Design
Licht 4 | 2022

Wenn der Tisch zur Bühne wird

»Tohru in der Schreiberei« setzt Speisen in Szene

Im ältesten Münchner Bürgerhaus, der »Schreiberei«, entstand ein neues außergewöhnliches Kulinarik-Konzept, in dem die Speisen die Protagonisten sind und durch Licht theatralisch in Szene gesetzt werden. Die Beleuchtung erzeugt hierbei eine wohnliche Aura, denn für jedes Tisch-Setting wurde ein eigener kleiner Wohnraum geschaffen.

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Abb.: Der Tisch wird zur Bühne des Tellers, auf dem das Gericht kunstvoll durch die Pendelleuchte »Sento sospeso« inszeniert wird. Diese kann exakt den Radius des Tisches nachzeichnen und mit ihren flexiblen Glaseinsätzen die Plastizität der Speisen hervorheben. Occhio

Tohru Nakamura und Marc Uebelherr suchten bewusst nach etwas, das es noch gar nicht gibt. Im ältesten Münchner Bürgerhaus in der Burgstraße 5, genannt »Schreiberei«, wurden sie fündig – der ideale Ort für ein außergewöhnliches Konzept – kulinarisch wie auch konzeptuell. Eine besondere Herausforderung für das Münchner Architekturbüro hildmannwilke, das ein spannendes Raumkonzept und in Zusammenarbeit mit Occhio eine harmonische Lichtinszenierung entwarf. In enger Abstimmung mit dem Denkmalamt blühten die Kreativen zur Höchstform auf, um in einer sensiblen Gratwanderung und auf wenig Raum eine Szenerie zu schaffen, in der die Speise selbst die alleinige Protagonistin ist.

Inszeniert ist bereits die Ankunft des Gastes: Über die sogenannte »Himmelsleiter« gelangt man in das erste Obergeschoss, wo man die Wirkungsstätte des Teams hinter einer goldspiegelnden, kreisrunden Türöffnung – das Tor zur Küche – und damit zur Schatzkammer von Tohru, erblickt. Wie alle Wanddurchbrüche sowie sämtliche Durchgänge und Fenster, so wird auch diese Öffnung mit einem Vorhang aus schwerem Stoff geschlossen. Dies ist ein stilistisches wie auch notwendiges Element, um gemeinsam mit dem Teppichboden die Raumakustik so angenehm und diskret wie möglich zu gestalten. In den beiden Gasträumen – der eine in einem kräftigen »burnt orange« und tonnenüberwölbt, der andere in einem satten Smaragd-Grün – finden sich präzise und mit Bedacht positionierte Tischgruppen sowie wie einige eigens entworfene Servicemöbel.

Der perfekt ausgeleuchtete Tisch

Mit dem Hintergedanken, eine möglichst wohnliche Aura zu erzeugen, wurde für jedes Tisch-Setting ein eigener kleiner Wohnraum geschaffen, bei dem sich das Licht wie eine Glocke über den Tisch legt. Der gesamte Fokus der Beleuchtung liegt dabei auf dem theatralischen Auftritt der Speisen, während die umgebende Architektur durch den bewussten Verzicht auf eine Allgemeinbeleuchtung nur noch von einem dezenten Schein aufgehellt wird. Der perfekt ausgeleuchtete Tisch wird zur Bühne des Tellers, auf dem das Gericht kunstvoll durch die Pendelleuchte »Sento sospeso« inszeniert wird. Sie kann exakt den Radius des Tisches nachzeichnen und mit ihren flexiblen Glaseinsätzen die Plastizität der Speisen herausstreichen. Ihr brillantes, schattenreiches Licht überzeichnet nicht und macht die Haptik und Textur des Essens spürbar. »Sento sospeso« fungiert wie ein Bühnenbeleuchter: Mit der Gestensteuerung kann die Präsentation der Köstlichkeiten durch orchestrierte Handbewegungen situativ zusätzlich untermalt werden. »Das richtige Licht ist essentiell für die Atmosphäre und ein wesentlicher Baustein für die Gesamtkomposition in unserem Restaurant. Deshalb freue ich mich sehr darüber, dass wir hier auf Occhio zählen können, die unsere Vorstellungen perfekt umgesetzt haben«, so Tohru Nakamura.

Zurückhaltung war das Gebot der Stunde: Stets mit Blick auf den Denkmalschutz, entschied man sich für die Installation einzelner Auslässe, die minutiös mit Laser nach dem Tischplan eingemessen wurden. Die schwenkbaren Strahler »Più alto«, die einzelne Objekte im Gastraum hervorheben, eigneten sich dafür ideal. Die Pendelleuchten »Sento sospeso« wurde mit speziell angefertigten Keilen bestückt, um die Schrägen des Tonnengewölbes auszugleichen. Alle Leuchten wurden passend zur Grundfarbe des Raumes und immer in Hinblick auf bestmögliche chromatische Integration gewählt: So entschied man sich bei den Pendelleuchten im Hauptraum für Rosegold, im Nebenraum für Bronze in Annäherung an das Gesamtkonzept. Die Strahler sind einheitlich in Schwarz matt mit jeweils abgestimmter Ringeinfassung gehalten. Und die wandmontierte Spiegelleuchte »Mito sfera« strahlt in den Waschräumen, ein wenig wie ein »Schlüsselloch« zu gut gehüteten Geheimnissen…

Abb.: In den beiden Gasträumen – der eine in einem kräftigen »burnt orange« und tonnenüberwölbt, der andere in einem satten Smaragd-Grün – finden sich mit Bedacht positionierte Tischgruppen. Occhio
Abb.: Das brillante, schattenreiche Licht macht die Haptik und Textur des Essens spürbar. Mit der Gestensteuerung kann die Beleuchtung durch einfache Handbewegungen angepasst werden. Occhio

Weitere Informationen:

Quelle/Fotos: Occhio GmbH, www.occhio.com

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 4 | 2022

Erschienen am 25. Mai 2022