Planung
Licht 2 I 2020

Modern Industrial Style

Komplexe Nutzungsänderung auf der Zeche Ewald

Nicht nur bei den Umbaumaßnahmen auf der Zeche Ewald ist es spür- und sichtbar: Der Industriestyle ist hipp – und so eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten, das vorhandene Flair auch lichttechnisch wirkungsvoll zu nutzen.

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Abb.: Die Verglasung verbindet die Ausstellungsfläche mit dem Restaurantbereich. Eine großzügige Installation bestehend aus der Pendelleuchte »Cork« von Wever & Ducré ist ein visuelles Highlight und sorgt in den Abendstunden für ein angenehmes Licht. Alexander Schwarz, www.schwarzlichtfotografie.de

Bereits im Jahre 1999 wurden die Schächte der Zeche Ewald in Oer-Erkenschwick (Kreis Recklinghausen) verfüllt und das Gelände steht seit 2009 als eine Art Naherholungsgebiet der Bevölkerung zur Verfügung. Der besondere Charme der darauf befindlichen Industriebauten steht außer Frage und so wundert es nicht weiter, dass diese erhalten, saniert und umgebaut werden. Eine spannende Nutzungsänderung erfolgte in einem der Gebäude durch die Eröffnung eines Architektenparks mit angeschlossenem Cateringbetrieb. In den großzügig gestalteten Räumen finden Bauherren und Planer eine exklusive Auswahl unterschiedlicher Produkte von luxuriösen Badezimmern bis hin zu großformatigen Fliesen. Neben dem Big Baba Burger-Restaurant mit angeschlossenem Loungebereich stehen zwei funktionale und ansprechend gestaltete Besprechungsräume zur Verfügung. Um das vorhandene Flair auch hinsichtlich der Beleuchtungslösung angemessen aufzugreifen, wurde diese in der Zeche Ewald mit den Leuchtenherstellern Wever & Ducré, XAL und Georg Bechter wirkungsvoll umgesetzt.

Abb.: Die LED-Lichtmodule »Verve« von Georg Bechter werden an die Unterkonstruktion der Gipskartonwand angeschraubt und unter Beilage eines Gewebebandes flächenbündig verspachtelt. Alexander Schwarz, www.schwarzlichtfotografie.de

Inspiration auf den Ausstellungsflächen

Nach dem Durchschreiten des Haupteingangs befindet man sich in einem kleinen Foyer, welches durch einen LED-Ring ausgeleuchtet wird. Diese Lichtquelle wirkt durch die homogene und durchgängige Lichtverteilung im Ring und die positiv wahrgenommene fehlende Randbegrenzung fast schwebend und taucht den Vorraum in ein angenehmes Licht. Die massive und noch aus Betriebszeiten stammende Schiebetür aus Stahl steigert die Erwartungshaltung der Besucher auf das Kommende. Hinter diesem eindrucksvollen Zugang eröffnet sich die eigentliche Ausstellungsfläche, die Bauherren, Architekten und Planern aber auch Privatpersonen Anregungen für zukünftige und aktuelle Projekte geben soll. In den großzügig und geschmackvoll gestalteten Flächen werden mit unterschiedlichen Schwerpunkten hochwertige Waren aus den Bereichen Leuchten, Akustik, Möbel, Fliesen und Bäder präsentiert. Die Beleuchtung nimmt sich bis auf wenige Eyecatcher eher zurück und ist funktional ausgerichtet. In erster Linie entspricht diese durch den Einsatz einer Profilschiene und daran befindlichen Systemstrahlern einer klassischen Shopbeleuchtung. Die außergewöhnlich hohe Decke ist größtenteils dunkel gehalten, wodurch die schwarze Stromschiene mit dieser zu verschmelzen scheint und den Raum visuell nicht störend durchschneidet. Unterschiedliche Ausrichtungen und Abstrahlwinkel sorgen dafür, dass die Produkte und Kojen bedarfsgerecht ausgeleuchtet werden.

Abb.: Im Besprechungsraum kommt Leuchte »Unico Q9« von XAL zum Einsatz. Das quadratische Einbau-Multi-Downlight ist bestückt mit neun individuell wählbaren oder fix definierten, anwendungsspezifischen Optiken. Alexander Schwarz, www.schwarzlichtfotografie.de
Abb.: Die Leuchtenserie »Muse Double Light« von XAL verfügt über einen Leuchtenkörper aus selbsttragendem Polyester-Vlies mit schallabsorbierenden Eigenschaften. Die aluminiumbedampften Reflektoren mit Facettenoptik ermöglichen den Einsatz als bildschirmtaugliche Arbeitsplatzleuchte. Alexander Schwarz, www.schwarzlichtfotografie.de

Kreativität in den Konferenzräumen

Eine große in neutralem Grau gehaltene Wand lässt erahnen, dass sich hinter den beiden integrierten Türen etwas Besonderes befindet. Der Zugang der hier erstellten Konferenzräume ist mit eingebetteten LED-Wandleuchten ausgestattet, die aufgrund der Verschmelzung mit der massiv wirkenden Wand diesem Bereich eine ganz besondere Note verleihen. Verstärkt wird dieser Eindruck durch den dekorativen Einsatz zweier farbenfroher Kunstwerke im spielerischen Kontrast mit einem davor befindlichen Tisch im vorherrschenden Industriestyle. Hinter den beiden Türen befinden sich die unterschiedlich eingerichteten Konferenzräume, die jeweils Platz für mindestens 16 Personen bieten. Auch hier kommen Materialien und Einrichtungsgegenstände zum Einsatz, die als Bestandteil der Ausstellungsfläche zu sehen sind. Akustikelemente und digitale Ton- und Bildtechnik erfüllen die Ansprüche moderner Kommunikationsflächen und runden das Angebot der Medientechnik ab. Von der Farb- und Materialwelt her sind die Räume unterschiedlich gestaltet: Während in dem einen eher kühle und nüchterne Elemente zu finden sind, ist der zweite in warmen Naturtönen gehalten. Diese Unterschiede finden sich auch in der Beleuchtung wieder. Quadratische Einbaustrahler mit sechs Lichtquellen und entsprechenden Hochleistungsreflektoren für effizientes und zugleich blendfreies Licht stehen im Kontrast zu voluminösen und abgependelten Akustikelementen mit integrierter Lichtlösung. Aufgrund der verwendeten Reflektoren mit Facettenoptik ist ein Einsatz auch als Bildschirmarbeitsplatzleuchte gewährleistet. Die jeweiligen Leuchten sind per DALI einzeln dimm- und schaltbar und lassen sich so auf die individuellen Nutzungen und Bedürfnisse anpassen.

Abb.: Die Leuchtenserie »Roomor« von Wever & Ducré dominiert den Raum des Burger-Restaurants in der Zeche Ewald, fügt sich nahtlos in das Ambiente ein und beleuchtet die Tische und Wandflächen mit warmweißem LED-Licht. Alexander Schwarz, www.schwarzlichtfotografie.de

Design im Catering

Im Restaurant stellen sich die Lichtquellen wesentlich dominanter dar, als dies in den anderen Bereichen der Fall ist. Die verwendeten Produkte erfüllen nicht nur technisch die notwendigen Anforderungen, sondern fügen sich eben auch, und das war den Bauherren besonders wichtig, hinsichtlich der Formensprache in das Industrieambiente ein. Die Leuchten wirken als integrierter Bestandteil des Gesamtkonzepts und sorgen durch die dezenten, aber wirkungsvollen Lichtcharakteristika für einen harmonischen Augenschmaus. So befinden sich über den von der Decke abhängten Esstischen blendfreie Pendelleuchten einer Produktserie, die ebenfalls als Wandleuchte an den unverputzten Backsteinwänden, aber auch als großvolumige Pendelleuchte über dem Tresen, eingesetzt wurde. Durch die mit schwarzem Pulverlack versehene Oberfläche und das offensichtliche Industriedesign bekommt der Besucher beinahe den Eindruck, als wären die Leuchten aus der Zeit, als die Hallen noch im ursprünglichen Betrieb waren. Eine Lichtinstallation bestehend aus einer Vielzahl und in unterschiedlichen Höhen abgependelter und illuminierter Glasflaschen lockert die Raumsituation weiter auf und sorgt für einen Eyecatcher. Die metallisch reflektierende Oberfläche der runden Wandleuchten ist ein weiteres Highlight des geschmack- und wirkungsvoll ausgewählten Beleuchtungskonzepts und reiht sich nahtlos in die bestehende Innenarchitektur ein.

Weitere Informationen:

Bauherr: Magazin Ewald, Oer Erkenschwick, www.magazin-ewald.de

Leuchtenhersteller: Bechter Licht GmbH, Langenegg (A), www.georgbechterlicht.at; Wever & Ducré, Kortrijk (BE), www.weverducre.com; XAL GmbH, Graz (A), www.xal.com

Autor/Fotos: Alexander Schwarz, Niederwalgern, www.schwarzlichtfotografie.de

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 2 I 2020

Erschienen am 28. Februar 2020