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Licht unter Tage

04.03.2022

Zwei Lichtdesignerinnen von ANDRES + PARTNER zeigen mit ihren detaillierten Konzepten, wie bedürfnisorientiertes Lichtdesign die Aufenthaltsqualität und damit die Akzeptanz von U-Bahnen steigern kann.

Zeitgemäße Lichtlösungen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen, können nicht nur Beleuchtungsdefizite ausgleichen. Sie versorgen Reisende in den Waggons mit gesundem Licht, das Wohlbefinden und Produktivität steigert, und machen U-Bahn-Stationen zu attraktiven urbanen Räumen, die das Stadtbild bereichern. Für eine U-Bahn, in der man sich wohlfühlt, lässt man außerdem den Stop-and-go-Verkehr gerne hinter sich.

Die U-Bahn präsentiert sich hier als sinnvolle Ausweichmöglichkeit, da sie oftmals unterirdisch fährt und damit unabhängig von der Verkehrs- und Wettersituation auf den Straßen funktioniert.
Allerdings bringt die Nutzung der unterirdischen Stadtbahn einen entscheidenden Nachteil mit sich: Menschen, die sich ohnehin einen Großteil des Tages in Innenräumen aufhalten, verbringen noch mehr Zeit fernab des dringend benötigten Tageslichts. Und ein übermäßiges Tageslichtdefizit wirkt sich negativ auf den zirkadianen Rhythmus und damit auf die Gesundheit der Menschen aus.

Auch viele Stationen punkten nicht mit optimalen Tageslichteinträgen und wirken mit ihrer zweckmäßigen Beleuchtung und Gestaltung nicht besonders anziehend.
Die Lichtdesignerinnen Anna Wawrzyniak und Meggy Rentsch sind diesen Herausforderungen mit zielorientierten Lichtkonzepten begegnet und zeigen damit: Die U-Bahn kann mehr.

Gesundes Licht im U-Bahn-Waggon

Europäische Berufstätige verbringen im Durchschnitt 20 bis 60 Minuten pro Tag in öffentlichen Verkehrsmitteln. Anna Wawrzyniak hat in einer Studie untersucht, wie sich diese verhältnismäßig kurze Verweildauer bestmöglich nutzen lässt, um Stadtmenschen bedürfnisorientiert mit melanopisch wirksamem Licht zu versorgen und so in ihrem Schlaf-Wach-Rhythmus zu unterstützen. Zeitpunkt und Dauer der Lichtexposition, Einfallswinkel und Leuchtdichteverteilung wurden bei der Untersuchung ebenso berücksichtigt wie die Lichtintensität und die spektrale Komposition.

Messungen (Abbildung: Anna Wawrzyniak)

In enger Zusammenarbeit mit der Hamburger Hochbahn wurden die Resultate anschließend simulativ auf einen Waggon der aktuellen DT5-Flotte angewendet. Das Ergebnis: Ein LICHTWAGGON, der Berufspendlern zu bestimmten Tageszeitabschnitten eine aktivierende Lichtdusche auf freiwilliger Basis bietet, die sich positiv auf Produktivität und Wohlbefinden auswirkt. Schichtarbeiter mit abweichendem Schlaf-Wach-Rhythmus und andere Reisende können auf andere Wagons ausweichen.

Aufwachlicht am Morgen, Erholungslicht am Abend, Lichtkunst am Wochenende

Zwischen 6:00 und 9:00 Uhr am Morgen regt helles, neutralweißes Licht den Organismus an und hilft den Fahrgästen so, einen aktiven Wachzustand zu erreichen.

Aufwachlicht (Abbildung: Anna Wawrzyniak)

Während der Feierabendzeit zwischen 16:00 und 19:00 Uhr schafft eine Mischung aus rotem und gedimmtem warmweißem Licht eine sanft stimulierende Lichtsituation, die entspannend, aber nicht ermüdend wirkt. Mit vier Personen auf 1 m² bietet der LICHTWAGGON ein höheres Licht-Pro-Kopf-Verhältnis als jede Human-Centric-Lighting-Bürolösung.

Standardlicht (Abbildung: Anna Wawrzyniak)

Zwischen den Berufsverkehrszeiten fährt der LICHTWAGGON mit einer energiesparenden Standardbeleuchtung. Am Wochenende begeistern künstlerische Lichtkompositionen nicht nur Touristen und jüngere Menschen. Die beleuchteten Flächen können dazu mit Informations- oder Unterhaltungsinhalten bespielt werden. Auf diese Weise nutzt der LICHTWAGGON sein Licht ressourcenschonend und effizient.

Abendanwendung (Abbildung: Anna Wawrzyniak)

Für ihr Konzept wurde Wawrzyniak bereits zwei Mal ausgezeichnet. 2019 erhielt sie den „LUXI – der LICHT-Preis“ in der Nachwuchskategorie »Bestes Lichtkonzept« und wurde von der British Society of Light and Lighting zum »Young Lighter 2019« gekürt.

www.andrespartner.de


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