Design
Licht 7 | 2020

Neuauflage eines Klassikers

Bauhaus-Schreibtischleuchte »967« erhält stilvolles Update

Ein gutes und zeitloses Design begeistert Generationen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Design-Klassiker immer wieder in die heutige Zeit übersetzt werden. So auch die Bauhaus-Leuchte »967«: Für das Domhotel in Limburg übernahm die Lichtdesignerin Sarah Textor die Re-Edition der Schreibtischleuchte.

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Abb.: Sarah Textor und André Kramm mit dem Re-Design der Bauhausleuchte »967«. Kandem/Sarah Textor

Das Design der Schreibtischleuchte »967« basiert auf einem Bauhaus-Entwurf von Marianne Brandt und Hin Bredendieck aus dem Jahr 1928. Im selben Jahr ging das Unternehmen Körting & Mathiesen mit Bauhaus eine Kooperation ein mit dem Ziel, etwas Neues und Einzigartiges zu schaffen. In den 1930er-Jahren stellte Körting & Mathiesen die Schreibtischleuchten unter dem Markennamen »Kandem« her, im Rahmen der Zusammenarbeit entstanden aber auch weitere erfolgreiche Leuchtenserien von Tisch-, Steh- und Wandleuchten.

Abb.: Untersuchung des Architekturbüros André und Erich Kramm – das Grundschema der Konstruktion basiert auf klaren und einfachen Geometrien. André und Erich Kramm, Limburg
Abb.: Die Wand- und die Schreibtischleuchte sind bereit, begutachtet zu werden. Im Hintergrund sind die Pendelleuchten im noch unlackierten Zustand zu sehen. Kandem/Sarah Textor
Abb.: Sichtung der Muster mit Benedikt Faustmann, Oliver Claßen, Sarah Textor, Anna Wallner und André Kramm (v.l.n.r.) in der Werkstatt. Kandem/Sarah Textor
Abb.: Die Reflektorbearbeitung erfolgte mittels 3-Achs-CNC-Fräse. Im Bild zu sehen ist eine Öffnung im Schirm für Bedienkappen oder Kabeleinführungen. Kandem/Sarah Textor

Fast 90 Jahre später legten die Hamburger Lichtdesignerin Sarah Textor und der Limburger Architekt André Kramm in Zusammenarbeit mit dem Originalhersteller Kandem die Schreibtischleuchte »967« als Re-Edition neu auf. Textor und Kramm arbeiteten bereits für die Modernisierung der Pallottiner Kirche in Limburg zusammen. Für ihr Lichtkonzept in der Kirche wurde Sarah Textor 2019 mit dem Deutschen Lichtdesign-Preis in der Kategorie Nachwuchs ausgezeichnet. Im Zuge des Bauprojektes Domhotel Limburg an der Lahn wollte man nun die Kandem-Bauhausleuchte wieder neu auflegen. Kandem ist das älteste Leuchtenunternehmen Deutschlands und war bereits 1891 bei der Weltausstellung in Chicago vertreten. Die heutige Inhaberin Anna Wallner und der Geschäftsführer Benedikt Faustmann waren sofort angetan von der Idee, einen der Klassiker aus ihrer Unternehmensgeschichte wieder aufleben zu lassen.

Re-Design bis ins kleinste Detail

An Inspiration für das Projekt mangelte es nicht. Das Bauhaus-Jahr 2019 und ein Besuch des Bauhausmuseum in Dessau lieferten zahlreiche Impulse für die Neuauflage. In mehreren gemeinsamen Terminen beschäftigten sich die Beteiligten ausgiebig mit dem Thema Bauhaus, die Leuchte wurde eingehend studiert und aufgemessen. Die Bauhausleuchte »967« ist Teil einer Entwicklung und stellt bereits die vierte Generation der Arbeitsleuchte dar. Alle Entwicklungsstufen sind das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Kandem, Körting & Mathiesen und dem Bauhaus.

Die Leuchtenherstellung konnten Sarah Textor und André Kramm stets direkt vor Ort begutachten und bei Bedarf direkt in die Produktion eingreifen. Die Leuchten und ihre Komponenten werden zum größten Teil in eigener Produktion hergestellt. Einige Teile wie beispielsweise der Leuchtenfuß werden in gezielter Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen gefertigt. Für die Produktion des Fußes wählte man beispielsweise ein Sandgussverfahren eines regionalen Herstellers. Das Team erstellte für die Gussform zusätzlich zum 2D-Aufmaß eine 3D-Aufmessung, so dass der Leuchtenfuß exakt die Proportionen der Originalleuchte hat. Die Endmontage der Tischleuchte erfolgt in detailgetreuer und liebevoller Handarbeit in der Kandem-Werkstatt.

Selbstbewusst und auf dem neuesten Stand

Nach über einem Jahr Entwicklungszeit entstand ein selbstbewusstes Re-Design der Bauhausleuchte. Sie wurde für den gewünschten Einsatz als Arbeitsplatzleuchte in den Zimmern des Domhotels passend skaliert. Auf diese Weise konnte die Leuchte für die moderne Arbeit am Laptop optimiert werden. Der gewünschte Lichtkegel lässt sich durch den schwenkbaren und kippbaren Leuchtenkopf einstellen, der biegsame Leuchtenarm lässt unterschiedliche Höhen zu. So ist die Leuchte für unterschiedliche Arbeiten universell einsetzbar: Ob am Laptop, beim Skizzieren, Schreiben oder Lesen am Arbeitsplatz – sie erzeugt stets ein angenehm blendfreies Licht auf dem Tisch. Als besonderes Highlight bietet die Leuchte dem Gast im Hotel nun außerdem die Möglichkeit, das Smartphone direkt an ihrem Fuß und ohne ein zusätzliches Kabel aufzuladen.

Das Design der Leuchte basiert auf klaren und einfachen Geometrien. Die Proportionen der Schreibtischleuchte wurden während des Re-Designs beibehalten. Auch die Farbgebung der Leuchte ist orientiert an dem Farbkonzept des Bauprojektes. Ihre Farbtöne sind klassisch Schwarz gehalten, auf der Innenseite ist der Lampenschirm Messing matt lackiert. Das An- und Ausschalten der Leuchte funktioniert weiterhin mit einem Drehschalter, so bleibt das »Klack«-Geräusch erhalten, das Nutzer beim Anschalten von Bauhaus-Leuchten gewohnt sind. Die Leuchte mit einer E27-Fassung lässt sich mit einem LED-Leuchtmittel individuell bestücken.

Abb.: Kamden auf der Weltausstellung in Chicago. Kandem/Sarah Textor

Von der Schreibtischleuchte zur Retro-Serie

Im Zuge des Entwicklungsprozesses der Neuauflage der Schreibtischleuchte und des Lichtplanungsentwurfs für das Bauprojekt, wurden die gewonnenen Erkenntnisse zusätzlich auf weitere Leuchten umgesetzt. Diese korrespondieren mit der neu entwickelten Schreibtischleuchte in ihren Proportionen und bilden auf diese Weise eine Leuchtenfamilie. Die Leuchtenserie umfasst nun eine Wandleuchte und zwei verschieden große Pendelleuchten, die aktuell noch in Arbeit sind.

Die Serie wird ab September im Domhotel Limburg an der Lahn zu sehen sein und ist aufgrund großer Nachfrage bald auch wieder bei Kandem unter dem Namen »Kandem-Retro« erhältlich. »Ich bin voller Begeisterung und Respekt an das Projekt herangegangen«, erinnert sich Sarah Textor. »Nach viel Einsatz aller Beteiligten steht nun endlich nicht nur die Re-Design-Bauhausleuchte ›967‹, sondern auch eine in sich stimmige Leuchtenserie und ich freue mich sehr über das Ergebnis.«

Abb.: Finale Ausführung der neu aufgelegten Schreibtischleuchte Kandem/Sarah Textor

Weitere Informationen:

Kandem Leuchten GmbH, Diez, www.kandem.de

Textquelle: Sarah Textor, Sarah Textor Lichtdesign, www.sarahtextor.de

Fotos: Kandem/Sarah Textor

Zeichnung: Architekturbüro André und Erich Kramm, Limburg

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 7 | 2020

Erschienen am 25. September 2020