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Funk - tioniert doch

Lichtsteuerung wird drahtlos – ein Bericht von der Light+Building 2014

Auf einen Blick

Lichtsteuerung 2014 bedeutet in drei Worten zusammengefasst LED, Apps und Funk. Die Kontrolle über farbiges LED-Licht verlangt geradezu nach grafischen Bedienoberflächen, Smartphone-Touchscreens sind wie gemacht dafür, und damit ist auch Funk als Kommunikationsmedium gesetzt. Diese drei Zutaten mischen die Heim- und Gebäudeautomation auf. Wie bei jeder neuen Technik ist aber noch längst nicht ausgemacht, welche Standards sich durchsetzen werden, diese Messe zeigte eine Reihe Vorschläge – das und mehr hier im Überblick.

Abb.: Der Philips-Messestand auf der Light+Building. Bis man sich solch einen Regenbogenreigen aus »Hue«-Lampen unter die Decke hängen kann, muss Philips noch ein bisschen was am Preis machen. (Foto: Philips)

Drahtlos in Frankfurt

Das Geschäft mit der Heimautomation kommt nicht recht in Fahrt. Die gängigen Bussysteme sind nicht einfach genug. Dreck bei der Installation, teure Komponenten und komplizierter Umgang wirken schon beim Neubau abschreckend, vom Nachrüstmarkt ganz zu schweigen. Drahtlos kommunizierende Lichtschalter, Leuchten, geschaltete Steckdosen und was es sonst noch braucht wären die schmerzfreie Lösung, doch bislang kam dafür allenfalls EnOcean in Frage, wenn man sich nicht auf herstellerspezifische Speziallösungen festlegen wollte. Jetzt endlich kommt Bewegung in das Thema, und Lichtsteuerungen sind ganz vorne dabei. Das bedeutet allerdings nicht, dass ein gemeinsamer Branchenstandard in Sicht wäre. Nein, es wetteifern mal wieder zahlreiche verschiedene, untereinander überwiegend inkompatible Lösungen um die Gunst der Anwender.

Immerhin zeichnen sich Trends ab. Die vor rund zwei Jahren gegründete Connected Lighting Alliance hat sich die Verbreitung drahtloser Lichtsteuerungstechniken auf die Fahnen geschrieben und versammelt in ihren Reihen sämtliche Schwergewichte der Lichtsteuerungsbranche. In ihrem offiziellen Positionspapier vermeidet die Alliance noch konsequent die Festlegung auf einen bestimmten Standard, doch in einer Presseerklärung jüngeren Datums wird ZigBee favorisiert. Mit NXP hat die Alliance schon den passenden Elektronikspezialisten an Bord.

ZigBee ist technisch verwandt mit Bluetooth oder WLAN, jedoch auf geringen Datendurchsatz und genügsamen Stromverbrauch getrimmt. Und es beherrscht Tricks für den Einsatz im Gebäude, wo Wände und Decken die Funkreichweite stark einschränken können. ZigBee spannt ein Maschennetz auf, in dem Kommandos per Weitervermittlung über mehrere Geräte hinweg auch dann ihr Ziel erreichen, wenn Sender und Empfänger keinen direkten Funkkontakt haben. Sogenannte Profile definieren den Einsatz von ZigBee für verschiedene Anwendungsfelder, »Light Link« ist eines davon, es wurde 2012 veröffentlicht und findet seitdem großen Anklang.

Die ersten und bislang meisten Erfahrungen hat Philips damit gesammelt. Die funkfernsteuerbaren »hue«-Leuchtmittel arbeiten damit, ebenso die aktuelle Generation der »Living Colors«-Leuchten. Über eine sogenannte Bridge wird das ZigBee-Netz mit dem heimischen WLAN-Router verbunden und ist dann per Smartphone-App steuerbar.
Der zentrale Zugang zum Philips-Messestand auf der Light+Building war als Tunnel gestaltet, von dessen Decke Schwärme von »hue«-Lampen Farbkaskaden regnen ließen. Beeindruckend war das individuell fein abgestufte Farbspiel, eher irritierend hingegen das Krächzen in der Klangkulisse, das jeden größeren Szenenwechsel begleitete.

Das Licht kehrt (smart) heim

Nach dem Willen von Philips soll »hue« keine reine Lichtlösung bleiben. Eine erste Kooperation mit dem System »RWE Smarthome« funktioniert bereits, »hue« lässt sich in das Portfolio aus gleichfalls funkvernetzten Zwischensteckern, Heizkörperthermostaten, Bewegungsmeldern und noch einigem mehr eingliedern. »RWE Smarthome« funkt indes nach einem gänzlich anderen Standard, so dass die Verbindung technisch recht unelegant über die Zentralgeräte der beiden Systeme hergestellt werden muss. Der Anwender bekommt von diesem Notbehelf nichts mit und kann aus der Smarthome-Umgebung heraus die wesentlichen Funktionen von »hue« bedienen. »hue« gesellt sich mit ein paar Schiebern unauffällig zur gemeinsamen Bedienoberfläche dazu.

Jüngst war zu lesen, dass auch eine Kooperation mit dem Thermostathersteller Nest am Start ist, der es mit seiner Übernahme durch Google zu größerer Bekanntheit gebracht hat. Vorläufiger Höhepunkt auf dem Weg zum »Internet der Dinge« ist die Interaktion der beiden Systeme über den Webdienst »If this then that«, kurz IFTTT, etwa nach dem Muster »Wenn niemand da ist, dann mach das Licht aus«.

»hue« und »Living Colors« zielen eher auf den Einsatz in der Heimautomation, Philips sieht aber auch Potenzial für ZigBee in der technischen Beleuchtung. »Actilume Wireless« heißt das System, das im wesentlichen aus Sensoren, Aktoren und Fernbedienung besteht und als Nachrüstsatz für technische Innenleuchten gedacht ist, unter anderem für die neue Leuchtenfamilie »Smart Balance LED«.
Osram wollte ZigBee Light Link schon vor zwei Jahren mit »IQ Light Control« einsetzen, trat dann aber auf die Bremse, um das System noch einmal zu überarbeiten. Herausgekommen ist nun »Lightify«. Auch hier werden farbwechselfähige LED-Lampen per ZigBee angesteuert. Für den Einsatz im professionellen Umfeld gibt es zusätzlich eine Linie »Lightify Pro«. Während das Bedienkonzept bei Philips rund um eine Smartphone-App aufgebaut ist und erst kürzlich um eine schalterähnliche Bedienstelle, den »hue Tab«, ergänzt wurde, soll »Lightify Pro« vom Start weg auch Schnittstellen zu konventionellen Tastern oder Präsenzmeldern bekommen. Die beste Idee für den professionellen Einsatz dürfte aber das angekündigte DALI-Gateway sein.

Erfreulich: Kaum erscheinen ZigBee-Systeme auf dem Markt, ist die Technik auch schon in Gateways unabhängiger Anbieter integriert. So zeigte abalight mit der »Smartbox« ein Universalgateway, das Ethernet bzw. WLAN mit den gängigen Lichtsteuerprotokollen DALI, DMX und eben ZigBee verbindet. Der potente Prozessor der »Smartbox« versieht auch in aktuellen Einsteiger-Smartphones seinen Dienst, modular nachrüstbar sind dann noch Verbindungen z.B. zu KNX oder BACnet.
Wer von ZigBee überzeugt ist und damit nun auch den Rest wie die Jalousiesteuerung oder die Steuerung weiterer elektrischer Verbraucher erledigen möchte, wird bei Ubisys fündig. Der Düsseldorfer Drahtlos-Spezialist legte auf der Messe unter anderem eine Palette an Schalt- und Dimmaktoren für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke vor, die sich hinter klassischen Buslösungen nicht zu verstecken brauchen, wahlweise für den Einbau in den Verteiler oder in die Unterputzdose – nur eben ohne Datenverkabelung. Das funkende Komplettpaket für die häufigsten Schalt- und Dimmaufgaben im Heim ist ein Problemlöser auch für knifflige Nachrüstprojekte.

Abb.: Zum Zeitpunkt der Light+Building ließen sich »hue«-Lampen und die Leuchten der »friends of hue«-Reihe per Smartphone, Tablet oder Laptop steuern. Jetzt steht zusätzlich der »hue tab« zur Verfügung. Ein »hue tab« kann mit bis zu 50 Lampen und Leuchten kommunizieren. (Foto: Philips)

Abb.: Durch die Integration in das System »RWE Smarthome« wird »hue« Teil der gewerkeübergreifenden Heimautomation. Die Lichtsteuerung ist in die Bedienoberfläche eingebettet. Verlinkt sind »RWE Smarthome« und »hue« über ihre Steuerzentralen, denn sie nutzen verschiedene Funkprotokolle. (Foto: RWE Smarthome)

Abb.: Komme, was da wolle: Die »Smartbox« ist ein Universalgateway für die Verbindung von Ethernet bzw. WLAN mit allen gängigen Lichtsteuerprotokollen. Sie hat auf fast jeden Anschlusswunsch eine Antwort und was fehlt, wird dazugesteckt. (Foto: abalight)

Autor: Prof. Markus Gehnen, TFH Bochum

Den kompletten Fachbeitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe LICHT 7-8 I 2014.

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