Technik
Licht 6 | 2022

Partner des Architekten

DALI-2-Gruppen flexibel umschalten

Energie nur dann, wenn sie wirklich gebraucht wird: So lautet das Prinzip der bedarfsgesteuerten Gebäudeautomation durch intelligente Präsenzmelder. Im Bereich der Lichtsteuerung setzt die präsenz- und tageslichtabhängige Konstantlichtregelung diesen Gedanken besonders konsequent um. Beim Nutzen von Szenen des Industriestandards DALI-2 gilt es allerdings eine Besonderheit zu beachten.

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Abb.: Eine Frage der Perspektive: Während der Architekt das Tageslicht gezielt von außen in das Gebäude leitet, achtet der Präsenzmelder im Innenraum darauf, wie gut das gelingt. iStock/FredFroese/Esylux

Zentralperspektive, Parallelperspektive, Farbperspektive: Wie in der Kunst lassen sich auch im Gebäudebereich Dinge oft aus ganz unterschiedlichem Blickwinkel betrachten. Ein schönes Beispiel ist die Tageslichtnutzung. Aus Sicht der Architektur geht es darum, möglichst viel Tageslicht in die Tiefe des Gebäudes zu leiten, damit der Mensch sich besser fühlt und gesünder arbeitet. Gleichzeitig senkt eine optimale Tageslichtnutzung den Energiebedarf. Letzteres wird in Zeiten der Energiewende ebenso an Bedeutung gewinnen wie die anwesenheits- und tageslichtabhängige Konstantlichtregelung eines Präsenzmelders. Denn diese realisiert ebenfalls eine Tageslichtnutzung – nur eben aus einer anderen Perspektive.

Abb.: Die präsenz- und tageslichtabhängige Konstantlichtregelung ist die beste Form der automatischen Tageslichtnutzung. Der Präsenzmelder dimmt das Kunstlicht nur so stark, wie es das vorhandene Tageslicht erfordert, und orientiert sich dabei am vorgegebenen Helligkeitssollwert. Die Beleuchtung ist außerdem nur bei menschlicher Anwesenheit aktiv. Esylux

Der Präsenzmelder als Partner des Architekten

Die Tageslichtnutzung der Konstantlichtregelung besteht darin, das Kunstlicht nur so stark hochzudimmen, wie es der Tageslichteinfall von außen erfordert. Der Präsenzmelder arbeitet gewissermaßen wie ein kongenialer Partner des Architekten. Während der Architekt das Tageslicht gezielt von außen in das Gebäude leitet, achtet der Präsenzmelder im Innenraum darauf, wie gut das gelingt. Der Architekt orientiert sich am Tageslichtquotienten, der Präsenzmelder am Helligkeitssollwert. Es sind zwei Perspektiven mit einem gemeinsamen Ziel: Mehr Energieeffizienz zum Senken der Kosten und zur Reduzierung des weltweiten CO2-Ausstoßes.

Ein weiterer Aspekt, den die Lichtplanung im Innenbereich heute verstärkt beachten muss, ist die zunehmende Flexibilität der Arbeitswelt. Sei es durch mobiles Arbeiten, moderne Arbeitszeitmodelle oder andere situationsabhängige Veränderungen der Raumnutzung. Der weiterentwickelte Industriestandard DALI-2 bietet hierfür optimale Möglichkeiten, zum Beispiel durch das Nutzen von bis zu 16 Szenen. Standard-Szenen haben bei DALI jedoch einen entscheidenden Nachteil: Sie übersteuern die Automation und beenden die Konstantlichtregelung. Das ist nicht wünschenswert, da sie dadurch eben auch die energieeffiziente Tageslichtnutzung stoppen.

Abb.: Flexibles Gruppenumschalten, Szenario 1: Die mobile Trennwand ist geschlossen. In beiden Raumhälften realisiert der APC10-Präsenzmelder eine individuelle Konstantlichtregelung. Die nötigen Informationen hierfür erhält er von den beiden BMS-Präsenzmeldern.
Esylux
Abb.: Flexibles Gruppenumschalten, Szenario 2: Bei geöffneter Trennwand wird automatisch die gemeinsame Gruppe 3 aktiviert. Der APC10-Präsenzmelder bildet nun einen Mittelwert aus den Lichtmessungen der beiden BMS-Präsenzmelder und sorgt für eine einheitliche Lichtregelung im gesamten Raum. Esylux

Flexibles Umschalten von Gruppen anstatt DALI-Szenen

Die Lösung für dieses Problem liegt in einem einfachen, flexiblen Umschalten von Gruppen. Wie das funktioniert, zeigen die APC10-Präsenzmelder der Serie »COMPACT« von ESYLUX. Sie besitzen eine integrierte DALI-2-Steuereinheit und Busspannungsversorgung und ermöglichen eine raumübergreifende, dezentrale Lichtsteuerung von bis zu 16 Lichtgruppen. Dabei werden sie durch BMS-Präsenzmelder als Eingabegeräte ergänzt, um in allen Bereichen eine individuelle präsenz- und tageslichtabhängige Konstantlichtregelung realisieren zu können. Ändert sich die Raumnutzung, lässt sich eine solche Lichtanlage leicht an die neue Situation anpassen.

Ein typisches Beispiel für die Anwendung des flexiblen Umschaltens von Gruppen sind Räume mit mobilen Trennwänden. Szenario A zeigt die Ausgangssituation: Eine geschlossene Trennwand teilt einen Raum in zwei Hälften. In beiden sind BMS-Präsenzmelder platziert, die die Ergebnisse ihrer Präsenzerfassung und Helligkeitsmessung an den steuernden APC-Präsenzmelder senden. Sie sind hierfür, ebenso wie die Leuchten in beiden Raumhälften, jeweils der Gruppe 1 oder 2 zugeordnet. Die BMS-Präsenzmelder sorgen so in beiden Gruppen für eine individuelle Lichtregelung durch den APC-Präsenzmelder.

Alternative Gruppen für dieselben Geräte

Die Situation ändert sich jedoch, sobald die Trennwand geöffnet wird. Denn um eine harmonische Lichtregelung im gesamten Raum zu realisieren, sollten alle Leuchten jetzt auch einheitlich in einer einzigen Gruppe geregelt werden. Und genau das ist es, was durch das Gruppenumschalten passiert. In der Konfiguration per Smartphone und App wurden Leuchten und Melder nämlich nicht nur den Gruppen 1 oder 2 zugeordnet, sondern alle Geräte zugleich auch der gemeinsamen Gruppe 3 (Szenario B). Die Folge: Bei geöffneter Trennwand wird automatisch Gruppe 3 aktiviert, bei geschlossener die Gruppen 1 und 2. Aktiviert wird das Umschalten über bis zu drei Schalter, die an die Tastereingänge des APC-Präsenzmelders angeschlossen sind. Auslöser kann deshalb nicht nur eine mobile Trennwand sein, sondern auch ein konventioneller 230V-Taster. Die Tastsignale werden dafür einfach in DALI-Befehle umgewandelt. Wer sich fragt, an welchem der beiden BMS-Melder sich der APC-Präsenzmelder für die Konstantlichtregelung der gemeinsamen Gruppe 3 orientiert: Bei offener Trennwand bildet er einfach einen Mittelwert aus den beiden Lichtmessungen der BMS-Melder.

Die Funktion des Gruppenumschaltens zeigt, wie sich die Beleuchtung auch bei veränderter Raumnutzung anpassen oder neu aufteilen lässt, ohne die Tageslichtnutzung der Konstantlichtregelung zu unterbrechen. Die mobile Trennwand ist nur ein Beispiel. Denn über die Konfiguration der einzelnen Gruppen lässt sich natürlich noch anderes situationsabhängig verändern, wie zum Beispiel der individuelle Helligkeitssollwert. Es ist ein einfaches, aber wirksames Konzept, das die Energieeffizienz zusätzlich verbessert – und zugleich eine normgerechte Ausleuchtung aller Raumzonen gewährleistet.

Abb.: APC10-Präsenzmelder für DALI-2 steuern mit integrierter Steuereinheit und Bus-Spannungsversorgung raumübergreifend bis zu 16 Lichtgruppen. iStock / MalikEvren/Esylux

Weitere Informationen:

Textquelle: Esylux Deutschland GmbH, Ahrensburg, www.esylux.de

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 6 | 2022

Erschienen am 25. August 2022