Design
Licht 9 | 2021

Optische Wasserspiele

»Sea Change« belebt einen Tunnel in Vancouver

Um eine stark frequentierte Unterführung eines Busverkehrstunnels in Nord-Vancouver attraktiver und sicherer zu machen, wurde dieser öffentliche Ort für ein Kunstprojekt ausgewählt. Installation »Sea Change« verleiht dem ehemals dunklen, über 30 Jahre alten Verkehrsbau nun eine einladende Atmosphäre – mit dynamischen Lichtspielen, die an Wasser erinnern.

Lesezeit: ca. 3 Minuten
Abb.: Die Leuchten sind von der Wand weggerichtet, um die Flächen in farbiges Licht zu tauchen und die Passanten nicht zu blenden. Es sollte der Effekt entstehen, als würden sich Pinselstriche aus Licht überlagern. Nic Lehoux

Innerhalb der Unterführung des Sea-Busterminals von Nord-Vancouver verläuft am Rand ein Fußgänger- und Fahrradweg. Es zählt auch als Verbindungsstück des »Spirit Trail«, der entlang der Uferpromenade der Nordküste Vancouvers führt. Mit ihrer Lage am Meer ist die Stadt sehr mit dem Element Wasser verbunden. Diesen Aspekt setzt »Sea Change« in den Mittelpunkt.

Magische Illusion

»Sea Change« ist ein Werk für den urbanen Raum, das im Rahmen des Programms für öffentliche Kunst der Stadt Nord-Vancouver mit Unterstützung des örtlichen Bauträgers Polygon Homes realisiert wurde. Jill Anholt Studio entwickelte das künstlerische Konzept für die interaktive Lichtinstallation, die lichttechnische Ausführung übernahm Arup.

Abb.: Die interaktive Lichtinstallation »Sea Change« projiziert Bilder an die Betonwände eines Bustunnels. Es entsteht der Effekt, als würden sich Lichtstrahlen ihren Weg durch sanft wogende Wasserwellen bahnen. Nic Lehoux

Jill Anholt beschäftigt sich in ihren Arbeiten oft mit interaktiver Beleuchtung und zielt darauf ab, den Betrachter mit einzubeziehen. Im Bustunnel vermittelt »Sea Change« den Besuchern das Gefühl, in eine Unterwasserwelt einzutauchen.

Gezielte Reflexion

Wie entsteht dieser Eindruck? »Dieser Wasser-Effekt wird durch eine Reihe von LED-Leuchten erzeugt, die Lichtmuster von strukturierten, hochglanzpolierten Edelstahlplatten reflektieren, die in bestimmten Winkeln angeordnet sind, um dynamische Texturen auf den Wand- und Bodenflächen des Tunnels zu erzeugen«, erklärt Jill Anholt. Die baulichen Verhältnisse waren schwierig, das Team setzte Ultraschall-Scans an den austretenden Balken ein, um zu sehen, wo sie die Technik für das Kunstwerk anbringen konnten. Die Installation sollte auch extrem robust und wartungsfreundlich sein, für den Fall größerer Reparaturen im Tunnel.

Abb.: Die Linie von »Sea Change« entspricht dem lokalen Wasserstand von vor hundert Jahren. Das dokumentiert eine historische Karte, die bei der Recherche auftauchte. Dies schafft einen direkten Bezug zum Standort. Nic Lehoux
Abb.: Jill Anholt Studio experimentierte mit Materialien, Ausrichtung und Entfernung zwischen Leuchten und den reflektierenden Paneelen. Spezielle Edelstahlplatten ahmen nun die Brechung des Lichts auf dem Wasser nach. Nic Lehoux

Fließender Verlauf

Die Leuchten zeigen einen Farbwechsel in Wassertönen an, sie reflektieren das Licht von spiegelpolierten Paneelen. »Durch die veränderte Farbauswahl der Leuchten wurden die roten Dioden eliminiert und die Anzahl der grünen, blauen und weißen Dioden erhöht, was zu einer stärkeren Intensität der wasserähnlichen Palette führte, ohne die Anzahl der Leuchten zu erhöhen«, so Jill Anholt.

Immersives Erlebnis

»Sea Change« ist durchgängig aktiv, wobei es sich tagsüber eher unauffällig zeigt. Bei Dunkelheit setzt das Kunstwerk den Verkehrsbau umso mehr in Szene. Bewegungssensoren befinden sich an beiden Enden der Installation. Sind weder Fußgänger noch Radfahrer unterwegs, zeigen die Betonflächen einen sanften »Ruhezustand«. Werden Passanten von den Sensoren wahrgenommen, aktivieren sie Lichteffekte, die auf deren Abläufe abgestimmt sind und dadurch unterschiedliche Szenen entstehen lassen. Die Steuerung übernimmt ein DMX-Show-Controller.

»Sea Change« ist Gewinner der CODAawards 2021 in der Kategorie Transportwesen und wurde mit dem IES Illumination Award 2021 ausgezeichnet.

Weitere Informationen

Auftraggeber: City of North Vancouver Public Art, Polygon Homes, Verkehrsbetriebe Translink

Lichtkunst: Jill Anholt Studio, www.jillanholt.ca

Lichttechnik und -steuerung: Arup, www.arup.com

Leuchtenhersteller: CDM2 lightworks, www.cdm2lightworks.com

Metallarbeiten und Installation: Richard Thacker Works

Auszeichnungen: CODAawards, www.codaworx.com; IES Illumination Awards, ia.ies.org

Autorin: Andrea Mende, freie Redakteurin, Leipzig

Fotos: Nic Lehoux

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 9 | 2021

Erschienen am 25. November 2021