Planung
Licht 8 | 2021

Zukunftsweisende Forschung im Prestigebau

Nutzerorientierte Lichtplanung für das Biozentrum Basel

Das neue Biozentrum in Basel wurde Anfang 2021 der Universität Basel übergeben und startet im Herbst 2021 mit dem regulären Lehrbetrieb für die Studierenden. Das Hightech-Gebäude von Ilg Santer Architekten aus Zürich repräsentiert einen hochmodernen Forschungsstandort in einem akademischen Prestigebau. Durch eine innovative und nutzerorientierte Lichtplanung wird das Biozentrum sowohl architektonisch als auch funktional als zukunftsweisendes und technologisches Gebäude definiert.

Lesezeit: ca. 5 Minuten
Abb.: Durch die flexible Schaltung der diffusen und direktstrahlenden Leuchtenkomponenten können unterschiedliche Stimmungen geschaffen werden und die Beleuchtung an die individuellen Bedarfe unterschiedlicher Nutzer oder Anlässe angepasst werden. Daisuke Hirabayashi

Die zukunftsorientierte Infrastruktur und Gestaltung des Biozentrums Basel setzen einen wichtigen Meilenstein für die langjährige Erfolgsgeschichte der Universität und bieten eine konkurrenzfähige Basis für fortschrittliche Wissenschaft und Forschung in Basel. Insgesamt werden Kapazitäten für 900 Studierende, 400 Forschende und zahlreiche hochsensible wissenschaftliche Gerätschaften geschaffen. Der moderne Turm für das neue Biozentrum erstreckt sich über 19 Etagen, von denen drei Geschosse unterirdisch liegen und insgesamt zehn Etagen für den Bereich der Forschung zur Verfügung stehen.

Neben dem Biozentrum sind im Gebäude auch das Universitätsrechenzentrum, Hörsäle und Seminarräume sowie eine öffentliche Cafeteria untergebracht. Umgeben wird es von einem großen, frei zugänglichen Platz, der einen Begegnungsort für den gesamten Life Sciences Campus entstehen lässt. Der prismatische, rechteckige Baukörper überstrahlt in seiner Höhe die Umgebung und markiert die Stadt Basel zeichenhaft als Bildungsstandort. Dazu trägt auch die Lichtplanung bei.

Abb.: Das neue Biozentrum in Basel repräsentiert einen hochmodernen Forschungsstandort in einem akademischen Prestigebau. Im fassadennahen Bereich sind lineare Profilleuchten zugleich wesentlicher Bestandteil der nächtlichen Außenwirkung des Gebäudes und lassen den auffälligen Baukörper von innen heraus strahlen. Daisuke Hirabayashi

Daisuke Hirabayashi

Individuelle Lösungen und Funktionalität

Auf den zehn Etagen für den Forschungsbereich befinden sich größtenteils Laborräume, in denen Wissenschaftler und Forschungsgruppen ihren Arbeitsplatz finden. Mit dem Einsatz von linearen Profilleuchten mit einer Abdeckung bestehend aus multiplen Linsen wird ein druckvolles und gleichzeitig blendfreies Licht in den Räumen ermöglicht, um eine adäquate Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Auch in den Büroräumen werden Profilleuchten verwendet, die speziell für das Projekt auf Basis bestehender Technik entworfen wurden, zusätzlich jedoch über eine Indirektkomponente verfügen. Neben einer fokussierten Beleuchtung der Arbeitsfläche wird damit auch eine angemessene atmosphärische Ausleuchtung des gesamten Raumes gewährleistet. Im fassadennahen Bereich sind diese Leuchten zugleich wesentlicher Bestandteil der nächtlichen Außenwirkung des Gebäudes und lassen den auffälligen Baukörper von innen heraus strahlen.

Abb.: Mit dem Einsatz von linearen Profilleuchten mit einer Abdeckung bestehend aus multiplen Linsen wird ein druckvolles und gleichzeitig blendfreies Licht in den Laborräumen ermöglicht, um eine adäquate Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Daisuke Hirabayashi

In den Mittelzonen der jeweiligen Etagen, wo Sozial-, Besprechungs- und Seminarbereiche verortet sind, sorgen Deckenaufbauleuchten für eine homogene und symmetrische Beleuchtung der offen gestalteten Raumstrukturen. Durch die flexible Schaltung der diffusen und direktstrahlenden Leuchtenkomponenten können unterschiedliche Stimmungen geschaffen werden und die Beleuchtung an die individuellen Bedürfnisse unterschiedlicher Nutzer oder Anlässe angepasst werden. Konzentrierte Einzelarbeit wird genauso ermöglicht wie Gruppenbesprechungen und soziales Beisammensein.
Abb.: In den Mittelzonen der jeweiligen Etagen, wo Sozial-, Besprechungs- und Seminarbereiche verortet sind, sorgen Deckenaufbauleuchten für eine homogene und symmetrische Beleuchtung der offen gestalteten Raumstrukturen. Daisuke Hirabayashi

In den Fassadennischen des 15. Obergeschosses und der Eingangshalle sind lineare Bodeneinbauleuchten platziert, die einerseits die strahlende Außenwirkung des Gebäudes unterstützen und andererseits in den unteren Stockwerken für die Verkehrswegebeleuchtung sorgen und den Besuchern des Biozentrums Orientierung geben.

Offene Arbeitswelten und innovative Lehrräume

Die Eingangshalle bildet das optische Herzstück des Gebäudes. Sie erstreckt sich über drei Stockwerke und verbindet den ober- und unterirdischen Teil des Biozentrums miteinander. Durch die offene und flexible Gestaltung findet eine Auflösung des strengen, orthogonalen Rasters der anderen Geschosse statt. Stattdessen wurde die Halle als großzügiger, lichtdurchflossener Ankunfts- und Begegnungsort mit einer direkten Verbindung zum Außenraum als öffentlich zugänglicher Bereich gestaltet. Wendeltreppen verbinden die architektonischen Inseln über die Geschosse hinweg und lassen den Bereich wie ein lose zusammenhängendes Netz erscheinen. Der Einsatz von Downlights in der Decke ermöglicht dabei eine flexible Grundbeleuchtung.

Abb.: Die Eingangshalle bildet das optische Herzstück des Gebäudes. Durch die offene und flexible Gestaltung findet eine Auflösung des strengen, orthogonalen Rasters der anderen Geschosse statt. Wendeltreppen verbinden die architektonischen Inseln und lassen den Bereich wie ein lose zusammenhängendes Netz erscheinen. Daisuke Hirabayashi

Abb.: Die Halle wurde als großzügiger, lichtdurchflossener Ankunfts- und Begegnungsort mit Sitzgelegenheiten und einer direkten Verbindung zum Außenraum als öffentlich zugänglicher Bereich gestaltet. Daisuke Hirabayashi

Für die Hörsäle und Seminarräume der Untergeschosse wurde die gleiche neuartige Leuchte wie in den Mittelzonen verplant. Diese speziell für das Projekt entwickelte Deckenaufbauleuchte ist das Resultat einer Kooperation zwischen Ilg Santer Architekten und Licht Kunst Licht. Umsetzung und Produktion der Leuchte erfolgten durch Regent. Durch ihr organisches, ringförmiges Design passt sie formalästhetisch zum minimalistischen und cleanen Look des Biozentrums und integriert sich harmonisch in die Architektur. Ergänzt durch Einbau-Richtstrahler zur Beleuchtung der Wandtafeln in den Lehrräumen sowie LED-Leuchten in den Möbeln zur Stufenbeleuchtung wird ein ganzheitliches, stimmiges Gesamtbild geschaffen – auch und ganz besonders in den unterirdischen Bereichen des Gebäudes.
Abb.: Für die Hörsäle und Seminarräume der Untergeschosse wurde eine speziell entwickelte Deckenaufbauleuchte verplant. Durch ihr organisches, ringförmiges Design passt sie formalästhetisch zum minimalistischen und cleanen Look des Biozentrums. Daisuke Hirabayashi

Aufenthaltsqualität und Komfort im Außenraum

Da der Neubau des Biozentrums auf einem öffentlichen Platz errichtet wurde, liegt der Fokus der Außengestaltung auf einer hohen Aufenthaltsqualität und Komfort für Gäste und Passanten. Großzügige Sitzgelegenheiten, Wasserspiele, Bepflanzung und Kunstinterventionen machen den Universitätscampus wie auch das zugehörige Stadtquartier erlebbar. Eine ausgewogene Beleuchtung dieses Bereichs durch dreiköpfige Mastleuchten vermittelt Orientierung und Sicherheit sowie eine einladende Geste zum Verweilen.

Insgesamt sind alle eingesetzten Leuchten mit LEDs ausgestattet, sodass eine nachhaltige und effiziente Planung umgesetzt werden konnte. Das neue Biozentrum ist nicht nur Ort der Lehre, sondern durch seine außergewöhnliche Architektur und Gestaltung vor allem ein Ort, der zur gemeinsamen Forschung einlädt.

Weitere Informationen:

Bauherr: Hochbau- und Planungsamt Basel

Nutzer: Universität Basel

Fertigstellung: 2021

Architekten: Ilg Santer Architekten, Zürich, www.ilgsanter.ch

Elektroplanung: IBG B. Graf, Baar, www.ibg.ch/engineering

Gesamtleitung und Baurealisation: B + P Baurealisation, Zürich und Basel, www.bp-baurealisation.ch/de

Lichtplanung: Licht Kunst Licht AG, Bonn, Projektleitung: Tanja Baum, Benjamin Dorff, www.lichtkunstlicht.com

Fotos: Daisuke Hirabayashi

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 8 | 2021

Erschienen am 26. Oktober 2021