Planung
Licht 3 | 2021

Wenn der Patient zum Gast wird

Wohlfühllicht in den Waldkliniken, Eisenberg

Von Thüringens Wäldern und Hügeln umgeben, befindet sich am Stadtrand Eisenbergs die größte universitäre Orthopädie Europas. Das im Oktober 2020 eröffnete Bettenhaus der Waldklinik verbindet Spitzenmedizin mit der Aufenthaltsqualität eines Sterne-Hotels. In diesem von Stararchitekt Matteo Thun geschaffenen Gebäude galt es, die Beleuchtung auf höchstem Niveau zu realisieren. Moderne und zeitlos gestaltete Leuchten von mawa design sorgen in nahezu allen Bereichen für angenehmes Wohlfühllicht. Die Komposition aus Licht und Design harmoniert mit der herausragenden Architektur.

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In hügeliger Landschaft Thüringens, umgeben von Laubwald, befindet sich am Stadtrand von Eisenberg die größte universitäre Orthopädie Europas. Die vielfach ausgezeichneten Waldkliniken genießen national wie international einen hervorragenden Ruf. Seit Oktober 2020 begrüßt das neue Bettenhaus Patienten aller Kassen und Besucher und verbindet Spitzenmedizin mit der Aufenthaltsqualität eines Sterne-Hotels. Die Orthopädieexperten mit internationalem Ruf und großer Tradition in der Endoprothetik helfen und heilen Patienten aus Deutschland und der ganzen Welt. Die Waldklinik ist zudem größter Arbeitgeber der Region und gilt laut F.A.Z.-Institut als »Deutschlands bestes Krankenhaus« (2020 zum zweiten Mal in Folge in der Kategorie 150 bis 300 Betten).

Der innovative Bau entstammt der Feder des renommierten, in Mailand ansässigen Architekten Matteo Thun. Bekannt und vielfach ausgezeichnet für seine Architektur des Wohlbefindens, liegt auch diesem Projekt ein hoher Anspruch an Ästhetik und Aufenthaltsqualität zugrunde. Klassische, in der Regel beängstigende Krankenhausatmosphäre wurde bewusst vermieden. Die Architektur des neuen Bettenhauses sollte laut David-Ruben Thies, Geschäftsführer der Waldkliniken Eisenberg, drei wesentliche Anforderungen erfüllen: erstklassige Aufenthaltsqualität, höchste Funktionalität und Finanzierbarkeit. Im Zentrum des Entwurfs von Matteo Thun, der dann auch die Jury des Architektenwettbewerbs und die Bauherrn überzeugte, stand die Gastfreundschaft.

»Dass Architektur einen konkreten medizinischen Nutzen hat, darauf deuten wissenschaftliche Studien hin: Patienten brauchen nach operativen Eingriffen weniger Medikamente und verfügen über ein stärkeres Immunsystem, wenn sie sich in ihrer Umgebung wohlfühlen und einen Blick ins Grüne genießen können«, so Thies über das Konzept der Healing Architecture. »Wir haben deshalb die Waldlandschaft, die unser Haus umgibt, bewusst in die Planungen für unseren Neubau einbezogen. Es gibt große Glasfronten, die die Natur im Gebäude erlebbar machen. Wir wollten das Tageslicht, das unsere Gäste in allen Zimmern haben, buchstäblich in das ganze Haus hineintragen. Wie bei der Gebäudeplanung sind wir deshalb auch bei der Lichtplanung neue Wege gegangen. Gemeinsam mit Matteo Thun, den Architekten von HDR und den Lichtdesignern von mawa design haben wir uns aufgemacht, die optimale Lösung für alle Bereiche unserer Klinik zu finden.«

Komposition aus Licht und Architektur

Bei der Beleuchtung der Räumlichkeiten stand die Wohlfühlatmosphäre für die Patienten im Vordergrund. Die Lichtplaner von mawa design setzten die Wünsche des Kunden zusammen mit den gestalterischen Vorgaben des Architekturbüros Matteo Thun entsprechend um. Das breite Portfolio von mawa design setzt sich sowohl aus technischen Lichtsystemen als auch dekorativen Wohnraumleuchten im zeitlos modernen Design zusammen. Der Michendorfer Leuchtenhersteller ist bekannt für seine kundenspezifischen Lösungen und legt besonderen Wert auf Nachhaltigkeit.

Der runde Baukörper gewährt aus jedem Patientenzimmer den Blick ins Grüne, der nachgewiesenermaßen zur Genesung beiträgt. Ausgestattet mit maximal zwei Betten in räumlich versetzter Anordnung entsteht ein Gefühl von Privatsphäre. Interaktion wird in diesem Haus ermöglicht, aber nie erzwungen. Das spiegelt sich auch in der Vielfalt der Aufenthaltsräume wider. Veranden und Lounges, Spielbereiche für Kinder und Sitznischen entlang der Flure gestatten nach Bedarf Rückzug oder Gespräch.

Zusammensitzen oder gemeinsam essen können die »Gäste« – Patienten, wie Besucher – in Bar, Bistro, Restaurant oder dem Piazza, einem überdachten Wintergarten im Innenhof des Hauses. Dessen kassettierte Holzdecke repräsentiert den Anspruch an verwendete Materialien und den Wunsch, das Thema »Wald« in die Architektursprache einzubinden. Die Lichtplaner von mawa design inszenierten diesen besonderen Raum im Herzen des Gebäudes mit 25 Pendelleuchten »berliner ring«. Aus jeweils zwei kreisförmig gebogenen Profilen bestehend, akzentuieren diese sowohl die hölzerne Decke als auch die darunter befindlichen Tische. Die Rundleuchten sind eine Reminiszenz an den Saale-Holzland-Kreis und an die Rundform des Gebäudes.

Farben als Leitsystem

Neben Materialien spielen Farben im Haus eine besondere Rolle. Etagenspezifisch definiert, sind sie nicht nur gestaltendes Element, sondern Teil des Leitsystems. Die diffus strahlende Funktionsleuchte »bullauge« greift das Konzept auf und wurde für zentrale Bereiche wie den Stützpunkten in entsprechendem Farbton beschichtet. Hochwertige Oberflächen tragen ebenfalls zur Raumästhetik bei. Für den Leuchtenhersteller stellte dies kein Problem dar, da die Produkte für präzise Verarbeitung und ein qualitatives Erscheinungsbild bekannt sind. Schlanke Stabpendelleuchten »d28« in Chrom, Wandleuchten der Serie »wittenberg 4.0« mit Drehdimmern aus Messing und Kugelleuchten mit metallisierten Gläsern unterstreichen die Szene.

Lichtfarben wurden nutzungsabhängig unterschieden, doch für den Kunden hatte eine warme Lichtstimmung in Räumen, in denen sich die Patienten aufhalten, oberste Priorität. Daher wurde in Aufenthaltsräumen eine Lichtfarbe mit warmweißen 2700 K eingesetzt. Die angenehme Lichtfarbe mit 3000 K wiederum ermöglicht den Mitarbeitenden konzentriertes Arbeiten. Objektive Untersuchungsbedingungen sind dank neutraler 4000 K gegeben. Für die Versorgung der Patienten braucht das Pflegepersonal in den Zimmern sehr helles Licht. Dafür sorgen Lichtleisten über den Betten, die aber nicht die ganze Zeit eingeschaltet sein müssen. Die Patienten können die Beleuchtung deshalb mit Hilfe einer Fernbedienung am Bett steuern. Das Licht lässt sich dimmen und individuell so anpassen, dass es für die Patienten angenehm ist.

In diesem Projekt hat mawa design nicht nur die individuellen Beleuchtungskonzepte gemeinsam mit dem Kunden erfolgreich verwirklicht, sondern auch den Umsetzungsprozess kontinuierlich mit Rat und Tat begleitet.

Das neue Bettenhaus stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Konzept und Atmosphäre sollen Patienten schneller genesen lassen, Mitarbeitenden eine attraktive Arbeitsumgebung bieten und beiden den Austausch erleichtern. »Das schönste Lob haben wir gleich von unserem ersten Patienten bekommen. Er hat bei seiner Ankunft gesagt, dass er sich wie im Urlaub fühle. Ich finde, das sagt eigentlich alles aus«, meint Geschäftsführer David-Ruben Thies. »Natürlich freuen sich auch unsere Mitarbeiter über ihren neuen Arbeitsplatz. Sie haben ihn selbst mitgestaltet und waren von Anfang an in Planung und Konzeption mit eingebunden. In einem 1:1-Modell, dem Mock-Up auf dem Gelände der Waldkliniken, haben sie in Echtgröße ihre künftigen Patientenzimmer, Bäder, Veranden und Gänge sowie die Einrichtung und Beleuchtung auf deren Praxistauglichkeit getestet.«

Was der Orthopäde Rudolf Elle 1945 als »Staatliches Waldkrankenhaus« zur Behandlung von Versehrten eröffnet hat, sichert heute die regionale Grundversorgung und ist als akademisches Lehrkrankenhaus der Friedrich-Schiller-Universität Jena wesentlich an Förderung und Forschung beteiligt. In Zukunft setzt es zudem noch Maßstäbe im gänzlich neuen Sektor »Hospitality«, in dem der Patient zum Gast wird und Wohlbefinden zur Genesung beiträgt.

Weitere Informationen:

Bauherr: Waldkliniken Eisenberg GmbH, www.waldkliniken-eisenberg.de

Architektur (Entwurf): Matteo Thun & Partners, Mailand, www.matteothun.com

Architektur (Ausführung): HDR GmbH, Düsseldorf, www.hdrinc.com

Elektroplanung: GNUSE Ingenieurbüro für Krankenhaustechnik GmbH & Co. KG, Erfurt, www.gnuse.de

Installation: D-I-E Elektro AG, Jena, www.die-eag.com

Lichtplanung:
Matteo Thun & Partners, Mailand

GNUSE Ingenieurbüro für Krankenhaustechnik GmbH & Co. KG, Erfurt

mawa design GmbH, Michendorf, www.mawa-design.de

Leuchten: mawa design GmbH, Michendorf

Fotos: Stefan Wolf Lucks

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 3 | 2021

Erschienen am 23. April 2021