Planung
Licht 9 | 2021

Theaterdenkmal im Rampenlicht

Relighting des Düsseldorfer Schauspielhauses

Anlässlich des Jubiläums »50 Jahre Schauspielhaus« feierte das 1970 fertiggestellte Theater am Gustaf-Gründgens-Platz in Düsseldorf 2020 seine Wiedereröffnung nach umfassender Sanierung durch das Büro ingenhoven architects. Alle öffentlichen Bereiche des markanten, von Bernhard Pfau entworfenen Baus erstrahlen nun in neuem Licht – dank LED-Beleuchtungslösungen, die individuell auf die denkmalgeschützten Strukturen vor Ort angepasst wurden.

Lesezeit: ca. 4 Minuten
Abb.: Das Büro ingenhoven architects erhielt den Auftrag zur Sanierung des denkmalgeschützten Theaters. Im Zuge der Sanierung wurde die historische Struktur des Gebäudes erhalten, Dach und Fassade erneuert und alle öffentlichen Bereiche unter Einhaltung strenger Denkmalschutzauflagen modernisiert. ingenhoven architects / HGEsch

Der organisch geschwungene Baukörper des Düsseldorfer Schauspielhauses bildet mit dem benachbarten Dreischeibenhaus eines der bedeutendsten Architektur-Ensembles der deutschen Nachkriegsmoderne. Das Büro ingenhoven architects, dessen Entwurf zum neuen Geschäfts- und Bürokomplex Kö-Bogen II aktuell am Gustaf-Gründgens-Platz gebaut und das Ensemble ergänzen wird, erhielt den Auftrag zur Sanierung des denkmalgeschützten Theaters. Im Zuge der Sanierung wurde die historische Struktur des Gebäudes erhalten, das sich in ein Großes Haus mit rund 760 Zuschauerplätzen und ein Kleines Haus mit bis zu 300 Plätzen aufteilt.

Dach und Fassade wurden erneuert und alle öffentlichen Bereiche unter Einhaltung strenger Denkmalschutzauflagen modernisiert. »Auch das ursprüngliche Beleuchtungskonzept aus der Feder des Lichtplaners Hans T. von Malotki wurde weitestgehend beibehalten, technisch allerdings komplett überarbeitet«, erklärt der Lichtplaner Prof. Clemens Tropp von Tropp Lighting Design GmbH. »In einigen Bereichen wurde das Konzept erweitert und auf die neuen Anforderungen durch das Schauspielhaus angepasst, stets in enger Absprache mit dem Denkmalschutz«, ergänzt er.

Beleuchtungslösungen im denkmalgeschützten Bestand

Ein wesentlicher Aspekt für das architektonische Konzept des Umbaus war die (Wieder)herstellung von Sichtbezügen zwischen Stadtraum und Schauspielhaus. In Absprache mit dem Denkmalschutz wurde der Eingang zum Großen Haus deutlich offener und transparenter gestaltet. Die getönten Scheiben der Fassade wurden durch Klarglas ersetzt. Auch die Lichtstimmung des neuen Eingangsbereichs soll einladend und dabei festlich wirken: In den Abendstunden erzeugt die neue Beleuchtung ein brillantes und von außen sichtbares warmes Licht.

Abb.: Die Lichtplanung hatte unter anderem die Aufgabe, zu verhindern, dass Reflexe auf der Fensterfront den Ausblick von innen nach außen in den Stadtraum beziehungsweise den Garten hinter dem Gebäude stören. Thomas Mayer

Das gesamte Relighting erfolgte daher mit LED-Lichtwerkzeugen mit einer warmweißen Lichtfarbe von 3.000 K. Zudem sollten keinerlei Reflexe auf der Fensterfront den Ausblick von innen nach außen in den Stadtraum beziehungsweise den Garten hinter dem Gebäude stören. Dafür wurden innen entlang der Glasfassade des Foyers zylinderförmige LED-Deckenaufbauleuchten installiert, die mit »ERCO individual« mit einem schwarzem Abblendkonus und besonders engen Abstrahlwinkel angepasst wurden.

Im Umgang, der den neuen Eingangsbereich mit dem großen, repräsentativen Foyer verbindet, wurde das bestehende Beleuchtungskonzept mit LED-Einbauleuchten optimiert: »Die Position der Downlights haben wir weitestgehend so belassen, wie im Ursprungskonzept von 1970 vorgesehen«, so Lichtplaner Clemens Tropp. »Über die mit dem ERCO individual-Team entwickelten neuen Leuchten mit der Lichtverteilung Spot haben wir bewusst Lichtinseln geschaffen, die Highlights auf dem Boden setzen und die Materialität des Fliesenmosaiks stärker herausarbeiten.«

Abb.: Spots schaffen Lichtinseln, die Highlights auf dem Boden setzen und die Materialität des Bodenbelags stärker herausarbeiten. Thomas Mayer
Abb.: Das ursprüngliche Beleuchtungskonzept wurde weitestgehend beibehalten, technisch allerdings komplett überarbeitet. Thomas Mayer

Neue Wandfluter mit justierbarem Lichtaustritt setzen die aufwendig restaurierten Sichtbetonwände des Umgangs in Szene. Die gesamte energiesparende, langlebige und wartungsfreie Beleuchtung des Foyers ist über DALI flexibel steuerbar. »Verschiedene Lichtszenen für die unterschiedlichen Nutzungsarten des Foyers wie Empfang, Pause oder Lesung wurden vorprogrammiert und können nach Bedarf abgerufen werden«, erläutert Tropp.

Zentrale Stütze des großen Foyers

Bernhard Pfau organisierte das große Foyer um eine massive, nach unten konisch zulaufende Stütze, die insgesamt 23 bis zu 15 Meter lange radial verlaufende Stahlbetonunterzüge trägt. Dieses wesentliche architektonische Element wurde im Zuge der Sanierung besonders spektakulär illuminiert. »Tesis«-Bodeneinbauleuchten wurden so modifiziert, dass sie an den Bestandpositionen rund um die Stütze eingesetzt werden konnten. Sie beleuchten die skulpturale Stütze sowie die Rippenstruktur der Deckenuntersicht mit einem exakt definierten Verlauf von unten nach oben und vom Zentrum nach außen.

Abb.: Modifizierte »Tesis«-Bodeneinbauleuchten sind an den Bestandpositionen rund um die Stütze verteilt. Sie beleuchten die skulpturale Stütze sowie die Rippenstruktur der Deckenuntersicht mit einem exakt definierten Verlauf von unten nach oben und vom Zentrum nach außen. Thomas Mayer
Abb.: Die energiesparende, langlebige und wartungsfreie LED-Beleuchtung des Foyers ist über DALI flexibel steuerbar. Thomas Mayer

Zwischen den Unterzügen der Betonrippendecke wurden – ebenfalls im Rahmen des Service »ERCO individual« – modifizierte »Gimbal«-Aufbaustrahler in Paaranordnung installiert, deren kardanische Schwenkmechanik es ermöglicht, die Lichtkegel präzise auszurichten. »Diese ausgeklügelte und in enger Zusammenarbeit zwischen uns, den Architekten und den Lichtspezialisten von ERCO entwickelte, maßgefertigte Beleuchtung schafft eine fantastische Lichtwirkung«, zeigt sich Clemens Tropp begeistert. »Die Betonunterzüge der Decke scheinen tatsächlich organisch aus der zentralen Stütze zu wachsen, was dem Raum nun die große Geste verleiht, die ihm Bernhard Pfau zugedacht hat. Gleichzeitig nimmt diese Art der Beleuchtung der massiven Konstruktion ihre Schwere.«

Weitere Informationen:

Projekt: Düsseldorfer Schauspielhaus

Bauherr: Neue Schauspiel GmbH, Düsseldorf

Architektur: ingenhoven architects, Düsseldorf, www.ingenhovenarchitects.com

Lichtplanung: Prof. Clemens Tropp, Dipl.-Ing. Daniel Meyer M.L.L., Tropp Lighting Design GmbH, Weilheim, www.tropp-lighting.com

Leuchten: ERCO GmbH, Lüdenscheid, www.erco.com

Fotos: ERCO / Thomas Mayer, Aufmacher: ingenhoven architects / HGEsch

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 9 | 2021

Erschienen am 25. November 2021