Planung
Licht 3 | 2020

Zwei namhafte Architekten kommen wieder zusammen

Lagerhalle für Glühlampen wird zum angesagten Designhotel

Eine ehemalige Lagerhalle in Stockholm wurde vom namhaften schwedischen Architekten Gert Wingårdh in ein schickes, aber dem Gebäudestil gerechtes Designhotel umgebaut. Für den Entwurf der Lagerhalle aus den 1930er Jahren zeichnete ein nicht weniger bekannter Name der schwedischen Architekturszene, Sigurd Lewerentz, verantwortlich. In der Halle, wo ehemals Glühlampen gelagert wurden, tritt das Licht nun auf eine neue Weise in Erscheinung.

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Abb.: In der Entwicklung des Beleuchtungskonzeptes ging es vor allem darum, die Funktionen zu modernisieren, ohne die Grundästhetik und den Stil des Gebäudes mit dem erhaltenen Sichtbeton und seiner modernen Einfachheit zu verlieren. Beatrice Graalheim

Gert Wingårdh gilt als einer der bekanntesten zeitgenössischen Architekten Schwedens. Zusammen mit seinem Team plante er den Umbau einer ehemaligen Stockholmer Lagerhalle in ein schickes, aber sachliches 249-Zimmer-Hotel der Nobis Hospitality Group. Interessant dabei ist, dass das Gebäude aus den 1930er Jahren vom renommierten schwedischen Architekten Sigurd Lewerentz stammt, mit dem Gert Wingårdh in den 1970er Jahren bei seinem ersten Architekturwettbewerb zusammengearbeitet hat. Gemeinsam mit Gunnar Asplund leitete Sigurd Lewerentz in Schweden die Stilrichtung der Moderne ein.

Abb.: Im Gebäude des heutigen Hotel Blique in Stockholm lagerte Philips in den 1930er Jahren Glühlampen. Foto: Blique by Noblis/Kris Dekeijser Blique by Nobis/Kris Dekeijser
Abb.: Liebhaber von Architektur, Design, Kunst, Musik und gutem Essen werden vor allem in den öffentlichen Bereichen des Hotels Blique fündig. Foto: Beatrice Gralheim Beatrice Graalheim

Verschmelzung von Architektur und Licht

In der Fabrikhalle wurden seinerzeit Glühlampen der Firma Philips aufbewahrt, während die umliegenden Bürogebäude der Verwaltung dienten. Der industrielle Charme der ehemaligen Lagerhalle ist weitestgehend erhalten geblieben. Sichtbeton an Wänden, Säulen und Bodenbelägen harmonieren mit der größtenteils offen gestalteten Decke, die einen ungehinderten Blick auf Versorgungsschächte und Kanäle erlaubt. Schmiedeeiserne Geländer, die quadratischen Fenster und andere Elemente aus den 1930er Jahren zeigen unmissverständlich die ursprüngliche Nutzung des Gebäudes auf und prägen das Ambiente, welches mit den zeitlosen skandinavischen Möbeln, modernen Skulpturen und zeitgenössischen Kunstwerken einen angenehmen Kontrast bildet. Das geradlinige und geometrisch aufgebaute Schienensystem in der schwarzen Oberfläche fügt sich so nahtlos in die allgemeine Erscheinung der Räumlichkeiten ein und könnte rein formal und aufgrund seiner zeitlosen Schlichtheit durchaus ein attraktives Überbleibsel aus vergangenen Zeiten sein. Die formal reduzierten Strahler lassen das System elegant und auffällig unauffällig wirken, während die verschiedenen Ausstrahlwinkel eine individuelle Inszenierung der Objekte ermöglichen. Herzstück des Systems, und im vorliegenden Projekt vielfältig eingesetzt, ist der Knotenverbinder, der die Gestaltung mannigfaltiger geometrischer Formen ermöglicht. Bis zu sechs Kanäle lassen sich mit diesem an einem Punkt im 60°- und 90°-Winkel miteinander verbinden. In den öffentlichen Bereichen kamen auf diese Weise rund 1.600 Meter des Systems in Verbindung mit über 600 Knotenpunkten zum Einsatz. Dieses Netz aus Lichtschienen, Leuchten und Beleuchtungsmöglichkeiten schafft eine moderne und zeitgemäße Lichtlösung für die Neugestaltung und die Nutzungsänderung des Gebäudes. Das Licht verschmilzt hier geradezu mit der vorliegenden Architektur.

Abb.: 1.600 Meter Stromschiene werden über mehr als 600 Knotenpunkte miteinander verbunden und sorgen so für eine attraktive und funktionale Lichtlösung im Hotel. Foto: Beatrice Graalheim Beatrice Graalheim
Abb.: In den öffentlichen Bereichen des Hotels (Rezeption, Lobby und Restaurant) haben die Architekten das strenge Interieur, wie roher Beton mit massiven Säulen und freiliegenden Metallrohren, mit zeitlosen skandinavischen Möbeln, modernen Skulpturen und zeitgenössischen Kunstwerken ausgestattet. Foto: Beatrice Graalheim Beatrice Graalheim

Lichtsteuerung für bedarfsgerechte Lichtszenen

Die Qualität und Flexibilität der allgemeinen Beleuchtung ist für die beleuchteten Zonen essentiell, da es in der Lobby und den angrenzenden Bereichen nur wenig Tageslicht gibt. Darüber hinaus fungiert das Hotel auch als Kunstgalerie. Diese Komplexität des öffentlichen Raums sowie die Anforderungen an eine bedarfsgerechte Lichtinszenierung erfordert eine intelligente Lichtsteuerung, wie sie hier folgerichtig zum Einsatz kam. Für die Ansteuerung wurden die verschiedenen Bereiche in Zonen und Gruppen eingeteilt und in Summe 1.600 DALI-Adressen im Steuerungsprotokoll inkludiert. Für ausgewählte Zonen wurde eine astronomische Uhr programmiert, wodurch der saisonale Sonnenstand berücksichtigt und die Lichtstimmung in der Lobby entsprechend angepasst wird. Außerdem wechselt die Lichtfarbe bzw. lässt sich auch manuell regeln, je nach Tageszeit zwischen 1.800 und 3.000 Kelvin. Eine tageslichtähnliche Ansteuerung wurde bewusst vermieden, um den wohnlichen Charakter der Bereiche zu betonen. So konnten die Optionen der Beleuchtungslösung zielsicher und bedarfsgerecht eingesetzt werden, um trotz großer Freiflächen und harter Oberflächenschichten ein gemütliches und abwechslungsreiches Ambiente zu gestalten.

Abb.: Dank Colour Warm Dimming erfolgt eine stufenlose Veränderung der Farbtemperatur von 1.800 auf 3.000 Kelvin. Foto: Blique by Noblis/Kris Dekeijser Blique by Nobis/Kris Dekeijser
Blique by Nobis/Kris Dekeijser
Blique by Nobis/Kris Dekeijser

Weitere Informationen:

Bauherr: Nobis AB, Stockholm, www.nobis.se

Architekt/Lichtplaner: Wingårdh Architects, Göteborg, www.wingardhs.se

Leuchten: XAL GmbH, Graz, www.xal.com; Wever & Ducré GmbH, Graz, www.weverducre.com

Fotos: Beatrice Graalheim, Blique by Nobis/Kris Dekeijser

Autor: Alexander Schwarz, Niederwalgern, www.schwarzlichtfotografie.de

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Licht 3 | 2020

Erschienen am 27. April 2020