Planung
Licht 3 | 2019

Wasserdichtes Licht

Entspannung über und unter Wasser

Die Zeiten, als Unterwasser-Scheinwerfer rein funktional Bäder und Thermen beleuchteten, sind längst vorbei. Heutzutage ist das Licht in Wellnessbereichen und Pools ein entscheidendes Gestaltungselement, das die Räume atmosphärisch aufwertet. Ein Pionier in diesem Bereich ist die Firma Wibre, die in den 1950ern den weltweit ersten Unterwasser-Scheinwerfer entwickelte und dieses Jahr 100. Jubiläum feiert.

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Abb. 1: Die Tschuggen Bergoase Arosa liegt inmitten der Bergwelt Graubündens. Über die Auswahl an kalt- und neutralweißen LEDs fügt sich die Lichtfarbe perfekt in die naturbelassene Umgebung ein. Foto: Tschuggen Hotel Group

Vor 100 Jahren legte Wilhelm Breuninger, Gründer der Firma Wibre, die Grundlage für Licht unter Wasser. Mit der Entwicklung des weltweit ersten Unterwasser-Scheinwerfers, Anfang der 1950er Jahre, wurde der Grundstein für die Erfolgsgeschichte des »wasserdichten Lichts« gelegt. Nach verschiedenen Entwicklungen von Scheinwerfern, vor allem für Sport- und Wettkampfbecken, erkannte man bald auch die atmosphärische Aufwertung der Wellnessbereiche in Hotels und Privathäusern durch die Beleuchtung des Wassers. War das Wasser in den Abendstunden eher eine beängstigende dunkle Fläche, ist dies heute durch Unterwasserlicht ein wichtiges, attraktives Gestaltungselement. »Man steigt doch viel lieber in einen beleuchteten als in einen dunklen Pool«, so Benjamin Pfendt, Marketingleiter der Firma Wibre. Durch die variablen Einbauarten und einer Vielzahl an vorhandenen Baugrößen, können alle Arten, Formen und Größen von Pools beleuchtet werden. Weiß oder farbig, komplett ausgeleuchtet oder akzentuiert. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt, vor allem seit dem Einzug der LED-Technik in die Unterwasserwelt vor mittlerweile 15 Jahren.

Baden in schimmerndem Thermalwasser

In den Badeseen der Alpentherme Gastein wird diese Vielfalt und Kreativität sichtbar. Eine Vielzahl an Scheinwerfern beleuchten die beiden Seen. Der »Smaragd See« und der »Kristall See« sind mit reinem Thermalwasser gefüllt und tragen die Namen von Edelsteinen, die beide in den Gasteiner Bergen zu finden sind. Mit 1.300 bzw. 370 m2 Wasserfläche sind die in Österreich einzigartigen Seen zweifellos das Highlight der Alpentherme Gastein. Hier genießt man reines Gasteiner Thermalwasser in einer unvergleichbaren Kulisse. Das Wasser wird durch eine biologische Filteranlage gereinigt – ganz ohne die Zugabe chemischer Stoffe, wie z. B. Chlor. Täglich sprudeln 150 m3 frisches Thermalwasser in die Seen. Der große »Smaragd See« steht für aktive Erholung, der kleine »Kristall See« mit Panoramablick auf den See und die umliegende Bergwelt ist hingegen ein Rückzugsort für Ruhesuchende. Insgesamt sind sie mit acht Millionen Liter Thermalwasser gefüllt. Durch den Einsatz von Unterwasser-Scheinwerfern mit neuester RGB-Weiß LED-Technik funkeln die Gewässer wie Edelsteine und das Wasser schimmert in seichten Farben. Dadurch wird auch der Erholungs- und Therapieeffekt des Thermalwassers unterstützt. Mit langsam wechselnden Farben und Weißtönen genießen die Gäste eine wohltuende Lichttherapie.

Preisgekrönte Lichtspiele

Nicht ganz so bunt, aber umso eleganter leuchtet die Tschuggen Bergoase inmitten der atemberaubenden Bergwelt Graubündens. Sie erschließt eine neue Dimension von Raumgefühl und Behaglichkeit, von Natur und Geometrie, Licht und Wasser. Stararchitekt Mario Botta hat auf 5000 m2 ein Reich der Sinne geschaffen, eine Stätte des Wohlbefindens und der inneren Ruhe. Durch opulente und gleichzeitig filigrane Segel aus Glas und Stahl verschaffen sich Himmel und Berge Zugang ins tiefste Innere der Wellnessoase und durchfluten die vier Etagen mit Licht und atemberaubenden Panoramabildern. Die Wasserwelt spiegelt den Alpengranit der Wände und das Licht der Unterwasser-Scheinwerfer bricht sich Bahn und zaubert unendliche Lichtspiele. Diese preisgekrönte Spa-Oase mit einem Relaxpool, Schwimm- und Sportpool, Kleinkinderpool, Kneippzone, Aroser Felsgrotte und Außenpool sucht seinesgleichen. Hier herrscht eine Atmosphäre des Wohlbefindens aus Naturstein, Licht, Wasser und Holz. Eine klare Vision, exakte Vorausplanung und eine gezielte Positionierung der unzähligen Unterwasser-Scheinwerfer ermöglichen diese Effekte mit Licht, Wasser und Wänden. Durch eine Auswahl an kaltweißen und neutralweißen LEDs fügt sich die Lichtfarbe perfekt in die naturbelassene Umgebung ein. Das Tschuggen Grand Hotel gilt als eines der außergewöhnlichsten Wellnesshotels der Schweiz, wenn nicht sogar weltweit. Mit unzähligen Auszeichnungen ist das Fünfsternehaus ein luxuriöser Rückzugsort für Wintersportler und Wanderer. Eine hoteleigene Bergbahn, fünf Restaurants mit ausgezeichneter Küche runden den Aufenthalt im lichtdurchfluteten und preisgekrönten Spa ab.

Orientalisch beleuchtet

»Zuhause ist, wo dein privater Spa ist«. Dies nahm sich der Bauherr in einer indonesischen Privatresidenz zum Anlass, um sich ein Spabereich der besonderen Art zu schaffen: lichtdurchflutet, über und unter Wasser (s. Abb. 6 und 7). Mit der Verwendung von mehreren Miniatur-Unterwasserleuchten unmittelbar über dem Beckenboden werden beide Poolbereiche farbig ausgeleuchtet und damit die Mosaikornamente auf dem Boden kontrastreich hervorgehoben. Der 11 m lange und 1,30 m tiefe Hauptpool lädt zum Schwimmen und zum Verweilen unter freiem Himmel ein. Direkt verbunden und überdacht ist das nur 60 cm tiefe Entspannungsbecken, welches mit über 3 m Durchmesser genug Platz für mehrere Personen bietet. In den Abend- und Nachtstunden hat man die Möglichkeit, sich das Farblicht nach Belieben einzustellen. Dank einer intuitiven DMX-Steuerungsanlage und einer handlichen Fernbedienung sind eine nahezu unendliche Anzahl an Farben und Farbwechseln möglich. Selbst vordefinierte und tagesabhängige Einstellungen sind programmierbar. Das farbige Licht im Wasser ergibt einen Kontrast zu den dezenten Farbtönen außerhalb des Wassers im gesamten Spabereich der Residenz.

Leuchtendes Wasser in öffentlichen Bädern und Thermen, in Wellnessbereichen der Hotels und im privaten Spa gilt heutzutage als wesentliches und stimmungsvolles Gestaltungselement für Lichtplaner, Architekt und privaten Bauherrn. Denn wer schwimmt schon gerne in einem dunklen Pool?

Weitere Informationen:

Projekte: Alpentherme Gastein (A); Tschuggen Grand Hotel, Arosa (CH); Privatresidenz in Medan, Indonesien, Planer Pool: Sinar Teknik, Medan, Indonesien, www.sinarteknik.com

Leuchten: WIBRE Elektrogeräte Edmund Breuninger GmbH & Co. KG, Leingarten, www.wibre.de

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Licht 3 | 2019

Erschienen am 25. April 2019