Wissenschaft & Forschung
Licht 5 | 2022

Potenziale nutzerzentrierter Beleuchtungskonzepte

Die Vorteile und Möglichkeiten personalisierter Arbeitsplatzbeleuchtungen

HCL-Lichtlösungen sind das Ergebnis eines Wechselspiels von wissenschaftlichen Erkenntnissen, technischen Möglichkeiten und Vorstellungen von Bauherrn und Architekten. Individuelle auf das Licht bezogene Bedürfnisse und Präferenzen von Endnutzern bleiben aufgrund der Komplexität dieses Rahmens jedoch häufig unbeachtet. Die Nutzung moderner, informations- und kommunikationsbasierter Technologien kann helfen, diese bestehende Lücke zu schließen und den Endnutzer stärker in den Fokus der Lichtlösung zu stellen. Nachfolgend resümiert das Planungs-, Forschungs- und Entwicklungsunternehmen Bartenbach ihre mehrjährigen Forschungen im Bereich personalisierter Beleuchtung und verweist auf die Potenziale nutzerzentrierter Beleuchtungskonzepte.

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1 Einleitung

Die LED kann heute als maßgeblich prägendes Element für die gesamte Beleuchtungsindustrie angesehen werden. Ihren Markterfolg verdankt sie dabei neben ihrer Langlebigkeit und Effizienz auch Vorteilen gegenüber herkömmlichen Lichtquellen, welche die Umsetzung fundamental neuer Beleuchtungskonzepte ermöglichte. So können heute beispielsweise auf Basis ihrer kompakten Bauform miniaturisierte, architekturintegrierte Beleuchtungen umgesetzt werden, welche die erreichbaren Beleuchtungsstärken herkömmlicher Beleuchtungen ohne energetischen Mehraufwand übertreffen. Zudem wurde es durch die Ansteuerungsmöglichkeit der LED-Technologie erstmals möglich, das emittierte Lichtspektrum auf Knopfdruck zu ändern. Die Beleuchtung erfuhr dadurch eine Digitalisierung, welche heute im Zusammenhang mit der Etablierung von Lichtsteuersystemen und der Integration von Sensortechnologien die Grundlage von Human Centric Lighting (HCL) bildet.

Das Paradigma HCL bedient sich dabei der Automatisierbarkeit von Beleuchtungssystemen, um biologisch wirksame, dynamische Beleuchtungsszenarien umzusetzen, welche durch die Stabilisierung unserer zirkadianen Rhythmik langfristig gesundheitlich positive Wirkungen erzielen. Typischerweise besitzt eine HCL-Kunstlichtlösung dafür eine über 24 Stunden variable Intensität und Farbtemperatur, die dazu eingesetzt wird, die melanopische Wirksamkeit der Beleuchtung während der Nacht zu minimieren und die vertikale Beleuchtungsstärke während des Tages bei möglichst geringer Blendung zu maximieren. In der Regel werden diese Anforderungen heute durch großflächig an der Decke montierte, diffus strahlende Panels mit Tunable-White-Technologie erfüllt [1]. Solche Beleuchtungskonzepte lassen jedoch Oberflächen verblassen und erzeugen eine kontrastarme und eher nüchtern wirkende Raumatmosphäre. Zudem dominieren die hohen Leuchtdichten der Lichtaustrittsflächen (>5.000 cd/m²) den Raum und reduzieren den visuellen Komfort. Architekturintegrierte Beleuchtungskonzepte und Leuchtendesigns, welche diese Nachteile nicht aufweisen, tragen diesbezüglich deutlich zu einem verbesserten emotionalen Raumempfinden bei (Abb. 1). Gleichzeitig erschweren sie jedoch auch das Erreichen der für nicht-visuelle Lichtwirkungen erforderlichen Beleuchtungsstärken am Auge, da sie direkt ins Auge fallendes Licht aus den ausgeblendeten Leuchten ausschließen.

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Licht 5 | 2022

Aktuelle Ausgabe
Erschienen am 24. Juni 2022