Planung
Licht 8 | 2021

Zwischen Tradition und Moderne

Universitätsbibliothek in der Alten Aktienspinnerei in Chemnitz

Beste Bedingungen zum Lesen und Lernen findet man seit 2020 in der Alten Aktienspinnerei in Chemnitz. Das Baudenkmal aus der Mitte des 19. Jahrhunderts dient jetzt als Zentralbibliothek der Technischen Universität. Die Beleuchtung mit individuell gefertigten Leuchten von mawa überzeugt ästhetisch wie funktional – gerade im Kontext anspruchsvoller Denkmalsanierung.

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Abb.: Die Beleuchtung der Bibliothek erfolgt mit linearen LED-Deckenleuchten und klassisch gestalteten, fest montierten Tischleuchten, hier zu sehen im Karree des Obergeschosses. Till Schuster

Zu ihrer Entstehungszeit um 1858 war die Alte Aktienspinnerei die größte Spinnerei Sachsens – mit einem zentralen fünfgeschossigen Mittelbau, zwei langgestreckten viergeschossigen Seitenflügeln und markanten Ecktürmen. Nach Zerstörungen im 2. Weltkrieg erlebte das Gebäude vielfältige Nutzungen, unter anderem als Kaufhaus, Puppenbühne, Stadtbibliothek, Büro- und Ausstellungsgebäude. 2011 erwarb der Freistaat Sachsen die Alte Aktienspinnerei mit dem Ziel, sie zur Universitätsbibliothek umzubauen.

Abb.: Früher war die Alte Aktienspinnerei die größte Spinnerei Sachsens – mit einem zentralen fünfgeschossigen Mittelbau, zwei langgestreckten viergeschossigen Seitenflügeln und markanten Ecktürmen. Till Schuster

Im Zentrum: Der Lesesaal

Für diese Umnutzung des historischen Industriegebäudes waren umfangreiche Anpassungen des Bestandes erforderlich. Dabei hatte der Denkmalschutz hohe Priorität: Die Seitenflügel blieben weitgehend erhalten, Kubatur und Fassadengestaltung der historischen Aktienspinnerei entsprechen der ursprünglichen Form, die Fenster erhielten ihre alten Formate mit Bögen. Die Gewinner des Architekturwettbewerbs, Siegmar Lungwitz, Lydia Heine und Thorsten Mildner, ließen den Mittelbau und die äußeren Giebelfelder der Seitenflügel entkernen und mit einer modernen, nutzungsgerechten inneren Struktur wieder aufbauen. In den Seitenflügeln sind die Freihandbereiche der Bibliothek untergebracht, im Mittelteil die zentralen Funktionen wie Eingangshalle, Haupterschließung und, als Herz des Entwurfs, der drei Geschosse hohe Lesesaal mit seiner imposanten Oberlichtdecke. Insgesamt entstand eine Nutzfläche von 12.354 Quadratmeter.

Abb.: In der Eingangshalle griffen die Planenden die Gestaltung der kassettierten Decke auf und fassten zehn lineare Einzelleuchten auf einer quadratischen Grundkonstruktion zusammen. Till Schuster

Nicht weniger als 38 Kilometer Bibliotheks- und Archivgut zogen in die neue Unibibliothek – das sind mehr als 1,2 Millionen Bücher und Zeitschriften. Die Universität verfügt über ein Lern- und Kommunikationszentrum mit mehr als 700 Arbeitsplätzen für diverse Arten des Lernens und Arbeitens: von stillen Einzelarbeitsplätzen über Lesekabinen bis hin zu Lern- und Kommunikationsbereichen für Gruppenarbeit. Im Erdgeschoss entstand ein attraktiver Ort für Veranstaltungen. Zudem ermöglicht ein Lesegarten hinter dem Gebäude Lernen im Freien.

Licht ohne historisches Vorbild

Vor dem Hintergrund dieser tiefgreifenden Umbauten folgt die Beleuchtung keinem historischen Vorbild, sondern stellt eine moderne Interpretation dar. Der dominanten natürlichen Beleuchtung des Lesesaals, von dem aus das Tageslicht durch offene Galerien in die angrenzenden Räume strömt, fügten die Planer zwei durchgängige Elemente hinzu: Zum einen die Beleuchtung der einzelnen Lese- und Arbeitsplätze mit klassisch gestalteten, fest montierten Tischleuchten – und zum anderen eine Allgemeinbeleuchtung mit linearen LED-Deckenleuchten, die je nach Raumsituation als Lichtlinien oder als gruppierte Leuchtenfelder angeordnet sind.

Beide Komponenten stammen vom Leuchtenhersteller mawa: Als Tischleuchte wählten die Planer das Modell »potsdam«. Speziell für Bibliotheken entwickelt, verfügt es über eine bündig in den Tisch eingelassene Adapterplatte, die individuell konfigurierbar ist. Im Fall der 450 Leuchten dieses Projektes entschied sich der Nutzer für Schalter- und Steckdosenintegration. Der flache, quaderförmige Leuchtenkopf aus Aluminium leuchtet die Tischfläche blendfrei aus. Er ist wie die restliche Leuchte in mattem Schwarzbraun pulverbeschichtet – abgestimmt auf andere Bauelemente, wie die dunklen Stahlfensterrahmen im historischen Raster. Die integrierten LED-Module erzeugen bei 25 W Anschlussleistung einen LED-Lichtstrom von 2.500 lm in angenehmem Warmweiß (3.000 K).

Abb.: Als Tischleuchte wählten die Planer das Modell »potsdam«. Es wurde speziell für Bibliotheken entwickelt und verfügt über eine bündig in den Tisch eingelassene Adapterplatte, die individuell konfigurierbar ist. Till Schuster
Abb.: Die Beleuchtung von Lese- und Arbeitsplätzen erfolgt mit mit fest montierten Tischleuchten, die Allgemeinbeleuchtung übernehmen linearen LED-Deckenleuchten. Till Schuster

Mit klassischen Proportionen

Die linearen Anbauleuchten erinnern in Proportion und Anmutung an Leuchtstoffröhren-Armaturen, wie sie jahrzehntelang charakteristisch für die Beleuchtung von Industriearchitektur waren. Die zeitgemäße Interpretation mit LED-Technik unter einem Diffusor ist jedoch wartungsarm und energieeffizienter – nicht zuletzt, weil sich die diffuse Abstrahlcharakteristik im Vergleich zur klassischen Leuchtstofflampe ausschließlich auf den unterseitigen Halbraum konzentriert. Zudem gewährleisten angenehme 3.000 K und gute Farbwiedergabe beste Bedingungen für konzentriertes Arbeiten mit den unterschiedlichen Medien der Bibliothek. Über DALI-Schnittstellen sind die Anbauleuchten zentral schalt- und dimmbar.

Je nach Raumsituation erlaubt das Beleuchtungskonzept unterschiedliche Konfigurationen: In den Galerien rund um den Lichthof folgt ihre Anordnung dem Rhythmus der Akustikdecke. Aneinandergereiht beleuchten sie die Garderoben im Untergeschoss. In der Eingangshalle entschieden sich die Planer wiederum, die Gestaltung der kassettierten Decke aufzugreifen und zehn lineare Einzelleuchten auf einer quadratischen Grundkonstruktion zusammenzufassen. Ein Gestaltungsprinzip, das sich im Treppenhaus in reduzierter Größe mit drei verkürzten Lichtlinien wiederholt.

Abb.: Im zentralen Lesesaal sorgt eine Tageslichtdecke für natürliche Allgemeinbeleuchtung, während Tischleuchten die Lese- und Arbeitsflächen blendfrei ausleuchten. Till Schuster
Abb.: Im Untergeschoss beleuchten die Anbauleuchten von mawa aneinandergereiht die Garderoben. Je nach Raumsituation lassen sie sich unterschiedlich konfigurieren. Till Schuster

Expertise für individuelle Lichtlösungen

Die Herausforderung bestand darin, die Leuchtenkonstruktion im Foyer klappbar auszuführen, um rückseitig positionierte Lüftungs- und Lautsprecherkomponenten warten zu können. Keine ungewöhnliche Aufgabe für mawa. Das Unternehmen verfügt über langjährige Erfahrung bei der Realisation von anspruchsvollsten Licht- und Leuchtenlösungen für Baudenkmäler, Kunstausstellungen und Architektur-Unikate in Zusammenarbeit mit Architekten und Designern. Mit DEKRA-zertifizierter Fertigungsstrecke, eigenem Lichtlabor und hochqualifizierten Mitarbeitern erweist sich mawa als zuverlässiger Partner für Planer, die in ihren Projekten nach einer Symbiose aus historischer Bausubstanz und moderner Nutzung streben.

Weitere Informationen:

Bauherr: Freistaat Sachsen, Sächsisches Staatsministerium der Finanzen Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien und Baumanagement

Architektur: ARGE Aktienspinnerei Chemnitz Lungwitz Dresden, Heine Mildner, Dresden, heinemildner.de, Rabe Architekten, Rotenburg, www.rabe-architekten.com

Technische Ausrüstung: INNIUS GTD GmbH, Dresden, innius.de; TEAMPLAN Ingenieure GmbH, Leipzig

Projektleitung bei mawa: Dirk Salewski, Marco Schölzel, www.mawa-design.de

Fotos: Till Schuster

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Licht 8 | 2021

Erschienen am 26. Oktober 2021