraftfahrzeuge, neu gestaltete Haltestellen für den öffentlichen Nahverkehr sowie viel Platz für Radfahrer und Fußgänger erlauben heute die gleichberechtigte Nutzung des Platzes durch die verschiedenen Verkehrsteilnehmer. Zur Verschönerung des Areals wurden die Bodenbeläge ausgetauscht, Bäume gepflanzt und neues Stadtmobiliar platziert. Heute bietet der Hauptplatz einen rund 9000m2 großen, fußläufig flexibel nutzbaren Freiraum. Er ist ein attraktiver und zur Kommunikation einladender Stadtmittelpunkt für alle Bevölkerungs- und Altersgruppen.

Anspruchsvolle Aufgaben für die Lichtplanung

Bereits in der Wettbewerbsphase wurde der Beleuchtungsplanung besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Das Gesicht des Platzes bestimmen historische Fassaden. Neben den Wünschen und Bedürfnissen von Anwohnern, Gewerbetreibenden und Passanten sah sich das Büro Day & Light Lichtplanung daher auch mit Anforderungen des Denkmalschutzes konfrontiert. Trotz dieser komplexen Vorgaben ist es den Lichtplanern gelungen, eine Lösung zu realisieren, die mehr leistet, als die normgerechte Beleuchtung der Wege und Straßen. Auf dem Hauptplatz fungiert das Licht auch als gestalterisches und raumbildendes Medium. Es sorgt also nicht nur für gute Sehbedingungen und Sicherheit, sondern schafft auch Atmosphäre, unterstreicht den Charakter des Platzes und macht seine Architektur erfahrbar.

Ein Lichtwerkzeug für alle Aufgaben

Ein historisch gewachsenes innerstädtisches Umfeld gibt eine konkrete bauliche Situation vor. Dies bedeutet eingeschränkten Spielraum bei der Wahl der Leuchtenstandorte. Auf dem Hauptplatz verlangte die Anpassung der Beleuchtungsanlage an die wenigen zur Verfügung stehenden Befestigungspunkte besondere Flexibilität. Auf Wunsch der Stadt Landsberg sollten zur Beleuchtung der Gehwege entlang der Häuserfassaden Wandleuchten zum Einsatz kommen. Wechselnde Geschosshöhen, Friese, Markisen, Werbeanlagen und denkmalgeschützte Substanz machten es jedoch unmöglich, diese Vorgabe in allen Abschnitten umzusetzen. Alternativ wurden in einzelnen Bereichen gebäudenah Mastleuchten installiert. Angesichts des knappen Bauraumes existierten außerdem bereits in der Bestandssituation über der Straße abgehängte Seilleuchten. Als bewährte Installationslösung wurde diese Variante auch im neuen Beleuchtungskonzept genutzt.

Die teils denkmalgeschützte Bausubstanz und die vorhandene Infrastruktur schränkten die Auswahl der Leuchtenstandorte stark ein. Wo es möglich war, erhellen LED-Wandleuchten die unmittelbar an den Häuserfronten verlaufenden Fußwege und hellen die Fassaden auf.

Die Leuchtenauswahl vor Ort

Um über die Ermittlung der lichttechnischen Leistung und Qualität (Lichtstrom, Lichtverteilung, Lichtfarbe) und der Kosten (Investition, Energie, Wartung) hinaus auch aus gestalterischer Sicht den optimalen Leuchtentyp zu finden, erfolgte eine Bemusterung vor Ort. Dabei wurden Leuchten in historischer und in moderner Bauform, jeweils mit unterschiedlichen Lichttechniken, untersucht. Am Ende des Auswahlprozesses fiel die Entscheidung für die Wand- und Mastleuchten »VFL530 LED« und die Seilleuchte »RFS540 LED« von WE-EF.

Auch wenn angesichts der historischen Bausubstanz des Hauptplatzes die Anwendung einer Altstadtleuchte naheliegend erschien, plädierten Lichtplaner und Bauherr für die technische, reduzierte Formensprache moderner Leuchtenkorpusse. Ihr Erscheinungsbild ist durch eine klare, schlanke Formensprache bestimmt. So harmonieren sie mit Anwendungsumgebungen unterschiedlichster Prägungen, ohne diese zu dominieren.

Darüber hinaus sprachen klare wirtschaftliche Vorteile für LED-Leuchten. Im Vergleich zu konventioneller Technik mit Halogenmetalldampflampen sorgen niedrigere Anschlusswerte für Energieeinsparungen und die lange Lebensdauer der LED-Lichtquellen senkt spürbar die Wartungskosten. Durch die Möglichkeit der mehrstufigen Regelung kann der Lichtstrom bedarfsgerecht angepasst werden. Auf dem Hauptplatz in Landsberg reduzieren in die Leuchte eingebaute und ab Werk programmierte elektronische Dimmer »Eco StepDimAdvanced« das Niveau der Beleuchtung um 22:30 Uhr auf 75% und um 24:00 Uhr auf 50% des Ausgangswertes. Spezielle Versorgungs- und/oder Steuerleitungen sind dafür nicht notwendig.

LED-Mastleuchten kommen dort zum Einsatz, wo keine Wandleuchten installiert werden konnten. Dies betrifft gebäudenahe Standorte und die Bereiche zur Platzmitte hin.

Wand- und Mastleuchten säumen den Platz

Definiert wird das Volumen des Hauptplatzes durch die geschlossene Bebauung entlang seiner Ränder. Fußwege, unmittelbar angrenzend an die Gebäudefronten, verlaufen rund um die Platzfläche. Mast- und Wandleuchten erhellen die Gehwege und sorgen gleichzeitig für eine Aufhellung der Fassaden. Diese definierten Streiflichter auf den Häuserfronten blenden die für ein müheloses Erfassen des Raumes und eine gute Orientierung unverzichtbare Vertikale ein.

Dass die Wand- und Mastleuchten diese Doppelfunktion übernehmen können, verdanken sie ihren präzisen Linsenoptiken. Die »VFL530 LED«-Leuchten strahlen bei diesem Projekt mit einer asymmetrisch seitlich gerichteten Lichtverteilung ab. Sie erzeugen damit aus etwa fünf Metern Lichtpunkthöhe auf der Verkehrsfläche die notwendige Beleuchtungsstärke und Gleichmäßigkeit. Ein geringer Teil des Lichtstroms ist abwärts in den Raum hinter dem Leuchtenkörper auf die Fassaden gerichtet. Das Optikdesign definiert die Abstrahlung so exakt, dass unerwünschtes Streulicht in die Fenster der Anlieger vermieden wird.

Bestückt sind die 24-W-Leuchten mit warmweißen LEDs mit 3000K Farbtemperatur. Ihre Farbwiedergabe geht über die minimal erforderlichen Werte zur Verkehrssicherung hinaus und vermittelt einen realistischen Eindruck der farbigen Fassadenflächen.

Die Anordnung der Leuchten sorgt dafür, dass die Beleuchtungsstärke zur Platzmitte hin allmählich abnimmt. Mühelos kann eine Akzentbeleuchtung so den Marienbrunnen als wichtiges Wahrzeichen Landsbergs aus dem Bauensemble hervorheben.

Die Beleuchtung der Fahrbahn übernehmen LED-Leuchten mit asymmetrisch seitlich gerichteter Lichtverteilung. Sie sind an Überspannseilen montiert, die bereits in der Bestandslösung vorhanden waren.

Seilleuchten für die Straße

Die Beleuchtung der Fahrbahn wurde mit »RFS540 LED«-Leuchten (48W) an Überspannseilen realisiert. Dabei wurden zum großen Teil die bereits vorhandenen Abspannungen weitergenutzt. Auch hier kommen warmweiße LEDs (3000K) und eine asymmetrisch seitlich gerichtete Lichtverteilung zum Einsatz.

Im Interesse einer klar ablesbaren Verkehrsführung begleitet ein am Fahrbahnrand in den Boden eingelassenes LED-Lichtband den Kurvenverlauf der Straße. Abweichend von der sonstigen Beleuchtung auf dem Platz ist das Lichtband mit einer neutralweißen Lichtfarbe ausgestattet, was die gute Erkennbarkeit zusätzlich fördert und die Fahrfläche vom Fußgängerbereich deutlich separiert.

Anerkennung über die Stadtgrenzen hinaus

Eine wichtige Rolle spielte das Licht auch beim Fest anlässlich der Einweihung des neugestalteten Platzes. Neben vielen anderen Attraktionen sorgten großformatige Projektionen auf die Gebäudefassaden für einen stimmungsvollen Tag in Landsbergs neuem Zentrum. Oberbürgermeister Mathias Neuner ist sich sicher, dass der Umbau über die Stadtgrenzen hinaus Strahlkraft entfalten wird. In seiner Rede stellte er fest: »Ich denke, wir werden mit unserer Neugestaltung des Platzes auch ein Vorbild für andere Städte sein. Und es sind inzwischen viele Fachleute hier, die sich unseren Platz anschauen. Kürzlich fand sogar die Städtebauförderungstagung hier in Landsberg statt und hat diesen Hautplatzumbau auch als Musterprojekt für andere bayerische Städte vorgezeigt.«

Die LED-Leuchten fungieren sowohl als funktionale als auch als gestalterische Lichtwerkzeuge. Dank der exakten Lichtverteilung ist eine Kombination aus verkehrssichernder und architektonischer Beleuchtung möglich.

Bestückt sind die Leuchten mit warmweißen LEDs (3000K). Ihre Farbwiedergabe liegt über den für die Verkehrsbeleuchtung vorgegeben Mindestwerten. So sind Farben und Texturen der historischen Gebäudesubstanz auch nachts erkennbar.

Weiterführende Infos

Objektinformationen:

Bauherr: Stadt Landsberg

Landschaftsarchitekten: lohrer.hochreinlandschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München, www.lohrer-hochrein.de

Lichtplanung: Day & Light Lichtplanung, München, www.dayandlight.de

Eingesetzte Leuchten:

LED-Wand-, Mast- und Seilleuchten für die Platz- und Straßenbeleuchtung: WE-EF Leuchten, Bispingen, www.we-ef.de

LED-Lichtband für den Fahrbahnrand: EOS, Nürnberg, www.e-o-s.de

Fotos: Frieder Blickle, Hamburg, für WE-EF