Planung
Licht 1 | 2022

Mit Innovation und starken Marken

Auf dem besten Weg zum Licht-Komplettanbieter

Ein Managementwechsel nach über 30 Jahren als inhabergeführtes Unternehmen lenkt die Aufmerksamkeit auf die MBN GmbH aus Friedberg bei Augsburg mit ihrer seit dem Jahr 2005 etablierten Marke PROLED. Bekannt und erfolgreich wurde die Marke mit Lösungen für lineares Licht – jetzt will sie der neue Geschäftsführer Peter Gawlik gemeinsam mit seinem Kollegen Patrick Slechten unter dem Dach der PROLED Group zum Komplettanbieter für Beleuchtung formieren.

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Abb.: Warmweißes Licht mit 3.000 K und eine Farbwiedergabe von Ra>90 lässt die Trainingsgäste gut aussehen. Die Beleuchtungsstärke ist mit 200 bis 400 Lux etwas zurückgenommen. Dagegen werden die mit rustikalen Altholzbrettern verkleideten Rückwände kräftig akzentuiert. Frieder Blickle

Wo zum aktuellen Zeitpunkt der Schwerpunkt von PROLED liegt, lässt sich anhand von Referenzprojekten des Unternehmens aus der letzten Zeit sehr anschaulich nachvollziehen: Zum Beispiel der Prime Time Fitnessclub, der im Mai 2021 das komplett neu gestaltete Sockelgeschoss eines Geschäftshauses von Bothe Richter Teherani in Hamburg-Winterhude bezog. Die Planer setzten dort auf ein innovatives Beleuchtungskonzept, das durchgängig mit linearen LED-Elementen arbeitet. Diese Lichtlinien übernehmen einerseits die funktionale Allgemeinbeleuchtung der Trainingsflächen wie auch der Nebenräume, andererseits entwickeln sie eine starke grafische Wirkung im Deckenbild. Im Zusammenspiel mit den Rohren und Installationen der Lüftungstechnik entsteht eine futuristische, technoide Ästhetik, die dem Fitnessclub eine besondere Atmosphäre verleiht. Die gesamte Beleuchtung ist via DMX mit Haustechnik und Mediensteuerung vernetzt.

Lineares LED-Licht prägt auch das Interieurkonzept von Schienbein+Pier Innenarchitekten für die neuen Büros des Softwareunternehmens Fairmas GmbH auf dem Berliner EUREF-Campus. Hier wird die lineare Beleuchtung aus dem PROLED-System sogar zum konstruktiven, raumbildenden Element – beispielsweise als Blickfang in Form der fünf Konturleuchten, die im Lounge-Bereich die archetypische Form einer Schreibtischleuchte vergrößert nachzeichnen. Noch weiterreichende Funktionen als »Raum im Raum« übernehmen die Lichtstrukturen im Großraumbüro der IT-Abteilung, wo je sechs Schreibtische zu einer Insel gruppiert sind. Hier vereinten die Innenarchitekten mit einer kubischen Rahmenkonstruktion Licht und Akustik zur ästhetischen und funktionellen Einheit. Dazu setzten sie mikroperforierte, transluzente Wabenplatten aus Kunststoff als Akustikelemente in die Aluminiumprofile ein.

Abb.: Im Mai 2021 bezog der Prime Time Fitnessclub das neu gestaltete Sockelgeschoss eines Geschäftshauses von Bothe Richter Teherani in Hamburg. Die Planer setzten dort auf ein innovatives Beleuchtungskonzept, das durchgängig mit linearen LED-Elementen arbeitet. Frieder Blickle
Abb.: Die Lichtlinien wurden direkt auf die Stahlbetondecken montiert. Das Profil bietet genug Bauraum, um neben den LED-Strips auch Betriebsgeräte sowie die gesamte Verdrahtung unterzubringen. Die Abdeckung aus weißem Opal-Kunststoff sorgt für eine gleichmäßige, weiche Lichtverteilung. Frieder Blickle
Abb.: Lichtlinien übernehmen im neuen Fitnessclub die funktionale Allgemeinbeleuchtung und entwickeln eine starke grafische Wirkung im Deckenbild. Im Zusammenspiel mit den Installationen der Lüftungstechnik entsteht eine technoide Ästhetik. Frieder Blickle

»Echte LED-Natives«

In beiden Projekten loben die Planer PROLED als besonders serviceorientierten Partner: »Die Zusammenarbeit war von einer großen Offenheit für unsere Ideen geprägt«, resümiert zum Beispiel die Innenarchitektin Claudia Schienbein. Denn auch wenn Architekten LED-Lichtlinien als expressives Gestaltungsmittel lieben – bei der Planung und Umsetzung sind sie auf intensive Unterstützung durch den Hersteller angewiesen. Bei größeren Vorhaben wird lineare Beleuchtung projektspezifisch aus einzelnen Systemkomponenten wie Auf- oder Einputzprofilen, Einschüben, LED-Strips, optischen Abdeckungen sowie der Betriebselektronik konfiguriert und anschließend im Werk konfektioniert. Damit auf der Baustelle hinterher alles passt, ist viel Erfahrung und tiefe Systemkenntnis erforderlich, über die der Hersteller selbstverständlich verfügt.

So wurde neben innovativer LED-Technologie eine ausgeprägte Servicekultur die zweite Säule des bisherigen Erfolgs von PROLED. »Unser Unternehmen, die MBN GmbH«, erklärt Gründer Bernd Menrad, »hatte seine Wurzeln in der Event- und Bühnentechnik. 2005 starteten wir die Lichtmarke PROLED.« Damit gehört der Hersteller zu den Pionieren der LED in der Beleuchtungstechnik. Großer Startvorteil: Im Kontrast zu vielen anderen Akteuren im Markt konnte sich PROLED unbeschwert von konventionellen Erblasten voll auf die vielversprechende Halbleitertechnologie fokussieren, die damals noch in ihren Kinderschuhen steckte – oder wie Menrad es selbst formuliert: »Wir sind echte LED-Natives!« Gerade bei der Realisierung von ansatzlosen, wartungsarmen und energieeffizienten Lichtlinien in der Architektur zeigte sich die LED den konventionellen Leuchtmitteln rasch überlegen.

Abb.: Lineares LED-Licht prägt das Interieurkonzept für die neuen Büros der Fairmas GmbH auf dem Berliner EUREF-Campus. Hier wird die Beleuchtung zum konstruktiven, raumbildenden Element, bspw. in Form der fünf archetypischen »Schreibtischleuchten«. Frieder Blickle
Abb.: Im Großraumbüro der Fairmas GmbH gehen Licht und Akustik eine ästhetische und funktionelle Symbiose ein. Hierfür wurden mikroperforierte, transluzente Wabenplatten aus Kunststoff als Akustikelemente in die Aluminiumprofile eingesetzt. Frieder Blickle für Proled

Strategische Nachfolgeregelung

Sukzessive erweiterte PROLED sein Angebot über die linearen Systeme hinaus und bietet heute unter anderem auch vielfältige Einbauleuchten, Flächenleuchten und sogar Außen- und Unterwasserleuchten an. Um sein Lebenswerk zu sichern, stellte Menrad bereits 2017 die Weichen für die Zukunft und nahm den Private-Equity-Investor Perusa ins Boot. Gemeinsam entstand die Strategie, mit weiteren Übernahmen eine Unternehmensgruppe zu schmieden, die am Markt für Architektur- und Retailbeleuchtung als mittelständischer Komplettanbieter auftreten kann und ebenso hochwertige Leuchten für den privaten Bereich bereithält. Parallel fädelte Menrad mit seiner Prokuristin Isabela Ladwig eine Nachfolgeregelung ein, um sich aus dem operativen Geschäft in die Gesellschafterrolle zurückziehen zu können. Dies vollzog sich schließlich im März 2021 mit der Ernennung von Peter Gawlik zum neuen Geschäftsführer der MBN GmbH – PROLED. Die Geschäftsführung der PROLED Holding teilt sich Gawlik mit Patrick Slechten, dem Chef des belgischen Leuchtenherstellers UNI-BRIGHT, der bereits seit 2018 zur Unternehmensgruppe gehört. Seit 2021 ergänzt außerdem die renommierte Potsdamer Leuchtenmanufaktur mawa das Portfolio der Holding, die beispielsweise mehrere Tausend Einbauleuchten für die Berliner Neue Nationalgalerie denkmalgerecht restaurierte und mit DALI-gesteuerter LED-Technik ertüchtigte (s. dazu Artikel in dieser Ausgabe).

Peter Gawlik, der auf jahrzehntelange Führungserfahrung in der Lichtindustrie zurückblickt und zuletzt das gesamte DACH-Geschäft von FLOS verantwortete, fand als neuer Geschäftsführer ein kerngesundes Unternehmen vor: »PROLED ist ein blitzsauberes, vom schwäbischen Geschäftssinn und Zuverlässigkeitsgedanken getragenes Unternehmen – eine großartige Basis für alle weiteren Entwicklungen«, sagt Gawlik. Schon jetzt verfüge PROLED über das lineare Licht hinaus über eine umfassende Produktpalette für die Architekturbeleuchtung: »Sehr gut sortiert, sehr gut qualitätsgesichert und mit hoher lichttechnischer Kompetenz.« Die große Herausforderung sieht er in der zukünftigen Schärfung der einzelnen Marken PROLED, UNI-BRIGHT und mawa unter dem Dach der PROLED Group. Das Ziel, so Gawlik, sei ein vernetzter Auftritt am Markt als Anbieter für die gesamte Lichttechnik »aus einer Hand«.

Zukünftig will die Unternehmensgruppe neben den etablierten Zielgruppen wie Elektrohandwerk und Fachgroßhandel auch verstärkt Architekten, Licht- und Elektroplaner durch anspruchsvolle Projekte begleiten. »Ich sehe hohes Synergiepotential, vor allem was Technologien und europaweite Kundenansprache angeht«, so Gawliks Einschätzung. »UNI-BRIGHT bringt zum Beispiel eine ausgesprochen starke Position im dreistufigen Vertrieb in Frankreich und den Benelux-Ländern in die Gruppe ein«, erklärt der Manager – eine perfekte Ergänzung zur Präsenz der Marken PROLED und mawa in den deutschsprachigen Ländern, Italien und anderen Exportmärkten. Mit mawa wiederum verfüge die Gruppe über die Entwicklungs- und Fertigungskompetenz auch für projektspezifisch individualisierte Lichtlösungen auf technischem High-End-Niveau.

Abb.: Im März 2021 wurde Peter Gawlik, der auf jahrzehntelange Führungserfahrung in der Lichtindustrie zurückblickt, zum neuen Geschäftsführer der MBN GmbH – PROLED ernannt. Frieder Blickle

Innovationen in der Pipeline

Aber nicht nur bei der Weiterentwicklung des Auftritts im Markt, auch bei den Produkten gibt es keinen Stillstand. »Für das Frühjahr 2022 hat PROLED eine Reihe von interessanten Innovationen am Start«, kündigt Gawlik an. Dazu gehören inkrementelle Entwicklungen wie LED-Strips mit asymmetrischer Wallwasher-Charakteristik ebenso wie ganz neue Produktideen: Zum Beispiel ein System für frei durch den Raum gespannte Lichtlinien, die direkt oder indirekt abstrahlen können – perfekt ergänzt durch den flexiblen, diffus rundum abstrahlenden »Flex Strip Opal 360«, mit dem sich lineares Licht völlig frei gestalten lässt.

Solche Produktentwicklungen weisen bereits die Richtung, in die Gawlik die Unternehmensgruppe weiterentwickeln möchte. »Lineares Licht wandelt sich stark vom ehemaligen Effektlicht zum echten Lichtwerkzeug«, stellt er fest und ergänzt: »Diesen Trend bestimmen wir mit.« Für den Megatrend Digitalisierung sieht er PROLED dank der hohen Kompetenz in Sachen Betriebselektronik und Steuerung ebenso gut aufgestellt wie hinsichtlich der immer drängenderen Frage der Nachhaltigkeit: »Hier setzen wir nicht auf Greenwashing, sondern auf Reparierbarkeit, Recyclierbarkeit, Adaptierbarkeit.« Vor allem aber möchte Gawlik im gesamten Denken des Unternehmens qualitative Aspekte gleichberechtigt neben quantitative stellen: »Licht ist Ästhetik, Emotion und Inspiration«, so resümiert er seine Haltung. Die Lichtbranche darf gespannt sein, wie dieser Anspruch die zukünftige Entwicklung des Unternehmens prägt.

Abb.: Lineares Licht wandelt sich stark vom Effektlicht zum beliebten Lichtwerkzeug für Planer. Solche Produkte weisen bereits die Richtung, in die sich die Unternehmensgruppe weiterentwickeln möchte. Frieder Blickle
Abb.: Für das Frühjahr 2022 hat PROLED eine Reihe interessanter Innovationen am Start, darunter ein System für frei durch den Raum gespannter Lichtlinien, die direkt oder indirekt abstrahlen können. Frieder Blickle

Weitere Informationen:

MBN GmbH PROLED, Friedberg, www.proled.com

Fotos: Frieder Blickle für PROLED

Dieser Artikel ist erschienen in

Licht 1 | 2022

Erschienen am 25. Februar 2022