Ausbildung & Beruf
Licht 8 | 2019

Next Station: Urban Underground Lighting

Designkatalog als Leitfaden für die Beleuchtung von U-Bahn-Stationen

Die Lichtplanerin Meggy Rentsch hat sich in ihrer Masterthesis mit dem öffentlichen Verkehr in Großstädten und der architektonischen wie lichtplanerischen Gestaltung des öffentlichen Nahverkehrs auseinandergesetzt. Hierbei hat sie einen Designkatalog entwickelt, der als Leitfaden bei Neu- oder Umbauten von U-Bahnhöfen helfen soll, Stationen interessanter und emotionaler zu gestalten, ohne die hohen Anforderungen an Sicherheit zu vernachlässigen. Der Designkatalog ist sowohl für Planer als auch für die Betreiber gedacht und wird hier auszugsweise vorgestellt.

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Abb.: Diverse Lichtlayer angewandt an einem Bahngleis. Eine klar definierte Bahnsteigkante, die einen hohen Kontrast zum Gleisbett aufweist, steigert die Aufmerksamkeit der Fahrgäste. Ein- und Ausgänge sollten leicht auffindbar sein und alle Informationen klar erkennbar. Architektonische Besonderheiten können betont und hervorgehoben werden. Meggy Rentsch

Die Mobilität ist im Wandel und die öffentlichen Verkehrsmittel gewinnen an Wichtigkeit. Längst gehören U-Bahn-Stationen zum Leben vieler Großstadtmenschen. Verkehrsbauten werden zu »Third Places« und nehmen als urbaner Raum einen immer größeren Teil im Leben der Bevölkerung ein. Dabei spielen die Architektur und Gestaltung des Ortes eine wichtige Rolle bei der Akzeptanz durch die Nutzer. Funktionalität ist nicht mehr die einzige Anforderung – Wohlbefinden steht ebenso im Vordergrund. Eine der Aufgaben von Stadtplanern, Architekten und Designern ist es, öffentliche Räume zu gestalten, die einerseits den Austausch zwischen Menschen fördern und das Viertel prägen, andererseits für alle ansprechend und für die Anwohner identitätsstiftend sind. U-Bahn-Stationen werden in der Regel aufgesucht, um von A nach B zu gelangen. Doch zum Transport kommen oft weitere Nutzungen hinzu, wie zum Beispiel der Ticketverkauf. Außerdem beheimaten Stationen häufig auch Shops, Imbissläden oder andere Dienstleistungen. Zurzeit liegen die wichtigsten Beleuchtungskriterien für U-Bahn-Stationen darin, mit einer hauptsächlich wartungsarmen und kostengünstigen Beleuchtungsanlage eine sichere und funktionale Umgebung zu schaffen. Licht kann jedoch Räume schaffen, die die Aufmerksamkeit lenken und den Fluss der Menschen beeinflussen.

Abb.: Lichtlayer 1-5 angewandt im Bereich der Treppen. Meggy Rentsch
Meggy Rentsch
Meggy Rentsch
Meggy Rentsch
Meggy Rentsch

»Lichtprinzipien« und »Lichtlayer«

Auf Basis von Analysen der aktuellen Beleuchtungsanlagen, des Nutzerverhaltens und der Zukunftstrends solcher Stationen, entstand ein Designkatalog, welcher die wichtigsten Merkmale und Anforderungen als eine Art Leitfaden an die Beleuchtung einer Station beschreibt. Neun Lichtprinzipien erläutern dabei, worauf es beim Lighting Design ankommt: Funktionalität – Sicherheit, Komfort und den Sinn für die Gegenwart bieten; Orientierung – Aufmerksamkeit lenken und Fokussierung erzeugen; Lichtlayer – durch visuelle Kompositionen und unterschiedliche Helligkeiten eine Hierarchie des Lichts entstehen lassen; Visuelles Interesse – Highlights setzen und Interessenspunkte kreieren; Smart – Lebensdauer, Stromverbrauch und Wartung optimieren; Robust – gute Verarbeitung und qualitativ hochwertig; Energiesparend – Stromverbrauch minimieren; Identität – Stations- sowie Netzwerkidentität hervorrufen; Angemessen – passend zur Form und Größe der Umgebung.

Das Lichtprinzip »Lichtlayer« erzeugt in der U-Bahn-Station mehr Tiefe, zudem wird Textur und Dramatik hinzugefügt. Wichtige Orte werden definiert und hervorgehoben, die Orientierung wird vereinfacht und die architektonischen Besonderheiten akzentuiert.

Abb.: Schematischer Schnitt einer U-Bahn-Station mit Leuchtdichteverhältnissen. Meggy Rentsch

Der erste Layer ist die Grundbeleuchtung. Dieser sorgt für funktionales und sicheres Licht. Die ausreichende Beleuchtungsstärke in der Horizontalen wird mit einer angemessenen vertikalen Beleuchtung ergänzt. Die Ambientebeleuchtung definiert den zweiten Layer. Hier werden der Raum sowie die Architektur in Szene gesetzt, wodurch die Atomsphäre und das Wohlbefinden verstärkt werden. Als dritter Layer sorgt die Sicherheitsbeleuchtung für eine deutliche Erkennbarkeit von Hindernissen und Gefahren wie auch für eine verbesserte Orientierung und Wegeführung. Im vierten Layer steht die Information im Mittelpunkt, sodass eine Vermittlung dieser sichergestellt wird. Der fünfte Layer ist ein Feature-Layer und bietet somit zusätzliche Aufmerksamkeit. Während die ersten drei Layer in die Architektur integriert werden und ihr untergeordnet sind, verstehen sich die vierten und fünften Layer als Add-On zur Architektur. Eine Station lässt sich in diverse Bereiche unterteilen, die unterschiedliche Anforderungen und Aufgaben haben. Die Layer sind auf alle Bereiche übertragbar und anwendbar.

Das menschliche Auge passt sich ständig den Leuchtdichteumgebungen neu an. Bei großen Leuchtdichtesprüngen wird die Wahrnehmung intensiviert. Dieses wahrnehmungspsychologische Phänomen lässt sich gut in Bereichen einsetzen, wo die Aufmerksamkeit der Fahrgäste gelenkt oder, wie vor den Treppen, angeregt werden soll. Außerdem sollten Leuchtdichte und Beleuchtungsstärke innerhalb einer Station kontinuierlich abnehmen. Je tiefer der Nutzer sich begibt, desto dunkler wird die Umgebung, um den Übergang in einen Waggon zu erleichtern. Eine tageslichtabhängige Steuerung im Eingangsbereich ist wichtig, um die Adaption des Auges zu unterstützen. So ist die Beleuchtung in der Eingangshalle tagsüber heller als nach der Dämmerung.

Abb.: Bereiche einer U-Bahn-Station. Meggy Rentsch
Abb.: Nutzungen an einer U-Bahn-Station. Meggy Rentsch

Dieser Designkatalog ist nicht nur für Planer, sondern auch für die Betreiber gedacht, damit der ÖPNV attraktiver gestaltet wird. Er verdeutlicht, worauf geachtet werden muss, um nicht nur wartungsarm und kosteneffizient zu planen, sondern auch um das Wohlbefinden des Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.

Abb.: Im Rahmen der Masterthesis entstand dieser Designkatalog für Planer und Betreiber. Meggy Rentsch

Weitere Informationen:

Quelle/Text und Grafiken: Meggy Rentsch, M.A. Lighting Design (2018, HAWK Hildesheim): Masterarbeit »Next Station: Urban Underground Lighting – Erstellung eines Designkatalogs für das Lighting Design von U-Bahn-Stationen sowie ein exemplarisches Anwenden dessen für ein Konzept einer Station«. Seit 2018 bei Peter Andres – Unabhängige Lichtplanung und -beratung GbR.

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 8 | 2019

Erschienen am 25. Oktober 2019