Design
Licht 1 | 2021

Vielschichtige Transparenz

Wandleuchte »Jud« zeigt Farbverläufe in Glas

Das italienische Designstudio Draga & Aurel stellte 2019 eine neue Kollektion vor, »Transparency matters«. Zur Produktpalette aus Möbeln und Objekten zählen auch Leuchten, darunter Wandleuchte »Jud«. Sie lebt von der reizvollen Wechselbeziehung zwischen Glas, Licht und Farbe.

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Abb.: Wandleuchte »Jud« gehört zur Kollektion »Transparency matters« von Draga & Aurel. Die Farbpalette präsentiert sich in neun erdigen Tönen, die zum Leuchten gebracht werden. Foto: Allegra Martin, Daniele Iodice Allegra Martin, Daniele Iodice

Wandleuchte »Jud« spendet ein warmes, stimmungsvolles Licht, das sich über die längliche Fläche unterschiedlich verteilt. LEDs sind an den jeweiligen Enden der schlichten Messingstruktur untergebracht, die die Glasplatte einfassen. Das Licht fließt von dort über das durchscheinende Material, von den schmalen Seiten intensiver leuchtend, um zur Mitte hin sanft auszulaufen. Das Glas zeigt changierende Nuancen, ein Effekt, der beim Schmelzen des Glases entsteht, wenn verschiedene Töne miteinander vermischt werden.

Abb.: Die Oberfläche des Messings harmoniert mit den mineralischen Farbabstufungen des Glases. An den Enden der Leuchten sind die Lichtfilter aus farbigem Harz integriert. Foto: Allegra Martin, Daniele Iodice Allegra Martin, Daniele Iodice

Einflüsse aus Kunst und Handwerk

Das Designstudio Draga & Aurel fertigt die Kollektion »Transparency matters« im eigenen Atelier in Como, Italien an. Jedes Produkt ist ein Unikat und entsteht in Handarbeit. Bei Leuchte »Jud« wird der farbliche Eindruck zusätzlich verstärkt durch Lichtfilter aus farbigem Harz, die sich jeweils an den in Messing eingefassten Enden befinden. Die Leuchten verändern ihre Erscheinung, je nachdem ob das Licht an- oder ausgeschaltet ist. Die Palette aus weichen, mineralischen Nuancen kann dabei stark abweichen: das Licht der LEDs hebt die Töne hervor und lässt sie sanft erstrahlen. Ohne Licht zeigt sich »Jud« zurückhaltend und pur mit einer matten Oberfläche. Die Farbbezeichnungen umschreiben dabei treffend ihre Anmutung: Polvere (Puder), Ambra (Bernstein). Agave, Stagno (Zinn), Cotto (Terrakotta), Mango, Cacao, Carmino (Karmin), Rubino (Rubin).

Mit Serie »Transparency matters« haben sich die Designer Draga Obradovic und Aurel K. Basedow mit dem Thema Transparenz künstlerisch auseinandergesetzt.und dabei mit unterschiedlichen Materialien experimentiert. Für das Design von Leuchte »Jud« ließen sie sich von der Kunstströmung des Minimalismus inspirieren, besonders durch einen seiner Hauptvertreter, den amerikanischen Künstler Donald Judd (1928 – 1994). Ab Mitte der 1960er Jahre beschäftigte er sich mit Skulpturen und Installationen, die von geometrischen Grundformen und dem Umgang mit Farbe bestimmt waren. Das Studio Draga & Aurel arbeitet in den Bereichen Möbel-, Textil- und Interiordesign, darin fließt das jeweilige Knowhow der zwei kreativen Köpfe zusammen. Draga Obradovic hat in London und Mailand als Textildesignerin gearbeitet, bevor sie nach Como ging. Aurel K. Basedow hat in Mailand an der Accademia di Belle Arti Bildende Künste studiert, davor schloss er eine Ausbildung zum Tischler ab. Diese Kombination aus Kunst, Design und Handwerk prägt den Stil der beiden, daraus ging die Gründung ihres Comer Studios 2007 hervor. Aus ihrer neuen Kollektion konnten sie ausgewählte Stücke in limitierter Auflage 2019 in Ausstellungen zeigen, darunter in Venedig und während der Mailänder Designwoche im Designdistrikt Brera.

Abb.: Leuchte »Jud« besteht aus einem sehr reduzierten Messingkorpus und einer Platte aus geschmolzenem Glas. Lichtfilter aus farbigem Harz intensivieren die Wirkung des transparenten Materials. Foto: Riccardo Gasperoni Riccardo Gasperoni
Abb.: Draga Obradovic und Aurel K. Basedow gründeten ihr Studio 2007 in Como, Italien. Draga arbeitete zuvor als Textildesignerin, Aurel ist gelernter Tischler und studierte Bildende Künste. Foto: Piero Gemelli Piero Gemelli

Weitere Informationen:

www.draga-aurel.com

Autorin: Andrea Mende, freie Redakteurin, Leipzig

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 1 | 2021

Erschienen am 25. Februar 2021