Projekte

Leuchtende Dächer für An- und Abfahrt

Gelsenkirchen hat seinen Busbahnhof modernisiert

Auf einen Blick

LED-Beleuchtung sorgt an neuen Bussteigen in Gelsenkirchen für mehr Sicherheit, Attraktivität, Komfort – und geringere Betriebskosten.

Ein moderner und heller Platz war gefragt
Sobald sich das Tageslicht verabschiedet, entfalten die Fahrgastunterstände am modernisierten Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) in Gelsenkirchen eine ganz besondere Ausstrahlung. Vor allem die Mittelinsel mit ihrer umlaufenden LED-Beleuchtung erinnert dann an ein gerade gelandetes UFO – direkt gegenüber dem Bestandsgebäude, das wie die anderen drei Unterstände mit LED-Leuchten bestückt wurde.

An ein gerade gelandetes UFO erinnert vor allem die Mittelinsel. Die umlaufende LED-Beleuchtung schafft gute Orientierung für die Fahrgäste und eine hohe Aufenthaltsqualität. (Foto: Lukas Pelech)

Ziel der im März 2017 begonnenen Modernisierung war es, die Barrierefreiheit und die Aufenthaltsqualität an den Bussteigen zu verbessern. Eingerichtet wurden ein taktiles Leitsystem für Sehbehinderte, eine dynamische Fahrgastinfo für die verbesserte Übersichtlichkeit sowie neue Sitzbänke und Wetterschutz für die Nutzer. »Außerdem sollte ein moderner und heller Platz geschaffen werden, der von vornherein abschreckend gegen kriminelle Aktivitäten wirkt«, sagt Gerd Cosse, Geschäftsführer der Emslicht AG. Sein Unternehmen hat die neuen Anlagen mit maßgeschneiderter LED-Beleuchtung ausgestattet. Getreu dem Firmenmotto »Einfach heller sparen« sorgt diese Form der Beleuchtung für hohe Energieeffizienz bei zugleich hoher Lichtqualität: Rund 518 m LED-Lichtband in vollvergossener Ausführung für eine hochwertige Farbwiedergabe bei einer Lichtausbeute von 180 lm/W hat Emslicht verbaut.

Praktische Lösung mit kleineren Vorschaltgeräten
Im Interesse niedriger Wartungskosten spielte die Revisionierbarkeit der Technik bei diesem Projekt eine wichtige Rolle. Deshalb schlug der LED-Hersteller eine praktische Lösung vor: Im Gegensatz zum ursprünglichen Plan wurden statt einiger großer einfach mehrere kleine Vorschaltgeräte eingesetzt, die sich jeweils leicht zugänglich in der Nähe der LEDs befinden.

So konnte auf den Einbau großer Zugangsluken in das Dach der rund 80 m langen Mittelinsel verzichtet werden. Für den Bauherren, die Stadt Gelsenkirchen bzw. ihr Referat Verkehr, und den Betreiber, die BOGESTRA – Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen Aktiengesellschaft, sind die Änderungen in der Herstellungsphase kostenneutral. Da jedoch ein möglicherweise nötiger Austausch von Leuchten oder andere Reparaturmaßnahmen deutlich schneller zu bewerkstelligen sind, wirkt sich die Plananpassung bei den Instandhaltungskosten auf Dauer kostensenkend aus.

Günstig für die langfristigen Betriebskosten: Durch den Einsatz kleinerer Vorschaltgeräte lassen sich Wartung und Reparaturen an den LED-Bauteilen einfach und kostensparend bewerkstelligen. (Foto: Lukas Pelech)

Konstruktion, Produktion und Montage der LED-Elemente aus einer Hand
Laut Projektleiter Thomas Baumgartner von der Ziegler Metallbearbeitung übernahm der LED-Hersteller Emslicht bei diesem Projekt eine immer wichtigere Rolle. »Dies begann mit einer sehr fundierten Beratung und praxisnahen Lösungen. Wir wissen zudem sehr zu schätzen, dass Emslicht nicht nur die Leuchtkörper produzierte und als Komplettprodukt mit den U-Profilen lieferte, sondern auch die Installateure der Firma Enters bei der Montage beratend unterstützte. Diese äußerst anspruchsvollen Aufgaben hätte der ursprünglich angefragte Lieferant so nicht übernommen. Es hat sich also gezeigt, dass die Produktion bei Emslicht in den besten Händen lag, sagt Baumgartner.

Nicht nur am Bestandsgebäude und auf der Mittelinsel, sondern auch an drei weiteren Fahrgastunterständen wurde die Aufenthaltsqualität mit neuen Dächern und sorgfältig ausgewählter Beleuchtung erhöht. (Foto: Lukas Pelech)

Berechnungen, Lichtsimulationen und Musterbau im Vorfeld
Vorbereitend wurde der Lichtbedarf anhand von Berechnungen und Lichtsimulationen exakt definiert: Wo genau ist welche Lichtqualität erforderlich, wie müssen Spotwirkungen berücksichtigt werden, wie soll die Lichtverteilung aussehen? Diagramme und Erläuterungen auf insgesamt 120 Seiten und der hausinterne Musterbau von Emslicht lieferten die Antworten auf alle offenen Fragen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Design der futuristisch anmutenden Überdachung und der daraus resultierenden Beleuchtungselemente. Die Form der Aluminiumprofile für die LEDs erwies sich als technisch sehr anspruchsvoll, da sie den Radien der Dächer präzise folgen musste. 248 Leuchten wurden in 25 verschiedenen Varianten komplett als Sonderanfertigung hergestellt. Der Raum zwischen den Elementen betrug zwei bis vier Millimeter, daher waren die Schienen besonders exakt zu planen und zu produzieren.

Die auf den ersten Blick klaren Formen und Radien offenbaren bei genauerem Hinsehen komplexe Geometrien, die für die Präzision in der Fertigung stets eine Herausforderung darstellen. (Foto: Lukas Pelech)

Höchste Präzision trotz engen Zeitfensters
Für die Montage mussten die U-Profile am Ende jeweils in zwei Richtungen gebogen werden. Die komplexe Formgebung beruhte auf 3D-Daten, die Emslicht teilweise von der Dach-ARGE übernehmen und mit dem eigenen CAD-Programm überarbeiten konnte.

Thomas Baumgartner lobt die gute Abstimmung unter den Projektbeteiligten, insbesondere das Engagement von Emslicht: »LEDs bekommt man heute überall – die Technik an sich ist ja nicht mehr revolutionär. Aber es gibt nach wie vor große qualitative Unterschiede, und für uns ist wichtig, dass die Produkte bei dem jeweiligen Projekt zu 100 % genau passen. Hierzu gehört auch, dass der Hersteller flexibel und belastbar ist, denn die Zeitfenster für die Planung und Umsetzung werden immer enger.«

Angesichts üblicher bauablaufbedingter Verschiebungen im Zeitplan, die den Fertigstellungstermin aber letztendlich nicht gefährdeten, war »der direkte Draht« zwischen den Ansprechpartnern laut Thomas Baumgartner entscheidend für den Erfolg. So konnte die UFO-ähnliche Konstruktion auf dem Parkdeck am Gelsenkirchener ZOB pünktlich realisiert werden und die Aufenthaltsqualität für die Fahrgäste nachhaltig verbessern.

Projektbeteiligte:
Architekten: Büro Stefan Schmitz, Köln, www.stefan-schmitz-architekten.de
Dachkonstruktion/Stadtmöbel:
E. Ziegler Metallbearbeitung AG, Weissach-Flacht, und mmcité+, Bílovice (CZ) als Dach-ARGE, www.ziegler-metall.de | www.mmcite.com/de
Elektrofachplanung: Weigelt Ingenieurgesellschaft, Köln, www.weigelt-ingenieure.de
Elektroinstallation: Enters Elektrotechnik GmbH, Wuppertal, www.enters-elektrotechnik.de
LED-Lösung: Emslicht AG, Geeste-Dalum, www.emslicht.de


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