Planung
Licht 1 | 2020

Schimmernde Dome und elegante Lichtbäume

Handwerk auf hohem Niveau für das Lichtkonzept im PEP München

Wie kann man einem Einkaufscenter, das in die Jahre gekommen ist, zu neuem Glanz verhelfen? – Mit dem richtigen Licht natürlich! Klingt einfach, ist aber bei genauer Betrachtung eine komplexe Aufgabe. Licht muss eine angenehme Atmosphäre erzeugen, die Aufenthaltsqualität verbessern, eine optimale Farbwiedergabe gewährleisten, energieeffizient sein und idealerweise Antworten auf Tageslichtverhältnisse finden. Genauso komplex stellten sich auch die Aufgaben der Lichtplanung für das Einkaufscenter PEP in München dar. Mit technischer Finesse und handwerklicher Präzision konnten sie aber souverän gelöst werden. Entstanden ist ein angenehmer Aufenthaltsort, der mit elegantem Leuchtendesign beeindruckt.

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Abb.: Nach einer zweijährigen Modernisierung bei laufendem Betrieb präsentiert sich das Einkaufs-Zentrum PEP in München Neuperlach in neuem Glanz. Es ist jetzt nicht nur Münchens größte Mall, sondern beeindruckt auch mit einem einmaligen Lichtdesign. Johann Lichtl

PEP München: eine Shopping Mall in neuem Licht

Das Einkaufs-Zentrum Neuperlach, kurz PEP, ist 1981 eröffnet worden. Über drei Jahrzehnte später entsprach das Erscheinungsbild nicht mehr dem Zeitgeist. Der Betreiberkonzern setze sich große Ziele zur Modernisierung, es folgte eine zweijährige Bauphase bei laufendem Betrieb, die 2018 erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Heute verfügt das PEP über rund 60.000 m² Verkaufsfläche mit 135 Geschäften. Damit hat es sich zu Münchens größtem Einkaufszentrum gemausert.

Im Zentrum der Modernisierung stand das Lichtdesign, das kurz gefasst zwei Prämissen zu folgen hatte: Tageslicht, das auf einem optimierten Niveau harmonisch mit dem mit Kunstlicht korrespondieren sollte, und eine Lichtsteuerung, mit der sich tageslichtabhängige Szenarien erzeugen lassen.

Die ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG, seit 1989 Centermanager des PeEP, hat zusammen mit Broadway Malyan (einem global agierendem Architekturbüro) das neue Gestaltungskonzept für das PEP erstellt. Mit dem Lichtdesign wurde das Büro Light2Life aus Lissabon beauftragt. Nach Abschluss der Konzeptphase befassten sich Verena Mahmoud und Michael Schmidt vom Münchner Lichtplanungsbüro Schmidt König, sowie Anke Wonka und Jochen Schröder seitens ECE mit der weiterführenden Lichtplanung.

Ein Highlight für das Auge

Was die Besucher des PEP optisch konkret wahrnehmen können, sind Lichtobjekte mit einer beeindruckenden Größe und einer außerordentlich hochwertigen Verarbeitung. Offene Deckenbereiche in den Einkaufspassagen wurden mit mehr als 300 und bis zu 2,80 m großen, domartigen Pendelleuchten bestückt. Der Lichthof unter der Glaskuppel und Bereiche um die Rolltreppen wurden durch sechs »Lichtbäume« aufgelockert. Die höchste dieser Leuchten misst stolze 10 m und trägt eine Lichtkrone mit einem Durchmesser von 4,50 m. Alle gestalterischen Details der Domleuchten und Lichtbäume waren durch die Entwürfe der Architekten von Broadway Malyan vorgegeben. Für die technische und handwerkliche Realisierung sorgte die Leuchtenmanufaktur Bergmeister aus Frauenneuharting.

Domleuchten für die Grundbeleuchtung

Die imposanten Domleuchten aus Aluminium findet man, gruppenweise in mehreren Deckensegmenten verteilt, im gesamten Einkaufzentrum. Sie sorgen für die Grundbeleuchtung am Boden, gleichzeitig streut sich das Licht über die goldfarbene Innenschale. Das Schlagmetall, per Hand aufgetragen wie Blattgold, bildet zum schwarzen Hintergrund der offenen Decke einen warmen, weichen Kontrast. Entsprechend ist die Beschichtung der Schalen-Außenwand in stumpfmattem Schwarz gehalten. Einige der größeren Schalen nehmen mehrere Glaskugelleuchten auf, die in der großzügigen und schlichten Leuchtenlandschaft feine Akzente setzen. Die Domleuchten integrieren eine standardisierte Optik, die mit einem vorgesetzten Aluminiumring entblendet wurde.

Die ungewöhnlichen Dimensionen der Domleuchten forderten von den Leuchtenbauern einige Kreativität. Schalen in dieser Größe lassen sich nicht mehr mit einem Drückwerk herstellen, darum musste die Leuchten-Manufaktur auf ein alternatives Verfahren zurückgreifen. Viele einzelne Trapeze wurden gebogen, von Hand getrieben und zu Halbkugeln zusammengesetzt.

Abb.: Für die offenen Deckenbereiche hat die Leuchtenmanufaktur Bergmeister mehr als 300 domartige Pendelleuchten hergestellt. Angesicht ihrer großen Durchmesser wurden sie nicht in einem Stück gedrückt, sondern aus Einzelblechen zusammengesetzt. Johann Lichtl
Abb.: Für die goldfarbene Innenschale wurde Schlagmetall per Hand aufgetragen. Diese Oberfläche reflektiert weich das Licht und bildet einen warmen Kontrast zu den schwarzen Decken. Johann Lichtl

Die Lichtbäume, eine handwerkliche Meisterleistung

Die Atrien des PEPS wurden mit sogenannten Lichtbäumen bestückt. An bis zu 10 m hohen Masten sind Lichtkronen mit einem Durchmesser von bis zu 4,50 m angebracht. Bei den Masten handelt es sich übrigens um nahtlos gezogene Exemplare – ein sehr ungewöhnliches Herstellungsverfahren, auf das sich in Europa nur sehr wenige Unternehmen verstehen. Gängige Herstellungsweisen sehen vor, Trapeze aus Stahl zu runden, zu pressen und zum konischen Rohr zu verschweißen. Masten dieser Art haben allerdings immer eine leicht elliptische Form. Im Falle des PEP suchte man nach einer Möglichkeit, mit der man die perfekte runde Form abbilden konnte. Der Geschäftsführer von Bergmeister Leuchten, Tobias Eder, entschied sich für eine Produktionsform, bei der ein Mast in einem rotierenden Verfahren in die Höhe gezogen wird, bis er seine konische Form und die gewünschte Länge hat. »Den gestalterischen hohen Anspruch, den die Planer für das PEP hatten, hätte durch ein anderes Verfahren nicht erfült werden können. Außerdem bleiben wir hier mit einer Abweichung von 10% extrem maßhaltig«, erklärt Eder. Um das zu verstehen, muss man wissen, dass die Rundungen dieser Masten im Ergebnis bis auf einen halben Millimeter genau sind. Die Leuchten-Manufaktur Bergmeister hat sich in den vergangenen Jahrzehnten darauf spezialisiert, außerordentliche Planungsvorgaben zu realisieren und betritt dabei immer wieder gestalterisches und produktionstechnisches Neuland. Bei außerordentlichen Entwürfen sind für Tobias Eder Standardlösungen keine Option.

Abb.: Bis zu 10 m hohe Lichtbäume erhellen das Atrium. Die LED-Downlights und seitlich abstrahlenden LED-Bänder in den ringförmigen Mastaufsätzen lassen sich tageslichtabhängig ansteuern. Johann Lichtl
Abb.: Ein besonderes Detail sind die nahtlos gezogenen Masten, ganz ohne Schweißnaht und mit engsten Toleranzen gefertigt. Johann Lichtl

An den Enden der Lichtmasten sitzen abnehmbare Arme und darauf die leuchtenden »Baumkronen«. Die größte Herausforderung bei dieser Konstruktion war, dass die Konstruktion feingliedrig wirken sollte und aus statischen Gründen ein gewisses Gewicht nicht überschreiten durfte. Gleichzeitig musste eine Lösung gefunden werden, bei der der ausladende Kranz stabil an drei Punkten getragen wird. Die Größe aller Komponenten orientierte sich an den Türen, durch die man die Einzelteile zur Montage transportieren musste. Die Kunden des PEP konnten übrigens nicht Zeuge dieser außerordentlichen Maßnahmen werden, denn die Arbeiten fanden ausschließlich nachts statt.

Die Lichtkrone ist mit nach unten gerichteten LED-Strahler ausgerüstet. Seitlich befinden sich ausgefräste Löcher. Dahinter sitzen satinierte Plexiglasringe und LED-Bänder, die die Ausfräsungen mit blendfreiem Licht dezent betonen.

Eine Besonderheit der Lichtbäume verdient noch erwähnt zu werden: Ein hochglänzender schwarzer Lack, versetzt mit Goldpartikeln auf den Oberflächen von Mast, Armen und Krone. Die innere Rundung der Baumkronen ist, wie auch die Domleuchten, mit Schlagmetall aus Messing ausgeführt.

Abb.: muss noch formuliert werden!muss noch formuliert werden! muss noch formuliert werden! muss noch formuliert werden! muss noch formuliert werden! muss noch formuliert werden! Johann Lichtl

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