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12. Februar 2014

Geht nicht gibt’s nicht!

Lesezeit: ca. 7 Minuten

Kapitel 1

Die Anfänge vor mehr als 40 Jahren

Ob das an den Genen liegt? Einen Hang zur Elektrotechnik gibt es nun schon in der dritten Generation. Oder an einer frühkindlichen Prägung? Fakt ist, dass Michael Bamberger fast genauso so alt ist wie das Unternehmen und als Säugling seinen Mittagsschlaf im Kinderbett neben dem Zeichentisch hielt. Erster Firmensitz für das Unternehmen Walter Bamberger waren jedenfalls ab Juli 1971 zwei Kellerzimmer im oberbayerischen Eichstätt. Der natürliche Tageslichteinfall in diesen Räumen war ebenso begrenzt wie ihr repräsentativer Charakter. Aber die Überzeugungskraft des Unternehmensgründers war offenbar so groß, dass sich die ersten Münchner Besucher über ihr Entsetzen (»Um Gottes willen und der soll das bauen!«) hinwegsetzten und einen größeren Auftrag erteilten. 2011, vier Jahrzehnte später wurde stilvoll mit über 200 Gästen im Schloss Pfünz Jubiläum gefeiert.

Walter Bamberger (links) und sein Sohn Michael teilen sich die Verantwortung für Projekte auf und schätzen einen intensiven fachlichen Austausch. Beide vereint ein leidenschaftlicher Perfektionismus und Freude an kreativen Lösungen.

Solide Basis und gute Lehrmeister

Nach einem Studium der Elektrotechnik hatte Walter Bamberger als Angestellter eines Ingolstädter Ingenieurbüros durch die enge Zusammenarbeit insbesondere mit Prof. Hardt-Waltherr Hämer viel über Gestaltung gelernt – und seitdem nach eigenen Worten »immer das Glück gehabt, mit vielen guten Architekten wie Prof. Karljosef Schattner und Prof. Dr. Günter Behnisch zu arbeiten«. Einmal im Jahr holte er sich Lichtplanungswissen und Inspirationen aus London, wo er auch früh Kenntnisse über Lichtsteueranlangen erwarb.

Gefragt, was in den letzten 40 Jahren ein zentraler Erfolgsfaktor gewesen sei, verweist er auf die Bedeutung eines umfangreichen Grundwissens: »Wenn man versteht, wie es physikalisch funktioniert, kann man sich mit den verschiedensten technologischen Themen zurecht finden.« Sein ältester Sohn hat eine ähnlich solide Basis durch seine Ausbildung zum Elektroinstallateur und ein Studium der Elektrotechnik in Regensburg und der Lichttechnik in Ilmenau. Dazu kamen ein Praktikum im Architekturbüro Behnisch und Erfahrungen mit Projektsteuerung. Michael Bamberger hält heute noch gerne selbst einen Schraubenzieher in der Hand und ist froh über seine Lehrzeit: »Es hilft enorm, wenn man am Bau mit den Kollegen des Handwerks die gleiche Sprache spricht.«

Am Firmensitz in Pfünz im idyllischen Altmühltal arbeiten heute gemeinsam mit den beiden Chefs neun Elektro- und Lichtplaner sowie zwei Zeichner, unterstützt durch Mitarbeiter für Buchhaltung und Verwaltung. Die Betriebszugehörigkeit im Team liegt zwischen 32 Jahren und drei Monaten. Das repräsentative Firmengebäude aus dem Jahr 1988 passt sich mit einer Holzfassade dem Umfeld an. Dahinter sorgt ein sichtbares Stahlgerüst für eine innovative Gestaltung.

Gesamtkunstwerk aus Raum, Farbe und Licht (Leuchtstofflampen) im Eichstätter Gabrieli-Gymnasium.
Im Kölner Dom verstärkt das Kunstlicht gekonnt den von den Baumeistern beabsichtigten Tageslichteffekt.[/caption]
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Breites Spektrum, große Vielfalt

Das Auftragsspektrum des Ingenieurbüros umfasst reine Elektro- oder Lichtplanung sowie beides in Kombination. Die Vielfalt der Projekte reicht von Schulen, über Altenheime, Krankenhäuser, Verkaufsräume bis hin zu historischen Bauten wie Schlösser und Dome. Der Tätigkeitsschwerpunkt liegt in Deutschland, Aufträge kamen aber auch aus dem Ausland (Schweiz, Frankreich, Österreich, Türkei, Tschechien und Ukraine).

Hinsichtlich »Diversity« muss sich das Familienunternehmen nicht verstecken: Fast die Hälfte der Mitarbeiter sind Frauen, darunter eine Lichtdesignerin aus Indonesien. Michael Bamberger (Vater von zwei Töchtern und einem Sohn), unterstützt jedes Jahr den Girls Day und hält engen Kontakt zu Universitäten. Studenten mit Master- oder Bachelor-Arbeiten sowie Praktikanten sind sehr willkommen: »Die bringen frischen Wind herein.«
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[media type="image" id="7880" link="" caption="Event-Beleuchtung mit RGBW-LED im Frankfurter Römer. Leuchten im Boden und an Kapitellen fügen sich unauffällig in die historische Substanz ein."]

Es zählt die beste Lösung

Wer sich für eine feste Mitarbeit entscheidet, bekommt ein breites Aufgabenspektrum und die Möglichkeit, eigenverantwortlich zu arbeiten. Mitbringen sollte man eine ähnliche Einstellung wie die beiden Bambergers, für die gilt: »Geht nicht, gibt’s nicht!«, und Freude an fachlichen Diskussionen. Der Firmengründer empfindet einen intensiven Meinungsaustausch als Bereicherung: »Wos i moan, des kenn i scho!« (Übersetzung für Nicht-Bayern: »Was ICH meine, das kenne ich schon!«)

Wenn es darum geht, eine Vision umzusetzen, können die Planer auf ein Lager mit Musterleuchten von vielen größeren und kleineren Herstellern zurückgreifen.

Michael Bamberger erklärt: »Wir versuchen immer, passende Serienleuchten zu finden aber meistens müssen wir doch existierende Produkte modifizieren oder selbst etwas entwerfen.« So würde beispielsweise bei Wandleuchten oft die Lichtverteilung nicht passen. Um den Kunden möglichst schnell einen Versuchsaufbau zeigen zu können, gibt es ein eigenes Lichtlabor. Dort werden auch Experimente gemacht – kürzlich zur Lichtwirkung bei einem mehrschichtigen Aufbau von Wandfarben.

Zum Thema Farbe haben die Lichtplaner aus Pfünz eine dezidierte Meinung: Farbiges Licht eigne sich für Bühnen, Events oder Festwochen – bei Festinstallationen sollte es nur in einer engen Verbindung mit der Architekturaussage eingesetzt werden. »Farbiges Licht muss Sinnhaftigkeit haben und wird von uns immer nur in Kombination mit weißem Licht verwendet«, lautet das Credo. Bei Gemälden soll die vom Künstler beabsichtigte Farbigkeit herausgearbeitet werden (wie im Münchner Lenbachhaus geschehen, siehe LICHT 7–8/2013). Für die Inszenierung von Meisterwerken der Barockmalerei unterstützt man mit gerichtetem Licht gezielt das gemalte Licht. Bestimmte Farbspektren allein um des Effektes willen künstlich zu betonen, halten die Bambergers für Manipulation.
[media type="image" id="7876" link="" caption="Die renovierte St.-Martinskirche in Raisdorf (1912) mit einem nach hinten gekippten Deckensegel und LED-Voutenbeleuchtung."] Eine Mischung aus Tages- und Kunstlicht (LED) setzt expressionistische Meisterwerke im Münchner Lenbachhaus in Szene.

Respekt vor historischem Kontext

Die große Achtung, mit der das Ingenieurbüro einem historischen Kontext begegnet, ist der Grund dafür, dass man oft Aufträge erhält, alte Schätze in enger Zusammenarbeit mit Restauratoren in ein neues Licht zu rücken. Um der vom damaligen Künstler oder Architekten beabsichtigten Lichtaussage nahe zu kommen, ist viel Recherche und Experimentierfreude nötig. Mit großer Leidenschaft erläutert Walter Bamberger, wie wichtig es beispielsweise ist, den Unterschied zwischen einem für den Adel bzw. Klerus gebauten Dom und einem als Bürgerkirche konzipierten Münster zu verstehen. Das jeweilige Selbstverständnis müsse sich im Lichtkonzept spiegeln.

Der Senior-Chef, dessen prestigeträchtigstes Projekt die Lichtplanung und Lichtsteuerung für die Dresdner Frauenkirche war, kann heute stolz auf neun Dome, zwei Münster und über 200 Kirchen zurückblicken. Seine neueste Herausforderung ist der Hildesheimer Dom, der als erster Dom in Deutschland ausschließlich mit LED beleuchtet werden soll.

Kreativität auf allen Ebenen

Dass in historischer Bausubstanz auch eine Elektroplanung etwas mit Kreativität zu tun hat, erläutert Michael Bamberger am Beispiel des Ulmer Münsters. Dort stand nur ein einziger Steigeschacht für eine begrenzte Anzahl von Kabeln zur Verfügung. Die unorthodoxe Lösung bestand darin, den großen Stromverteiler nicht wie üblich im Erdgeschoss unterzubringen, sondern auf der Orgelempore. So mussten nur neun statt 90 Kabel in die oberen Etagen geführt werden. Von den kreativen Ideen profitieren nicht nur bekannte Denkmäler sondern beispielsweise auch eine Turnhalle: Statt aufwändiger ballwurfsicherer Leuchten wurden schmale LED-Leuchten einfach so tief eingebaut, dass sie dadurch ballwurfsicher wurden.

Immer neue Ideen zu haben, wird durch die rasanten Entwicklungsfortschritte bei LED wichtiger denn je. Walter Bamberger erzählt von einem LED-Lüster, der 2016 fertig gestellt sein soll. »Ich habe meiner Kundin gleich gesagt, dass wir ihn so wie auf der Zeichnung nicht bauen werden. Sicher gibt es in ein paar Jahren neue Möglichkeiten und wir werden unser Konzept dann noch einmal auf den Prüfstand stellen.«

Im Stralsunder Ozeaneum können die Besucher in der Halle "Riesen der Meere" in die Unterwasserwelt der Wale eintauchen.

Meeresbiologie, Kochkunst und Orgelspiel

Genauso enthusiastisch wie neuen Technologien begegnet das Team aus Pfünz auch neuen Themen: Als man in einer europaweiten Ausschreibung die Licht- und Elektroplanung für das Ozeaneum in Strahlsund gewonnen hatte, sprachen die Planer mit Tauchern und Meeresbiologen, um ein Gefühl für Lichtszenen zehn oder 80 Meter unter Wasser zu bekommen. Außerdem musste ein Spagat zwischen den biologischen Anforderungen für Tiere und Pflanzen und einer exzellenten Präsentation gefunden werden. Mit viel Liebe für Details wurde jedes einzelne Exponat inszeniert und es gibt wohl keinen Strahler im ganzen Haus, den nicht Vater, Sohn oder ein Mitarbeiter in der Hand gehabt haben.

Dass so viel leidenschaftlicher Perfektionismus einen hohen Arbeitseinsatz erfordert, liegt auf der Hand. Entspannung findet Michael Bamberger, wenn er am Wochenende und in den Urlauben für seine Familie kocht. Dabei profitiert er von neun Monaten Ausbildung zum Koch, die er absolvierte, ehe er seinen heutigen Weg einschlug. Der Senior-Chef hat sich vorgenommen, seine Arbeitsstunden etwas zu reduzieren. Er genießt es seit vielen Jahren, regelmäßig an Sonn- und Feiertagen die Orgel zu spielen. Sein ursprünglich begonnenes Studium der Kirchenmusik beendete er zugunsten einer »vernünftigen Ausbildung«.

Weiterführende Infos

Autorin: Juliane Braun, München

Fotos: Juliane Braun | Oliver Kern, Ingenieure Bamberger GmbH & Co. KG., www.ibamberger.de