Planung
Licht 8 | 2020

Schmuckstücke erstrahlen in neuem Licht

In der Danner-Rotunde werden handwerklich gefertigte Unikate ins richtige Licht gesetzt

Die Pinakothek der Moderne in München beherbergt in der Danner-Rotunde eine weltweit einmalige Schmuckausstellung. Diese galt es auch im Kontext mit der besonderen Architektur zu beleuchten. Flavia Thumshirn, Lichtgestalterin aus München, sah es als ihre Aufgabe, diese Sammlung in ihrer Einzigartigkeit so ins Licht zu setzen, dass es dem künstlerischen und gestalterischen Grundgedanken nicht nur gerecht wird, sondern ihn hervorhebt. Die unterschiedlichen Materialien, wie Gold und Silber, Metall, Holz oder Edelsteine erforderten auch ein differenziertes Lichtkonzept. Im folgenden Artikel berichtet Flavia Thumshirn von Ihrer Idee bis zur Umsetzung der neuen Lichtgestaltung.

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Abb.: Im März dieses Jahres wurde die Danner-Rotunde nach Umbau und Neukuratierung wiedereröffnet. Die Sammlung beherbergt Schmuckstücke vergangener Epochen bis zur heutigen Zeit. Die Neue Sammlung – Alexander Laurenzo

Die Danner-Rotunde liegt im zweiten Untergeschoss der Pinakothek der Moderne und bildet hier eine Hälfte des zentralen rotundenartigen Eingangsbereichs des Museums ab. In der Danner-Rotunde sind zeitgenössische Positionen von über hundert Goldschmieden aus aller Welt zu sehen, die ihren Schwerpunkt im sogenannten Autorenschmuck haben.

Die Kuratoren mussten die Möglichkeit haben frei zu entscheiden, welche Objekte sie im Kontext zueinander oder als Solitär setzen, unabhängig vom Licht. Eine einheitliche lineare Beleuchtung der Vitrinen, ohne Lichtakzente, schien mir hier die ideale Voraussetzung, um den Kuratoren eine spannende und überraschende Präsentation verschiedenster Kompositionen der autonomen Kunstwerke zu ermöglichen und den Besucher zu überraschen und zu begeistern.

Abb.: Nachdem der Besucher einige Stufen hinabsteigt, erwartet ihn zunächst ein gebogener Gang mit deckenhohen Vitrinen. Anschließend erreicht man den eigentlichen Ausstellungsbereich. Foto: Flavia Thumshirn Flavia Thumshirn
Abb.: Die Wahl der Lichtfarbe fiel nach langen Diskussionen und Bemusterungen auf ein warmweißes Licht mit 3000 K, um die Materialien wie Gold und Holz voll zur Geltung zu bringen. Foto: Die Neue Sammlung – Alexander Laurenzo Die Neue Sammlung – Alexander Laurenzo
Abb.: Bereits 2004 konzipierte Flavia Thumshirn für die Räumlichkeiten ein Lichtkonzept, damals aus technischen Gründen mit T7-Leuchtstoffröhren. Für den aktuellen Umbau wählte man LEDs, die die Brillanz der Materialien und Farben optimal zum Vorschein bringt. Foto: Die Neue Sammlung – Alexander Laurenzo Die Neue Sammlung – Alexander Laurenzo

Schon 2004, als der damalige Direktor der Neuen Sammlung, Prof. Dr. Hufnagl, mich fragte, ob ich die Danner-Rotunde und deren Ausstellungsvitrinen beleuchten könnte, war dies eine große Herausforderung – betritt man doch die Räumlichkeiten durch eine schwere Stahlfeuerschutztüre und muss erst einmal ein paar Stufen hinabschreiten. Der den Besucher erwartende gebogene Gang wird gleich von Anfang an auf der rechten Seite durch deckenhohe Vitrinen gesäumt, bis man dann auf einen ebenso gebogenen offenen Bereich trifft – den eigentlichen Ausstellungsbereich. An der Decke befinden sich der Raumgeometrie folgende Unterzüge, die den Stufen des darüber liegenden Saales abbilden. Der archaische Raum mit seinen gestauchten Betonsäulen und dem grauen Terrazzo-Boden lädt dazu ein, in ein helles, weißes und gleißendes Licht getaucht zu werden.

Aber was macht das Licht von 4000 K oder kälter mit den Ausstellungsstücken? Gold, roter Kunststoff und Holz brauchen warmes Licht, um dem Betrachter seine Schönheit zu offenbaren. Was letztendlich in den Vitrinen ausgestellt wird, war mir unbekannt, es unterliegt der Obhut der im 5-Jahresrhythmus wechselnden Kuratorenschaft.

Abb.: Schmuckstück von Otto Künzli, Brosche »Herz« von 1985. Foto: Flavia Thumshirn Flavia Thumshirn
Abb.: Obwohl der archaische Raum mit seinen Betonsäulen und dem grauen Terrazzo-Boden dazu einlädt, in ein helles, weißes Licht getaucht zu werden, entschied man sich bei der Beleuchtung zugunsten der Schmuckstücke für eine warme Lichtfarbe. Foto: Die Neue Sammlung – Alexander Laurenzo Die Neue Sammlung – Alexander Laurenzo

Jedes Objekt gleichwertig ausleuchten

Schon 2004 gab es aufgrund der sehr geringen Bautiefe der Vitrinen und dem minimalen Platz für das Licht eigentlich nur die Möglichkeit, die Vitrinen von außen zu beleuchten oder aber die Technik irgendwie in die Vitrinen zu integrieren und dann vielleicht keine Akzente setzen zu können. Die Idee, Lichtakzente zu setzen, habe ich sehr schnell verworfen. In der engen Zusammenarbeit mit Prof. Florian Hufnagl und Dr. Petra Hölscher habe ich verstanden, worauf es bei der Beleuchtung für diese einmalige Zusammenstellung von Sammlerstücken aus aller Welt ankommt; eine ideale, gleichwertige Ausleuchtung eines jeden einzelnen Objekts.

Eine externe Beleuchtung, z. B. über Deckenspots kam nicht in Frage, denn wir wollten die klare Gestaltungslinie des Raumes nicht zerstören, der ursprünglich nicht als Ausstellungsraum angedacht war, aber von Florian Hufnagl als solcher entworfen wurde. Den Betonbau mit seinen anthrazitfarbenen Stahl-Glas-Vitrinen durfte und sollte kein Lichtpunkt an der Decke stören. Lichtpunkte in den Vitrinen durch Spotlights mit Glasfasertechnik kamen aus ästhetischen Gründen ebenso wenig in Frage, denn diese würden das Auge vom Exponat ablenken. Die Präsentationsfläche sollte so pur wie möglich sein. Archaisch wie der Raum. Jedes für sich und doch eine Einheit bildend. Die Assoziation mit einer Juwelier- oder Schmuckgeschäftspräsentation sollte auf gar keinen Fall auch nur im Ansatz möglich werden. 2004 blieb uns aus technischen und ästhetischen Gründen nur der Einsatz von T7-Leuchtstoffröhren. Einzig und allein der Papiermonolith mit seinen Informationen zu den Ausstellungstücken wird noch heute durch einen stark begrenzten Lichtstrahl eines Halogen-Dedostrahlers in Szene gesetzt. Der restliche Raum wird einzig und allein über die Vitrinen beleuchtet.

Abb.: »Röntgenbild« von Meret Oppenheim, 1964 (gefertigt), 2000 (gedruckt). Foto: Flavia Thumshirn Flavia Thumshirn

Hohe Anforderungen an LEDs

Heute, 2020, können wir aus einem weiten Spektrum an LEDs wählen. Aber von dem großen Spektrum an LEDs blieb dann nur eine ganz kleine Auswahl übrig. Die Anforderungen an die Lichtqualität waren enorm. Gold ebenso erstrahlen zu lassen, wie roten, blauen oder lilafarbenen Kunststoff, das konnten dann doch nicht viele LEDs leisten. Es war ein Ausprobieren, trotz Vorsortieren der technischen Herstellerangaben. Und wieder fragten wir uns, ob der Raum und die Objekte nicht doch mit einem kälteren Licht idealer ausgeleuchtet wären.

Ein Lichttest, bei dem Auftraggeber und Kuratoren anwesend waren, gab Aufschluss, dass der Beton und die Grautöne mit einer kälteren Lichtfarbe den Raum noch klarer wirken lassen würden, wie einen großen begehbaren Tresor. Das wärmere Licht mit einer Farbtemperatur von 3000 K brachte aber die Objekte, die letztendlich die Hauptrolle spielen, besser zur Geltung. Somit fiel die Entscheidung auf 3000 K. Die einheitliche wärmere Ausleuchtung der Auflagefläche schuf die richtige Plattform und ermöglichte dem asiatisch-europäischen Kuratorenteam, das weite kreative Spektrum des modernen Autorenschmucks und seine ästhetischen Dimensionen zu präsentieren. Ein in der Museumslandschaft selten zu sehendes, weites Spektrum an handwerklich gefertigten Unikaten ins rechte Licht zu setzen.

Weitere Informationen:

Projekt: Danner Rotunde – der Schmuckraum der Neuen Sammlung – The Design Museum in der Pinakothek der Moderne

Eröffnung: 2004

Ausstellungserweiterung: 2010

Eröffnung nach Umbau bzw. Neukuratierung: 2020

Auftraggeber: Benno und Therese Danner’sche Kuntsgewerbestiftung, München (genannt Danner-Stiftung)

Projektleitung: Dr. Petra Hölscher, Oberkonservatorin, Die Neue Sammlung

Kuratoren: Mikiko Minewaki, Alexander Blank und Prof. Hans Stofer

Lichtgestaltung: Flavia Thumshirn licht + design, München, www.flavia-thumshirn.de

Elektroinstallation: Wiese Elektroanlagen, München, www.wiese-elektroanlagen.de

Leuchtenbau: Korona Leuchten GmbH, Augsburg, www.korona-licht.de

Leuchtmittel: Osram LF 2000-G3-930-04 (3000k CRI<90); Lichtleistung LED-Platine: 2000lm/m, www.osram.de

Text: Flavia Thumshirn

Fotos: Die Neue Sammlung – Alexander Laurenzo; Flavia Thumshirn

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 8 | 2020

Erschienen am 26. Oktober 2020