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12. Februar 2014

Flanieren am Quai

Lesezeit: ca. 3 Minuten

Kapitel 1

Foto: Xavier Boymond, Frouzins (F), www.xavierboymond.com
Der Vieux-Port ist, neben Notre-Dame de la Garde, ein weltbekanntes Symbol der Stadt Marseille. Nach seiner Umgestaltung kann der für die Hafenstadt so wichtige Ort seiner emblematischen Bedeutung wieder gerecht werden.

Dort, wo vor 2600 Jahren die Griechen festmachten und »Massalia« gründeten, befindet sich heute nach umfangreicher Renovierung ein urbaner, einladender Ort. Landschaftsplaner Michel Desvigne und die Teams von Foster und Partner / Tangram Architekten haben das 100.000m2 große Areal völlig neu gestaltet. Der einst hübsche Alte Hafen war zum Hauptverkehrsknotenpunkt mit vielspuriger Straße mutiert, an dem sich niemand gerne aufhalten wollte. Jetzt wurde die das Hafenbecken umgebende Straße zurückgebaut und die Quai-Straße in einen großen verkehrsberuhigten Platz verwandelt. »Eine Einladung an die Bewohner von Marseille, um den großartigen Ort wieder zum Flanieren, für Veranstaltungen, Märkte und Feste zu genießen«, beschreibt Spencer de Gray, Büroleiter bei Foster und Partner London, das Projekt.

Das von Yann Kersalé entwickelte Lichtkonzept verleiht dem Ort eine neue Dimension. Siebzehn 16,5m und acht 23,5m hohe »Olivio«-Mastleuchten in Sonderausführung strukturieren den Raum und beleuchten zugleich die immens großen Quai-Flächen bis zur Wasserkante. Mit ihrer schlanken Formgebung wecken die Masten Assoziationen an die hohen Masten alter Segelschiffe. Die Leuchten selbst sind mit »Cosmopolis«-Lampen 90W oder 140W bestückt und in unterschiedlich großen Gruppen spiralförmig um den Mast angeordnet. Mit ihrer organisch anmutenden Formensprache bilden sie einen sanften Kontrast zur geometrischen Platzgestaltung.

Einen wesentlichen Bestandteil der Lichtinszenierung von Yann Kersalé bilden die 2,5m hohen »LED Skins«: ultraflache, reflektierende Edelstahlgehäuse mit Laser-Cuts und RGB-LED-Ausstattung. Ähnlich einer Baumrinde sitzen sie an den acht großen Masten im Zentrum des Hafens und bilden amorph anmutende LED-Screens für Video-Übertragungen, die von Yann Kersalé für diesen speziellen Ort kreiert wurden. In Abstimmung auf die Jahreszeit oder auch für bestimmte Anlässe gibt es verschiedene Videos. Dabei assoziieren die Transformationen von fließendem Wasser und Lichteffekten die Verbindung von See und Stadt – und reflektieren so die jahrtausendlange Geschichte der Bürger von Marseille und ihrer Beziehung zum Mittelmeer.

Foto: Xavier Boymond, Frouzins (F), www.xavierboymond.com
Bis Mitte des neunzehnten Jahrhunderts war der Alte Hafen das wirtschaftliche Zentrum von Marseille. Anschließend dominierten breite Straßen und dichter Verkehr an der Nahtstelle zum Meer. Heute, nach seiner aufwändigen Umgestaltung ist der Vieux Port eine beliebte Flaniermeile und kultureller Veranstaltungsort der Stadt.
Foto: Xavier Boymond, Frouzins (F), www.xavierboymond.com[/caption]
Auf dem weiten und zum Meer hin offenen Platz fungieren die Lichtmasten als dominante, strukturierende Vertikalen. Von ihnen aus wird der gesamte Platz erhellt, zusätzliche Installationen sollten vermieden werden. LED-Screens an den Masten werden zur Leinwand für Lichtkunst von Yann Kersalé mit dem Titel »Geo-Poetik«.

Weiterführende Infos

Bauherr: MPM Marseille Provence Métropole, www.marseille-provence.com

Architekt: Foster and Partners, London, www.fosterandpartners.com | Tangram architects, London, www.tangramarchitects.co.uk

Landschaftsarchitekt: Michel Desvigne, Paris, www.micheldesvigne.com

Lichtdesigner: Yann Kersalé – AIK, Vincennes (F), www.ykersale.com

Leuchten: »Olivio Floracion. Sistema. Candelabra«,.Selux AG, Berlin, www.selux.com

Fotos: Xavier Boymond, Frouzins (F), www.xavierboymond.com