Planung
Licht 4 | 2020

Therapie und Wellness im Einklang

Flexibles Licht für eine Physiotherapie-Praxis

Zum 25-jährigen Jubiläum einer Praxis für Physiotherapie im Lippetal sollten die Räume von Grund auf renoviert werden. büro berglar lippsmeier_2d3d aus Lippstadt wurde mit der Gestaltung beauftragt, die sowohl die Interior Design Konzeption als auch die Lichtplanung mit einbezog.

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Abb.: Der Eingangsbereich ist geprägt von organischen, sanft geschwungenen Linien und hellen, natürlichen Farben. Die Beleuchtung setzt sich zusammen aus Lichtvouten, Deckeneinbaustrahlern und Wandleuchten als Akzentlicht. büro berglar lippsmeier_2d3d

Die seit 25 Jahren etablierte Praxis im Lippetal bietet neben klassischer Physiotherapie auch Gesundheits- und Präventionskurse in Gruppen sowie Wellnessbehandlungen an. Bei der Renovierung blieb der Grundriss bestehen: Er teilt sich auf in einen Empfangs- und Wartebereich, wobei der Empfangstresen die zentrale Anlaufstelle bildet. Es stehen einzelne Therapiezimmer zur Verfügung sowie ein großer Raum, der Platz für Fitness- und Bewegungsklassen bietet. Diese Fläche lässt sich für Einzelanwendungen durch horizontale Schiebewände in mehrere Segmente abtrennen. Für die Planer von büro berglar lippsmeier_2d3d stand im Vordergrund, die drei Kernkompetenzen der Praxis – Physiotherapie, Präventionskurse und Wellness – gestalterisch in Einklang zu bringen. Die Beleuchtung sollte alle funktionalen Anforderungen während der differenten Behandlungssituationen erfüllen und gleichzeitig unterschiedliche Atmosphären schaffen. Eine der größten Herausforderungen für die Planer und Bürogründer Kathrin Berglar und Lars Lippsmeier lag darin, eine Lichtsteuerung zu hinterlegen, die vom gesamten Praxisteam einfach bedient werden konnte.

Abb.: Eine Lichtvoute setzt den Empfangstresen in Szene, er bildet die zentrale Anlaufstelle. Die Pendelleuchte über der Theke ist separat steuerbar, sowohl dessen Sockel als auch der Wandschrank oben sind hinterleuchtet. büro berglar lippsmeier_2d3d

Einladende Raumgestaltung

Das Interieur ist geprägt von hellen, natürlichen Farben und Materialien wie Holz, um ein Gefühl von Wohnlichkeit und Intimität zu vermitteln. Orange als CI-Farbe der Praxis wird nur akzentuiert eingesetzt. Die Möblierung hält sich optisch zurück und zeigt klare Formen. Das Planungsbüro hat das Projekt vom Entwurf bis zur Ausführung betreut, im Rahmen der Renovierung wurden u. a. neue Kabel verlegt und die alten Schiebewände in Kirschholz-Optik gegen weiße Modelle ausgetauscht.

Abb.: Deckeneinbaustrahler von Brumberg sind überall in der Praxis eingesetzt, sie betonen Bilder und die Türen zu den Behandlungsräumen. Alle sind über DALI dimmbar, drei Strahler kommen auf ein Vorschaltgerät. büro berglar lippsmeier_2d3d

Lichtvouten, Spots und Akzentlicht am Empfang

Die Empfangstheke steht im Mittelpunkt der Praxis, sie ist Kontaktpunkt und Ort der Kommunikation für Patienten und das Team. Sie wird durch eine längliche Pendelleuchte von Molto Luce und eine Lichtvoute hervorgehoben. Die wellenförmige Voute innerhalb der Deckenkonstruktion wird durch einen Höhenversatz von 5 cm ausgebildet. Stirnseitig wurde der geschwungene Kantenverlauf der unteren Gipskartonebene durch ein flexibel biegsames Profil überblendet und eingespachtelt, welches wiederum den LED-Stripe hochkant aufgestellt aufnimmt. Weitere Lichtvouten befinden sich unten am Sockel des Tresens sowie oberhalb des Schranks an der Rückwand des Empfangsbereichs. Dort wurde zudem eine hinterleuchtete Öffnung eingebaut, um dem Einbaumöbel die leichte Anmutung einer Vitrine zu verleihen. Deckeneinbaustrahler betonen die Eingänge zu den Behandlungszimmern und setzen Bilder in Szene, sie werden auch in den anderen Räumen eingesetzt. Zusätzlich erscheinen Wandleuchten mit direkter und indirekter Lichtabgabe als dekoratives Gestaltungselement. Ergänzend zur Beleuchtung wurde sowohl im Empfangsbereich als auch in sämtlichen Behandlungsräumen hoher Wert auf eine angenehme Raumakustik durch eine Reduktion der Nachhallzeiten gelegt. Während im Empfangsbereich eine klassische GK-Lochdecke zum Einsatz kam, wurden in sämtlichen Behandlungsräumen passend zu den LED-Flächenleuchten »Ecophone Master SQ«-Platten mit Schattenfuge verklebt, welche wiederum mit den Lichtlinien und Vouten abschließen.

Abb.: Tagsüber stehen die Schiebewände zur Abtrennung einzelner Behandlungsbereiche zur Verfügung, abends wird die Fläche für Gruppenkurse geöffnet. Lightpanels und Lichtlinien befinden sich über jeder Liege. büro berglar lippsmeier_2d3d

Zirkadian gesteuerte Beleuchtung

Die Lichtsteuerung ist tageslichtdynamisch mit Tunable White LEDs konzipiert und wurde mit den Tools von Lunatone umgesetzt. Auf DALI basierend, standen 16 Gruppen für verschiedene Lichtszenen zur Verfügung. Die zirkadiane Steuerung wurde mit bestimmten Zeiten festgelegt und startete ursprünglich mit 2800 K, wurde gegen 11 Uhr kühler und stieg ab Mittag bis Nachmittag auf etwa 5600 K an. Im Betrieb hat sich für den Praxisalltag herausgestellt, dass ein konstanteres wärmeres Lichtniveau besser angenommen wurde. Nun liegt die Farbtemperatur mittags etwa bei 4000 K, im Lauf des Tages bei knapp unter 3000 K. Sowohl im Empfangsbereich als auch in der gesamten Praxis können alle Lichtquellen DALI-gedimmt werden. Die Pendelleuchte über dem Tresen ist separat steuerbar, vor allem für die Zeiten, wenn die Praxis für die Patienten geschlossen ist. Die Bedienung geschieht über ein separates Touchpanel.

Abb.: Die Räume 4 und 5 stehen für Wellness-Behandlungen zur Verfügung, hier sind sowohl die Flächenleuchten als auch die LED-Lichtlinien mit RGBW-LEDs ausgestattet. Zusätzlich zeichnen die Deckenspots Kegel an die Wand. büro berglar lippsmeier_2d3d
Abb.: Klient und Therapeut können in Absprache über die gewünschte Lichtstimmung entscheiden, die Auswahl funktioniert über ein Touchpanel. Als Farbtherapie soll das Licht die Wirkung der Behandlungen unterstützen. büro berglar lippsmeier_2d3d

Flächenlicht und Farbtherapie für die Behandlung

Für eine gleichmäßige Ausleuchtung während der unterschiedlichen Therapien und Wellness-Anwendungen sorgen Flächenleuchten an der Decke. Der Patient liegt unter einem 2,2 Quadratmeter großen Lichtfeld, das ihn und seine Behandlung in den Fokus rückt. Diese Lightpanels der Firma Axis sind nur 3 cm tief und jeweils 120 x 180 cm groß. Das weiße oder farbige Licht der LED-Streifen wird über die Kanten der Acrylplatten eingespeist. Das Acrylglas ist satiniert und verhindert so mögliche Blendungen oder Reflexionen.

Die zentralen Flächenleuchten werden ergänzt durch umlaufende Lichtlinien (Raum 1 bis 3), durch Lichtvouten (Raum 4 bis 6) und durch Deckeneinbaustrahler. Durch sie wird ein angenehmer Hell-Dunkel-Kontrast generiert. Um auch hier Blendung zu vermeiden, befinden sich die Spots in der Nähe zur Wand. Die Räume 1 bis 3 und 6 sind mit Tunable White LEDs und zirkadianer Lichtsteuerung ausgestattet. Raum 4 und 5 werden für Wellness-Angebote genutzt, sie verfügen über eine Farbsteuerung mit RGBW-LEDs. Dort lassen sich je nach Bedarf harmonisierende oder anregende, vitalisierende Farbwechsel abrufen. Diese Farbtherapie ist als unterstützende Maßnahme zu den Behandlungen gedacht und kann individuell zwischen Patient und Therapeut abgestimmt werden. Die Bedienung, etwa auch das Dimmen des Lichts, funktioniert über ein jeweils zugeordnetes Touchpanel. Flächenlicht und LED-Linien können getrennt geschaltet werden, momentan sind sie zusammengefasst. In den LED-Linien befindet sich je ein Hochleistungs-LED-Streifen, der bei einem Leistungsniveau von derzeit nur 40 % eine adäquate Helligkeit bietet.

Abb.: Die Behandlungsräume 1, 3 und 6 sind mit dimmbaren Tunable White-LEDs ausgestattet, ebenso der Gruppenraum sowie der Empfangsbereich mit Wartezone. Tagsüber liegt die Farbtemperatur bei etwa 4000 K. büro berglar lippsmeier_2d3d

Freier Blick im Gruppenraum

Abends werden die Schiebetüren für die vielseitigen Gruppenkurse geöffnet. Lightpanels und Lichtlinien sind homogen entlang der Deckenfläche verteilt und werden durch weitere Deckeneinbauspots unterstützt. Sie sind jeweils an den Seiten der Wände sowie an den Trennfugen der Schiebewände verteilt. Sobald diese sich schließen, gehen die Spots über einen Kontrollschalter automatisch aus. Die gesamte Beleuchtung der drei einzelnen Behandlungsräume wird nun als Gruppenraum über ein separates Touchpanel zusammengefasst bedient. Die Farbtemperatur abends liegt bei warmweißen 2700 K.

»Wir hatten eine Vorbereitungszeit von etwa vier Monaten, die Renovierungsmaßnahme selber nahm inklusive Rückbau, Entkernung und Umbau vier Wochen Zeit in Anspruch. Für die Beleuchtungsanlage wünschte sich die Auftraggeberin vor allem eine leichte Bedienung. Die ganze Lichtsteuerung basiert auf nur 16 Gruppen, alles ist dimmbar. Nach dem ersten Viertel Jahr in der Anwendung sind auch die Mitarbeiterinnen von unserem Lichtkonzept überzeugt. Jeder kann die Panels bedienen, alles ist eingespielt«, so Kathrin Berglar und Lars Lippsmeier.

Abb.: Für das gesamte Gestaltungskonzept kam es büro berglar lippsmeier_2d3d vor allem darauf an, die Räume atmosphärisch zu inszenieren und gleichzeitig optimale Lichtverhältnisse für alle Behandlungen zu schaffen. büro berglar lippsmeier_2d3d

Weitere Informationen:

Bauherrin: Monika Stuckmann-Diening, Praxis für Physiotherapie und Gesundheitsconsulting

Innengestaltung, Lichtplanung: büro berglar lippsmeier_2d3d, www.berglarlippsmeier.de

Leuchtenhersteller: Axis (Flächenleuchten), www.axis-expotechnik.de, Brumberg (Deckeneinbaustrahler), www.brumberg.com; Molto Luce (Pendelleuchte), www.moltoluce.com

Steuerung: Lunatone, www.lunatone.com

Fotos: büro berglar lippsmeier_2d3d

Autorin: Andrea Mende, freie Redakteurin, Leipzig

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Licht 4 | 2020

Erschienen am 25. Mai 2020