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28. Januar 2014

Von Profis für Profis

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Kapitel 1

Im Rahmen einer Exkursion präsentierte Ulrike Brandi den Workshop-Teilnehmern das Projekt "Haus in Haus" der Handelskammer Hamburg. Ein zweites Ausflugsziel war die Zentrale der Hochbahn Hamburg.<br />Foto: Brandi Institute, Hamburg

Weiterlernen im Beruf

Fragt man Ulrike Brandi nach den Motiven für die Gründung des Brandi Institute, wird schnell deutlich, wie tief die konzeptionelle Idee dieses Weiterbildungsprogramms in der Praxis verwurzelt ist. In der alltäglichen Arbeit in ihrem Lichtplanungsbüro hat die Lichtdesignerin den konkreten Bedarf evaluiert, der seine Ursachen sowohl in der aktuellen Ausbildungslandschaft als auch in gängigen Arbeitsprozessen am Markt hat. »Gerade bei den Berufsanfängern in meinem Büro habe ich konstatiert, dass gestalterisches und technisches Wissen vor dem Hintergrund spezialisierter Studiengänge oft nicht ausreichend verzahnt ist. Gleichzeitig liegt mir eine starke Position des Lichtplaners im Gesamtprozess Bau am Herzen. Kommunikationsstärke an den Schnittstellen zu anderen Disziplinen, im Dialog mit dem Architekten und dem Bauherrn, manchmal auch eine selbstbewusste Abgrenzung zu bestimmten Akteuren ist für ein gesundes Selbstverständnis wichtig. Eine ausgewogene Balance zwischen Design und Technik, ebenso wie kompetentes Agieren im Planungsprozess setzt aber fachliches und methodisches Wisssen voraus. Diesem Ansatz folgend haben wir das Programm für unsere Lighting Master Classes zusammen gestellt.«

Am Anfang des Workshops erhalten die Teilnehmer einen "Planungsauftrag", den sie im Laufe der Woche in ihren Mock-Ups realisieren müssen. <br />Foto: Sigrun Heiden

Die Aufgaben des Planungsauftrags lauteten diesmal "Work Cocoon als Bereich für eine Person für konzentriertes Arbeiten und Kommunikation" sowie "Project Space für vier Personen zur Arbeit mit digitalen Medien und als Besprechungsraum".<br />Foto: Sigrun Heiden

Von Experten-Erfahrungen profitieren

Wie das Brandi Institute dieses Konzept mit Leben füllt, zeigte der einwöchige Workshop »Workplace Design« Anfang September in Hamburg. Systematisch führten Vorträge die Teilnehmer am ersten Tag an das Thema heran. Benjamin Heine, Lichtdesigner und Projektmanager im Büro Ulrike Brandi Licht, vermittelte Grundlagenwissen zu Normen und Standards. Einblicke in die Forschung und einen Überblick zum aktuellen Wissenstand bezüglich des richtigen Lichts am Arbeitsplatz gab der Vortrag »Licht und Gesundheit«. Oliver Stefani vom Light Fusion Lab am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO zeigte darin auf, wie moderne Arbeitsformen die Anforderungen an die Bürobeleuchtung verändern und welche Einflussfaktoren Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit fördern können. Wie dann in der Praxis eine Lichtlösung für ein Projekt entsteht, thematisierte der Vortrag von Ulrike Brandi. Unter der Überschrift »Planungsprozess« schilderte sie die verschiedenen Phasen eines Projektes von der ersten Evaluierung der Planungsaufgabe bis zum fertigen Entwurf.

Ausgestattet mit diesem Basiswissen startete für die Teilnehmer anschließend ein didaktisch wohl durchkomponiertes, viertägiges Programm. Dabei wechselten sich Expertenvorträge, die Arbeit an einer eigenen Planungsaufgabe im Mock-Up, regelmäßige Präsentationen sowie direktes Feedback dazu und Reflexionen zum Erlernten in einer Projektdokumentation ab. Die Parallelität von Wissenvermittlung und sofortiger Auseinandersetzung mit dem Erlernten bei der Realisierung des eigenen Projektes ist eine besondere Qualität der Workshops am Brandi Institute. Das Input der Referenten bleibt dadurch nicht theoretisches Wissen, sondern wird zeitnah in der Praxis erprobt. Das methodische, gestalterische und technische Know-how, das die Experten bereitstellen, kann jeder Teilnehmer vor Ort, kombiniert mit seinen vorhandenen Erfahrungen, anwenden. Die Werkzeuge der Lichtplanung werden somit erprobt, trainiert und dank des permanenten Dialogs mit erfahrenen Profis verbessert.

Vorträge zu verschiedenen Themen und regelmäßiges Feedback zum Projektstand in den Mock-Ups lösen sich ab.<br />Foto: Brandi Institute, Hamburg, www.brandi-institute.com

Neben den Vorträgen unternehmen die Workshop-Teilnehmer Exkursionen zu realisierten Projekten und präsentieren und dokumentieren ihre Arbeiten.<br />Foto: Sigrun Heiden

Ganzheitlich und interdisziplinär

Mit Charles Stone, Präsident des Lichtplanungsbüros Fisher Marantz Stone in Manhattan, und Tobias Wallisser, Professor für innovative Bau- und Raumkonzepte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und Mitbegründer des Architekturbüros LAVA, war es dem Brandi Institute gelungen, zwei renommierte Fachleute als Workshop-Leiter zu gewinnen. In einzelnen und einem gemeinsamen Vortrag haben sie ein Programm geboten, das facettenreich die verschiedenen Aspekte des Lichtdesigns »beleuchtete«. Wie sehen die Anforderungen an einen Arbeitsplatz in Zeiten veränderter Mediennutzung und neuer Kommunikationsformen aus? Welche Raumfunktionen muss das Licht bedienen? Was bedeutet das für die Lichtgestaltung? Welche Lichtinstrumente sind für welche Aufgaben geeignet und wie spielen sie zusammen? – Das sind nur einige Fragen, auf die die beiden Referenten umfassend und kompetent eingingen. Wertvoll für die Teilnhemer war dabei zusätzlich der große Erfahrungsschatz beider. Sie bekamen konkrete Tipps dazu, wie man eine Raumsituation analysiert, Ziele für die Planung formuliert oder eben auch, wie der Lichtdesigner einem Architekten seinen Entwurf erfolgreich präsentiert.

Wie Architektur und Licht ineinandergreifen, wurde auch in den intensiven Diskussionen über die Projektstadien in den Mock-Ups deutlich, die Stone und Wallisser gemeinsam mit den Teilnehmern bestritten. Dieser ganzheitliche Ansatz sorgte dafür, dass immer wieder auf die engen Zusammenhänge zwischen Raum, Funktion und Nutzerbedürfnissen fokussiert wurde.

Sehr gut harmoniert hat diese kombinierte Besetzung übrigens auch mit den Erwartungen der Workshop-Teilnehmer, denn auch sie rekrutierten sich aus unterschiedlichen Disziplinen vom Lichtdesigner, über den Architekten und Innenarchitekten, bis hin zum Produktmanager beim Leuchtenhersteller. Auf die Frage danach, was sie nach der Woche mitnehmen werden in ihre täglichen Arbeit, setzen sie daher verschiedene Schwerpunkte, aber einhellig konstatieren alle, dass sie ein tieferes Verständis für die Funktion und Wirkung von Licht und die zur Verfügung stehende Technik gewonnen haben. Und neben den konkreten Tipps der Experten, die alle als großen Gewinn bewerten, betonen sie auch den Spaß, den sie bei der kreativen Teamarbeit in den Mock-Ups hatten.

Wie ein Tagebuch begleiten die "sketchbooks" jeden Teilnehmer über die Dauer des Workshops. Sie fungieren sowohl als Handout zu den Vorträgen als auch als eigene Projektdokumentation.<br />Foto: Brandi Institute, Hamburg

Themen und Termine der nächsten Workshops im Brandi Institute

Essentials of Light – What is little light? What is much light? How is the interaction between light and shadow? Is light identical to light? How does light behave on surfaces? (April 2014)

Urban Lighting – Urban lighting in tomorrow’s cities. Matching leisure, living and night-life (Oktober 2014)

Lighting Control Concepts – Eco-lighting with new control concepts. Answers to unlimited possibilities (November 2014)

Weiterführende Infos

Brandi Institute, Hamburg

www.brandi-institute.com