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Licht 6 | 2020

Natürlich genesen mit Licht

Im Interview: Dieter Lang, F&E-Experte HCL bei Ledvance

Wie schnell Patienten wieder gesund werden, hängt auch von ihrer Umgebung ab. Je natürlicher beispielsweise die Lichtverhältnisse sind, desto erholsamer ist der Schlaf. Ein HCL-Experte erklärt, worauf es bei der Beleuchtung ankommt.

Lesezeit: ca. 4 Minuten
Abb.: Dieter Lang ist F&E-Experte bei Ledvance und beschäftigt sich mit Human Centric Lighting. Ledvance

Herr Lang, welche Vorteile bietet Licht für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Patienten?

Dieter Lang: Viele Patienten leiden unter einem Verlust der zirkadianen Synchronisation. Das bedeutet, sie verlieren das Zeitgefühl und den Sinn für Tag und Nacht. Vor allem auf Intensivstationen, die oft ohne nennenswerte Mengen an Tageslicht auskommen, ist dies der Fall. Human Centric Lighting kann Patienten dabei unterstützen, ihren Tag-Nacht-Rhythmus beizubehalten.

Abb.: Der zirkadiane Rhythmus beeinflusst den Menschen Tag und Nacht und ist ein wichtiger Faktor bei der Genesung. Ledvance

Inwiefern?

Dieter Lang: Ein stabiler zirkadianer Rhythmus unterstützt guten Schlaf und Erholung. Helles Licht am Tag unterstützt guten Schlaf in der Nacht. Und guter Schlaf ist abgesehen von guter Pflege der wichtigste Beitrag zur Genesung. Die stärksten Auswirkungen sind in Fällen sichtbar, in denen die Gesundheit nicht in bester Verfassung ist. Ein gesunder Mensch kann eine Zeit lang mit schlechtem Licht zurechtkommen. Aber eine Person, die krank ist oder sich gerade in der Genesung befindet, profitiert davon noch viel mehr.

Diese Anforderungen muss gutes Licht im Gesundheitswesen erfüllen:

  • Orientierung am natürlichen Tageslichtverlauf
  • Heller und höherer bläulicher Anteil im Spektrum, ähnlich dem Tageslicht
  • Dynamisches Licht mit reduzierter Helligkeit und reduziertem Blauanteil am Abend
  • Komfortable Beleuchtung für Patienten und Krankenhauspersonal
  • Keine Blendung, selbst bei hellem Licht
  • Größere Flächen für die Beleuchtung, helle Decken oder helle, indirekt beleuchtete Bereiche an der Wand

Gesetzliche Vorgaben, die hierbei eingehalten werden müssen, sind in der DIN 5035-3 – Beleuchtung im Gesundheitswesen geregelt. Diese sind zusätzlich zu den in DIN EN 12464-1 genannten Anforderungen zu erfüllen.

Wirkt sich gutes Licht auch auf Ärzte und das Krankenhauspersonal aus?

Dieter Lang: Für das Krankenhauspersonal ist die Beleuchtung für die Patienten gleichzeitig die Arbeitsplatzbeleuchtung. Sie profitieren von den gleichen positiven Effekten wie Patienten, also Aktivierung und Synchronisierung während des Tages. Zusätzlich ist es notwendig, dass das Beleuchtungskonzept nicht nur die Patientenzimmer berücksichtigt, sondern auch die Räume, in denen das Krankenhauspersonal andere Arbeiten als die direkte Pflegetätigkeit mit den Patienten ausführt. Besonders Räume, die oft ohne natürliches Tageslicht sind, wie Röntgen- oder MRT-Räume, dürfen nicht vergessen werden. Ein kritisches Thema ist das richtige Licht bei Nacht für das Krankenhauspersonal. Einerseits sollten sie im Notfall aktiv und wachsam sein, andererseits sollten sie in ihrem Tag-Nacht-Rhythmus nicht durch zu helles und kalt-weißes Licht desynchronisiert werden.

Wie lässt sich dieser Herausforderung begegnen?

Dieter Lang: Es gibt noch immer keine eindeutigen Lösungen für die Nachtschichtarbeit. Die allgemeine Empfehlung lautet jedoch, nachts kalt-weißes Licht zu vermeiden. Das gilt auch für Nachtschichtarbeit in Krankenhäusern.

Wie gelingt es Planern, Licht im Gesundheitswesen richtig einzusetzen?

Dieter Lang: Mit der Integration von HCL in das Beleuchtungskonzept für Raumbeleuchtung. Es müssen jedoch einige zusätzliche Funktionen für Notbeleuchtung, Interventionsbeleuchtung und ähnliche gesundheitsspezifische Anforderungen ergänzt werden. Für die Beleuchtung des Hauptraums sowohl in Patientenzimmern als auch in Arbeitsbereichen ist HCL jedoch das beste Konzept.

Abb.: In den Tirol Kliniken hat Ledvance ein Beleuchtungsprojekt umgesetzt. Die energieeffizienten LED-Leuchten sorgen nicht nur für eine höhere Lichtqualität im Krankenhaus, sondern sparen auch Energie. Ledvance

Welche speziellen Lichtprodukte stehen Planern für das Gesundheitswesen zur Verfügung?

Dieter Lang: Für Patientenzimmer gibt es spezielle Leuchten. Einige sind in die Versorgungsanlagen für Gase und Elektrizität integriert. Manchmal werden »Standard«-Leuchten für die Standardraumbeleuchtung verwendet. Oft ist an der Decke nicht viel Platz vorhanden – besonders auf Intensivstationen. In letzter Zeit gibt es immer häufiger die Anforderungen, dass Leuchten sich leicht reinigen oder desinfizieren lassen müssen. Dies erfordert ein hohes IP-Schutzniveau.

HCL-Zertifizierung für Ledvance

Für sein neues Biolux-Human-Centric-Lighting (HCL)-System hat Ledvance als erstes Unternehmen vom unabhängigen VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut ein HCL-Qualitätszertifikat mit drei von drei Sternen erhalten. Das System unterstützt positiv den menschlichen Tag-Nacht-Rhythmus, steigert tagsüber das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit und verbessert zugleich die nächtliche Schlafqualität.

Das VDE-Institut hat einen standardisierten HCL-Kriterienkatalog entwickelt, um auch HCL-Systeme hinsichtlich Qualität, Sicherheit, Performance und Gebrauchstauglichkeit zu bewerten. Die Einhaltung dieser strengen Kriterien wird mit einem dreistufigen Zertifikat bestätigt. Das Biolux-HCL-System erzielte bei den Tests herausragende Ergebnisse. In die Bewertung flossen unterschiedliche Kriterien ein hinsichtlich Lichtqualität, korrekter Simulation des Tageslichtverlaufs, Energie- und Kosteneffizienz, Sicherheit, einfacher Installation und Inbetriebnahme, Gebrauchstauglichkeit, und der Einhaltung nationaler, EU-weiter und globaler Normen und Standards.

Das HCL-System von Ledvance besteht aus drahtlos miteinander vernetzten Komponenten. Die intelligente Steuerungseinheit sorgt dafür, dass die zugehörigen LED-Leuchten in Lichtfarbe und -intensität den natürlichen Tageslichtverlauf simulieren. Einzigartig an dem System ist die Möglichkeit, Licht manuell über fünf voreingestellte Lichtprofile an die unterschiedlichen Situationen anzupassen. Während das Natural-Profil den natürlichen Tageslichtverlauf simuliert, unterstützten das Boost- und Focus-Profil verstärkt die Konzentration und Produktivität. Relax sorgt für entspannendes Licht in Pausen und mit Create werden Brainstorming-Sitzungen gefördert. Der eingebaute Sicherheitsmechanismus ist dabei besonders positiv in die Bewertung des VDE-Instituts eingeflossen: Die fünf unterschiedlichen Lichtprofile orientieren sich nämlich stets an der Kurve des natürlichen Tageslichtverlaufs und gewährleisten damit, dass die Effekte auf den Biorhythmus zu jeder Zeit positiv sind. Damit eignet sich das Biolux-HCL-System für den Einsatz in Büros, Besprechungsräumen, Krankenhäusern, Arztpraxen sowie Alten- und Pflegeheimen.

Weitere Informationen:

Healthcare-Beleuchtung in den Tirol Kliniken: li.rpv.media/18j

Text und Fotos: Ledvance, www.ledvance.de

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 6 | 2020

Erschienen am 25. August 2020