Technik
Licht 6 | 2021

Positives Einkaufserlebnis

Innovative LED-Technologie bei Edeka Wiesbaden

Die Inhaber verschiedener Edeka-Märkte in Wiesbaden sind für ihren größten Markt neue Wege gegangen. Sie waren sich der Bedeutung bewusst, die das Thema Inszenierung für den Erfolg ihres Projektes haben würde. Mit professioneller Unterstützung ist es ihnen gelungen, ein Beleuchtungskonzept basierend auf verschiedenen LED-Technologien zu realisieren. Hierdurch lässt sich die jeweilige Ware optimal inszenieren und zum positiven Einkaufserlebnis der Kunden beitragen.

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Traditionell betrachtet der Handel das Thema Beleuchtung vor allem aus ökonomischer Sicht. Oberste Priorität hatte bisher meist der Energieverbrauch. Viele Einzelhändler haben daher bereits auf LED-Technologie umgestellt. Doch der Einfluss von Licht auf den Menschen wird immer noch unterschätzt, auch wenn er wissenschaftlich nachgewiesen ist. Prof. Dipl.-Phys. Werner Lorke beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema. In seinem Beratungsbüro iO Interdisziplinäre Objekte kreiert, konzipiert, plant und realisiert er »Non-Standard«-Projekte in den Bereichen Architektur, Technik und Kunst. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt im Produkt- und Ausstellungsdesign.

Für die Optimierung ihres Edeka-Neubauprojektes in Wiesbaden zog die Inhaberfamilie Prof. Lorke und sein interdisziplinäres Expertenteam zu Rate. Das Objekt verfügt über eine Verkaufsfläche von 3.000 m2. Damit in einem Markt dieser Größe die gewünschte Verweildauer von rund 30 Minuten erreicht wird, spielt die optimierte Lichtqualität eine erhebliche Rolle. Eine zwischen warm und kalt variierende Beleuchtung, wie sie in den letzten 20 Jahren bereits in Märkten eingeführt wurde, reicht jedoch dafür nicht aus. »Erst vor wenigen Jahren hat die Wissenschaft neue Rezeptoren im Auge entdeckt und festgestellt, dass der Blauanteil im Licht stimulierend auf den Menschen wirkt«, erklärt Lorke. »Ein fehlender Blauanteil im Licht macht müde – ein Phänomen, das sich im Handel auf die Verweildauer auswirkt.« Ein gutes Beleuchtungskonzept berücksichtigt unter anderem Lichtmenge, Kontrastumfang, Qualität und die Differenzierung von Licht in den unterschiedlichen Bereichen am Point of Sale (PoS). Auf der Suche nach passenden Beleuchtungstechnologien stieß das Expertenteam auf Produkte von NICHIA. Der Hersteller hat sich u.a. auf die Entwicklung von LEDs für eine hocheffiziente, circadiane Beleuchtung und die Nachahmung von natürlichem Licht spezialisiert. Unter dem Motto »Light so Good« stehen heute verschiedene Technologien zur Verfügung, mit denen sich die Lichtqualität verbessern lässt: »2-in-1 tunable LED-Technologie«, »Optisolis« und »Vitasolis«.

Nichia
Abb.: Obst- und Gemüseabteilung vorher/nachher. Mit der »Optisolis«-Technologie lässt sich ein mit der Sonne vergleichbares Lichtspektrum erzeugen, das einen geringen UV-Anteil aufweist. Nichia

Neue dynamische Beleuchtung

»Wir haben in der Süßwarenabteilung begonnen, die Standard-LED-Beleuchtung durch ein Konzept mit variabler Farbtemperatursteuerung (Tunable White) zu ersetzen«, so Lorke. Mit der »2-in-1-Technologie« ist es ihm und seinem Team gelungen, einen guten Kontrast zwischen der präsentierten Ware und den Laufwegen herzustellen sowie eine dynamische Beleuchtung zu installieren, bei der sich die Farbtemperatur über den Tag hinweg verändert. Der Berater erläutert: »Mittlerweile haben wir hier 26 verschiedene Lichtszenarien entwickelt, die wir im Augenblick zur weiteren Optimierung wöchentlich wechseln.« Konventionell kommen für die variable Farbtemperatursteuerung separate Lichtquellen unterschiedlicher Farbtemperatur zum Einsatz. Die LED-Technologie von NICHIA ermöglicht es jedoch, die Farbtemperaturreglung auf Basis einer einzelnen lichtemittierenden Fläche (LES) mit zwei getrennt steuerbaren Kanälen umzusetzen. Dieses innovative Konzept erlaubt die Entwicklung ganz neuer dynamischer Beleuchtungskonzepte, die bisher bei der Farbtemperaturregelung nur schwer oder gar nicht zu realisieren waren. Mit einer einzigen LES lässt sich der Bedarf an zusätzlichen Optiken oder Diffusoren reduzieren, während gleichzeitig eine gute (Farb-)Homogenität erhalten bleibt.

Positiver Effekt auf Ware und Stimmung

Für die Ausleuchtung von Obst und Gemüse setzte das Expertenteam auf »Optisolis«, mit denen sich ein Lichtspektrum erzeugen lässt, das dem der Sonne sehr nahekommt und gleichzeitig einen geringen UV-Anteil aufweist. »Unsere Studien zu verschiedenen Lichtprodukten haben ergeben, dass z. B. folierte Ware unter dem Lichtspektrum von NICHIA-Produkten länger frisch bleibt«, erklärt Lorke. Grundsätzlich eignet sich die Technologie seiner Meinung nach für die Ausleuchtung aller Produkte. Mittlerweile wurde sie in der Fleisch- und Wurstabteilung sowie bei Cerealien, Kaffee und Tee nachgerüstet. In der Sparte Essig, Öl und Gewürze kommt »Optisolis« in Kombination mit den Tunable-White-Produkten zum Einsatz. Eine Analyse der Laufwege hat hier ergeben, dass Kunden aufgrund der optimierten Lichtsituation diesen, in einer Sackgasse liegenden Produktbereich weitaus öfter besuchen als vor dem Umbau.

Mit strahlendem Weiß das Auge entlasten

Die dritte LED-Technologie »Vitasolis« verwendet eine spezielle Mischung von Phosphoren, mit denen sich der Cyan-Anteil im resultierenden natürlichen, weißen Licht erhöhen lässt. Im Vergleich dazu weisen Standard-LEDs einen sehr niedrigen Cyan-Anteil auf, um eine hohe Lichtausbeute zu erzielen. »Vitasolis« hingegen ermöglicht ohne Effizienzeinbußen ein strahlend weißes Licht mit einem breiteren Wellenlängenspektrum. Das Resultat ist eine belebende, gleichwohl als angenehm empfundene Beleuchtung, da der Cyan-Anteil einen positiven Effekt auf den Biorhythmus des Menschen hat. Die Technologie wurde aus zwei Gründen eingesetzt: Zum einen, um einen guten Kontrast zwischen Raum und Ware zu schaffen. Zum zweiten, um durch die hohe Lichtqualität das Auge zu entlasten. »Letztlich fordert jede Warengruppe am PoS im Markt ihr eigenes Beleuchtungskonzept«, betont der Physiker. »Das Geheimnis steckt in der optimalen Mischung aus Farbtemperatur, Farbspektrum, CRI und Kontrast.«

Mittlerweile hat die Inhaberfamilie ihren Markt schrittweise in puncto Beleuchtung aktualisiert, sodass jeweils rund 100 »Optisolis«- und Tunable-White-Leuchten sowie 15 »Vitasolis«-Leuchten zum Einsatz kommen. »Hinsichtlich des Umsatzes liegt dieser Markt im Vergleich zu anderen Edeka-Märkten deutlich über dem Durchschnitt. Aus dieser Erfahrung heraus geben wir dem Handel generell den Rat, Licht nicht als Kostenfaktor, sondern als Vertriebsinstrument zu verstehen und einzusetzen«, meint Lorke abschließend.

Nichia
Abb.: Süßwarenabteilung vorher/nachher. Hier ersetzt ein Konzept mit »2-in-1-Technologie« und Tunable White die Standard-LED-Beleuchtung und stellt einen guten Kontrast zwischen der präsentierten Ware und den Gängen her. Nichia

Weitere Informationen:

iO – interdisziplinäre Objekte, www.io-objekte.de

Nichia, www.nichia.co.jp

Fotos: Nichia

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 6 | 2021

Erschienen am 25. August 2021