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Licht 1 | 2020

Schöne Rhön

Mitglieder der LiTG-Bezirksgruppe Hannover erkundeten die Rhön

Der traditionsreiche dreitägige Wochenendausflug der Mitglieder der LiTG-Bezirksgruppe Hannover fand 2019 wieder Anfang August statt. Ziel war die hessische und die bayerische Rhön und zum Abschluss Bad Salzungen in Thüringen. Inge und Helmut Range hatten wieder ein interessantes und abwechslungsreiches Programm ausgearbeitet.

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Unser erstes Ziel war die Bischofsresidenz Fulda mit ihren romanischen und barocken Kirchen sowie der schönen Altstadt. Die zweistündige Stadtführung begann am Dom, einem barocken Meisterwerk des fränkischen Baumeisters Johann Dientzenhofer. Seine religiöse Bedeutung beruht auf der Grablege des irischen Missionars Bonifatius. Neben dem Dom befindet sich die im romanischen Baustil errichtete Michaelskirche mit der aus karolingischer Zeit stammenden Krypta. Nach so viel Kirche wanderten wir durch die schöne Altstadt und zum Schluss ging es um das Fuldaer Schloss, der auch von Dientzenhofer erbauten fürstbischöflichen Residenz. Danach fuhren wir durch grüne Landschaften hinauf auf die Wasserkuppe, um uns erstmal bei Kaffee und Kuchen zu erholen. Hessens höchster Berg mit 950 m Höhe ist im Prinzip ein Kinderspielplatz mit Allem was dazu gehört. Daneben ist der Flugplatz für Segelflugzeuge fast unbedeutend. Der Besuch war daher etwas enttäuschend. Weiter ging die Busfahrt dann hinab in die reizvolle Stadt Tann, wo wir unser Standquartier gebucht hatten. Dieses ist ein typisch hessisch-fränkischer Gasthof, in dem wir mit herzhaften Essen überaus reichlich verwöhnt wurden.

Am Samstag begann dann, am Anfang leider bei regnerischem Wetter, eine wunderschöne Erkundungsfahrt durch die Rhön. Das erste Ziel war das Schwarze Moor, das zum UNESCO-Biosphärenreservat Rhön gehört und mit 66,4 Hektar der größte Moorkomplex aus Niedermooren und einem weitgehend unberührten, intakten Regenmoor besteht. Es ist ein kuppelförmig aufgewölbtes Regenmoor mit einer Torfmächtigkeit von teilweise über acht Metern. Bei leichtem Regen wanderten wir professionell gut geführt 60 Minuten auf dem Holzbohlen-Naturlehrpfad durch einen Teil des Moores. Nicht nur bei Tageslicht beeindruckt die Rhön, sondern gerade auch bei Nacht. Mit einer relativ dünnen Besiedlung (86 Einwohner/km2) kann man hier noch natürliche Nachtlandschaften mit einem sternreichen Himmel erleben. Mit Auszeichnung des UNESCO-Biosphärenreservates Rhön zum »Internationalen Sternenpark« im Jahr 2014 bekennt sich die Region zum Schutz der vorhandenen natürlichen Nachtlandschaften durch Maßnahmen zur Reduzierung der Lichtverschmutzung.

Nach diesem Ausflug in die Natur fuhren wir nach Ostheim vor der Rhön. Ostheim, die von den fränkischen Hennebergern gegründete, gut 1200 Jahre alte Stadt gehörte nach dem 2. Weltkrieg als thüringische Exklave zur amerikanischen Besatzungszone und wurde dann dem Bayerischen Freistaat zugeteilt. Die zweistündige Stadtbegehung führte uns durch ein Schmuckkästlein vergangener Tage, vorbei an Adelshöfen, Bauernhäuser, Handwerksbetrieben und Wassermühlen, die das liebevoll erhaltene Stadtbild prägen. Natürlich gibt es auch ein Schloss, in dem heute ein Orgelmuseum seinen Platz hat. Das Highlight dieser Stadt ist die größte Kirchenburg Deutschlands mit einer Grundfläche von ca. 75 x 75 m. Mit ihrem einzigartigen Erhaltungszustand ist sie auch eine der schönsten Kirchenburgen überhaupt. Sie ist mit fünf Türmen, sechs Bastionen, sowie einer doppelten Wehrmauer unterteilt in mehrere Zwinger. Von den ehemals 66 Gewölbekellern und 72 Gaden – einräumigen Wohnhäusern – in der Burg sind immer noch einige erhalten. Diese Kirchenburg stellt ein einzigartiges Kleinod spätmittelalterlicher Wehrbautechnik dar. In ihrem Zentrum steht die nach der Reformation im Renaissancestil erbaute evangelische Kirche St. Michael. Sie beeindruckt im Inneren u.a. durch einen imposanten Altar, über dem die Orgel platziert ist, durch das wunderschön bemalte Holz-Tonnen-Deckengewölbe und einem sehr schönen Taufbecken.

Nach so viel Kultur fuhren wir zu der nahen, hoch über Ostheim liegenden, um 1200 erbauten Lichtenburg, um uns dort mit guter fränkischer Kost zu stärken. Danach ging es durch Wald und Flur zum Kreuzberg, dem Heiligen Berg der Franken. Das dortige 1644 gegründete Franziskaner-Kloster ist das Ziel vieler Wallfahrten (70-80 p.a.). Höhepunkt jeder Wallfahrt ist der älteste Kapellenkreuzweg Deutschlands. Der letzte Teil ist eine steile Treppe, über die man die drei Golgatha-Kreuze erreicht, die im Jahre 1582 der Würzburger Fürstbischof Julius Echter errichten ließ. Vor der Besteigung des Gipfels ließen wir uns aber erst durch die wunderschöne Barock-Klosterkirche führen, Franziskaner-Bruder Martin begeisterte uns durch seine Erklärungen. Nach dem Kaffeetrinken ging es dann auf dem Kreuzweg hinauf zu den Gipfelkreuzen. Damit war das Besuchsprogramm dieses Tages beendet. Wir fuhren zurück nach Tann, wo in unsrem Gasthof schon das Spanferkel am Spieß wartete. Nach Einbruch der Dunkelheit begann dann das Spektakel einer Geisterführung im Museumsdorf von Tann. Zwei Stunden dauerte der szenische Rundgang durch die alten Scheunen, Häuser und Keller bei schaurigen Geschichten, Geistererscheinungen und Spuk. Ruhelose Seelen, die nicht loslassen können, trieben ihr Unwesen. Wir waren froh, dass wir alles gut überstanden hatten.

Am Sonntagmorgen erkundeten wir dann mit Hilfe von zwei Stadtführern die ehemals reichsfreie Herrschaft Tann, die heutige evangelische Stadt Tann. Nach dem Reichsdeputationshauptschluss 1806 gehörte sie zu Bayern, dann zu Preußen und seit 1946 zu Hessen. Geprägt wird sie durch das ehemalige Rittergeschlecht, den heutigen Freiherren von und zu Tann. Ihre Schlossanlage ist auf Grund der drei Familien-Linien geteilt in ein rotes, blaues und gelbes Schloss. Es ist immer wieder überraschend, welch schöne Kleinstädte in Deutschland zu finden sind. Das imposante Schloss, die schönen Bürgerhäuser in Fachwerkbauweise, die großen Brunnen und nicht zuletzt das bis in die heutige Zeit bewohnte Stadttor, ein Rest der Stadtbefestigung.

Nun hieß es Abschied nehmen und weiter ging die Fahrt in Richtung Bad Salzungen, d.h. nach Thüringen. Unterwegs machten wir noch eine kurze Besichtigungspause beim ehemaligen Benediktinerinnenkloster Zella. Von der aus rotem Sandstein errichteten barocken Probsteikirche beeindruckte nicht nur die Außenansicht, sondern im Besonderen die barocke Innengestaltung. Nach einer kurzen Fahrt erreichten wir dann Bad Salzungen. Nach dem Mittagessen stand wieder eine Stadtführung auf dem Plan. Bad Salzungen, gelegen an der Werra, ist die Kreisstadt des Wartburgkreises und eines der ältesten Soleheilbäder Deutschlands. Hier hatte schon Karl der Große eine »Villa«. Die Salzgewinnung ist bereits in frühchristlicher Zeit nachweisbar, seit 1560 wird das Gradierverfahren zur Salzgewinnung genutzt. 1821 wurde das erste Badehaus eingeweiht und das war der Anfang des Kurbetriebes. Die heutige Bade-/Kuranlage wird als Gradierwerk bezeichnet und besteht aus zwei gegenüberliegenden langgestreckten, überdachten Gradierwerken, dem Mittelbau des Gradierwerkes, dem heutigen Kurhaus und einem Gebäudeteil, das den großen rechteckigen Gradierkomplex abschließt. Solch eine geschlossene Gradieranlage ist in Deutschland wohl einmalig. Aber auch die Altstadt mit ihren Kirchen, dem großen Rathaus, dem Burgsee und vielen Bürgerhäusern hinterlässt einen schönen Eindruck. Dieses Bad ist eine Reise wert!

Durch schöne Landstriche von Thüringen und Niedersachsen ging es nun in Richtung Hannover. Natürlich wurde unterwegs eine Pause für das »Würstchenessen« eingelegt und noch einmal viel diskutiert. Eine wiederum schöne erlebnisreiche, harmonische Reise diesmal durch die Rhön war zu Ende. Die nächste Fahrt wird uns vom 07. bis 09. August 2020 in das Osnabrücker Land führen.

Abb.: Mitglieder der LiTG-BG Hannover Helmut Range

Weitere Informationen:

Autor und Foto: Helmut D. Range, Lemgo

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 1 | 2020

Erschienen am 31. Januar 2020