Planung
Licht 9 | 2021

Moderne Lichttechnik für einen historischen Ort

Der Königspark in Stockholm

Der Kungsträdgården ist einer der ältesten Parkanlagen in Schwedens Hauptstadt. 1650 als Schlossgarten für die königliche Familie angelegt, ist er seit dem 18. Jahrhundert auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Zuge einer umfassenden Beleuchtungsmodernisierung entwickelte Light Bureau Lichtmasten, die mit modernster Lichttechnik ausgerüstet sind und sich dem Tageslichtverlauf automatisch anpassen. Das Ergebnis ist ein besonders energieeffizientes Beleuchtungskonzept, das sich harmonisch in das historische Stadtbild einfügt.

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Abb.: Die formreduzierten Mastleuchten bestehen aus je drei Zylindern, die die Parkanlage nach Einbruch der Dunkelheit in ein warmes Licht tauchen. Jede Leuchte besteht aus zwei konzentrischen Zylindern in Kupferausführung und ist an eine zweistufige Dimmersteuerung angeschlossen. Kai Piippo

Die zentrale Lage in unmittelbarer Nähe zur Altstadt, dem Königspalast und der Oper macht den Kungsan, wie er umgangssprachlich von den Stockholmern genannt wird, zu einem der beliebtesten Treffpunkte der Stadt. Heute finden hier ganzjährig verschiedene Veranstaltungen wie Stadtfeste, Festivals und auch Ausstellungen statt, und die umliegenden schicken Cafés und Restaurants laden zur Einkehr ein. Im Zuge einer umfassenden Beleuchtungsmodernisierung für den Park war eine energieeffiziente Lichttechnik gewünscht, die neben ihren funktionalen Anforderungen ein ästhetisches Nachtbild generiert, das der historischen Umgebung angemessen ist.

Neue Leuchten für den Kungsträdgården

Die ehemalige Beleuchtung des Parks bestand aus Masten mit 360° seitlich rundstrahlenden Halogen-Metalldampflampen, die die berühmten Kirschbaumalleen säumten. Die Beleuchtungsqualität war schlecht und ging einher mit störender Blendung und Lichtverschmutzung. 2010 initiierte die Stadt Stockholm die Modernisierung der Parkbeleuchtung. Gewünscht war ein nachhaltiges und energieeffizientes Lichtkonzept mit hoher Beleuchtungsqualität und einem zeitgemäßen Design, das sich harmonisch in den prestigeträchtigen Standort einfügt.

In enger Zusammenarbeit mit der Stadt, den Baudenkmalexperten sowie dem Leuchtenhersteller Ateljé Lyktan entwickelte Light Bureau mehrere Prototypen, die über einen Evaluierungsprozess von sieben Jahren im Labor als auch vor Ort anhand von Mock Ups auf ihre technische Leistungsfähigkeit wie auch auf ihre ästhetische Eignung getestet wurden. Als Ergebnis entstand eine schlanke, formreduzierte Mastleuchte mit je drei zylindrischen Leuchten, die bei Dunkelheit mit ihrer Lichtausbeute und Beleuchtungsqualität ein ästhetisches Nachtbild generieren und mit ihrem Design eine zeitgemäße Interpretation der historischen Parkleuchten darstellen.

Kai Piippo
Abb.: Der innere Zylinder ist mit einem Uplight-Modul und warmer Lichtfarbe ausgerüstet und wird in der Blauen Stunde als erstes eingeschaltet. In den folgenden 30 Minuten wird dann die primäre Lichtquelle langsam hochgedimmt, bis sie die erforderliche Beleuchtungsstärke erreicht. Kai Piippo

Dynamisches Licht in historischem Ambiente

Jede Leuchte besteht aus zwei konzentrischen Zylindern in Kupferausführung und ist an eine zweistufige Dimmersteuerung angeschlossen. Der innere Zylinder ist mit einem Uplight-Modul mit warmer Lichtquelle ausgerüstet und wird am frühen Abend in der sogenannten Blauen Stunde als erstes eingeschaltet, wenn das Tageslicht langsam schwindet. Sodann wird in den folgenden 30 Minuten die primäre Lichtquelle langsam hochgedimmt, bis sie die erforderliche Beleuchtungsstärke erreicht. So werden die Wege angenehm hell ausgeleuchtet, die Baumkronen nur sanft akzentuiert, und es entsteht ein warmes Beleuchtungsambiente. Die zweistufige Programmierung vermischt das Kunstlicht mit dem abnehmenden Tageslicht und sorgt für einen sanft dynamischen Übergang von dunkel nach hell.

Der Austausch der alten Halogen-Metalldampflampen gegen energieeffiziente LED-Lichttechnik führte bereits nach kurzer Inbetriebnahme zu einer signifikanten Senkung des Energieverbrauchs. Zudem konnte durch die verbesserte Beleuchtungsqualität die Gesamtzahl der eingesetzten Lichtmasten reduziert werden.

2010 wurde das Projekt von der Stadt Stockholm ins Leben gerufen und die finale Installation im August 2020 abgeschlossen. Der Evaluierungsprozess erstreckte sich über 10 Jahre hinweg, in denen zahlreiche Prototypen hergestellt und vor Ort getestet wurden. Das Ergebnis ist eine zeitlose Interpretation der historischen Beleuchtung, die sich harmonisch in die geschichtsträchtige Umgebung des Kungsträdgården einfügt. Das Gesamtkonzept von Light Bureau überzeugt nicht nur durch das Energieeinsparpotential sondern vor allem auch durch die ästhetische Qualität und wurde 2021 bei den International Lighting Design Awards IALD mit dem Award of Excellence ausgezeichnet.

Abb.: Die neuen Leuchten wurden in Zusammenarbeit mit den Baudenkmalexperten der Stadt eigens für den historischen Königsgarten entwickelt und stellen eine zeitgemäße Interpretation der historischen Parkleuchten dar. Kai Piippo

Weitere Informationen:

Projektfertigstellung: August 2020

Auftraggeber: Stadt Stockholm Lichtplanung: Light Bureau, www.lightbureau.com

Hersteller: Ateljé Lyktan, www.ateljelyktan.se

Fotos: Kai Piippo, Head of Design, Light Bureau

Autorin: Katrin Labus, Niederlande

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 9 | 2021

Erschienen am 25. November 2021